Klagemauer

Wenn gar nichts mehr geht, wenn man erkannt hat, dass es nur noch darum geht irgendwie, irgendwoher Spieler zu holen, die den Abstieg vermeiden könnten, verpflichtet man – zur LEIHE – eben so Lucasse, dritte bis vierte Chelsea-Wahl. Wenn es denn hilft.

Klar ist, dass wir dem Konzept- Plan- und ideenlosesten klau der Republik anhängen. Da heulst du eben noch wegen des bitteren Europapokalaus, erinnerst dich an den Gänsehaut-Moment des Wolfsburg-Spiels, und dann findest du dich im jetzt wieder, vor der vereingewordenen Klagemauer. Die fallhöhe ist in Frankfurt eigentlich gering – doch der Aufprall-Schmerz, weil sie es immer noch mehr verbocken können, ist härter als anderswo.

Und jetzt ab zu Hugo Almeida und den anderen Knoten, die sich schon längst hätten lösen sollen.

PS: die Maßgabe “es richtet sich jeder Transfer nach dem Stürmer den wir holen” hat sich ja auch erledigt. Lucas, der außen, wird es aber schon richten.

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Karma im Diletantenstadel

Es wird immer absurder. Vor Wochen berichtet der Kicker vom Interesse, vom Angebot Hannovers an Stefan Aigner und Eintracht Frankfurt. Dann ist Schweigen im Walde, mit einem Mal bricht sich das Gerücht, der Fakt Bahn – und es wird eine Volte nach der anderen geschlagen. Der Spieler siehts gelassen, im Klub ist man wie immer optimistisch dass alles tutti wird, der Vorstandsvorsitzende bestätigt ungewollt in seiner “Der bleibt no matter what”-Rede die Panik, die alle Fans umtreibt, dass das von Beginn an – mangels Spielern, mangels Qualität, mangels Professionalität – eine Horror-Saison wird. Wie anders soll man denn den Satz, niemand habe mit einem Abgang von Joselu gerechnet, denn werten? Verdammt noch eins, dessen Abgang haben all jene prophezeit, die angeblich nichts wissen, die dummen Außenstehenden, die unwissenden Journalisten! Aber im Verein hat man sich vom Optimismus (auf welcher Grundlage fußt der wiederum?) blenden lassen. Da sind vielleicht Profis am Werk … Und so, wie viele von uns den längsten Abstieg der Welt unter Skibbe/später Daum vorausgesagt haben, erkennen wir nun schon vor dem ersten Anpfiff die Zeichen der Zeit.

So, wie Armin Veh und Bruno Hübner einst von Ausrede zu Ausrede schlängelten als sich Misserfolg um Misserfolg auf dem Platz einstellte, tänzelt Hübner nun von Ausrede zu Ausrede in puncto Transfers/Vertragsverlängerungen. Überhitzte Märkte, WM, irgendwas findet sich schon. Denen srützt bei der Eintracht das gesamte Haus ein, aber mal so richtig. Die Leistungsträger flüchten in Scharen, und Alex Meier wird gar nicht fassen können, wie daneben er gelegen haben wird bei der Vertragsverlängerung. Er muss jetzt zusehen, wie rechts und links von ihm A-Jugendliche die Kohlen aus dem gleißenden Feuer holen müssen. Jetzt muss AM14 nicht nur die Tore schießen und vorbereiten jetzt muss er noch flanken, defensive Zweikämpfe gewinnen – und wie wäre es mit Schüsse halten? Die Herrn Trapp und Zambrano sind ja auch noch in der Verlosung, Herrschaften. Auf den 31. August schielen auch jene, die nicht Eintracht Frankfurt heißen, die dürfen bis dahin auch kaufen. Ach, was solls, holen wir halt den Özer als Nummer zwei zurück und stellen Wiedwald ins Tor. Und innen verteidigen dann eben Bamba und Madlung. Es immer den Ersatz vom Ersatz machen lassen, die Eintracht-Devise.

