Monatsarchiv: Februar 2012

Verraucht

Ich gebe es zu: Als ich den Artikel der Frankfurter Rundschau gestern las, regte sich in mir eine Emotion und eine Frage kam hoch. Erstens: Erleichterung. Zweitens: Wieso erst jetzt?

Armin Veh hat es selbst gesagt: Irgendwann sei das Ende jeder Fahnenstange erreicht. Damit impliziert er, dass ihm die Auftritte Gordon Schildenfelds schon länger ein Dorn im Auge waren. Unterstellt dem war so – und offensichtlich ist das mehr als eine Unterstellung: Wieso muss(te) der Krug immer erst zerbrochen sein, bevor sich etwas ändert?

Mal ganz unter uns: Im Internet geistert viel Blödsinn herum und nur weil es eine schreiende Masse gibt, hat diese noch lange nicht recht, schon hat sie selten Ahnung. Ich sage nur Caio. Aber wenn sportliche Eindrücke schon flankiert und mehrfach vertreten sind von Leuten, die wahrhaft täglich mit der Materie zutun haben – Journalisten, tägliche Trainingsbeobachter, gegnerische Beobachter – dann liegt selbst die oben genannte Sorte Kritiker nicht ganz falsch.

Denn was Gordon Schildenfeld angeht, war es nie die Frage, ob er sich verbessert. Sie lautete stets nur, ob es dieses Mal nicht ganz so schlimm wird wie beim letzten Spiel. Oder dem davor. Oder dem davor. Wird der kapitale Bock in einem Gegentor münden, oder verstolpert ein blinder Gegenspiel die Kugel? Das war die Messlatte, die so ziemlich jeder anlegte. Im Grunde genommen seit Beginn der Saison. Sicher, die Alternativen waren lange rar. Niemand wird ernsthaft Habib Bellaid in die Mannschaft fordern wollen – wir erinnern uns zu gut an dessen vogelwilden, Schildenfeld´esken Auftritte. Der hochgelbote Stefan Bell – der auch in Mainz keine Chance erhält – wäre vielleicht trotz allem schon früher einen Versuch wert gewesen. Hätte er wirklich schwächer spielen können als Schildenfeld? Ja, hätte er. Aber hätte er mit seiner konstanten Unsicherheit und mangelnden Souveränität alle anderen Defensiven angesteckt? Darüber lässt sich nur spekulieren. Aber ich wage mal die These: Nein. Denn während die Mitspieler gewusst hätten, sich auf einen jungen Spieler wie Bell nicht verlassen zu können, ihm 20 Prozent mehr Aufmerksamkeit widmen, so sollte Schildenfeld als (deren) Chef gelten. Das konnte er nicht, mangels Leistung. So verließen sich die Kollegen naiverweise ein Stück weit mehr auf ihn, als es Sinn machte.Und plumps, ein Bock und ein Gegentor nach dem anderen.

Ich weiß, dass das alles hoch-theoretisch klingt. Dennoch gibt es so etwas wie die Psychologie des Fußballs. Jeder, der mal halbwegs ambitioniert gespielt hat, und sei es außerhalb einer Thekentruppe deren größte Ambition es war, nach Spielende drei anstatt zwei Bierkästen auszutrinken, spürt das: Du fühlst die Verfassung deiner Mannschaftskameraden, du weißt, bei wem du das flatten bekommen musst und wem du den Ball ohne Bedenken geben kannst. Das ist in der Kreisklasse so, das ist in der (Zweiten) Bundesliga so. Frage an euch: Würdet ihr Gordon Schildenfeld den Ball zuspielen? Ich antworte für euch: Als Mitspieler nicht, als Gegenspieler ja. Und das sagt viel aus.

