Das Deichmann-Problem

Vor wenigen Tagen war ich genötigt, einen unliebsamen Weg zu beschreiten. Es steht schließlich bald eine Hochzeit an, und auch der Trauzeuge darf dann nicht in Eintracht-Trikot, sondern in feinem Zwirn und passendem Schuhwerk (Stollen ausgeschlossen) erscheinen. Auf den stets bevölkerten Einkaufsstraßen der Stadt also führte es mich vorbei an jenen Läden, die es mittlerweile überall gibt – hinein in den gefühlt einzigen Schuhladen der Republik: Deichmann.

Da saß ich also. Auf einem jener engen, unbequemen Schemel, die es braucht um den gemeinen Straßenschuh gegen edlere Treter der Marke A, B, C bis Z zu tauschen. Man sollte nicht meinen, wie schwer es ist, die passenden Schuhe zu finden. Optisch, nun gut, da bin ich kompromissbereit. Rieker, Gabor oder doch Victory? Der Hersteller könnte mir egaler nicht sein. Beim Preis wird es dann schon kribbeliger. Zehn, meinetwegen 20 Euro machen den Unterschied nicht aus. Da sagt man sich eben: Muss halt jetzt mal sein, die behälste auch eine Weile und gibst ja nicht ständig so viel aus. All das lässt sich also vergleichsweise unkompliziert umschiffen. Doch ein Faktor quält den Schuhkäufer und entpuppt sich schnell als das grundlegende Problem: Welcher Schuh passt? Aus welchem schlupfe ich nicht mit der Ferse hinaus? Bei welchem drückt es nicht auf dem Spann oder  vorne?

Und so gingen die Minuten dahin. Geschlagene 90 Minuten – ein ganzes Fußballspiel – verbrachte ich in diesem  klimatisierten, riesigen Laden, hinten links im Eck, dort, wo die Inhaber generös zehn Quadratmeter für Herrenschuhe freigeräumt hatten. Mittlerweile waren dutzende und aberdutzende jüngere und ältere Frauen bereits mit grün-weißer Plastiktüte aus dem Geschäft stolziert, manche mit, manche ohne Schuhkarton. Einige ließen sich die Pflegeprodukte oder Einlagen andrehen, andere lehnten ab. Nur ich schien keinen Meter voran zu kommen. Zumindest nicht, ohne dass es irgendwo drückte, das verfluchte Leder. Pardon, Kunstleder. Oder was auch immer es für ein Material war. Krokodil?

Ein Südafrikaner also? Sean Dundee? Nein. Solche Gedanken schossen mir in den Kopf. Und plötzlich verharrte ich wieder in der Eintracht-Welt. Dort sind Bruno Hübner und die Prototypen einer Scouting-Abteilung ja ebenfalls im großen Deichmann auf Schuhsuche. Und sie werden dieselben Probleme haben wie ich: Vorne drücken die Schuhe, die sie besitzen – alleine deshalb muss was Neues in den Schrank. Es darf aber nicht zu viel kosten. Und im Gegensatz zu mir, der genügsam durch den Laden stapfte und einfach nur etwas kaufen wollte, das nicht wehtut, stellen die Eintracht-Funktionäre Ansprüche. Jung, also möglichst ungetragen, soll der Schuh sein. Schnell darin laufen soll man können – spricht also eher für die Jogging- und nicht für die Abendgarderobenabteilung. Wenn er in heimischen Landen produziert und schonmal ab Werk probegelaufen wurde, wäre das wünschenswert. Und billig muss er zudem sein. Riecht eigentlich nach second-hand-Ware. Doch die Crux an all dem: Es liegen gar keine Schuhe im Regal. Während ich mich also vor Auswahl kaum retten konnte, müssen die Verantwortlichen bei Eintracht Frankfurt erstmal ein Geschäft finden, in dem die Regale voll sind. Nach Möglichkeit eines, wo nicht nur Bückware ausgestellt ist.

Doch wie man so hört, fallen Leute gerne auf Fälscher rein. Besonders ausgeprägt ist dieses Handwerk übrigens in Ägypten. Und welcher flinke Schuh damit gemeint sein könnte, dürfte klar sein. Zumindest ist Mohammed Zidan Stand heute der einzige Stürmer, der auf dem Bundesliga-Basar herumsteht.

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