Unwägbarkeiten

Man ist nicht rausgeflogen – im Gegensatz zu anderen Bundesligisten. Das liest man dieser Tage häufig in Foren, Blogs und Meinungsportalen rundum Eintracht Frankfurt, wenn es um die Bewertung der Leistung gegen den Viertligisten Viktoria Berlin geht. Man kann das so sehen, Pragmatismus ist im Fußball angebracht. Problematisch wird es nur dann, wenn man diesen Pragmatismus immer nur dann anlegt, wenn es einem passt. Man kann nicht in einem Atemzug über Gerumpel (“Funkelfußball”) klagen, etwa defensive oder offensiv-träge Spielweisen verdammen, dann aber ein positives Spielresultat in den Vordergrund stellen, das feiern. Da gilt es, Haltung zu bewahren. Als Fan ist man ja opportunistisch genug was das Denken “Feind meines Feindes ist mein Freund” angeht. Ändert aber nichts am Endergebnis für die Eintracht: man ist in Runde zwei.

Am Samstag geht es dann zum 1. von 34 Bundesligaspielen, den SC Freiburg als direkte Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt hat man vor der Brust. Die haben sich ihrerseits gegen Trier ähnlich mühsam über das Feld und in die nächste Runde geschleppt. Alles in allem wirkte das bei den Breisgauern – im Vergleich zu Frankfurt – zwar strukturierter und etwas mehr zügig in Richtung gegnerisches Tor, aber ängstlich musste einen das nicht stimmen. Umgekehrt wird sich das die Freiburger Beobachterschar auch (zurecht) denken. Es läuft also auf ein 1:1, ein 2:2 oder irgendsowas hinaus. Die Quoten für ein Remis dürften bei den halbseidenen Wettanbietern jedenfalls mau sein.

Unterdessen hat die Eintracht bei verletzten Spielern das gemacht, was sie seit zig Jahren macht: Wochenlang warten dass sich nichts bessert, um dann die Operation zu wählen, was wiederum mehrere Wochen der Einsetzbarkeit kostet. Ja, Stefan Aigner wird ein gehöriges Wörtchen mitzureden haben bei der Frage, ob / wann er seinen Körper aufgeschnitten haben will oder nicht. Aber trotzdem ringt einem Eintracht-Fan diese jährlich-grüßt-das-Murmeltier-Herangehensweise nur noch ein müdes Lächeln ab.

Auf dem Transfermarkt will man ja, so der Subtext, durchaus nochmal zulangen. Qualität holen und so. Das wird sicher dann akut, wenn das Spiel gegen Freiburg in die Binsen gehen sollte. Ich für meinen Teil bin weiterhin äußerst skeptisch was das defensive Mittelfeld und die Außernvereidigerposition(en) angeht. Das, was ehemals Prunkstück hätte sein sollen (<- Konjunktiv, weil es das so richtig nie war) hinterlässt mit dem Duo Hasebe/Lanig nicht den dynamischsten, spielerisch sichersten Eindruck. Johannes Flum wirkte da in der Vergangenheit, nach den langen Wochen der Eingewöhnung, solider, gab einem ein gutes Gefühl. Marco Russ als Aggressor brachte da auch ein gewisses Element rein. So oder so: Es mangelt an Tempo, so breit die Sechser-Position auch (zudem mit A. Ignovski) besetzt sein mag. Gerade Ignovski, der ja ins defensive Mittelfeld will und das ein maßgeblicher Grund seines Wechsels nach Frankfurt war, scheint als Rechtsverteidiger nicht wirklich eine Hilfe zu sein. Stellt sich wie immer die Frage: Wie dünn musst Timothy Chandler sein, dass ein Allrounder dem Spezialisten vorgezogen wird? Dass es auf der linken defensiven Außenbahn hakt, ist nicht neu. One-Halbserien-wonder Bastian Oczipka kabbelt sich mit Constant Djakpa, dem im positiven wie negativen Sinne als Irrwisch zu bezeichnenden, Ivorer. Dort herrscht das Prinzip Hoffnung, darauf, dass der eine oder der andere wenigstens keinen Fehler macht.

Das alles gilt es zu beobachten, ggf. zu ändern – und vor allem zu hoffen, dass sich alles gut ausgeht und die Eintracht Sieg um Sieg, Punkt um Punkt einfährt. Bis zur Marke von 36 Punkten, so früh wie möglich. Dann ist erstmal alles in Ordnung. Wir Eintracht-Fans sind ja, entgegen den Äußerungen von Sportdirektor und Vorstandsvorsitzendem, absolut anspruchslos geworden – uns reicht mausgrau, um das Stadion voll zu bekommen und kleinste Erfolge frenetisch zu feiern. Funktionärs-Herz, was willst du mehr?