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Schlechte Verlierer sind gute Verlierer

Ich bin jemand, der viel Wert auf Körpersprache legt. Meines Erachtens erkennt man seinen Gegenüber, seinen Charakter, daran, wie er auf bestimmte Situationen oder Aussagen reagiert. Wenn ich beispielsweise nach einem Gegentor mit Dackelblick ins Leere schaue, mit versteinerter Mine den Ball aus dem Tor hole, mehr pflichtbewusst als mit Überzeugung aufmunternd in die Hände klatsche, ich kurzum mehr bedröppelt ans angefressen auf Rückschläge reagiere: Dann spiegelt das einen gewissen, ich taufe es mal „rezessiven Charakter“ wieder. Mauerblümchen, mag man solche Leute wohlwollend nennen. Duckmäuser, wenn man etwas deutlicher wird. Eigentlich sollte man noch viel deutlicher werden.
Denn jede der o.g. Szenen spielte sich ab im ostwestfälischen Paderborn. Und jedesmal trugen die Protagonisten das weiße Trikot.

Was genau hält diese Mannschaft, die in weiß, davon ab, zu brennen? Wieso fällt es ihr so schwer, Feuer zu entfachen? Nicht bei uns Fans, nein, bei sich selbst. Zu aller erst dort. Wo sind sie, diejenigen, die brüllen, die diesen verbissenen, angepissten Gesichtsausdruck tragen, die vor Zorn am liebsten den Pfosten herausreissen wollen, wenn sie ein Gegentor kassieren? Die sich nach einem Fehler am liebsten selbst kasteien würden? Jene Typen, die ihre Nebenleute im Spiel bei Bedarf zusammenfalten, nur um ihnen am Ende, wenn alles gut ausging, auf die Schulter zu klopfen?
Nirgendwo, sie sind nirgendwo. Nicht in weiß, nicht in rot-schwarz. Stattdessen sind da Pirmin Schwegler. Oder Alexander Meier. Oder Bamba Anderson. Oder, oder, oder. Dass du neben solchen Charakteren schon als Typ dastehst, nur weil du Vollbart trägst – das sagt viel aus. Selbst grau wird zu einem Farbtupfer, wenn du es auf weißes Papier malst.

Begehe ich wirklich einen Gedankenfehler, wenn ich Eigenschaften, die – ich schreibe mir diese jetzt einfach mal zu – ich in mir als Fußballer trug und trage, als ein Muss oder wenigstens ein Soll projiziere?

Nicht verlieren zu können, mag im sozialen Umgang eine schlechte Eigenschaft sein. Es mg nerven, es kann sogar zu Konflikten führen. Aber im Leistungssport? Müsste ich eine Stellenausschreibung für Profifußballer verfassen, als Schlüsselqualifikation – und zwar ganz oben auf der Liste – stünde diese Charaktereigenschaft. Nicht Torabschluss, Technik, Talent. Nein, für mich wäre das entscheidend: Ist es für denjenigen in Ordnung, zu verlieren, oder ist es das nicht? Ist er bereit, auch an miesen Tagen – an denen eine Niederlage immer passieren kann – einen großen Kampf zu liefern und sich am Ende trotzdem darüber ärgert, dass es nicht geklappt hat? Ist er willens, in sein Erfolgsstreben mehr zu investieren als andere? (bspw. zwei angebotene freie Tage nicht anzunehmen und lieber ein paar Einheiten mehr und intensiver zu trainieren). Diese Fragen muss mein Gegenüber mit Ja beantworten können und er muss dazu stehen, er muss es zeigen, wenn das oben Genannte eintrifft. Wer kann das bei Eintracht Frankfurt mit Ja beantworten? Ganz ehrlich, ich suche denjenigen noch.

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Tacheles

Wer meinen Blog liest, weiß, dass ich nichtzu Extremen tendiere und weder in unbegrenzte Euphorie noch in Dauer-Jammerei einstimme. Was jedoch gestern in Paderborn geschah, spottet nicht nur jedem Leistungsgedanken. Es setzt mir und meinem Glauben an den Aufstieg auch schwer zu. Ich sage das nicht aus Fatalismus, auch nicht aus einer Laune heraus. Mir macht schlicht und ergreifend ein Trend Sorge, den ich gegen Paderborn gebrochen sehen wollte. Nämlich die Tatsache, dass Eintracht Frankfurt gegen die direkte Konkurrenz alt aussieht (und die Ergebnisse mangelhaft sind).

