Monatsarchiv: November 2011

Von Wutbürgern und Wutspielern

Stuttgart 21, Flughafenausbau Frankfurt, Bahnhof-Bau in Leipzig: Der Bürger reagiert manches Mal mit einer Emotion, die ihm die Zornesröte ins Gesicht steigen und Kräfte sowie Motivation empor steigen lässt, die er von sich gar nicht kannte. Die Emotion, die das bewirkt, nennt sich Wut. Sie ist das, oder zumindest ein Gegenteil von Trauer.

Deshalb stört es mich, wenn Eintracht Frankfurts Kapitän Pirmin Schwegler davon spricht, dass er und die Mannschaft „traurig sind“ über die Niederlage in München. Verdammt nochmal, nein, sauer, zornig, angefressen, wütend sollen sie sein – aber nicht traurig! Sie sollen nicht die Schultern hängen lassen und „och schade“ sagen, sie sollen den Brustkorb rausstrecken und „gegen den KSC schießen wir uns die Wut aus dem Leib“ sagen. Oder wenigstens sollen sie es sich denken und vor allem am Samstag zeigen.

Dass die Niederlage kommt, zumal mit der Formation und pleitegriechischen Besetzung, war klar. Aber ich möchte nun aus dem faktisch Negativen das sehen, was ich wochenlang bei Trainer und Spielern wahrgenommen habe: Einen Lerneffekt. Veh muss gelernt haben, dass 4-2-3-1 untauglich ist, dass Gekas ein Offensiv-Hemmnis für das Team darstellt und dass Tzavellas eben Tzavellas ist. Die Spieler müssen lernen, wütend zu sein. Mehr nicht. Dann klappt`s auch mit einem Sieg gegen Karlsruhe.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Spielplatz der Perspektivlosen

Elia Soriano, 22 Jahre alt und elffacher Torschütze in 18 Spielen für Eintracht Frankfurt II – ihreszeichens Dritter der Regionalliga Süd – ist ein Stürmer.

Und dieser Elia Soriano wird ein Schicksal teilen, dass in diesem Verein seit Jahren alle positiv auffälligen U23 Spieler teilen: Sie werden nicht für die Erste Mannschaft berücksichtigt. Wenn es in Frankfurt ein Spieler zu den Profis schafft, dann interessanterweise stets über die hohen Jugenden: A-Jugend oder B-Jugend. Die Reiferen – sofern man Jungs, die Anfang 20 sind so nennen kann – spielen unter sich perspektivlos in der Regionalliga.

Die U23, so scheint es, wird bei der Eintracht als Hort oder Sammelsurium jener missbraucht, mit denen man Lizenzspielerbereich unzufriedenen ist. Dort spielen sie dann, die Marcel Titsch-Riveros, Dominik Schmidts und Marcos Alvarez‘ (wieso gab man dem gleich wieder einen Vertrag? Ach richtig, weil dessen Papa rumgejault hat, wie klasse der doch wäre *hust*).

Anstatt die Zweite Mannschaft als erste Adresse für hungrige, aufstrebende, motivierte und vielleicht ja sogar gute Nachwuchsleute anzusehen, werden dort lieber die Perspektivlosen geparkt. Oder aber, und da scheint die einzige Schnittstelle zwischen „Amateuren“ und Profis zu sein, dürfen sich Langzeitverletzte nach ihrer Genesung dort temporär verdingen.
Dann staksen sie lustlos über Sportplätze in Unterliederbach, ach nein, Großaspach heißt das, oder Worms und stehlen dem lieben Gott die Zeit. Oder besser: Den Jungen die Praxis.

Und wenn dann im Winter wieder die ersten Verträge für die mittelfristige Zukunft abgeschlossen werden, wird sich Elia Soriano Hoffnungen machen. Darauf, Berücksichtigung zu finden im Reigen der großen Jungs. Ihn wird dann auch im Februar noch keine Nachricht erreicht haben. Oder eben in Form einer Verpflichtung von 31-Jährigen Kanadiern, die nicht spielen. Das teilt Soriano dann zumindest mit einem Profi. Immerhin.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Niederlage mit Ansage

Am Samstag um 12.26 Uhr drückten einem die Öffentlichkeitsarbeiter von 1860 München im Presseraum der AllianzArena einen DIN-A4 Zettel in die Hand. Darauf zu lesen: Die Aufstellungen beider Teams im Spiel, das 34 Minuten später angepfiffen werden sollte.  Zwei Namen tauchten auf dem Papier auf, die mir sofort signalisierten: Heute ist es soweit, heute verliert Eintracht Frankfurt und wird ein Spiel zeigen, dass eine Kopie der Skibbe-Amtszeit sein wird.

Stehen Tzavellas und Gekas in der Startelf, spielt Eintracht Frankfurt keinen Fußball. Auch keinen effektiven, geschweige denn erfolgreichen. So war es 2010, so ist es 2011 und so wird es 2012 bleiben.