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Mühen

Der SC Freiburg hat sich nicht minder, nein, mehr noch gemüht gegen seinen Gegner. Trier war vor allem in der ersten Halbzeit nah dran, sogar besser als der Bundesligist.

Fürchten muss man sich also nicht vor Freiburg. Das ist eine gute Nachricht.

Und, aus aktuellem Anlass, folgendes Statement: pro Alexander Meier, in jedweder Hinsicht.

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Arme Augen

Hauptsache weiter, Hauptsache kein Gespött, Hauptsache eine gegnerische Defensive niedergerungen bzw. diese vom Gegner gleich selbst niederringen lassen.

Wie man es auch dreht und wendet: Ein Stück aus dem Gruselkabinett war das schon, was Eintracht Frankfurt bei Victoria Berlin zeigte. Ein geschenktes Führungstor nach neun Minuten, dann 60 Minuten ohne einen Spielzug (!), geschweigedenn eine Torchance, ja kaum mal etwas, das man Torabschluss nennen konnte, bis dann – mit der Einwechslung von Alexander Meier – für die Schlußphase noch ein Hauch von Fußball ins Team kam. Bezeichnend für die Schwäche der anderen Kicker im rot-schwazren Dress, dass der Fußballgott das 2:0 (90. Minute!) machte, schon vorher der einzige mit drei Torabschlüssen und gefährlichen Szenen war.

Eine Einzelkritik ist dieser träge Kick bei dem zweifachen Kaiserreichts-Meister nicht wert. Die Abwehrreihe war – bis auf jene 10 Minuten, in der Berlin den Ausgleich hätte machen können und müssen – nicht gefordert. Zu sehen war lediglich, dass Aleksandr Ignovski als Rechtsverteidiger wahrlich nur eine Aushilfe sein kann. Nur einzelne Spieler seien noch kurz angesprochen.

a) Nelson Valdez: Üble Partie. In der 38. Minute bemerkte man dank Fernsehbilder, dass er mitspielt. Später dann eine gute, die in der Vor-Meier-Einwechslungszeit einzige Chance, die er vergab.

b) Takashi Inui: Wenn das die Formstärke sein soll, von der die Rede ist, dann Prostmahlzeit. Hatte in den ersten 20, 25 Minuten ein paar gute Szenen, da kamen zwei, drei kurze Pässe in die / auf die Spitze an. Zwei wohlbekannt klägliche Abschlüsse.

c) Haris Seferovic: Das war okay, bei ihm spürt man den Mix aus Willen, Dynamik und vor allem Können. Das Tor macht so ziemlich jeder, aber auch sonst ist er anspielbar und versucht mal etwas Bewegung in den lahmenden Korpus Eintracht Frankfurt zu bringen.

d) Martin Lanig: Der tödliche Pass bekam dank ihm eine eigene Bedeutung, spielte die Bälle gerade bei schnelleren Offensivaktionen drei, vier Mal stumpf in die Verteidigerfüße. Das wirkt zu behäbig aus der Zentrale – auch weil Nebenmann Makoto Hasebe eher getragen und nicht wirklich zügig nach vorne mit-marschiert.

e) Lukas Piaszon: Ganz seltsames Spiel. In der ersten Halbzeit zumindest noch mit dem Versuch, auf dem Flügel etwas zu bewegen, stellte er alle Versuche die kommenden 60, 70 Minuten ein.

Nein, ein Feuerwerk musste, durfte niemand von der SGE erwarten. Auch, da man schon während dem Spiel gegen Inter Mailand ahnen konnte, wie schwach dieser Gegner bei dem Lauwarm-Kick im Waldstadion war. So richtig überzeugt, problemlos über den Amateurklub hinweg gefegt, sind bislang nur wenige Profiteams. Nur Leverkusen machte schnell Schluss mit dem Gegner, sonst war da – zumindest bis Mitte der zweiten Halbzeiten – überall kein Hexenwerk zugange. Das Schielen auf andere Klubs bringt aber wenig, wenn man nun erkennt, dass die Beobachter von Frankfurter Rundschau und Co. eben doch recht hatten mit den Eindrücken aus den Wochen der Vorbereitung: Jede Offensivaktion ist mit Mühe verbunden, Abläufe passen nicht, viel quer, viel hoch, wenig Tempo.

Morgen mal beim SC Freiburg (in Trier) etwas genauer hinschauen. Vielleicht kann man seine positive Energie ja aus deren Auftritt ziehen. Den eigenen Augen (und dem Gefühl) ginge es jedenfalls deutlich besser, zu sehen, dass der erste Bundesliga-Gegner ähnlich über den Sportplatz rumpelt wie die SGE.