Führen wir uns das mal in Zahlen und Leistungseinschätzungen vor Augen:

Gegen Fürth gab es am 1. Spieltag zwar einen Sieg (3:2), aber dieser war ebenso glücklich wie der frühen Saisonphase geschuldet. Im Rückspiel trug das Glück ebenfalls rot-schwarz – wir erinnern uns u.a. an Pribs Pfostenschuss zwei Meter vor dem Tor.
Gegen St. Pauli gab es ein Unentschieden und eine Niederlage. Wäre das Hinspiel wie das Rückspiel geendet und vice versa, hätten Spielverlauf und Ergebnis besser übereingestimmt. An der Gesamtausbeute der Eintracht hätte das auch nichts geändert.
Gegen Düsseldorf gab es im Hinspiel einen wackeligen Punkt, im Rückspiel wären anstatt einem eigentlich drei Punkte auf der Habenseite gewesen. Fakt ist: Auch dort gab es nur einen Zähler.
Gegen 1860 Münschen – mit Siebenmeilenstiefeln auf dem Weg ins Aufstiegsrennen – setzte es eine nicht nötige, aber auch nicht unbedingt unverdiente Niederlage.
Gegen Paderborn gab es erst ein scheinbar biederes 0:0 und nun eine 4:2 Klatsche, die noch höher hätte ausfallen müssen.

—> Acht Punkte aus 9 Spielen gegen die direkte Konkurrenz um den Aufstieg in die Erste Bundesliga. Angesichts dieser Ausbeute muss man sich über eine etwaige Zweitliga-Meisterschaft – die ohnehin keiner braucht – schon gar keine Gedanken (mehr) machen.

Ich möchte nicht soweit gehen und aufgrund dieses Nackenschlags in Düsternis versinken. Die Abstände bleiben gering, die direkte Konkurrenz wird sich in den kommenden Wochen auch noch Punkte gegenseitig „stehlen“; wir haben „nur noch“ 1860 München zu spielen. Aber jetzt ist klar, dass wir alle – und ich rede wahrlich von allen ausstehenden Spielen – gegen Teams unterhalb von Rang 5 / 6 gewinnen müssen. Denn 30 Punkte, vielleicht 2,3 weniger,  wird es von jetzt an brauchen, um direkt aufzusteigen.

„Leistungen“ zugrunde gelegt wie jene gegen Paderborn, muss sich aber niemand der Illusion hingeben, dass derart viele Spiele noch gewonnen werden. Armin Veh ist gut beraten, jetzt personell durchzugreifen. Solange es gutging, solange die Gegner die offenkundigen individuellen Schwächen der Abwehrspieler nicht auszunutzen vermochten, hat der Trainer über die mangelnde Qualität hinweg gesehen. Oder hinwegsehen müssen. Jetzt, spätestens jetzt, darf es kein Vertun mehr geben: Der „Abwehrchef“ Gordon Schildenfeld ist nicht mehr tragbar. Er bringt eine Unruhe in die Hintermannschaft, die seine Nebenleute ansteckt und jedenfalls nicht sicherer und besser macht. Das bedeutet nicht, dass nur er schlecht spielt(e), aber während den anderen in der Regel noch etwas gelingt,sie in der Lage sind besser zu spielen, ist Schildenfeld das nicht. War er in Frankfurt zumindest nicht. Er muss aus der Startformation, nachhaltig. Es ist fast egal, wer seine Position übernimmt – sicher ist nur, dass er es nicht mehr sein darf.

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Einzelkritik vs. SC Paderborn

Oka Nikolov: Bei allen Gegentoren schuld- und chancenlos, einmal nicht ganz souverän nach einem der vielen Freistöße, aber auch mit einigen abgewehrten Großchancen. Die ärmste Sau auf dem Platz.

