Der nächste Schritt

Trunken vor Freude, das Gefühl wird sich niemand und sollte sich auch niemand nehmen lassen, der es mit der Eintracht hält. Doch das gilt nunmal nicht für Journalisten, die den Finger in die Wunde legen müssen. Das ist die Beschreibung des Berufsbilds, nur so füllt ein Redakteur, ein Reporter seinen Job richtig aus. Und weil das so ist, muss ich eine Bemerkung kritischer Natur tätigen.

Sie rankt sich um die Summen, die derzeit für die bekannten Neuverpflichtungen ausgegeben zu werden scheinen. Es sind durchaus stolze Beträge (2,2 Mio für Johannes Flum, bis zu 2,5 Mio für Edgar Prib). Unabhängig davon, ob der eine oder andere Hunderttausender weniger fällig wird, sprechen wir von über vier Millionen Euro Investitionssumme in Spieler, die vor allem der Breite (wichtige Baustelle!) des Kaders dienen dürften. Für Eintracht-Verhältnisse sind das bemerkenswert leicht und geräuschlos ausgegebenen Beträge. Bedenkt man, dass man für das Duo Stefan Aigner und Takashi Inui keine 1,5 Millionen Euro ausgab (ja, Spieler aus der zweiten Liga), gilt das verstärkt.

Man fragt sich, wo die Eintracht dieses Geld nun so scheinbar locker flockig her nimmt. Es ist kein halbes Jahr her, dass die Defizitzahlen des Abstiegs präsentiert wurden. Und der Wiederaufstieg selbst bzw. Rang 6 in der Liga federn das ganze nur teilweise ab. Zumal Europa noch nicht 100%ig gebucht ist, zumindest nicht die lukrative Gruppenphase. Auch in der Fernsehgeld-Tabelle der Bundesliga hängt ein Geldsegen davon ab, ob die Investorentruppe aus Hoppenheim (bitte) noch absteigt oder nicht.

Sollte der neue Sponsor Alfa Romeo, bzw. das Fiatkonsortium, tatsächlich die Schatulle so weit geöffnet haben um solche Summen für – ohne das abschätzig zu meinen – Breitentransfers zu ermöglichen? Wenn besagte 4+ Millionen schon dafür ausgegeben werden, was ist man dann bereit für den einen Top-Mann (Sturm/Ya Konan?), den es brauchen wird, zu zahlen? Eine spannende Frage, wie ich finde. Denn trotz der Beteuerungen Heribert Bruchhagens, dass kein Knallertransfer gestemmt werden kann (wer redet schon von den Pizarros dieser Welt?), wird die Eintracht kaum drum herum kommen ein, zwei Spieler zu verpflichten, die das Team sofort um 8,9,10 Prozent in der Spitze besser machen. Natürlich hängt Qualität nicht vom Geld, von der Höhe der Ablöse zusammen. Das sollte jeder spätestens nach dem Einkauf Stefan Aigners wissen. Jedoch versucht die Eintracht nun mit Klubs und in sportlichen Tabellenbereichen zu konkurieren, zu landen, in denen Geld leider doch über Vieles entscheidet. Man darf also gespannt auf die kommenden Wochen blicken, denn das eine oder andere Milliönchen wird aller Voraussicht nach noch in neue Spieler gesteckt werden. Und nur Spieler aus der zweiten Reihe werden das nicht sein; Konzept hin, Konzept her.

1 Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Der Basar öffnet

Die eine Seite:

Karim Matmour, Olivier Occean, Martin Lanig, Constant Djakpa, Martin Amedick, Heiko Butscher, Sonny Kittel und Vadim Demidov (ja, der kehrt zurück) teilen ein Schicksal: Sie alle werden bei Eintracht Frankfurt, mehr oder weniger verständlich keine Zukunft haben. Acht Profis, von denen viele auch für die nächste Saison noch gültige Verträge haben. Von denen aber niemand mehr spielen wird. Für wen wird es Angebote geben? Wer will wechseln, wenn es eines gibt? Und da Pirmin Schwegler, der Kapitän, wohl ebenfalls den Verein verlassen wird (drei Millionen Euro Ablöse stehen im Raum), dürften es neun Abgänge anno 2013 sein.

