Verraucht

Ich gebe es zu: Als ich den Artikel der Frankfurter Rundschau gestern las, regte sich in mir eine Emotion und eine Frage kam hoch. Erstens: Erleichterung. Zweitens: Wieso erst jetzt?

Armin Veh hat es selbst gesagt: Irgendwann sei das Ende jeder Fahnenstange erreicht. Damit impliziert er, dass ihm die Auftritte Gordon Schildenfelds schon länger ein Dorn im Auge waren. Unterstellt dem war so – und offensichtlich ist das mehr als eine Unterstellung: Wieso muss(te) der Krug immer erst zerbrochen sein, bevor sich etwas ändert?

Mal ganz unter uns: Im Internet geistert viel Blödsinn herum und nur weil es eine schreiende Masse gibt, hat diese noch lange nicht recht, schon hat sie selten Ahnung. Ich sage nur Caio. Aber wenn sportliche Eindrücke schon flankiert und mehrfach vertreten sind von Leuten, die wahrhaft täglich mit der Materie zutun haben – Journalisten, tägliche Trainingsbeobachter, gegnerische Beobachter – dann liegt selbst die oben genannte Sorte Kritiker nicht ganz falsch.

Denn was Gordon Schildenfeld angeht, war es nie die Frage, ob er sich verbessert. Sie lautete stets nur, ob es dieses Mal nicht ganz so schlimm wird wie beim letzten Spiel. Oder dem davor. Oder dem davor. Wird der kapitale Bock in einem Gegentor münden, oder verstolpert ein blinder Gegenspiel die Kugel? Das war die Messlatte, die so ziemlich jeder anlegte. Im Grunde genommen seit Beginn der Saison. Sicher, die Alternativen waren lange rar. Niemand wird ernsthaft Habib Bellaid in die Mannschaft fordern wollen – wir erinnern uns zu gut an dessen vogelwilden, Schildenfeld´esken Auftritte. Der hochgelbote Stefan Bell – der auch in Mainz keine Chance erhält – wäre vielleicht trotz allem schon früher einen Versuch wert gewesen. Hätte er wirklich schwächer spielen können als Schildenfeld? Ja, hätte er. Aber hätte er mit seiner konstanten Unsicherheit und mangelnden Souveränität alle anderen Defensiven angesteckt? Darüber lässt sich nur spekulieren. Aber ich wage mal die These: Nein. Denn während die Mitspieler gewusst hätten, sich auf einen jungen Spieler wie Bell nicht verlassen zu können, ihm 20 Prozent mehr Aufmerksamkeit widmen, so sollte Schildenfeld als (deren) Chef gelten. Das konnte er nicht, mangels Leistung. So verließen sich die Kollegen naiverweise ein Stück weit mehr auf ihn, als es Sinn machte.Und plumps, ein Bock und ein Gegentor nach dem anderen.

Ich weiß, dass das alles hoch-theoretisch klingt. Dennoch gibt es so etwas wie die Psychologie des Fußballs. Jeder, der mal halbwegs ambitioniert gespielt hat, und sei es außerhalb einer Thekentruppe deren größte Ambition es war, nach Spielende drei anstatt zwei Bierkästen auszutrinken, spürt das: Du fühlst die Verfassung deiner Mannschaftskameraden, du weißt, bei wem du das flatten bekommen musst und wem du den Ball ohne Bedenken geben kannst. Das ist in der Kreisklasse so, das ist in der (Zweiten) Bundesliga so. Frage an euch: Würdet ihr Gordon Schildenfeld den Ball zuspielen? Ich antworte für euch: Als Mitspieler nicht, als Gegenspieler ja. Und das sagt viel aus.

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