Es lässt sich auch auf deren Präsenz zurückführen, dass keine Kombinationen stattfinden und jeder Spielzug statisch wirkt, kein Zug im Spiel ist.  Daran ändert auch kein Tor etwas. Die Körpersprache der Mitspieler wirkt verzweifelt, mutlos und beinahe fatalistisch sobald die Griechen von Beginn auf dem Platz stehen.

Es ist kein Zufall, dass das 0:1 nach zehn Sekunden (!) auf das Konto eben jenes Spielers geht, der in seinem ersten Pflichtspiel 2010 – gegen den SV Wilhelmshaven – regelmäßig von seinem viertklassigen Gegenspieler überlaufen und ausgespielt wurde. Und es darf keinesfalls wieder soweit kommen, dass die Gekas-Tore dessen Nominierung rechtfertigen. Er hat getroffen, ja, aber nicht nur hat er zuvor zwei, drei dicke Dinger liegen lassen (Denkgefängnis …), auch hat er mal wieder steh-ge-geigt.

Die richtigen Lehren hätte man vor Monaten daraus schon ziehen können, sollte es jedoch spätestens jetzt nachholen. Mit einem Georgios Tzavellas und einem Theofanis Gekas demolierst du deine Mannschaft.

Diese Niederlage kam mit Ansage. Die beiden Griechen haben uns – erneut – das Verlieren gelehrt. Ja, die anderen waren ebenfalls schlecht, richtig schlecht. 55 Minuten lang war das völlig unerträglich, danach zehn Minuten hilflos verzweifelt und dann (nach der Umstellung auf 2-Spitzen) dominant wie es nur geht – und glücklos. 20, 25 Minuten reichen aber eben nicht, auch nicht in der stärksten Zweitligasaison aller Zeiten (bis jetzt) um Erfolg zu haben. Da müssen es zumindest mal 60, 70 Minuten sein. Wie zuletzt. Mindestens.

Im Grunde gibt es aus diesem Spiel nur dieselbe Lehre zu ziehen, wie seit Monaten: Das 4-2-3-1 taugt nichts. Eine neue Forderung lässt sich jedoch sehr wohl aus dem Kick ableiten: Das Team muss gegen den KSC endlich mal eine Emotion zeigen: Wut. Ich möchte sehen, dass die angefressen sind. Ich möchte, dass sie mit Macht aufs Feld gehen und ein Statement-Spiel hinlegen. So, wie gegen den FSV, gegen Rostock oder dergleichen. Karlsruhe ist diese Kragenweite und nach dieser Niederlage, so, WIE sie zustande gekommen ist, erwarte ich das. Weil auch ich als Spieler angepisst wäre.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Einzelkritik vs. 1860 München

Oka Nikolov: Beim 1:0 trifft ihn keine Schuld, das fast-2:0 Mitte der 1. Halbzeit hätte auch ihn betroffen. Musste dann verletzt raus.  Passte zum Tag.

Bamba Anderson: War, ist und bleibt der bessere der beiden Innenverteidiger. Beim 2:0 machtlos, beim 1:0 – wie sein Nebenmann – nicht glücklich, aber nicht Hauptschuldiger.

Gordon Schildenfeld: In den vergangenen Wochen konnte man die Herztropfen etwas weiter wegstellen, aber das 2:0 dient als Symbol für seine „Leistung“ in München. Sie entspricht der Note ungenügend.

Sebastian Jung:  Über rechts brannte nichts an, aber nach vorne ging auch viel zu lange zu wenig. Erneut recht bieder. Trotzdem mehr im Spiel als zuletzt. Das Team wollte nicht über links spielen – es wusste wohl, wieso …

Georgios Tzavellas: Hat nach zehn Sekunden das Spiel zu Ungunsten der Eintracht entschieden. Er sollte verkauft werden, ist für ihn, Mannschaft, Fans und Verein das Beste.

Matthias Lehmann: Um sich zu empfehlen reicht es nicht, Einheitstempo mitzugehen. Doch auch gegen 1860 schwamm er bestenfalls mit. Unsichtbar wäre das positive Resümee.

Pirmin Schwegler: Wo bleiben die „Kapitäns-Aktionen“? In Spielen wie diesem wären sie nötig. Stattdessen lässt (auch) er die Schultern hängen, gestikuliert, verzieht die Mundwinkel. Er ist keine Führungspersönlichkeit, da muss mehr kommen.

Sebastian Rode: Spielte er mit? Fiel heute nicht mal durch die sonst regelmäßig gezeigten Balleroberungen auf. Offensiv wirkungslos. Bildet auf rechts ein seltsam gehemmtes Duo mit Jung.

Benjamin Köhler:  Sehr wenig Licht, umso mehr Schatten. Kurbelte ab der 70. Minute am Schwungrad – zu spät. Erinnerte von der Leistung sehr an die Skibbe-Zeit.

Alexander Meier: Nach 60, 65 Minuten, als das Team mit zwei Stürmern spielte, taute er spürbar auf, war phasenweise sehr stark. Zuvor kam von ihm rein gar nichts, noch weniger als nichts sogar.