Bamba Anderson: Beim 4:2 streute auch er dann seinen Punktabzug ein. Wobei es falsch wäre zu behaupten, er habe zuvor eine ordentliche Partie gespielt. Sicher besser als die anderen „Abwehr“Kollegen, aber unter dieser Messlatte tanzt niemand mehr Limbo.

Gordon Schildenfeld: Nach einer Minute schoss er den Ball ohne Not ins Seitenaus, nach zwei Minuten unbedrängt zum Eckball und nach sechs Minuten – vor dem 0:1 – ließ er sich an der Seitenauslinie abkochen, beim 2:3 steht er 5 Meter vom Gegenspieler weg und will in dieser Situation Abseits stellen – unterirdisch! Er war, ist und bleibt der unsicherste, unsouveränste Innenverteidiger der vergangenen, was 20,30 ? Jahre im Eintracht-Dress. Ein Chef ist er schon gar nicht. Raus mit ihm aus der Startelf – vielleicht war ja die Auswechslung in der 74. sein Ende, vielleicht. Hoffentlich.

Heiko Butscher: Hob beim 2:3 das Abseits auf, verlor viele Zweikämpfe – das war nix, gar nix. Schlicht überfordert von Geschwindigkeit und Willen der Gegner.

Sebastian Jung: Stand völlig neben sich, absolvierte defensiv vielleicht eines seiner schlechtesten Spiele. Verursachte 3/4 aller Freistöße in Halbzeit eins, das 0:1 geht auf seine Kappe und über seine Seite wurde es immer gefährlich. Sollte sich überlegen, zur U21 mitzufahren. Er hätte Training in Frankfurt bitter nötig.

Matthias Lehmann: Jetzt sind sie da, die Argumente für eine Rückkehr von Schwegler in die Startelf. Er konnte keinen Anriff abfangen, das Spiel und die Gegenspieler rasten an ihm vorbei.

Sebastian Rode: Im Mittelfeld die Silbermedaille hinter Köhler, weil er (scheinbar als einziger) von Beginn an Pressing spielen wollte. Fand aber keine Möglichkeit, Paderborns Offensivspiel zu stören. Ihm gelang nicht furchtbar viel, aber immerhin etwas. Das reicht an diesem Tag schon für eine ordentliche Bewertung.

Karim Matmour: Unsichtbar wäre geschmeichelt. Fällt eigentlich aus der Wertung, weil er nicht am Spiel teilnahm, gar nicht. Und das ist nichts Positives.

Benjamin Köhler: Bester Mittelfeldspieler im Team, und das nicht wegen seines sehr starken und zu dem Zeitpunkt unglaublich wichtigen Freistoßtores. Im Gegensatz zu allen anderen forderte er den Ball und machte damit in der Regel etwas sinnvolles. Und als es dann den Bach runterging, war auch er eine arme Sau.

Alexander Meier: Übernimmt derzeit den Job von zwei Offensivspielern. Auch lange nicht zu sehen gewesen, ab Minute 25 präsenter, aktiver, verteilte im Mittelfeld Bälle und brachte so einen Funken Struktur ins Spiel. Das war jäh vorbei, als seine Mitspieler in der Defensive das Spiel verloren.

Erwin Hoffer: Recht grauenvoller Auftritt. Kam nicht zum Abschluss, legte keine Bälle ab, eroberte keine und war schlicht kein Faktor.

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Mo Idrissou: Nach Foulspiel zoomte die Kamera oft auf ihn – sonst nicht. Aber es wäre unfair, ihn und Friend über die Maßen zu kritisieren. Da gabs andere.

Rob Friend: Hatte die einzige Tormöglichkeit und Pech, dass sein Kopfball von der Linie gekratzt wurde. Sonst: siehe Idrissou.

Armin Veh: Was immer es auch war, dass er vom diesem Spiel gesagt hat – falscher ging es nicht. Von Beginn an war da nichts, überhaupt nichts. Keine Lust, kein Willen, geschweige denn Struktur oder Druck. Vielleicht hat er jetzt verstanden, dass Gordon Schildenfeld nicht sein Chef in der Abwehr ist. Das wäre die logische Konsequenz aus diesem sowie vielen weiteren Spielen. Vorne bedarf es ja nur leichter Korrekturen, aber hinten, da brennt der Baum lichterloh. Da muss jetzt personell etwas geschehen – und die Eindrücke können nur zu einem Resultat führen: Anderson plus X neben sich. Sei das Butscher, sei das Amedick, oder eben ich . Jedenfalls hat die Nummer Vier ausgedient. Das sollte Veh gesehen haben.

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Ich stelle die Grundsatzfrage

Viele der Spieler wissen doch, dass sie in der ersten Liga keine Perspektive haben. Da sehen sich offenbar manche nur als (kurzfristige) Erfüllungsgehilfen des Aufstiegs – und haben im Hinterkopf, dass sie im Falle eines Aufstiegs kaum noch eine Rolle im Team spielen werden/würden. Und vielleicht fehlt deshalb neben dem Können dann eben auch der Wille. Getreu dem Motto: Lieber zwei Jahre sicheres Einkommen inkl. Auflaufprämie in Liga zwei, als 40 Wochen lang im Oberhaus Jahr trainieren ohne zu spielen.

Die Gabe der Eigenmotivation besitzen zu wenige Feldspieler in der Mannschaft. Ich für meinen Teil erkenne sie nur bei Meier, bei Rode, bei Idrissou. Mit Abstrichen bei Köhler und unserem Oka; der ist halt, wie er ist.

Ich weiß, dass ich manchem hier etwas unterstelle. Aber wie soll man auch nicht? Bei diesen lustlosen, pharisäerhaften, beliebigen Auftritten, die diese Mannschaft hinlegt. Es kann doch kein Zufall sein, dass es immer dieselben Spieler sind, die sichtbar wollen und können. Natürlich gelingt auch denen beileibe nicht alles – aber es gibt mehr als einen Akteur, dem in dieser Saison erst sehr wenig gelungen ist. Zu wenig. Zumindest, wenn diese Jemande an sich selbst wirklich den Anspruch anlegen wollen/würden, erstklassig spielen zu wollen.

Kann sich denn irgendwer vorstellen, dass auch nur zwei Drittel dieses Teams in der ersten Bundesliga bestehen könnten?  Können es sich Gordon Schildenfeld, Erwin Hoffer, Bamba Anderson, Karim Matmour und Co. überhaupt ernsthaft selbst vorstellen? Ich vermute nicht. Und ich glaube, dass wissen sie auch selbst. Dann doch lieber der Spatz in der Hand …

Und da es gerade so schön passt, zitiere ich einen Beitrag aus dem HR-Forum (SO, 17.51 Uhr) nach dem Eintracht-Spiel:

„Erfolg muss man sich auch erarbeiten, er fällt einem nicht in den Schoß. Wäre ich an Vehs Stelle, ich würde mit den Spielern jetzt Tacheles reden und die Frage nach der Ehre thematisieren. Mit einem ganz schlichten: „Was seid ihr bereit zu investieren, um aufzusteigen?“. Und wenn die Spieler dankend trainingsfreie Tage annehmen anstatt sich dafür auszusprechen, lieber noch zwei Einheiten mehr in der Woche abszuspulen… naja, dann müssen wir über Faktoren wie Wille und Leidenschaft nicht mehr sprechen.
Individuelle Klasse, die in dieser Mannschaft sicher steckt, reicht nicht für den Aufstieg. Am Ende geht der hoch, der mehr arbeitet, der mehr will und der bereit ist, mehr zu investieren als die anderen. Und wenn die Konkurrenz pro Woche 12 Mal trainiert, musst du halt 13 Mal trainieren wollen – so einfach ist das. Am Ende reduziert sich alles auf Geilheit. Die fehlt zu vielen im Team. Denn diese könnte auch sportliche Mängel überdecken.“

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Grau, so grau

Der SV Meppen – mittlerweile frisch aufgestiegener Regional-, also Viertligist – diente einst als Sinnbild für die Zweite Bundesliga. Es gab sogar Gesänge, die diesen Verein unsterblich machten; die Symbiose zwischen Klub und Liga, der SV Meppen hatte das geschafft. Das war deshalb etwas Besonderes, weil das beschauliche, westniedersächsische  Meppen nahe der holländischen Grenze mit  sehr bescheidenen Mitteln eine Ära begründete: Kleiner Verein hält sich Ewigkeiten im Profifußball: von 1987 bis 1998, oft irgendwo im Mittelmaß. Dann ging es Ende der 90er jäh runter – bis in die Oberliga Niedersachsen, und zwar im ad hoc Sinkflug.

Wieso komme ich auf Meppen zu sprechen? Schaut man sich den heutigen Gegner der Eintracht an, den SC Paderborn, kann dieser Verein ähnliches für sich geltend machen wie der SV. Der Klub ist zwar noch nicht so lange in Liga Zwei – im sechsten Jahr, ein Abstieg lag dazwischen – verfügt jedoch ebenfalls über die seltene Gabe der Bescheidenheit. Und die führt im Leben, so auch im Fußball, oft zu etwas Gutem. Denn wenn man mit dieser (richtigen) Attitüde an eine Aufgabe herangeht, bedarf es nur noch guter, kluger und ruhiger, sachlicher Arbeit um Erfolg zu haben. Einen relativen Erfolg, soll das heißen. Bedeutet: Gemessen an realistischen Erwartungen, mehr zu erreichen als viele denken. Keine Hektik, kein Infragestellen jedes Spielers, Trainers oder Verantwortlichen wenn etwas mal nicht funktioniert. So läuft das naturgemäß nicht bei „großen“ Verein – ob immer man dieses Prädikat auf die Eintracht anwenden mag.

Und doch: Wie es typisch für das Umfeld der Eintracht ist, setzten sich viele bereits vor der Saison über Klubs wie den  SC Paderborn hinweg. Man spöttelte; die Farbe grau diente als Umschreibung des Klub-Images und der Attraktivität des Gegners. Nach dem Hinspiel zu Hause, einem 0:0, gab es sogar Pfiffe im Stadion gegen die Eintracht. Das Volk war (wieder einmal) unzufrieden. Wie können die es wagen, gegen so eine Truppe Punkte zu lassen? Ein Sammelsurium von Freizeitkickern, die sich in Ehrfurcht vor dem Gegner in rot-schwarz zu ergeben und in den Dreck zu werfen haben! Pustekuchen. Dieses 0:0, seinerzeit in den Blättern und in der Internet-Öffentlichkeit scharf kritisiert, stellt sich im Nachhinein als ein ebenso logisches wie sportlich gutes Resultat heraus.

Arroganz ist nunmal kein guter Ratgeber wenn es um Fremd-Einschätzungen geht. Vielleicht liegt das ganz einfach daran, dass viele Eintracht-Fans noch aus einer Zeit kommen, in der es sich wie ein Naturgesetz anfühlte, dass die Kleinen gegen die Großen nix zu melden haben. Da war es einfach klar, dass Bayern München einen FC Basel abfiedelt. Oder Eintracht Frankfurt einen SV Meppen, SC Paderborn oder wie auch die Gegenüber heißen. Nur ist das eben seit vielen Jahren schon nicht mehr so. Ganz einfach, da die vermeintlich Kleinen nicht mehr aus 4 Profis, 5 Halb-Profis und zwei Freizeitfußballern bestehen, sondern weil dort auch Berufssportler unter Vertrag stehen. Leute, die den Ball auch drei Meter nach vorne spielen können, ohne sich den Mittelfuß zu brechen.  Zu einem SC Paderborn wechseln auch Kicker, die ihr Hand, bzw. Fußwerk verstehen. Und wenn die Mischung stimmt, fussballerisch wie konzeptionell, gibt es keinen Grund wieso Team A quasi automatisch besser sein sollte als Team B. Sicher nicht aufgrund der gezahlten Gehälter.

Der SC Paderborn wird auch heute elf Spieler auf den Rasen schicken, die wissen, was zutun ist. Dabei wird es wieder einige im Umfeld der Eintracht geben, die – trotz allem – dieses Spiel als Selbstläufer abtun werden. Einfach, weil man ja die Eintracht ist. Und Paderborn eben Paderborn.

Vielleicht, und darüber sollte der eine oder andere mal nachdenken, sind auch wir, die Eintracht, Paderborn. Eine Spielklasse höher verbinden nämlich nicht wenige die Farbe „grau“ mit Frankfurt. Und das liegt nicht am Gallusviertel, sondern an der Geschichte des Vereins, der, allerdings in Liga Eins,  immer schon durchschnitt war. Und das Attribut Durschnitt halte ich – im Gegensatz zu den meisten Beobachtern, wie ich meine – für ein positives. Das gilt für den SC Paderborn wie für Eintracht Frankfurt.

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Stille Abschiede

Ricardo Clark geht also nach Norwegen. Zumindest für ein Vierteljahr. Dann nimmt er erneut einen Flieger, der den Frankfurt/Main Airport ansteuert – und die Suche nach einem neuen Arbeitgeber geht von neuem los. Für ihn, für den Berater, für den Verein. Denn klar ist: Ricardo Clark war, bei allem Biss den er zeigte, ein weiterer Fehleinkauf der Eintracht. Vielleicht nicht der finanziell ruinöseste, doch aber der sportlich fragwürdigste. Nicht so sehr wegen seines Könnens, sondern wegen der Häufigkeit der Einsätze. Da kommt nur der Dauerverliehene Habib Bellaid heran – der durfte jedoch immerhin eine Saison beweisen, dass er die 2,3 Mio. Ablöse (!) nicht wert war.

Überhaupt, es ist schon bemerkenswert wie heimlich, still und leise die morschen Äste abfallen. Sportlich sind sie es schon längst, nach und nach – spätestens im Sommer – werden sie dann ganz weg sein. Die Bellaids, Caios, Alvarez‘, Titsch-Riveros – alles Spieler, die der Fan seit mittlerweile gut und gerne vier Jahren auf dem Zettel hat und die nie, zu keinem Zeitpunkt, in der Lage waren einer der Mannschaften zu helfen. Nicht anders wird es Rob Friend und Thomas Kessler ergehen. Bei Ersterem hatte ich das im Gefühl, Letzerem hatte ich zumindest realistische Chancen eingeräumt, irgendwann Oka-Nachfolger zu werden. Pustekuchen. Und dann gibt’s ja auch noch diesen Dominik Schmidt, der nicht nur schon wegen seines Allerwelts-Namens in keiner Auflistung der Eintracht-Spieler im Kopf eines Fans vorkommt. Nehmen wir also nur die Genannten, sind es schon sieben Profis, die den Weg in die Erste Bundesliga nicht mitantreten werden. Zumindest nicht mit Vertrag bzw. Verbleib in Frankfurt. Dazu wackelt noch Constant Djakpa, der sich auch wird strecken müssen – in Liga zwei wie in Liga eins.

Aufgestiegen ist Eintracht Frankfurt noch lange nicht. Der Weg bleibt lang und es ist keine Selbstverständlichkeit, dass es am Ende, im goldenen Mai, klappt. Zuversicht ja, Versicherung nein. Und dennoch scheint es mir so zu sein, dass wir für das Transfer-Fenster im Sommer 2012 viel besser gerüstet sind, als manche glauben.

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