Die andere Seite:

Johannes Flum und Jan Rosenthal sind die bislang bekannten Neuverpflichtungen. Edgar Prib (Außenmittelfeldspieler von Fürth) soll ebenfalls auf dem Sprung zur Eintracht sein. Dass Marco Russ von Wolfsburg gekauft wird, darf ebenfalls angenommen werden. Wo also werden die Baustellen liegen, um das Team nicht nur in der Breite – das wäre mit den getätigten Transfers durchaus erreicht – zu verstärken, sondern auch darüber hinaus? Der Sturm wird ein Thema bleiben, Srdjan Lakics Ausleihe hin oder her. Dort war lange der Name Daniel Ginczek (Dortmund/St.Pauli) im Gespräch. Dieser scheint Nürnberg zu bevorzugen, was schade ist. Der überragende Torjäger der zweiten Bundesliga hätte einer sein können, zumal er in Bruno Hübners Transferschema passen würde/gepasst hätte. Im Mittelfeld scheint man angesichts der bereits getätigten Neuverpflichtungen ausreichend gut aufgestellt zu sein. Rosenthal als Meier-Ersatz bzw. Variante für das Dreiersystem hinter der Spitze, Flum als flexibel einsetzbarer Spieler á la Benny Köhler überall in Mittelfeld und Innenverteidigung, Prib als Konkurrenz für Inui und Aigner: Je nach dem ob Schwegler wechselt oder nicht, wäre da nur noch insofern Handlungsbedarf. In der Abwehr gibt es nur Außen Verbesserungsbedarf, dort aber dringend. Auf der Linksverteidigerposition wird jemand benötigt, der Bastian Oczipka mächtig Druck macht oder gleich zum Ersatzmann werden lässt. Das war die Schwachstelle, der Risikofaktor der Saison. Zumal, wenn Oczipka – und das war sei Dezember der Fall – auch offensiv nicht mehr funktioniert. Das hat mit Kraft/Kraftreserven alleine nichts zutun.
Im Tor muss man sich angesichts von Oka Nikolovs Vertragsverlängerung keine Sorgen machen, er hat eindrucksvoll seine Klasse bewiesen. Und mit Aykut Özer ist jetzt eine Nummer drei im Team, die nervös, aber immerhin erstmals im Kasten stand.

Fazit: Was / wen braucht es:

Im Sturm muss dringend ein neuer Mann her, im Mittelfeld – je nach Schweglers Entscheidung und ob Prib tatsächlich aus Fürth kommt – eventuell noch ein weiterer. In der Abwehr – wenn Russ gekauft wird – dringend noch jemand für die linke Außenbahn. Das macht, zusätzlich zu den bislang (Fast-)Verpflichteten, noch zwei bis drei Neuzugänge. Europa, bzw. die Qualifikationsrunde dafür, sollte ein starkes Argument für die Transferverhandlungen sein. Aber: In der von Bruno Hübner so beäugten zweiten Bundesliga gab es anno 2012/2013 außer Daniel Ginczek keinen gleichsam starken wie noch weiter entwicklungsfähigen Profi. Zumindest im Sturm nicht.

Naheliegende Kandidaten aus der zweiten und dritten Liga:

Leon Goretzka  (18) vom VfL Bochum fürs zentral defensive Mittelfeld —> Die halbe erste Liga soll ihn jagen, und Bochum hielt zudem die Klasse. Dürfte kaum möglich für die Eintracht sein, ihn zu locken.

Christian Clemens (21) von FC Köln für Außenbahn und offensives Zentrum im Mittelfeld –> Unter anderem Schalke ist an ihm dran, gilt zudem als sehr heimatverbunden. Wird wissen, dass Köln kommende Saison ganz dick im Aufstiegsrennen sein wird. Kaum vorstellbar, dass er zur Eintracht wechselt.

Andrew Wooten (23) von SV Sandhausen/FC Kaiserslautern für den Sturm —> Der FCK hat ein Überangebot an Stürmern, wenn Idrissou/Hoffer/Bunjaku an Bord bleiben. Wooten kann aber auch Außen spielen, hat dort auch durchaus  Chancen beim FCK. Steigt der FCK auf, ist das für die Eintracht kein unrealistischer Transfer. Bleibt der FCK zweitklassig, werden Stürmer den Klub vielleicht verlassen und Wooten hätte seinen Platz sicher.

Hakan Calhanoglu (19) von Karlsruher SC/Hamburger SV fürs zentrale Mittelfeld —> Hat bereits vor langem beim HSV unterschrieben, die ihn dringend benötigen werden. Keine Chance für die Eintracht als direkter Konkurrent der Hamburger, da etwas zu drehen.

—> Was bereits bei einem kurzen Blick über / in Liga zwei und drei auffällt: In der Offensive, zumal im Sturm fallen wenige Spieler aus der Reihe. Daniel Ginczek wäre einer gewesen, doch hat der sich für Nürnberg entschieden.

Innerdeutsche Kandidaten für den Sturm:

Sebastian Polter (22) vom VfL Wolfsburg für den Sturm –> Ausgeliehen an Nürnberg wird er nach Rückkehr beim nördlichen Investorenklub wenig Chancen haben. Hat noch bis 2014 Vertrag, wäre wohl unterhalb von Mondpreisen zu haben. Konnte sich allerdings selbst beim offensivschwachen Club nicht wirklich durchsetzten. Transfer zur Eintracht wäre zwar denkbar – aber qualitativ wünschenswert? Dickes Fragezeichen.

Teemu Pukki (23) von Schalke 04 für den Sturm —> Bei Schalke nur noch eine Nebenrolle, wollte man ihn schon zur Winterpause ziehen lassen. Vertrag bis 2014, könnte finanziell für die Eintracht machbar sein – zumal als Deal, falls Schwegler nach Gelsenkirchen wechselt.

Karim Bellarabi (23) von Bayer Leverkusen für das offensive Mittelfeld –> Bei Leverkusen phasenweise ins Team gespielt, aber seit längerem verletzt. Wurde schon in der Winterpause in Frankfurt gehandelt. Vertrag bis 2104 und wahrscheinlich auch finanziell machbar. Aber: Sein Heimatverein Braunschweig will ihn zurück und laut Zeitungslektüre offenbar die besten Chancen.

Didier Ya Konan (29) von Hannover 96 für den Sturm —> Trifft seit Jahren für Hannover, spielt auch mal im 4-2-3-1 offensiv Außen. Für 3 Millionen Euro soll er zu haben sein, Vertrag endet 2014 und die Niedersachsen haben bereits mit Artur Sobiech den Vertrag verlängert, so dass Ya Konan signalisiert wurde: du darfst wechseln. Für die Eintracht wäre das finanziell wie sportlich wohl der Königstransfer. Frage 1: Hat man nach den Ausgaben von ca. 4 Mio. + für Flum, Prib, Rosenthal überhaupt so viel Geld? (Mit Schwegler und dessen 3 Mio. Ablöse ja). Frage 2: Gleichalt wie Lakic, wären die Millionen keine Investition in Spieler, die den Verein in die Lage versetzen würden, in drei, vier Jahren noch Ablöse für sie zu bekommen.

Sven Schipplock (24) von Hoppenheim für den Sturm –> Bei Abstieg des Investorenklubs und Vertrag bis 2014 sollte er für die Eintracht zu bekommen sein. Seine Torquote ist stark (8 Scorerpunkte in 16 Spielen und nur 567 Einsatzminuten in einer Absteigersaison). Sollte man als Frankfurter im Auge behalten.

Darüber hinaus gibt es einen unüberschaubaren Pool an Spielern aus mir unbekannten Ligen. Dass irgendjemand, gerade ein Offensiver auch aus dem Ausland verpflichtet wird, ist durchaus denkbar. Im Kern wird aber in Deutschland nach Spielern gesucht werden; und mich würde es wundern, wenn nicht der eine oder andere aus der obenstehenden Liste auf dem Zettel Bruno Hübners stünde.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Unsere Reiseziele

In der 3. Qualifikationsrunde Anfang August, in der Frankfurt regulär startet, wären mögliche Gegner:

Besiktas Istanbul

Swansea City

Udinese

Betis Sevilla oder FC Sevilla oder Getafe oder Vallecano (da Malaga, 6. in Spanien, für 1 Jahr in Europa gesperrt ist)

Vitesse Arnheim

FC Zürich

FC Brügge

Rapid Wien

Hibernian Edinburgh

Spartak Moskau oder Kuban Krasnodar oder Rubin Kasan

Dnipro Dnipropetrowsk (Ukraine)

Astera Tripolis (Griechenland)

Jablonec (Tschechien)

Randers FC (Norwegen)

Hapoel Ramat Gan (Israel)

Estoril (Portugal)

+ 40 weitere Sieger der 2. Qualifikationsrunde wie etwa Sparta Prag oder Rosenborg Trondheim.

——————–

29 Paarungen gibt es in der 3. Qualifkationsrunde, danach startet eine KO-Rude Playoff; wo, falls sich die Eintracht in der Quali durchsetzt oder Bayern München das Pokalfinale gegen Stuttgart gewinnt, Teams folgender Kategorie warten:

Tottenham Hotspur

Dynamo Kiew

Feyernoord Rotterdam

AC Florenz

AS Saint Etienne

AZ Alkmaar

SC Braga (Portugal)

+ 15 Teams, die es nicht in die Champions League geschafft haben. (Die größten Namen, die aber gesetzt sind und höchstwahrscheinlich nicht ausscheiden: Celtic Glasgow, BATE Borrisov, Dinamo Zagreb, Steau Bukarest)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Magie des Moments

Wenn sich wildfremde Menschen in den Armen liegen, sie sich freudestrahlend anschreien, sich gegenseitig rütteln, schütteln, weinen: Dann ist Großes, Historisches geschehen. Die Eintrachtfans, die das Privileg genossen, die 90. Minuten im Stadion zu erleben, werden dies nicht vergessen.

Sekunden bevor auf dem Videowürfel das Ergebnis in Hamburg eingeblendet wurde, staute sich eine erwartungsfrohe Extase im Stehblock auf, die ihresgleichen suchte. Es waren vielleicht zehn Sekunden der Unruhe, des Rauschens, dann erschien die ellenlange Anzeige der Frankfurter Neuen Presse, die Zwischenstände präsentiert – und dann leuchtet das 0:1 für Leverkusen in Hamburg auf, Stefan Kießling als bester Frankfurter des Tages erzielte es. Was in den Sekunden danach auf den Rängen passierte, ist so in diesem Stadion noch nie dagewesen. Ein ohrenbetäubender, freudetrunkener Lärm brach sich Bahn, er führte wenige Sekunden nach der Nachricht sogar zum 2:2 – weil Wolfsburgs Verteidiger das Kommando seines Torwarts nicht hören konnte. Dieses Tor, die endgültige Entscheidung wurde gefeiert, ja, aber sie fühlte sich wie eine kleine Lärmspitze inmitten eines Jumbojet-Starts an. Die Emotionen hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon verselbstständigt, Tränen flossen den Fans die Wangen herunter, Schluchzen und Zittern waren in allen Blöcken zu hören, zu sehen. Oberhalb von Block 41 sprangen, fielen Zuschauer tanzend und kreischend die Treppen herunter – sollte sich jemand verletzt haben dabei, merkte er/sie es selber nicht, zu aufgeregt, zu gelöst und voller Adrenalin gepumpt war der Körper.

Mausetod, aufkeimende Hoffnung, Elfmetertor, Rote Karte, Abseitstor, Rückstand, Torwartwechsel, Aufholjagd, Europa: Es war das Ende eines Eintrachtspiels, wie es typischer für diesen Verein nicht sein könnte. Und die Erlösung wird sich bei keinem Verein der Welt in solchen Emotionsausbrüchen, vulkanartig, ihren Weg durch Körper und Geist suchen. Die Anspannung, die Ungewissheit, das Zittern, das Wissen, das nichts souverän, nervenschonend über die Bühne gehen wird  – welche Fangruppe kann schon nachempfinden, wie sich das als Dauerzustand, quasi als Markenkern des Vereins anfühlt?! Seine Siege zu schätzen wissen, diese Worte hingen vor wenigen Monaten als Banner im Stadion. Sie sind so wahr. Damals, heute, morgen. Und genau deshalb, weil man in der Vergangenheit so viele kleine und große Rückschläge erlitten, Chancen liegengelassen und Abstiege verkraftet hat, war, ist es so wichtig, auf Rang 6 eingelaufen zu sein. Unabhängig von dem, was nun in Richtung Europa Leauge passiert oder nicht.

Diese Entspannung kann man sich nun leisten, da eine Saison – zudem aus eigener Kraft – gekrönt wurde. Über 34 Spieltage war man nie schlechter als Position 6 – und das ist eine famose Leistung. Dabei sah alles danach aus, als würde das Team, wie befürchtet, verkacken. Denn sls Bastian Oczipka, der in der kommenden Saison nicht mehr viele Spiele von Beginn an absolvieren wird,  seinen dritten Stellungsfehler binnen 20 Minuten produziert hatte und Wolfsburgs Stürmer den Ball diletantisch per Vollspann an das Lattenkreuz nagelte anstatt die Pille mit der Innenseite zu schieben, hätte bereits alles vorbei sein können. 0:1, 0:2, Lattenschuss – selbst als Alex Meier, der nun hoffentlich endlich auch beim letzten Querkopf als DER Spieler Eintracht Frankfurts geschätzt wird – den Anschlusstreffer erzielte, Wolfsburg nur noch zu zehnt war … so richtig nahm dem Team das die Angst nicht. Die Anfangsphase der zweiten Halbzeit, als Linksverteidiger Oczipka endlich ausgewechselt war und Constant Djakpa – von dem jeder weiß, dass er als Hoffnungsträger eigentlich nicht taugt – die Seite dicht machte, durfte man wieder auf den Rängen an das Unmögliche glauben. Plötzlich war Zug im Spiel, Zugriff hatte man auf die Partie. Das Abseitstor von Marco Russ, es passte in die Phase, in die Gemütslage, es passte zu Eintracht Frankfurt.

Und irgendwann, auf dem Videowürfel erschienen stets Resultate, wurden Tore rund um Hamburg angezeigt, kroch das Spiel in Richtung Schlussphase. Dann türmte sich die Welle der Emotionen auf, die Erlösung griff um sich und die Fans spürten um die geschichtsträchtige Magie des Moments.

Danke Eintracht Frankfurt! Für eine Saison, für einen Saisonabschluss, der den vergangenen gut zwei Jahren würdig war. Wenn die nächste Saison solide gespielt wird, keine Negativspirale einsetzt, wird man behaupten können,dass der Abstieg in der Skibbesaison am Ende offenbar einem Zweck diente, den man vielleicht erst allmählich begreift.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Einzelkritik vs. VfL Wolfsburg

Oka Nikolov: Machtlos bei den Gegentoren, hielt sonst, was er halten muss. Auswechslung spektakulär, in so einem Spiel. Macht noch ein bis fünf Jahre weiter – sehr gut!

Carlos Zambrano: Mal resolut und stark, mal larifari und wackelig – vor allem akut Rot gefährdet. Wieder mal. Daher die Auswechselung. Auch aus Leistungsgründen nachvollziehbar. Danach bliebs völlig dicht hinten.

Bamba Anderson: Legte die Wolfsburger Offensive an die Kette, stand oft im Zentrum des Geschehns – als Turm. Lattenkopfball, da hatte er Pech. Gute Partie weitestgehend.

Sebastian Jung: Nicht so durchschlagskräftig wie häufig in der Saison, aber er trieb immer wieder das Spiel nach vorn. Nervös war er, das merkte man.

Bastian Oczipka: Grauenvoll. Unsicherheitsfaktor Nr. 1, ließ seine Gegenspieler machen, was sie wollten. Als er ausgewechselt wurde, wurde das ganze Team stärker. Zufall? Mitnichten. Mal wieder.

Marco Russ: Ganz stark, räumte wieder resolut ab und ackerte sich auch nach vorne eins. Muss verpflichtet werden, weil er Schweglers Ausfälle über Wochen vergessen machte. Er war sogar durchaus stärker als der Schweizer, zuletzt.