Theofanis Gekas: Denkgefängnis und so. Man kann seine Vorstellungen nur noch mit Galgenhumor ertragen. Daran ändert auch das Tor nichts; zu oft diente das als Rechtfertigung für seine Auftritte.

Karim Matmour: Mit ihm kam das Signal, die letzte Scheu aufzugeben. Gelang zu spät. Lag aber nicht an ihm.

Erwin Hoffer: Kaum stand er auf dem Platz, kaum war er als zweiter Stürmer auf dem Feld, schaltete die Eintracht auf Offensivdrang um. Alleine das zeigt, dass die Eintracht mit zwei Spitzen spielen muss.

Thomas Kessler: Beim 2:0 chancenlos, kurz nach der Pause eine Parade. Sonst hatte er nichts zutun. Fällt quasi aus der Wertung.

—–

Armin Veh: Umstellung auf 4-2-3-1 war der Genickanbruch, die Nominierung des Duos Tzavellas/Gekas war der Genickdurchbruch. Zwei böse Fehlentscheidungen, die eine Niederlage gegen einen bissigen, aber harmlosen Gegner bedingt haben. Lag er bisher mit seinen Maßnahmen sehr oft sehr richtig, verkehrte es sich diesmal ins Gegenteil – auch, weil in den letzten 30 Minuten das Glück fehlte, dass die Mannschaft zuletzt hatte.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Die Füße des Abstiegs

Theofanis Gekas und Geogios Tzavellas stehen in der Startformation gegen 1860 München. Die Füße des Abstiegs als Anker um aus dem überschaubaren Formtief der vergangenen drei Wochen zu klettern. Gewagt, gewagt wenn man deren Spielweise bedenkt. Jene Gekas´sche Spielweise, die nur in Braunschweig vor vielen, vielen Wochen eine gänzlich andere war als jemals in seiner Karriere zuvor. Und Tzavellas? Im Duell mit Djakpa zeichnete sich schon lange ab, dass dort bei einem Kampf auf Augenhöhe immer der gerade etwas wenige Blinde spielen wird. Die Gefahr, noch mehr lange, hohe Schläge ins Spiel einzubringen als zuletzt steigt zumindest gerade exorbitant.

Hoffen wir das Beste. Einzig der Glaube fehlt.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Pfeifende Spatzen … oder Füchse

Tzavalles in die Abwehr, Lehmann ins Mittelfeld, Meier in den Sturm. Um etwas geheimzuhalten, was nicht geheimgehalten werden muss, braucht’s keine Daum´schen Vorhänge vor dem Trainingsplatz-Zaun oder verschlossene Eingangstore unterhalb des gelb schimmernen Bankenschriftzugs, der das altehrwürdig neugebaute Waldstadion ziert/verschandelt.

Aber wie das halt so ist im Fußball: Kommt’s anders, ist der Trainer ein „Fuchs“ (!). Würde ich gerne mal sehen, diesen Fuchs an der Seitenlinie. Nicht diesen oder diesen, sondern einen richtigen, waschechten Fuchs:

Ob der Veh also zum Fuchs wird und uns tatsächlich mit einer Personalie überrascht? Etwa,  Dominik Schmidt (die Eingefleischten werden sich erinnern: Kam ablösefrei aus Bremen. Mehr ist nicht überliefert) als Linksverteidiger zu stellen? Gekas neben Hoffer aufzubieten oder Matmour von Beginn an zu bringen? Nein, sicher nicht. So bleibt der Veh der Veh und der Fuchs der Fuchs. Am Ende reicht’s sowieso fürs Punkten in München.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Erlöse uns von den Bösen

Geht es nach Armin Veh, muss der Eintracht-Fan auch in den kommenden Monaten täglich seufzen. Grund: Er möchte (!) die Bomben-Spieler Caio und Korkmaz nicht verkaufen. Weil es gerade so gut laufe. Man stelle sich nur vor, es verletzte sich jemand … Jung, zum Beispiel. Gut, das mag ja sein. Aber Caio oder Korkmaz als Außenverteidiger? Obwohl sie nicht mal ihre Offensivrollen professionell begleiten können? Himmel hilf!

Und selbst wenn sich ein offensiver Akteur verletzten sollte: Weder Caio noch Korkmaz wären die erste Alternative. Sie waren es nie, oder wenn, dann gezwungenermaßen, und sie werden es auch niemals werden. Nicht in Frankfurt, nicht in Deutschland. Lehmann wäre im Mittelfeld die erste Wahl, so oder so. Sonny Kittel wird in der Rückrunde ebenfalls ein Wörtchen mitreden im Konkurrenzkampf und als erste Alternative, wenn Köhler oder Meier ausfallen. Oder Rode. Kurzum: Es besteht kein Grund, an Caio oder Korkmaz festzuhalten. Erst recht nicht, wenn sich tatsächlich ein Blinder findet, der sie auslösen und uns Fans sowie den Verein erlösen möchte.

Hoffen wir also, dass Veh das berühmte Spiel des understatements betreibt und Aussagen wie die zum Brasilianer und Österreicher nur dazu dienen, den Preis nicht noch bodenloser fallen zu lassen als er ohnehin schon ist.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge