Monatsarchiv: Oktober 2011

Einzelkritik vs. Ingolstadt

Oka Nikolov: War der Schuss zum 0:1 haltbar, oder war er es nicht? Wenn Tore aus solcher Distanz fallen, kann man den Torhüter nie ganz von der Schuld freisprechen.  Doch den Fehler-Schuh müssen sich andere anziehen.

Bamba Anderson: Bester Frankfurter an dem Spieltag. Lies – bis auf die Anfangsphase – hinten nichts anbrennen, spielte vernünftige erste Bälle und hat sich nichts vorzuwerfen.

Gordon Schildenfeld: Hat nicht mal versucht den Torschützen bei dessen Lauf aufs Tor zu stören. Hätte den Fehler des Vordermannes so vermutlich wettmachen können. Ansonsten fehlerlos, nur in der Anfangsviertelstunde – wie die ganze Defensive – wackelig.

Sebastian Jung: Erstmals maßgeblich dafür verantwortlich, dass die rechte Seite besser war als die linke – oder zumindest die weniger schwache. Spielt den Rechtsverteidiger ansonsten viel konservativer als in den vergangenen 1,5 Jahren. Nach wie vor form- und leistungstechnich noch lange nicht da, wo er mal war.

Constant Djakpa: Auch gegen Ingolstadt gab es an Djakpas Spielweise viel zu kritisieren: Wirr, aufgeregt, schlampiges Passspiel. Immerhin ist er schnell, hängt sich voll rein und arbeitet. Nur misslingt ihm einfach zu viel.

Pirmin Schwegler: Verlor den Ball leichtfertig vor dem 0:1. Hatte, wie das ganze Mittelfeld, keine Chance gegen Ingolstadts klassische Manndeckung. Gab die Vorlage zum 1:1 – immerhin.

Benjamin Köhler: Durch Manndeckung völlig aus dem Spiel genommen. Nicht mal seine Ballsicherheit kam zum Tragen, hatte keine Bindung zum Spiel. Folgerichtige Auswechslung.

Sebastian Rode: Er ist der Djakpa des Mittelfelds. Lauffreudig, schnell und bissig – aber wirr und mit vielen schlampigen Ballverlusten. Es nutzt nichts, nur Bälle zu erkämpfen, die man vorher selbst verloren hat, oder Bälle zu erlaufen um sie dann wieder zum Gegner zu passen.

Alexander Meier: Siehe Benjamin Köhler. Musste ständig auf die Außenbahn weichen, auch defensiv, weil nirgendwo Kombinbationen glückten.

Theofanis Gekas:  Es kann kein Zufall sein, dass (auch) die runderneuerte Mannschaft in lange oder hohe Bälle in die Spitze verfällt sobald die Nummer 9 auf dem Platz steht. Wieso hat Veh ihn aufgestellt, obwohl er nur einmal voll trainierte vergangene Woche?

Mo Idrissou:  Kein Torschuss, kein gehaltener Ball, kein erarbeiteter Freistoß – das war gar nichts. Lief wieder viel, war aber sichtbar platt vom Pokalspiel.

Karim Matmour: Nach vielen vielen Jahren hat die Eintracht wieder einen klassischen Joker. Seine Statistiken sprechen für ihn – seine Spielweise taugt jedoch kaum für mehr als die Joker-Rolle. Trotzdem: Sonderlob.

Armin Veh: Ja, der DFB Pokal hat Kraft gekostet. Vielleicht nicht mal so sehr physisch, sondern psychisch. So ein Ding streichst du nicht mal eben aus dem Kopf. Einige Spieler waren am Mittwoch sichtbar platt – siehe Hoffer oder Djakpa. Das dürfte auch der Grund für bspw. Gekas Hereinnahme gegen Ingolstadt sein. Dennoch: Zu späte Wechsel. Idrissou bspw. war früh fertig – wozu hat man Friend geholt?

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Warnschuss für den FC Bayern der 2. Liga

Sechs Minuten Nachspielzeit – wie oft hat sich unsereins über solche Entscheidungen schon aufgeregt, wenn sie den (wahren) FC Bayern München betrafen! Und wieso? Weil diese Mannschaft seit Äonen in dieser Zeit noch jenes eine entscheidende Tor schießt.
Bruno Hübner jedenfalls wird sich freuen. Über einen erduselten Punktgewinn, der eigentlich ein Verlust ist, sowie über seinen wohl bestätigten Satz aus dem Juli: „Wir sind die Bayern der 2. Liga“. Ein zwar nach wie vor extrem peinlicher Satz, jedoch trifft er sportlich einen Kern: Wer die Drecksspiele gewinnt – naja, zumindest sie nicht verliert – steigt auf. Diese Erkenntnis hat etwas Beruhigendes, andernfalls dürfte man tagelang nicht aus dem Wutanfall herauskommen, den das Spiel gegen den FC Ingolstadt auslöste.

Ja, 120 Minuten gegen einen klassenhöheren Gegner stecken in den Knochen. Niemand kann ernsthaft erwarten, dass wenige Tage später alles weitergeht als sei nichts gewesen. Wobei das Körperliche gar nicht das Problem war, wie man am Ausgeich in der 96 (!) Minute sah. Es war die Psyche. Kassier ein Gegentor in der 119., in einem Spiel, dass du „problemlos“ hättest gewinnen können. Das hängt im Kopf, das geht nicht mal so nebenbei raus. Von daher ist es Gold wert, den Spieß in Ingolstadt dahingehend umgedreht zu haben: Ein spätes Tor, leider nur zum Ausgleich.

Durchschnaufen. Aber das Gesagte ändert nichts am Befund, dass es ein grauenvolles Spiel war. Vielleicht das Schlechteste seit Beginn der Saison. Es war phasenweise die Blaupause der vergangenen Rückrunde – nur gegen einen schlechteren Gegner.
Das Spiel hätte nach 15 Minuten schon vorbei sein können. Zwei Mal hatte Ingolstadt die Chance, einzunetzen. Fällt da ein Gegentor … man mag angesichts dieses lahmen Auftritts gar nicht dran denken. Und doch, wer es in 75, 80 Minuten nicht schafft auch nur ein einziges Mal auf des Gegners (ich erinnere: Tabellenletzter der 2. Bundesliga, zuletzt mit 0:6 abserviert worden) Tor zu schießen, der muss sich Kritik, viel Kritik anhören – und sie annehmen. Begreift die Mannschaft dieses Spiel als Warnschuss, besinnt sie sich wieder auf das schnelle, flache (!) Fußballspiel, kann diese beinahe-Niederlage nützlicher sein als sie aktuell erscheint. Das Dumme an solchen Sätzen ist der Konjunktiv …

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Graue Mäuse

„Als graue Maus wird ein unauffälliger Mensch meist weiblichen Geschlechts bezeichnet. Weiteres Merkmal ist die Bescheidenheit, die allerdings auch vorgeschützt sein kann. Eine unauffällige – eben als grau empfundene – Kleidung verstärkt dieses Bild der betreffenden Person oft zusätzlich.

Im Wörterbuch der Mikropolitik heißt es dazu: „Auch kulturelle Faktoren beeinflussen den Stil der Selbstdarstellung: In einem Land, in dem Bescheidenheit und Kollektivismus normativ sind, wie z. B. Japan, wird assertive Selbstdarstellung seltener sein als in einer Kultur, in der v.a. individuelle Leistung zählt (z. B. USA)“.[1] Jeder Stil sei mit Chancen und Risiken verbunden: eine „graue Maus“ (Tarnkappen-Effekt) bleibe zwar unauffällig und meist außer Gefahr, könne aber auch nicht positiv hervortreten.

In der Bundesliga wurde oft der VfL Bochum als graue Maus bezeichnet, da sie zwar 20 Jahre lang die Klasse hielten, aber auch nie im oberen Tabellenfeld zu finden waren.“

… schreibt Wikipedia zu dem Thema.

Abgesehen daovn, dass ich es skurril finde, dass diese Redewendung angeblich vor allem auf Frauen gemünzt wird, ist der letzte Absatz für uns Fußballaffine von Belang.
Ums passig zu machen, ersetzen wir den VfL Bochum jedoch durch den SC Paderborn. Dieser gilt mittlerweile als das Synonym der Zweitklassigkeit: Da will man nicht hin, Punkt. Gilt übrigens ebenso für Ingolstadt, die Schanzer, den morgigen Gegner unserer Eintracht.
Zurück zu Paderborn. Diese angeblich so triste, langweilige, unter-durchschnittliche Zweitliga-Mannschaft – gegen welche die SGE 0:0 spielte – schickt sich mal eben an, als einzige im Konzert der Großen Vier (St. Pauli, Düsseldorf, Fürth, Eintracht) mitspielen zu können. Was hat es nach dem Unentschieden der Eintracht gegen diese Sauerländer nicht geschimpft, dass Frankfurter Stadion-Volk und die anonyme Internet-Öffentlichkeit.
Und jetzt, einige Wochen und Ergebnisse später, zeigt sich, dass die Papierform so viel wert ist wie die Meinung der ganzen unreflektierten Fan-Lautsprecher. Wir Eintracht, ihr Nichtskönner – dieses Credo der Überheblichkeit, diese Arroganz, ist es, die der Eintracht viele Jahre nachgesagt wurde. Der Grund, wieso sie stets gegen die angeblich Kleinen Punkte verlor. Doch das Problem hat sich verlagert. Es ist nicht mehr die Mannschaft, die so denkt oder spielt, erst recht nicht die Funktionäre – es sind die Fans. Jene Generation, die bis heute glaubt, dass die späten 80er und frühen 90er das  eigentliche Eintracht Frankfurt wiederspiegeln – und was die Anspruchshaltung sein soll, sein muss. Selbst jetzt, im Herbst 2011 in Bundesliga Zwei.
Vereint sind wir alle in der Hoffnung,  dass die Mannschaft den Wiederaufstieg schafft – getrennt sind und bleiben wir aber in der Kenntnis über das Spiel Fußball als solches.