Sebastian Rode: Schwungvoll, mutig, agil und auch in der verschlafenen ersten Halbzeit auf der Höhe. Er ist rechtzeitig aus seinem tiefen Tief gekrochen.

Takashi Inui: Unglaublich eigensinnig. Zog drei Mal aus spitzem Winkel ab, obwohl jedesmal der Flachpass in die Mitte hätte kommen müssen. Holte den Elfmeter raus, das war die beste Aktion. Dribbelte manchmal aber auch produktiv.

Stefan Aigner: Seltsam blass, ihm gelang zudem wenig. Begleitete das 2:2 ins Tor, da setzte er den Verteidiger gut unter Druck. Seine beste Aktion. Das sei verziehen.

Alexander Meier: Der Star des Teams hat auch die Eier. Das wichtige 1:2 per Elfmeter war überlebenswichtig zu dem Zeitpunkt. Auch sonst mit den Füßen immer im Spiel, wenn es mal gefährlich wurde. Ginge es nach Leistung, wäre er Nationalspieler.

Srdjan Lakic: Hing in der Luft, ohne Torabschluss. War unsichtbar, dribbelte einmal den Ball fast ins eigene Tor – das war wenig insgesamt.

————————–

Constant Djakpa: DER Faktor, dass es am Ende aus eigener Kraft für Europa reichte. Dann spielte Frakfurt zu elft, er lies nichts mehr zu und spielte sogar zwei Traumpässe.

Aykut Özer: Was muss ihm der Stift gegangen sein! Debüt in so einem Spiel, in so einer Phase. Und er wackelte – einmal rutschte ihm die Kugel fast vor des Gegners Füße. Es sei verziehen.

Pirmin Schwegler: Das 2:2 leitete er letztlich ein, aber man merkte ihm die wochenlange Pause an. Kam nicht so recht an in der Partie, das ist aber normal nach einer Verletzung. Rannte mit und für die anderen, das ist entscheidend.

———————-

Armin Veh: Er hat es geschafft. Die zweite Meisterschaft mit einem Underdog, wenn man so will. Auf dem Zahnfleisch kroch er mit dem Team ins Finale um Europa und rettte die Saison ins Ziel. Traf in diesem Spiel die richtigen Entscheidungen mit den Wechseln,fand in der Halbzeit die richtigen Worte. Gespannt wird man sein, wer ab sofort verpflichtet wird. Chapeau, Herr Veh, Sie haben sich in Frankfurt unsterblich gemacht.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Das Finale

So inflationär, wie in dieser Spielzeit von Schlüsselspielen gesprochen wurde, hat das Wort jede Schärfe, jede Brisanz und jeden Inhalt verloren. Man immer es gegen direkte Konkurrenten ging, so die Geschichte 2012/2013, fühlten sich viele bemüßigt von einem eben solchen zu reden. Und ein wenig Ironie steckt schon dahinter, dass das einzige wahre Schlüsselspiel der Saison am letzten Spieltag über die Bühne geht, ein Finale im wahrsten Sinne des Wortes ist. Das ganze noch gegen ein Team, das eben kein direkter Konkurrent war in dieser Saison.

In wenigen Stunden wird jedenfalls ein Spiel an- und 110 Minuten später abgepfiffen, das die Deutungshoheit über ein ganzes Fußballjahr festlegt; über Wochen, Monate, vielleicht Jahre. Rutscht die Eintracht heute aus den Europapokalrängen, ist die Saison von einem dunklen Schleier umhüllt. Die vertane Chance würde den gefahrlosen, überragenden Klassenerhalt und eine Top-Platzierung überstrahlen. Betonte Zufriedenheit wäre, bei allem Respekt für die Gesamtleistung der Mannschaft, angesichts dessen Fehl am Platz. Der Verein wird die PR-Maschine unabhängig vom Ergebnis anwerfen und in diese Richtung lenken. Legitim, aber nervig und schmerzhaft zugleich wäre das.

Krallt sich das Team jedoch an Rang 6 fest, wird über Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte etwas Großes in der Erinnerung bleiben. Wie ich schon vor rund drei Wochen schrieb: Armin Vehs Meisterschaft mit Stuttgart ist von der Wertigkeit nicht viel höher einzuschätzen als das, was heute gegen 17.25 Uhr spruchreif sein könnte. In den vergangenen Tagen lag eine angespannte Atmosphäre über Frankfurt. Ist Wolfsburg ein dankbarer Gegner, wie viele meinen, oder einer der ungemütlichsten, den man sich vorstellen kann? Es ist wie immer im Leben: Optimisten und Pessimisten haben unterschiedliche Auffassungen, weil sie verschiedene Sichtweisen auf die Dinge pflegen. Die einen sehen die schwache, bestenfalls unbeständige Radkappen-Truppe aus der Hinrunde. Die anderen sehen den Wandel seit Dieter Hecking Trainer ist und schauen auf die VfL-Auswärtsbilanz (drittbestes Team der Liga). Dazu mengen beide Lager ihre Eindrücke aus dem Bremenspiel – die einen sehen den Punkt als wichtig und verdient, die anderen als nicht ausreichend und glücklich. Über die Leistung selbst ist man sich ebenfalls uneins: War das 30 Minuten schwach und 60 Minuten stark, oder 30 Minuten schwach, 15 Minuten stark und 45 Minuten Geplänkel? So richtig überzeugend, sattelfest und entschlossen bissig, so viel ist wohl Konsens, war der Auftritt in Norddeutschland nicht. Clever? Das kann man so sehen, obwohl die Interviews der Spieler nach Abpfiff durchaus unterschiedliche Analysen zulassen.

Aus all dem zieht jeder Fan seine Schlüsse. Aus all dem wurstelt er sich seine Gemütslage vor dem alles entscheidenden Spiel zurecht. 51 000 verschiedene emotionale Zustände in rot-schwarz werden wir erleben. Vieles werden wir unterschiedlich bewerten. Nur in einem Punkt werden sich alle einig sein: Reicht es nach Abpfiff irgendwie zu Rang 6, wird eine Welle der freudigen Erleichterung durch das Stadion und viele Wohnzimmer schwappen. Die Party kann beginnen – hoffentlich.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Nase vor Können

Joachim Löw sagt über Alex Meier, dass er zu alt ist. Mit 30 Jahren. Der Typ, also Löw, ist doch eine Fluppe hoch zehn!

Heiko Westermann darf mit. HEIKO WESTERMANN !!!! Der ist nicht nur keinen Deut jünger als Meier, der ist vor allem wesentlich wurstiger. Und Marcell Jansen. Das ewige Talent. 27 Lenze zählt es mittlerweile, von über Jahre mageren Leistungen bei und mit dem Hamburger SV ganz zu schweigen. Egal: Kommt mit.

Und wie aus dem Nichts steht da ein Mainzer namens Nicolai Müller im Aufgebot. Das setzt dem ganzen noch die Krone auf. Du musst heute keine Leistung mehr bringen, Können? Iwo! Du muss die richtige Nase haben – das ist der Stempe, die Erkenntnis der Ära Klinsmann/Löw, Löw/Flick. Bubis rein, Hauptsache Jünglinge. Antik griechische Züge trägt das ja, was die Schalgang vorlebt.

Und hofiert wird sie dafür auch noch, diese Clique. Von einer anderen Clique, Leuten, die immer schön auf Du&Du mit diesen Typen aus sind. Man möchte ja keine negativen Schwingungen aufkommen lassen als Sportjournalist. Lieber Lauwarmes servieren. Oder am besten die Pressemitteilung vom DFB gleich 1:1 übernehmen. So kommts einem zumindest vor wenn man sich die Reaktionen auf alles, was die Baden-Clique so macht, ansieht.

Ach, was rege ich mich unnötig auf. Nationalmannschaft ist mir ohnehin sowas von egal. Und wichtig ist sowieso nur Samstag. Unsere Saison steht oder fällt zu weiten Teilen im Stadtwald gegen Wolfsburg. Da wirds der Meier Alex dem Weichgespülten schon zeigen. Am liebsten für jedes Altersjahr eine Hütte, Alex!

1 Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge