Grau, so grau

Der SV Meppen – mittlerweile frisch aufgestiegener Regional-, also Viertligist – diente einst als Sinnbild für die Zweite Bundesliga. Es gab sogar Gesänge, die diesen Verein unsterblich machten; die Symbiose zwischen Klub und Liga, der SV Meppen hatte das geschafft. Das war deshalb etwas Besonderes, weil das beschauliche, westniedersächsische  Meppen nahe der holländischen Grenze mit  sehr bescheidenen Mitteln eine Ära begründete: Kleiner Verein hält sich Ewigkeiten im Profifußball: von 1987 bis 1998, oft irgendwo im Mittelmaß. Dann ging es Ende der 90er jäh runter – bis in die Oberliga Niedersachsen, und zwar im ad hoc Sinkflug.

Wieso komme ich auf Meppen zu sprechen? Schaut man sich den heutigen Gegner der Eintracht an, den SC Paderborn, kann dieser Verein ähnliches für sich geltend machen wie der SV. Der Klub ist zwar noch nicht so lange in Liga Zwei – im sechsten Jahr, ein Abstieg lag dazwischen – verfügt jedoch ebenfalls über die seltene Gabe der Bescheidenheit. Und die führt im Leben, so auch im Fußball, oft zu etwas Gutem. Denn wenn man mit dieser (richtigen) Attitüde an eine Aufgabe herangeht, bedarf es nur noch guter, kluger und ruhiger, sachlicher Arbeit um Erfolg zu haben. Einen relativen Erfolg, soll das heißen. Bedeutet: Gemessen an realistischen Erwartungen, mehr zu erreichen als viele denken. Keine Hektik, kein Infragestellen jedes Spielers, Trainers oder Verantwortlichen wenn etwas mal nicht funktioniert. So läuft das naturgemäß nicht bei „großen“ Verein – ob immer man dieses Prädikat auf die Eintracht anwenden mag.

Und doch: Wie es typisch für das Umfeld der Eintracht ist, setzten sich viele bereits vor der Saison über Klubs wie den  SC Paderborn hinweg. Man spöttelte; die Farbe grau diente als Umschreibung des Klub-Images und der Attraktivität des Gegners. Nach dem Hinspiel zu Hause, einem 0:0, gab es sogar Pfiffe im Stadion gegen die Eintracht. Das Volk war (wieder einmal) unzufrieden. Wie können die es wagen, gegen so eine Truppe Punkte zu lassen? Ein Sammelsurium von Freizeitkickern, die sich in Ehrfurcht vor dem Gegner in rot-schwarz zu ergeben und in den Dreck zu werfen haben! Pustekuchen. Dieses 0:0, seinerzeit in den Blättern und in der Internet-Öffentlichkeit scharf kritisiert, stellt sich im Nachhinein als ein ebenso logisches wie sportlich gutes Resultat heraus.

Arroganz ist nunmal kein guter Ratgeber wenn es um Fremd-Einschätzungen geht. Vielleicht liegt das ganz einfach daran, dass viele Eintracht-Fans noch aus einer Zeit kommen, in der es sich wie ein Naturgesetz anfühlte, dass die Kleinen gegen die Großen nix zu melden haben. Da war es einfach klar, dass Bayern München einen FC Basel abfiedelt. Oder Eintracht Frankfurt einen SV Meppen, SC Paderborn oder wie auch die Gegenüber heißen. Nur ist das eben seit vielen Jahren schon nicht mehr so. Ganz einfach, da die vermeintlich Kleinen nicht mehr aus 4 Profis, 5 Halb-Profis und zwei Freizeitfußballern bestehen, sondern weil dort auch Berufssportler unter Vertrag stehen. Leute, die den Ball auch drei Meter nach vorne spielen können, ohne sich den Mittelfuß zu brechen.  Zu einem SC Paderborn wechseln auch Kicker, die ihr Hand, bzw. Fußwerk verstehen. Und wenn die Mischung stimmt, fussballerisch wie konzeptionell, gibt es keinen Grund wieso Team A quasi automatisch besser sein sollte als Team B. Sicher nicht aufgrund der gezahlten Gehälter.

Der SC Paderborn wird auch heute elf Spieler auf den Rasen schicken, die wissen, was zutun ist. Dabei wird es wieder einige im Umfeld der Eintracht geben, die – trotz allem – dieses Spiel als Selbstläufer abtun werden. Einfach, weil man ja die Eintracht ist. Und Paderborn eben Paderborn.

Vielleicht, und darüber sollte der eine oder andere mal nachdenken, sind auch wir, die Eintracht, Paderborn. Eine Spielklasse höher verbinden nämlich nicht wenige die Farbe „grau“ mit Frankfurt. Und das liegt nicht am Gallusviertel, sondern an der Geschichte des Vereins, der, allerdings in Liga Eins,  immer schon durchschnitt war. Und das Attribut Durschnitt halte ich – im Gegensatz zu den meisten Beobachtern, wie ich meine – für ein positives. Das gilt für den SC Paderborn wie für Eintracht Frankfurt.

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