Herrschaftszeiten, die Vorbereitung läuft seit drei Wochen, in vier Wochen geht die Bundesliga, davor der Pokal los. Und mit jedem Tag der vergeht, wo A-Jugendliche ein Drittel des Trainingsbetriebs ausmachen, geht mir der Allerwerteste mehr auf Grundeis. Und ich wette, dass es – entgegen der offiziellen Haltung und Jubel-Linie – den Funktionären und den Kickern nicht anders geht. Die wissen ganz genau, dass die Zeichen auf Totalschaden stehen. Da sind die noch so vorsichtigen Zitate eines Johannes Flum, Marco Russ und nun auch Heribert Bruchhagen Beleg genug für. Und wir reden bislang von einer recht verletzungsfreien Vorbereitung (der paar Verbliebenen), mit Ausnahme von Kadlec jetzt, dem unbekannten Waldschmidt sowie Wehwehchen von Zambrano und Madlung. Wild war das noch nicht.

Ohne Mist, liebe Leser, spüren die da in Frankfurts Funktionärs-Etage eigentlich, wie schlecht ihre Arbeit bewertet wird, wie weit und wie oft daneben sie bei ihren Einschätzungen liegen? Mittlerweile dürfte ich, der schwarzmalende Dauernörgler, ja eigentlich gar nix mehr schreiben zu dem Ist-Zustand. Eben, weil nun so gut wie jeder diese Zustandsbeschreibung teilt. Das, was ich hier seit gefühlten Äonen hinkritzele, ist ja quasi Konsens, weil Realität geworden.

Vielleicht wird es Zeit, dass ich für ein anderes Karma sorge, indem ich mich auf die Jubel-Linie einlasse, der Obrigkeit vertraue. Die wird das schon regeln. Also, Schuldigkeit getan, warten wir auf den Effekt.

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Marktüblich

Wer nicht nach den Regeln, und seien sie irgendwann andere als sie mal waren, spielt, fliegt raus. Eine simple Feststellung, die sich auf viele Dinge münzen lässt. Auf Fußball bezogen heißt das: Wer nicht bereit ist Summen – seien es Ablösen, seien es Gehälter, seien es Prämien – zu zahlen, bekommt keine (guten) Spieler. Resultierend in den jeweiligen Ergebnissen, in den Tabellenständen.

“Marktüblich” ist ohnehin eine Kategorie, die hochspekulativ ist. So, wie der ganze Profisport auf nichts anderem fußt als auf Illusionen. Man schreibt einem Kicker Talent, nein, Entwicklungspotential (eine noch vagere Größe) zu, man taxiert den Wert eines Spielers auf einen Betrag, man orientiert sich beim Gehalt an der Referenz der bisherigen Verträge/des Verdiensts und schlägt Faktor X drauf. Und wenn diese Summen ausufern, dann werden sie nicht dadurch eingedämmt, dass Eintracht Frankfurt nicht bereit ist sie zu zahlen. Bockig, stur, trotzig, oder einfach strukturell nicht in der Lage: Es findet sich immer ein anderer Klub, der Mondpreise – oder solche, die man als solche wahrnimmt – bereit ist zu zahlen. Die Verweigerungs-Haltung ist auch legitim, bis zu einem bestimmten Punkt. Und zwar bis zu dem, wo man erkennt, erkennen sollte, dass die aufgerufenen Preise normal (geworden) sind. Wen kann es denn wundern, dass – zumal in der verzweifelten Such-Situation von Eintracht Frankfurt – Vereine konsequent die ein, zwei Millionen Euro mehr fordern als der Abnehmer bereit ist zu zahlen? Vor allem dann, wenn das Subjekt der Begierde wissentlich halbwegs geradeaus laufen kann? Nehmen wir Leute wie Marko Marin, Gott bewahre, oder Daniel Caligiuri. Das sind nunmal keine Oberkrücken, und sie müssen auch nicht darauf warten, dass die Eintracht ihnen ein Schmunzel-Angebot unterbreitet. Auf den sportlichen Ehrgeiz setzen, funktioniert nicht. Am Ende wollen, legitimerweise, alle Profis möglichst früh möglichst viel verdienen. 12, 13, 14 Berufsjahre – und wenn die SGE 500 000 Euro per annum weniger zahlt als der FC Schießmichtot, dazu noch mit einem Rumpfkader im tiefsten Abstiegskampf dümpelt, gibt es eben keine Argumente. Fans, Stadion, Skyline – das ausgelutschte Überzeugungs-Dreigestirn des Bruno Hübner, ziehen nicht. Wieso kommen Leute nach Wolfsburg? Nach Hoffenheim? Wieso kicken Leute für Ingolstadt und Co? Weil die dort Asche, richtig Asche verdienen. Das ist der Grund. Die viel zitierte sportliche Perspektive kommt letztlich auch einzig über den Zaster – denn auch Profikicker wissen, dass Geld Tore schießt, dass Etathöhe und Erfolg korrelieren.

Eintracht Frankfurt geht gerade im Spieler-Supermarkt mit sieben, acht Millionen Euro shoppen. Eine Summe, die heutzutage für einen hochklassigen Spieler oder zwei sehr gute Leute reicht. Kicker, die schon drei, vier Jahre auf hohem Niveau spielen, sich bewiesen haben, nicht mehr ausgebildet werden müssen, die auf Anhieb funktionieren können. Will man dann noch einen dritten und vierten (nachgewiesenermaßen) guten Spieler haben, ist man bereits dort, wo man offenkundig sein muss im Fußball 2010+: Im finanziellen Minus – oder eben von Außen gepimpt. Jedenfalls muss man bereit sein, nach den Regeln zu spielen, nicht, sie ändern zu wollen. Das hat der Profifußball immerhin mit dem normalen Leben gemein: Niemand verändert die Struktur, die Struktur verändert dich. Nun gut, alles schon mehr als einmal geschrieben. Windmühlen. Indes sei bemerkt und auf die Zahlen geachtet: Heribert Bruchhagen spricht gegenüber dem Hessischen Rundfunk am Montag davon, dass man “optimisch” sei, sehr bald “ein bis zwei Offensivspieler präsentieren zu können”. Zwischentöne nennt man sowas. Aus drei/vier werden ein/zwei – obacht! Am Ende holt man, typisch Eintracht, dann den Ersatz vom Ersatz.

Jedenfall knallt die FAZ, ja, die FAZ (in Person von Marc Heinrich) der Eintracht eine Ohrfeige an die Wange, die schallender nicht sein könnte. Pflichtlektüre hier. Eine, ganz im Stile derer, die sich nicht an die Jubel-Linie halten. Aber in dieser Woche wird der Knoten ja gelöst, etwas passieren, zeitnah, mit Schattierungen, wenn es draußen nicht überhitzt ist.

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Rechaza

Terek Grosny, 2014 Tabellenzwölfter der russischen Liga und nur drei Wochen vom Ligastart entfernt. Dazu 30+ Grad und ohne Abwehrchef Carlos Zambrano – 1:2 zu verlieren ist unter diesen unmenschlichen sportlichen Vorzeichen in Ordnung. Und es ist knapper als das vorangegangene 2:5.

In den vergangenen Jahren wurde ja immer wieder über die etwaig mangelnde Qualität der Testspielgegner diskutiert. Vielleicht ist das diesmal ja anders. Der viertklassige Waldhof und das russischerstklassige Grosny sind vom Namen her zwar nicht die Oberknüller, aber wer weiß. An irgendetwas wird es schon liegen. Sicher nicht am Kader, dessen Qualität. Das lässt sich sowieso erst alles am 31. August regeln. Dann, wenn die Preise auf dem “überhitzten Markt” auf Eiseskälte fallen.

Neben Bikini-Bendtner und dem Wunderstürmer aus Italiens 2. Liga namens Babacar, berichtet eine spanische Tageszeitung am Sonntag von einem SGE-Angebot an Sporting Gijon für Stürmer Stefan Scepovic. Der Klub hat wohl gebotene 1,5 Millionen Euro ….. abgelehnt, rechaza wie des Spaniers Vokabel dafür lautet.

Jetzt gibt es bestimmt die ersten Jubelstürme auf den Hübner Bruno, der ja offenbar nur Nebelkerzen glimmen lässt um aus der Versenkung Jungs wie Scepovic zu holen. Jene Topleute, die mindestens so gut sein werden wie Vaclav Kadlec. An dessen Stelle käme ich mir übrigens auch irgendwie verarscht vor. Erst das Gezeter von vor einem Jahr, jetzt spricht der ganze Verein nur noch von Stürmersuche. Dann ist ziemlich klar, wie der Status, wie das Können des Tschechen einzuordnen ist. 3,5 Millionen Euro – mal wieder muss man den Kopf schütteln als Eintracht-Fan. Es kam so, wie es vor genau einem Jahr von einigen vorhergesagt wurde. Nun gut, spilled milk. Blick nach vorn: In dieser Woche wird ein Stürmer kommen. Einfach, weil einer kommen muss. Zum Gespött vor den eigenen Leuten (Fans, oder auch Stefan Aigner *g*) hat man sich sowieso schon lange gemacht. Und dann jammert man wieder, dass die Preise so hoch sind, dass auch die Außenbahnspieler und die Defensiven sooooo teuer sind, das man halt mit sieben Millionen Euro (plus 4,5 Millionen, die man für Aigner sich noch holen wird, tolle Wurst) und einem 34-Mio-Etat halt nicht mithalten kann. Mit Freiburg. Mit Mainz. Mit Augsburg. Mit Hannover. An letzteren will man sich ja sportlich, taktisch orientieren. Am schnellen Slomka-Umschaltspiel. Mal gespannt, ob die A-Jugendlichen das bis zum 22. August beherrschen werden. Rechaza!

Edit, 16:30 Uhr: Neuer Name im Lostopf, diesmal für die Außenbahn. Cristian Tanase, vor fünf, sechs Jahren mal ein hoffnungsvoller Rumäne. Seitdem, so unkt es in Steaua-Bukarest-Foren ist er … so dabei. Wäre der Mann noch verletzt, oder wenigstens verletzungsanfällig, wäre er einer für Frankfurt.

Edit 2, 20.30 Uhr: Bendtner-Wechsel ist geplatzt. Yo, man braucht 2 Jahre für einen Erkenntnis-Gewinn? Hasenzüchter-Klub.

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Frankfurter Flickschuster

Wenn sich des Kaisers Kleider als Primark-Ware entpuppen, verliert auch das schillernste Outfit Glamour und Glanz. Der Kaiser selbst, nackt wie er dann da steht, wird belächelt. Wer treu zum Regenten steht, wird ihn bemitleiden – ihn, den Umtriebigen, den Planer und Strategen mit Handy am Ohr. Andere, die Geduldigen, springen auf den Zug der Klauselkönig, um im Bild zu bleiben: Klauselkaiser,-Kritiker auf. Zermürbt vom Positiv- und Geduldsgeschwätz bricht das Unverständnis nun auch aus den Zurückhaltenden heraus.

Machen wir uns nichts vor: Bei Eintracht Frankfurt hat von den Verantwortlichen niemand mit dem Abgang der Leistungsträger gerechnet, so, wie die Entscheidungsträger von einem Armin-Veh-Verbleib ausgingen. Dass der monatelangen (Nicht)Suche nach einem Trainer-Nachfolger die mindestens ebenso quälende Untätigkeit bzw. Verschnarchtheit bei Spielerkäufen und Vertragsverlängerungen folgt, ist die logische Folge dieser Fehleinschätzungen. Die Weltmeisterschaft taugt als Ausrede nicht, schließlich ist diese nicht zwischen März und Mai terminiert worden und brach wie eine Heuschreckenplage über die Funktionäre herein. Dass es auch auf dem “überhitzten Markt”, wie Bruno Hübner sagt, möglich ist Spieler zu verpflichten – in puncto Ablösesummen auch nicht zwingend für Mondpreise – sieht man täglich. Mainz hat den chilenischen Abwehrmann Gonzalo Jara ablösefrei verpflichtet (Chile,WM-Teilnehmer). Und in Augsburg, Freiburg und bei so manch anderem direkten Konkurrenten steht wenigstens ein stabiles (Trainings)gerüst, werden auch Spieler verpflichtet, die nicht den Namen aber möglicherweise doch Können in sich tragen – dort, das unterscheidet die Standorte maßgeblich von Frankfurt – wird allerdings mit Perspektivspielern auch richtig und produktiv gearbeitet.

Man muss jedenfalls kein Fan von Peter Fischer, dem scheidenden Eintracht-Präsidenten, sein, um zu verstehen wieso er von mangelnder Identifikation, von Tendenzen im Klub, die ihm nicht gefallen, spricht. Blickt man als Eintracht-Anhänger auf die vergangenen Jahre, die Zeit des Wirkens von Bruno Hübner, hat man das Gefühl, dement zu werden. So viele Spieler, wie in den vergangenen paar Spielzeiten geholt und (zu Kleckerpreisen) verkauft wurden, kann man sich kaum merken. Mohammed Abu, erinnert sich jemand? Ja, lange Zugehörigkeit – das wird romantisiert und wehmütig verklärt sein, war vermutlich nie die Regel. Und doch ändert es (für mich) nichts daran, dass ich mich schwer tue, mich im Saisontakt auf runderneuerte Kader einzustellen. Stefan Aigner, das ist zwischen den Zeilen von Hübner ja am Freitag gesagt worden, wird verkauft. Die Frage ist nur, wann. Sicher, wirtschaftlich könnte man mit Aigner das beste Ergebnis seit zig Jahren erzielen. Für 0 Euro gekommen, für sicher nicht weniger als vier bis fünf Millionen Euro verkauft – aber was nützen einem solche Zahlenspiele? Dann kommt der Nächste, okay. Wird der besser sein? Vielleicht. Vielleicht nicht. Man kann aber doch nicht jeden Leistungsträger, und Aigner ist das mit Sicherheit, ziehen lassen. Zumal, wenn man schon bis auf ein, zwei alle verloren hat – ganz egal, wer als Ersatz kommt. Dann schließt man nur eine Lücke, die bis dato nicht gar nicht da war. Sprich: Was nützt ein Aigner-Verkauf für Betrag X, um diesen etwa in einen Stürmer zu investieren, um dann gleichsam auf Rechtsaußen das (Qualitäts)Loch zu haben? Oder will man dann die Ablöse, sagen wir 4,5 Millionen Euro, auf zwei Neue splitten: Ein Stürmer, ein Außen? Dann wissen wir ja auch wieder, welche Kategorie die Eintracht so im Sinn haben wird. Frankfurter Flickschusterei, wie man es auch dreht und wendet.

Erkennt jemand eigentlich eine Ausrichtung des Vereins, vielleicht gar eine Idee von der langfristigen sportlichen Entwicklung? Jung, deutsch, schnell und offensiv wird ja erstens transfertechnisch gar nicht verfolgt und ist zweitens keine Abgrenzung, keine Inovation, kein Mü anders als bei / zu 35+ anderen Profivereinen. Oder stellt sich die Konkurrenz etwa mit dem Konzept alte, langsame Söldner, die Bälle hinten raus dreschen auf? Platitüden äußern sie in Frankfurt, sie sagen das, was die Leute hören wollen ohne danach zu handeln. Wobei: Aktuell trainiert Thomas Schaaf ja mit der A-Jugend plus Profis. Der Vorwurf, man setze nicht auf Jugend, ist damit natürlich hinfällig.

Fakt ist: Eintracht Frankfurt 2014, das ist Anti-Euphorie, Anti-Vorfreude, Anti-Bundesliga. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber auf meinen Dauerkartenplatz im Stadion habe ich derzeit so viel Lust wie aufs Baden in einer Güllegrube. Einfach, weil ich spüre, dass das so nicht reicht, dass selbst Neuzugänge – wenn sie denn mal im Dritteldutzend kommen – den Saison(start) nicht retten werden. Und, da bin ich meinetwegen hoffnungslos naiver Romantiker, ich Mühe damit habe, den Großteil der geschätzten Spieler durch Mr. Nick Nobody ersetzt zu sehen.

Zu “guter” Letzt noch ein persönliches Wort. Es ist müßig und lässt einen auch immer wieder als Besserwisser, als egozentrischen Belehrer dastehen, wenn man von sich sagt: Ich hab doch gewarnt, ich hab doch aufgezeigt, dass da was schlecht läuft. Vor allem aber: Warnung hin, Mahnung her – man hat nichts davon. Weder gibt es eine Entschuldigung derjenigen, die einen als Schwarzmaler verspottet und angefeindet haben, noch lernt irgendjemand irgendetwas für die Zukunft. Im Gegenteil. Es geht immer weiter, als ob nichts passiert wäre, das man mit ein wenig Reflektionsgabe, ein bisschen kritischem Nachdenken, ein bisschen weniger aus-der-Hand-fressen hätte verhindern können. Und der nächste Fehltritt ist dann wieder nur Schwarzmalerei. Parole: wird schon, vollstes Vertrauen, ist noch Zeit, wartet ab. Vertrauen in die gleichen Leute, die den Karren bereits und wiederholt mit Ankündigung in den Dreck gefahren haben und jetzt darauf hoffen, dass dieser sich von selbst daraus zieht.
Wie gesagt: Als Bedenkenträger, ob nun als Fan oder als Journalist, bekommt man keine Akzeptanz, keinen Zuspruch, man bekommt schon gar nicht recht. Das einzige, das für einen selbst hängenbleibt und beruhigt, ist, dass man offenbar an keinem Cassandrakomplex leidet, wenn man am Ende doch wieder Recht hat. Davon ab: Ich habe nie verstanden, was an Cassandra der Makel gewesen sein soll. Jedenfalls bin ich der festen Überzeugung, das wir alle das Beste für unseren Verein des Herzens wollen. Ebenso überzeugt bin ich mittlerweile aber auch, dass es da draußen mehr Leute wie mich gibt, die eben lieber früher und durchgehend kritisch die Geschehnisse deuten. Das sollte nämlich eigentlich die Lehre aus dem sein, was wir in Frankfurt seit so vielen Jahren erleben – ob wir es ändern können, oder nicht.

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Das Beste für uns

Pfui, Nörgler! Und dann kommt ein 2:5 gegen Waldhof Mannheim (4. Liga), es spielte einige Zeit so ziemlich das Beste, was aktuell für Eintracht Frankfurt spielberechtigt ist. Hmm, doof. Jaja, schon klar: Für den SVWM beginnt bald die Punktrunde, unterschiedlicher Stand der Vorbereitung, hartes Training, Muster ohne Wert und so. Aber als so ein Fingerzeiglein, ein klitzekleines, darf man diesen Kick werten, oder?

Nein. Was wir jetzt brauchen ist Vertrauen. Und Geduld. In genau jene, die Eintracht Frankfurt seit Jahren mal in die Bundesliga, und dann wieder aus ihr heraus führen. Mal mit Spieler X, mal mit Spieler Y, mal Leihspieler, mal Resterampe.

Der Transfermarkt ist jedoch auch überhitzt. WM und so. Wusste man aber vorher auch nicht, das dieses elende Turnier einem den Juni verhagelt. Komisch, dass in und außerhalb der Bundesliga durchaus “moderate” Preise für so manchen (Nicht)-WM-Teilnehmer aus einem WM-Teilnehmerland berappt werden. In Italien ist der Chilene derzeit angesagt, da gibt es nun schon zwei, drei die für gut 2 Millionen Euro über die Ladentheke gingen. Unbezahlbar für Eintracht Frankfurt, die fetten sieben Millionen Euro, hart aus den Rippen geschwitzt, wollen schließlich auf vier, fünf Doppelbeine verteilt werden. Also Budget von ca. 1,5 Millionen Euro pro Spieler. Hätte man Bernd Hölzenbein das Hin- und Rückflugticket nach Brasilien nicht gezahlt, wären es noch gut 1000 Euro mehr, die man investieren könnte. Der Bendtner Nicklas (Sturm,Sturm,Sturm!) bekommt schon Juckreiz im Finger, bei dieser Gehaltserhöhung. Reicht für eine Tankfüllung in der Edelschüssel.

Aber, wir sollen frohen Mutes sein. Denn an am 31. August, nach dem 2. Bundesligaspieltag, sinken die Preise. Die stürzen derart ab, vor allem für die Klasseleute, dass es sich lohnt zwei Monate Training zu imitieren und nichts für ein eingespieltes Team zutun. Okay, nein, Polemik ist wirklich nicht angebracht. Sind ja schließlich noch vier Wochen bis zum ersten Punktspiel gegen den SC Kempf Freiburg. Wäre sowieso utopisch, da drei Punkte (gegen den Abstieg) zu verlangen. Völlig überzogen, typisches Frankfurt-Fan-Anspruchsdenken. Bis zu dem ersten Spieltag, schon (!) im zweiten Trainingslager, wird personell aufgefahren. Nach den mannhaft ausgesetzten Gesprächen mit ihnen, werden Bendtner und Babacar bereits trampend an Autobahn-Raststätten stehen und mit Pappschild ihren Weg nach Donaueschingen antreten.

Der Armin Veh wird sich kaputtlachen über das, was in Frankfurt geschieht. Der Mann, da muss man jetzt nicht Erster Vorsitzender des AV-Fanclubs sein, wusste genau was bei der Eintracht (nicht) passiert. So viele weiße Hemden hätte Bruno Hübner gar nicht im Schrank haben können als das Veh sich dieses sportliche Himmalfahrtskommando antut.

Thomas Schaaf, der sich offenbar redlich müht und das macht, was ein Trainer unter diesen Umständen machen kann, hat einen leichten Stand. Niemand, der halbwegs bei Verstand ist, wird ihm einen Vorwurf machen (können), wenn diese Saison in die Hose geht.

Ja, es sind noch vier Wochen bis Saisonstart. Ja, es ist noch möglich vier Spieler zu verpflichten. Ja, es ist noch (ein bisschen) Zeit zu trainieren, sich als Team einzuspielen (wenn denn alle Spieler da wären).

Aber die Zeichen, dass die kommende Saison eine finstere zu werden droht, sind unverkennbar.

Ach, was solls. Irgendwen wird die Eintracht schon verpflichten. Bei dem einen wird es gutgehen, der wird gute Leistungen bringen, der andere geht danieder wie so viele vor ihm. Es wird alles beim Alten bleiben in Frankfurt. Mehr als sich auf Rang 15 duseln war nicht drin, ist nicht drin, wird nicht drin sein. Läuft es gut, geht es zwei, drei Plätzchen rauf, läuft es weniger gut, heißt es wieder Liga 2. Schulterzucken. Ja mei. Es geht immer weiter, Leute. Mit uns sowieso. Und jetzt waren wir – so wie von der Obrigkeit den Lämmern aufgetragen – geduldig ab. Sie werden wissen, was das Beste für uns ist ;-)

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Verweis zur Klärung

Obwohl ich Anfang der Woche schrieb, die Weltmeisterschaft in diesem Blog auch am Rande nicht mehr zu thematisieren, möchte ich sie doch nochmal einschieben. Aus aktuellem Anlass. Immerhin gab es durchaus kritische Zuschriften zu meiner Haltung, dass die Nationalmannschaft in mir, für mich nichts wirklich Emotionales auslöst. Kollege Stefan Krieger von der Frankfurter Rundschau hat das heute ebenfalls in seinem Blog-G gestanden – in einem sehr schönen, durchdachteren Text als dem meinen. Dieses zu lesen, hilft, denke ich, auch meinen Kritikern zum besseren Verständnis der Haltung.

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