Die Lachnummern in Schlips und Kragen

Der DFB, diese Sportgerichtsbarkeit ist eine Lachnummer. Das – die Vorfälle bei Düsseldorf vs. Hertha – wären die Gelegenheit gewesen, ein Exempel zu statuieren. Irgendeines – und sei es ein Punktabzug für Düsseldorf nach Aufstieg plus Geisterspiel plus, plus, plus. Stattdessen sorgen die Anzugträger dafür, dass sich ab jetzt jede noch so dumme Fangruppe auf diesen Präzedenzfall wird berufen wollen/können. Und ganz ehrlich, es gibt keinen Grund, wieso man irgendwen jetzt noch sanktionieren sollte. War ja ein positiver Platzsturm, eine positive Rauchbombe, ein positiver Bengalo – und solange sich niemand faktisch (<–juristisch also körperlich) verletzt, ist alles schön.

Wie Juristen denken, konnte man schon in den Live-Tickern wunderbar verfolgen. Da wird sich um Spitzfindigkeiten gerangelt. Was nun genau Angst ist, ob man dafür weinen, Tränen in den Augen haben muss. Um Halb-Angst,  um die Frage ob ein Co-Trainer auch Anweisungen an Spieler gibt. Das ist doch alles latte. Es geht darum, dass im Fußball binnen kürzester Zeit ein Spiel kippen kann. Siehe ManCity Meisterschaft vor wenigen Wochen. Die waren ergebnistechnisch tot, kamen in 3 Minuten ins Spiel und waren plötzlich Champion. Bayern/ManU-Syndrom. Kann man ausschließen, dass es bei Hertha – und ich bin wahrlich kein Fan dieses Vereins – nicht so gelaufen wäre? Nein, kann man nicht. Und da man auch den Weltuntergang nicht ausschließen kann, reicht das alleine nicht für eine Entscheidung pro Wiederholungsspiel. Aber das man Düsseldorf gänzlich aus der Verantwortung nimmt, ist geradezu skandalös. Eine Seite der Medaille übrigens, die in all den Wochen noch gar nicht beleuchtet wurde. Wo sind die Stimmen, die mal Fortuna an die Kandarre nehmen? Lese ich nichts von. Mir persönlich ist es völlig schnuppe, was mit Hertha BSC passiert. Sich in die Liga klagen ist lachhaft, ohne Zweifel. Und trotzdem: unter den o.g. Umständen vollziehe ich den Schritt nach. Düsseldorf kann ich zugegeben so sehr leiden wie Zahnweh, das ist wahr, aber auch da soll es mir nur recht sein wenn die Fallertruppe in Liga 1 ihre Grenzen (Grasnarbe) aufgezeigt bekommt. Mir geht es einfach nur darum, dass da jemand weiß gewaschen wird, der in den Dreck gefallen ist – und da nicht mit irgendeiner Sanktion um die Ecke zu kommen (siehe oben) ist grotesk. Das hat ja nicht mal mehr salomonische Züge, dieses Urteil. Das hat schon Züge von Hexenjagd – lustigerweise im einzigen Moment, wo es wirklich mal gefährlich war auf dem Platz. Denn das, was vormals in Köln, Frankfurt und Berlin geschah, war zwar wilder und noch dümmer – aber letztlich waren es dort die superdummen paar Dutzend. Diesmal reden wir von Hunderten, wenn nicht sogar von einer vierstelligen Anzahl auf dem Platz. Nicht, dass sie so randalierten wie die Hooligans und Hirnheimer aus Frankfurt, Köln und Co. Aber doch möchte ich denjenigen sehen, der, wenn hunderte Typen auf ihn zurennen, davon nicht beeindruckt ist. Profisportler hin oder her: auch die sind Menschen und können ihre ebenso menschlichen Reaktionen nicht ausschalten.

Der DFB ist eine Lachnummer. Und das werden viele viele Chaoten den Verband spüren lassen. Und, so leid es mir tut, sie werden gut und recht daran tun. Wobei: Es wird auch dann wieder darauf ankommen, welcher Verein beteiligt ist. Es gibt nämlich solche und solche Angeklagten und es gibt solche und solche Opfer. Ein Schelm, wer Böses denkt :-)

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Ästhetik einmal anders

“Schöner Fußball”, ich kanns nicht mehr hören. Wer bestimmt denn, was schön ist? Leute, die beim Laufen in der Kreisliga über ihre Füße gestolpert sind, oder in ihren Betriebs- und Freizeitkick-Mannschaften über Kurzpässe philosophieren. Oder eben Holländer wie Johann Cruyff. Irgendein Stehgeiger Netzer´scher Prägung aus den 70ern, der meint, er wolle keine Titel gewinnen wenn er so spielen müsse, wie Chelsea London das tue.

Erstens ist das ein wohlfeiler Kommentar eines alten Mannes und zweitens zeugt es von null Ahnung. Ein Team hat so zu spielen, wie es seine Resourcen hergeben und wie es als Mannschaft am besten harmoniert. Drehen wir die ganze Ästhetik-Diskussion doch einmal um: Der perfekte Fußball ist, 90 Minuten kein Tor zu kassieren und in der 91. Minute selbst eines zu schießen. Chealsea, AC Mailand, Griechenland: Disziplin und der Glauben an die Stärke sowie Geschlossenheit sichern den Erfolg. Wenn jedes Team so spielt, wie es das am besten kann, hat es Erfolg. Die Sommer- und Strandfußballer feiern auch Siege. Medial werden sie dann mit Hybris aufgeblasen. Siehe Dortmund. Und wenn eben jene Einschaltquoten-Teams die Grenzen ihrer Herrlichkeit aufgezeigt bekommen, werden sie zu Opfern bösartigen Spiels und die Sieger zu hässlichen Entlein degradiert. Schon irgendwo eine Zeile in deutschen Sportgazetten gelesen, die Chelsea Londons Leistung würdigt und mal anspricht, dass sie ihrer Linie von Beginn bis Ende der Saison treu blieben und sogar nach personellem Engpass konsequent ihr Spiel spielten? Und am Ende Champions League Sieger wurden. Nein. Stattdessen (geheucheltes) Mitleid mit Bayern München.

Schöner Fußball. Was für ein Blödsinn. Ein Konstrukt, eine der Konsumgesellschaft angepasste Ästhetik. Wir finden das gut, was wir gut finden sollen. Viel Spaß beim Lemmingsein, so dann. Meine Comunio Mannschaft wird jedenfalls im 5-4-1 auflaufen und meine Jugendmannschaft weiter mit vielen, vielen Defensiven und drei schnellen Offensiven sowie einem großgewachsenen Stürmer spielen. Ein Hoch auf die Abwehr! :-)

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Wie im echten Leben

Ich find das einfach faszinierend. Wenn ich mich so mit manchem Eintracht-Fan unterhalte oder durch die Anonymität des Internets lese, werden die amüsantesten Vergleiche gezogen und Maßstäbe gesetzt. Nein, mit Bayern und Dortmund oder Schalke müsse man sich nicht messen. Aber an Werder Bremen müsse man sich orientieren, das sei ein Mittelklasseklub. Oder dem VfB Stuttgart. Mittelklasseverein. Dass beide Teams in den vergangenen 5,10, 15,20 Jahren doppelt und dreifach so viel erreicht haben wie die Eintracht, ja, nicht mal abgestiegen sind, und in der Regel internationale Pokalwettbewerbe spielten: egal.

Auch wenn ich damit mal wieder nicht auf Linie liegen werde, aber unsere Fixsterne tragen andere Namen. Kurz- wie mittel und langfristig. FC Nürnberg. Hannover 96. FSV Mainz. Und letztlich – in Abwesenheit – FC Köln und Hertha BSC Berlin. In diesem Eck werden wir uns einfinden. Es ist ja kein Geheimnis, dass es schnell geht mit den Pauschalverurteilungen: Tiefstapelei, nicht ambitioniert genug etc. Nunja, keinem Spieler war es je verboten, alle 34 Spiele zu gewinnen. Geäußerte bzw. geplante Zielvorgaben sind nicht dasselbe, wie das, was tatsächlich zu erreichen ist. Dortmund hat, genauso wenig wie Hannover und Gladbach, das letztlich Erreichte zur Maxime erklärt – aber im Kämmerlein genau daran gearbeitet. Es geht doch einzig und alleine darum, den Druck nicht größer werden zu lassen als nötig – vor allem in diesem Haifischbecken Frankfurt, wo es nur Tal der Tränen und Himmelspforte gibt.