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Der Trappitano

Selbst jene, die die Schließung meines Blogs verlangen, können mir nicht vorwerfen ein Gegner von Torwart Kevin Trapp zu sein. Der Wächter hat sportlich, auch vom Typ her schon einiges drauf. Sympathieträger ist er sicherlich auch. Ob es allerdings eine gute Idee von Trainer Thomas Schaaf ist, ihn zum Kapitän zu ernennen … Persönlich halte ich nichts davon, einem Torwart die Binde um den Arm zu hängen. Er ist zu weit weg vom maßgeblichen Geschehen, ergibt sich schon durch die Distanz zu allen Spielzügen. Nicht umsonst bezeichnet man Torhüter oft als Einzelkämpfer im Mannschaftssport Fußball. Plus: Ein Torwart hat per se die Autorität, ist Chef der Abwehrkette. Zwischen ihm und den direkten Vorderleuten muss es die Kommunikation, muss es das Verständnis geben – und dafür braucht es die Kapitänsbinde nicht.

Mir persönlich wäre wohler, wenn ein Feldspieler – und ja, Alex Meier hätte es persönlich dicke verdient – die ordnende Figur im Team wäre. Es geht ja schließlich selbst nach Aussagen der Trainer darum, der verlängerte Arm, der Anweisungs-Empfänger des Coaches zu sein. Da ist ein Keeper der denkbar schlechteste Ansprechpartner, die denkbar ungünstigste Wahl. Man könnte ihn zwar ansprechen (lassen, Stichwort Coaching Zone), doch könnte er nur bei Ecken für den Gegner mal ein paar Takte an den Rest richten – das ist für einen Feldspieler wesentlich leichter.

Jetzt mag man sagen, dass – zumal im Profigeschäft – so ein Amt keinen tieferen Sinn hat, nicht den Unterschied macht, eher Symbolik ist. Damit läge man wahrscheinlich nicht mal falsch. Aber so ganz wert- und sinnlos ist es dann eben doch nicht.

Nun gut, die Saison von Eintracht Frankfurt wird mit der Kapitänswahl nicht stehen, nicht fallen. Gegen Victoria Berlin sollten es schon drei, vier, fünf Buden auf der Habenseite sein. Wenn es am Ende nur eines mehr ist als der Gegner, gut, dann ist der Effekt (Weiterkommen) derselbe. Reicht mir auch. Im Prinzip bin ich ohnehin schon längst und ausschließlich fokusiert auf den Bundesligastart gegen Freiburg – da wird sich weisen, bzw. da wird der Finger in die Richtung zeigen, was die Umstrukturierung bringt, die Vorbereitung gebracht hat. Danach gibt´s aber noch 99 weitere Punkte zu holen, um die 36 Zähler zu erreichen, die Eintracht Frankfurt benötigen wird für den Klassenerhalt. Und Kevin Trapp wird, Kapitän hin oder her, als Torwart den einen oder anderen dieser 36 festhalten müssen.

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Berlin

Tipps für das Pokalspiel gegen Victoria Berlin? Aufstellung, nicht Ergebnis.

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Wie schön

Wie schön gemütlich muss es sich hassen lassen, wenn man sein Gesicht nicht zeigen, seinen Namen nicht nennen muss.

Wie schön, dass Plumpheit nicht als Tatbestand im Strafgesetzbuch steht.

Wie schön, dass es das Internet gibt – mitsamt seiner Gesinnungs-Polizei.

Es ist schon sehr erhellend, dass man als Fan von Eintracht Frankfurt ein Jubelperser sein muss, besser: sein soll. Jeder soll einstimmen in einen Tenor der Heiterkeit, no matter what. Dinge müssen einem gefallen. Das hat man so zu machen, Forza SGE und so.

Aber wisst ihr was, ihr Meinungs-Verbots-Claquere da draußen? Gerade dank euch lebt dieser Blog auch im vierten Jahr in Folge – weil der Autor ein winziges, unbedeutendes Schärflein zur Meinungs-Vielfalt beitragen will.

Man kann alles rund um die SGE stets verschieden bewerten – und sollte das auch tun, sollte das zulassen. Tut jemand das nicht, will er Einheit, Geschlossenheit, Vasallentreue – dann sollte er sein Demokratie-, vielmehr sein Freiheitsverständnis zügig überprüfen.

Eintracht Frankfurt ist genauso mein Verein, wie er eurer ist. Und wenn ihr kommentiert oder Mails schreibt, sagt deren Inhalt mehr über euch aus als über jedes Wort, das hier geschrieben wurde und weiterhin geschrieben wird.

Noch acht Tage.

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Verkehrte Welt: Blog im Fokus

Vor rund zwei Wochen fragte der Nachrichtender N-TV ein Interview mit mir an. Seit heute, Donnerstag, ist dieses online. Wer es lesen möchte, bitteschön:

http://mobil.n-tv.de/sport/fussball/Schaafs-Ritt-auf-der-Rasierklinge-article13422236.html

Viel Spaß beim lesen!

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