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„Dann höre ich auf“

„Dann höre ich auf“, sagt Trainer Armin Veh. 28 Punkte nach 12 Spielen, mehr als voll im Soll in der Liga, unglücklich im Pokal ausgeschieden. Worauf könnte der Eintracht-Trainer seine Aussage bezogen haben?
Richtig. Auf die Forderung, Auswärts-Fahrern künftig keine EIntrittskarten mehr zu verkaufen. Anlass der Diskussion: Die vorhersehbaren Ausschreitungen rund um das DFB-Pokalspiel gegen Kaiserslautern. Jetzt steht es nicht im Arbeitsvertrag eines Fußballtrainers, dass dieser Vorschläge zur Bekämpfung der Idioten-Problematik in der Frankfurter Fanszene unterbreiten muss.
Dennoch stellt sich die Frage, ob es nicht spätestens (wie oft war es eigentlich schon spätestens?) jetzt an der Zeit ist, tabula rasa zu machen. Wie? Das ist eigentlich egal. Man müsste nur mal mit etwas konkretem anfangen. Es ist nämlich nicht so, als dass es gar keine Möglichkeiten gebe.  Anbei einige wenige durchaus praktikable, wenn denn gewollte Vorschläge:

1. Auswärts-Karten personalisieren.
Niemand kommt in den Block, der nicht namentlich erfasst ist. Bei Zwischenfällen wird allen Ticketinhabern im Auswärtsblock für eine zu bestimmende Zeit keine Karte mehr verkauft.

2. Persönliche Haftung für die DFB-Strafen nach Video-Auswertung
100% in Anspruchnahme bei Ergreifung des Täters (prozentuale Umlage auf die Größte der Täter-Gruppe)  inkl. Stadionverbot(e) für Spiele der Profis UND der U23 – sofern letzterer Ausschluss technisch möglich ist.

3. Sippenhaft durch Videoüberwachung (die bereits Gang und Gäbe ist)
Umlegen von einem gewissen Prozentsatz (bspw. 50%) der Vereinsstrafen auf den Ticketpreis der Steh-Dauerkarten-Inhaber.

4. Sobald sich Zuschauer vermummen bzw. unter Fahnen / Bannern verstecken, marschiert die Polizei in den Block und zieht diese Gruppe raus.

5. Sobald Pyros gezündet werden, schreitet die Polizei ein und leert den gesamten Block.

Das sind nur einige völlig unkreative, aber eben deshalb nicht illusorischen Vorschläge wie man zumindest das Ausmaß begrenzen und den Schaden für den Club gering halten kann. Dazu braucht es keinen Innenminister oder Runden mit Schlips-Trägern.
Es braucht nur den Willen, sich der 800, 900 ohnehin nicht wohlgelittenen, kriminellen Elementen anzunehmen.
Auch das muss Armin Veh qua Arbeitsvertrag übrigens nicht machen. Seine Vorgesetzten hingegen schon. Und die müssten eher sagen „dann höre ich auf“ wenn es ihnen misslingt, gegen die assoziale Brut vorzugehen.

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Ein Spiel dauert 119 Minuten

Richard Sukuta-Pasu. Irgendwie klar, dass ein Nick Nobody aus dem Nichts das entscheidende Tor schießt, nach dem Eintracht Frankfurts – Achtung Wortspiel – dickster Fehleinkauf der Geschichte, auf dem Platz herumtrabte. Nicht, dass Caio schlecht gespielt hätte, aber auch nicht weniger ineffektiv als sonst. Mir sind die Worte jetzt schon zu viel, die ich schreibe. Die Eintracht zeigte, dass sie gegen einen unterdurchschnittlichen Erstligisten mithalten, ihn streckenweise beherrschen kann. Am Ende zählt aber immer das Ergebnis und da steht: Pokalaus Frankfurt.
Trotzdem: Besser dieses Ding abschenken als in der Liga Punkte lassen. Das Team hat den Willen und das Können, aufzusteigen. Jetzt erst recht. Und das packen die auch.

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