Kurz: Natürlich kann es für einen Mittelklasseverein wie Eintracht Frankfurt einzig und alleine darum gehen, im Mittelfeld zu landen. Das muss irgendwann der Normalzustand sein. Ausreisser nach oben (und unten) sind jederzeit möglich. Wie im echten Leben.

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Abhaken

Alexander Baumjohann? Um Himmels Willen. Da hoffe ich doch inständig auf die Richtigkeit der HR-Meldung und der Bruchhagen´schen Aussagen, dass der junge Mann nicht nach Frankfurt, zumindest nicht zur Eintracht, wechselt. Das fleischgewordene one-hit-wonder des 21. Bundesligajahrhunderts darf ruhig weiterhin von seinem halben guten Jahr leben und Umfelder verrückt machen. Nee, ehrlich jetzt: Wer nach ein paar Monaten Mönchengladbach meint, er könne bei Bayern München aufspielen, sich dann herabwürdigen um bei Schalke aber wenigstens Stammspieler zu sein … nein, da interpretiere ich einen gewissen Charakterzug hinein, der mir persönlich ganz quer liegt. Also: Weiter im Spekulationstext, bitte ;-)

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Premier League für Arme

In einem Land, wo Dorfvereine wie Aalen, Sandhausen und Regensburg für Klubs wie Hansa Rostock, den KSC und Aachen spielen dürfen, läuft echt etwas falsch. Retorte für Tradition – Fußball hört echt auf, Spaß zu machen. Kaum steckt irgendwo ein Investor dahinter, geht es vielleicht nicht direkt bergauf. Aber es geht zumindest nicht mehr bergab, schlimmstenfalls stagniert die Entwicklung – bis die nächsten Tausender in die Hand genommen werden. Und dann degeniertert eine Profiliga zum Sammelsurium von Nestern mit Vereinen, deren größter Erfolg der Gewinn einer Bezirksmeisterschaft war.

Bei Sandhausen, Regensburg und Aalen zusammen werden im Schnitt so viele Zuschauer ins Stadion kommen, wie bei Hansa Rostock, dem KSC oder Aachen in einem Spiel alleine kommen. Aber ich vergaß: Um die Fans und Zuschauer geht es schon lange nicht mehr. Nur am Fernseher – da gereichen sie als Melkkuh noch aus. Lächerlich, diese Entwicklung. Da tröstet es auch kaum, dass wir als Eintracht Frankfurt mit dieser Imitation einer Liga nichts mehr zu schaffen haben.

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In eigener Sache: Sommerpause

Danke an diejenigen, die hier täglich vorbeischauen und den Krempel lesen, den ich absondere. Seit gut einem Jahr versuche ich, jeden Tag etwas mehr oder minder Produktives, nach Möglichkeit Analytisches,  zur Welt von und mit Eintracht Frankfurt beizusteuern. Mal gelingt das besser, mal schlechter – wie im Fußball ist das auch Tagesform. Und mehrere Dutzend Leser pro Tag watschen mich auch für die weniger glanzvollen Auftritte nicht ab. Dafür ein herzliches Dankeschön :-)

Zuletzt erhielt ich hier im Blog und vor allem per eMail allerdings einige weniger schöne Nachrichten. Nicht voll auf Fan-Linie zu liegen, statttdessen kritische – und einmal in Hochemotion auch sehr harte – Worte zu finden, ist offenbar vielen ein Dorn im Auge. Das ist nicht neu für mich, damit muss ich im Beruf täglich leben. Spaß macht es trotzdem nicht, manche Sätze lesen zu müssen.

Mein Job ermöglicht es mir, viel (weil gerne) zu schreiben. Doch wird das zunehmend zum Blog-Problem. Die Aufgaben an der Arbeit werden nicht weniger, das Personal dafür knapper. Das bringt für mich den Umstand mit sich, in immer weniger Zeit meine Leidenschaft hereinzupressen: Eintracht Frankfurt zu erleben und darüber zu texten.

Mein und gleichzeitig unser Projekt ist jedenfalls geschafft. Wir sind eine Saison hindurch gemeinsam aufgestiegen – manche freut und freute das ehrlich, andere nahmes es nur zur Kenntnis. Es scheint mir trotz allem würdig, das erfolgreiche Saisonende als einen vorübergehenden Endpunkt für mich zu deklarieren. Ich nehme mir dementsprechend eine Sommerpause.

Ab Ende August – streng genommen ab Anfang Juli – gilt es dann, das nächste Projekt gemeinsam durchzuziehen: Mission Klassenerhalt!

Mich würde es auch freuen, wenn sich der eine oder andere in der kommenden Runde im Stadion mal auf ein, zwei oder drei + X Bier treffen würde wollen. Eine eMail genügt :-)

Bis dahin,

euer Björn

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Die Nebelkerzen leuchten nicht

Ich bin irgendwie ein bisschen … enttäuscht. Nicht so sehr wegen der Transfers Trapp/Aigner/Celozzi , sondern weil in letzter Zeit alle Verpflichtungen so überraschungslos über die Bühne zu gehen scheinen. Jedes Personal-Gerücht bestätigt sich, an jedem gehandelten Namen ist offenbar etwas dran. Und im Endeffekt unterschreiben die tatsächlich einen Vertrag – oder man war zumindest an ihnen interessiert. Ich fand es ehrlich gesagt schöner, als man wusste:  Spieler X ist im Gespräch, also kommt der nicht zur Eintracht. Eine Nebelkerze nach der nächsten schoss in die Luft und am Ende kamen Leute zur Eintracht, die niemand auf dem Schirm hatte.

Jetzt kursiert auch schon wieder der Name Srdjan Lakic. Zumindest in diesem Fall hoffe ich inständig, dass noch eine Nebelkerze leuchtet. Denn nicht nur blickt Lakic auf lediglich eine (zugegeben sehr starke) Erstligasaison. Er ist überdies eine Diva, ein schwieriger Charakter – und das, obwohl er sich ein solches Standig wahrlich nicht durch jahrelange gute Leistungen erarbeitet hat. Er konnte sich in der Rückrunde nicht mal bei einem vor allem in der Offensive biederen und vor allem retortigen Hoffenheim durchsetzen (vier Spiele von Beginn an, zwei Einwechslungen in den letzten 15 Minuten: kein Tor, keine Vorlage). Bei Wolfsburg verzeichnete er in der Hinrunde fünf Einsätze in der Startformation, weitere fünf Male wurde er jeweils für 20, 25 Minuten eingewechselt. Selbes Bild: kein Scorerpunkt. Im Juli 2011 traf er beim Erstrundenpokalaus der Wolfsburger gegen RetortenBall Leipzig – sein einziges Tor. Im März fiel er drei Wochen wegen einer Kreuzbanddehnung aus (Hoffenheim schlug in dieser Zeit Gladbach 2:1, verlor aber gegen Bayern 1:7).

Kurz: Srdjan Lakic wäre in meiner Auffassung ein faules und vor allem teures Ei im Eintracht-Nest. Wie empfindlich ein Mannschaftsgebilde reagiert, wenn Eigenbrötler im Team sind, hat man in Frankfurt mit Gekas und Tzavellas erlebt. Da täte man sich keinen Gefallen, mit Lakic einen alles andere als introvertierten Charakter ins Boot zu holen. An dem Gerücht wäre nur eine Sache erfreulich: Man versucht in Frankfurt nicht, Absteiger loszueisen sondern schaut im Tabellenmittelfeld nach möglichen Verstärkungen. Das ist richtig und wichtig, tragen frisch Abgestiegene doch oft das Mantra des Misserfolgs mit sich.

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