Schlechte Verlierer sind gute Verlierer

Ich bin jemand, der viel Wert auf Körpersprache legt. Meines Erachtens erkennt man seinen Gegenüber, seinen Charakter, daran, wie er auf bestimmte Situationen oder Aussagen reagiert. Wenn ich beispielsweise nach einem Gegentor mit Dackelblick ins Leere schaue, mit versteinerter Mine den Ball aus dem Tor hole, mehr pflichtbewusst als mit Überzeugung aufmunternd in die Hände klatsche, ich kurzum mehr bedröppelt ans angefressen auf Rückschläge reagiere: Dann spiegelt das einen gewissen, ich taufe es mal „rezessiven Charakter“ wieder. Mauerblümchen, mag man solche Leute wohlwollend nennen. Duckmäuser, wenn man etwas deutlicher wird. Eigentlich sollte man noch viel deutlicher werden.
Denn jede der o.g. Szenen spielte sich ab im ostwestfälischen Paderborn. Und jedesmal trugen die Protagonisten das weiße Trikot.

Was genau hält diese Mannschaft, die in weiß, davon ab, zu brennen? Wieso fällt es ihr so schwer, Feuer zu entfachen? Nicht bei uns Fans, nein, bei sich selbst. Zu aller erst dort. Wo sind sie, diejenigen, die brüllen, die diesen verbissenen, angepissten Gesichtsausdruck tragen, die vor Zorn am liebsten den Pfosten herausreissen wollen, wenn sie ein Gegentor kassieren? Die sich nach einem Fehler am liebsten selbst kasteien würden? Jene Typen, die ihre Nebenleute im Spiel bei Bedarf zusammenfalten, nur um ihnen am Ende, wenn alles gut ausging, auf die Schulter zu klopfen?
Nirgendwo, sie sind nirgendwo. Nicht in weiß, nicht in rot-schwarz. Stattdessen sind da Pirmin Schwegler. Oder Alexander Meier. Oder Bamba Anderson. Oder, oder, oder. Dass du neben solchen Charakteren schon als Typ dastehst, nur weil du Vollbart trägst – das sagt viel aus. Selbst grau wird zu einem Farbtupfer, wenn du es auf weißes Papier malst.

Begehe ich wirklich einen Gedankenfehler, wenn ich Eigenschaften, die – ich schreibe mir diese jetzt einfach mal zu – ich in mir als Fußballer trug und trage, als ein Muss oder wenigstens ein Soll projiziere?

Nicht verlieren zu können, mag im sozialen Umgang eine schlechte Eigenschaft sein. Es mg nerven, es kann sogar zu Konflikten führen. Aber im Leistungssport? Müsste ich eine Stellenausschreibung für Profifußballer verfassen, als Schlüsselqualifikation – und zwar ganz oben auf der Liste – stünde diese Charaktereigenschaft. Nicht Torabschluss, Technik, Talent. Nein, für mich wäre das entscheidend: Ist es für denjenigen in Ordnung, zu verlieren, oder ist es das nicht? Ist er bereit, auch an miesen Tagen – an denen eine Niederlage immer passieren kann – einen großen Kampf zu liefern und sich am Ende trotzdem darüber ärgert, dass es nicht geklappt hat? Ist er willens, in sein Erfolgsstreben mehr zu investieren als andere? (bspw. zwei angebotene freie Tage nicht anzunehmen und lieber ein paar Einheiten mehr und intensiver zu trainieren). Diese Fragen muss mein Gegenüber mit Ja beantworten können und er muss dazu stehen, er muss es zeigen, wenn das oben Genannte eintrifft. Wer kann das bei Eintracht Frankfurt mit Ja beantworten? Ganz ehrlich, ich suche denjenigen noch.

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