Monatsarchiv: Mai 2012

Premier League für Arme

In einem Land, wo Dorfvereine wie Aalen, Sandhausen und Regensburg für Klubs wie Hansa Rostock, den KSC und Aachen spielen dürfen, läuft echt etwas falsch. Retorte für Tradition – Fußball hört echt auf, Spaß zu machen. Kaum steckt irgendwo ein Investor dahinter, geht es vielleicht nicht direkt bergauf. Aber es geht zumindest nicht mehr bergab, schlimmstenfalls stagniert die Entwicklung – bis die nächsten Tausender in die Hand genommen werden. Und dann degeniertert eine Profiliga zum Sammelsurium von Nestern mit Vereinen, deren größter Erfolg der Gewinn einer Bezirksmeisterschaft war.

Bei Sandhausen, Regensburg und Aalen zusammen werden im Schnitt so viele Zuschauer ins Stadion kommen, wie bei Hansa Rostock, dem KSC oder Aachen in einem Spiel alleine kommen. Aber ich vergaß: Um die Fans und Zuschauer geht es schon lange nicht mehr. Nur am Fernseher – da gereichen sie als Melkkuh noch aus. Lächerlich, diese Entwicklung. Da tröstet es auch kaum, dass wir als Eintracht Frankfurt mit dieser Imitation einer Liga nichts mehr zu schaffen haben.

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In eigener Sache: Sommerpause

Danke an diejenigen, die hier täglich vorbeischauen und den Krempel lesen, den ich absondere. Seit gut einem Jahr versuche ich, jeden Tag etwas mehr oder minder Produktives, nach Möglichkeit Analytisches,  zur Welt von und mit Eintracht Frankfurt beizusteuern. Mal gelingt das besser, mal schlechter – wie im Fußball ist das auch Tagesform. Und mehrere Dutzend Leser pro Tag watschen mich auch für die weniger glanzvollen Auftritte nicht ab. Dafür ein herzliches Dankeschön 🙂

Zuletzt erhielt ich hier im Blog und vor allem per eMail allerdings einige weniger schöne Nachrichten. Nicht voll auf Fan-Linie zu liegen, statttdessen kritische – und einmal in Hochemotion auch sehr harte – Worte zu finden, ist offenbar vielen ein Dorn im Auge. Das ist nicht neu für mich, damit muss ich im Beruf täglich leben. Spaß macht es trotzdem nicht, manche Sätze lesen zu müssen.

Mein Job ermöglicht es mir, viel (weil gerne) zu schreiben. Doch wird das zunehmend zum Blog-Problem. Die Aufgaben an der Arbeit werden nicht weniger, das Personal dafür knapper. Das bringt für mich den Umstand mit sich, in immer weniger Zeit meine Leidenschaft hereinzupressen: Eintracht Frankfurt zu erleben und darüber zu texten.

Mein und gleichzeitig unser Projekt ist jedenfalls geschafft. Wir sind eine Saison hindurch gemeinsam aufgestiegen – manche freut und freute das ehrlich, andere nahmes es nur zur Kenntnis. Es scheint mir trotz allem würdig, das erfolgreiche Saisonende als einen vorübergehenden Endpunkt für mich zu deklarieren. Ich nehme mir dementsprechend eine Sommerpause.

Ab Ende August – streng genommen ab Anfang Juli – gilt es dann, das nächste Projekt gemeinsam durchzuziehen: Mission Klassenerhalt!

Mich würde es auch freuen, wenn sich der eine oder andere in der kommenden Runde im Stadion mal auf ein, zwei oder drei + X Bier treffen würde wollen. Eine eMail genügt 🙂

Bis dahin,

euer Björn

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Die Nebelkerzen leuchten nicht

Ich bin irgendwie ein bisschen … enttäuscht. Nicht so sehr wegen der Transfers Trapp/Aigner/Celozzi , sondern weil in letzter Zeit alle Verpflichtungen so überraschungslos über die Bühne zu gehen scheinen. Jedes Personal-Gerücht bestätigt sich, an jedem gehandelten Namen ist offenbar etwas dran. Und im Endeffekt unterschreiben die tatsächlich einen Vertrag – oder man war zumindest an ihnen interessiert. Ich fand es ehrlich gesagt schöner, als man wusste:  Spieler X ist im Gespräch, also kommt der nicht zur Eintracht. Eine Nebelkerze nach der nächsten schoss in die Luft und am Ende kamen Leute zur Eintracht, die niemand auf dem Schirm hatte.

Jetzt kursiert auch schon wieder der Name Srdjan Lakic. Zumindest in diesem Fall hoffe ich inständig, dass noch eine Nebelkerze leuchtet. Denn nicht nur blickt Lakic auf lediglich eine (zugegeben sehr starke) Erstligasaison. Er ist überdies eine Diva, ein schwieriger Charakter – und das, obwohl er sich ein solches Standig wahrlich nicht durch jahrelange gute Leistungen erarbeitet hat. Er konnte sich in der Rückrunde nicht mal bei einem vor allem in der Offensive biederen und vor allem retortigen Hoffenheim durchsetzen (vier Spiele von Beginn an, zwei Einwechslungen in den letzten 15 Minuten: kein Tor, keine Vorlage). Bei Wolfsburg verzeichnete er in der Hinrunde fünf Einsätze in der Startformation, weitere fünf Male wurde er jeweils für 20, 25 Minuten eingewechselt. Selbes Bild: kein Scorerpunkt. Im Juli 2011 traf er beim Erstrundenpokalaus der Wolfsburger gegen RetortenBall Leipzig – sein einziges Tor. Im März fiel er drei Wochen wegen einer Kreuzbanddehnung aus (Hoffenheim schlug in dieser Zeit Gladbach 2:1, verlor aber gegen Bayern 1:7).

Kurz: Srdjan Lakic wäre in meiner Auffassung ein faules und vor allem teures Ei im Eintracht-Nest. Wie empfindlich ein Mannschaftsgebilde reagiert, wenn Eigenbrötler im Team sind, hat man in Frankfurt mit Gekas und Tzavellas erlebt. Da täte man sich keinen Gefallen, mit Lakic einen alles andere als introvertierten Charakter ins Boot zu holen. An dem Gerücht wäre nur eine Sache erfreulich: Man versucht in Frankfurt nicht, Absteiger loszueisen sondern schaut im Tabellenmittelfeld nach möglichen Verstärkungen. Das ist richtig und wichtig, tragen frisch Abgestiegene doch oft das Mantra des Misserfolgs mit sich.

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Ein laues Online-Lüftchen

Wie gut, dass es noch Frankfurter gibt, die sich für etwas begeistern können. Etwa, dass die Aufstiegs-Mannschaft auf dem Römer mit ihnen feiert. Während in den Foren und Blogs im Internet tausende überwiegend spöttische Posts produziert wurden – Hauptsache, man hat was zu nölen und geifern – , hatten hunderte Eintracht-Fans eine schöne Zeit bei alles andere als schönem Wetter (draußen, nicht vor dem PC).

Kleine Jungs winkten dem Team mit Fähnchen zu, Familienväter und ihre Töchter sangen gemeinsam, Opa und Oma fotografierten ihre Enkel: DAS, liebe Leser-Gemeinde, ist die Stimmungslage in Aufstiegs-Frankfurt. Nicht die möglichst laut schreienden Eintracht-Piraten im world-wide-web.

Die wühlen täglich solange, bis sie sich endlich über etwas oder jemanden aufregen können. Auf die Spitze treibt diese völlig schizophrene Denke das Verfolgen der Live-Übertragung der Römer-Feier im HR, bei gleichzeitigem leidenschaftlichten Internet-Pöbeln und spotten.

Für die Sommerpause springt Heribert Bruchhagen bestimmt auch noch ein paar Mal ein, um die Wut-Fans mit Adrenalinschüben zu versorgen. Der virtuelle shitstorm, er wird kultiviert – aber in der echten Welt entpuppt er sich als laues (Online)Lüftchen.

Danke Eintracht, für die super Saison – trotz der zwei mauen Auftritten zum Schluss, trübt das nicht den Gesamteindruck. Besser geht immer; und ab Juli in der Vorbereitung fangen wir damit an!

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Es nervt

Dieses Spiel zu ertragen, das fiel schon ganz schön schwer. Gegen 1860 war es nachvollziehbar, die Spannung fiel ab – und trotzdem war man das bessere Team und verlor unglücklich. Klassisches Unentschieden-Spiel war das.

Und in Karlsruhe? Sorry, das spottet jeder Beschreibung. Pistole auf der Brust, nur dann scheints zu funktionieren. Am Ende ist es immer eine Frage des Willens. Bezeichnende Szenen gabs genug: Rodes „Pass“ auf Idrissou nach 55 Minuten, Schildenfels „ich decke die Seitenauslinie“ vor dem 0:1 …das lässt sich unendlich erweitern. Nein, man kann stets verlieren – aber das Wie ist entscheidend. Zu München sagte ich alles, zum KSC mag ich mehr nicht sagen. Weil es letztlich nur kosmetische Relevanz, also gar keine, hat. Es nervt einfach.

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Karlsruh‘, Karlsruh‘, wir …

… geben jetzt Ruh‘. Das wäre doch mal was. Einfach friedlich, fröhlich das Spiel anschauen, sich freuen wenn der Rivale verliert und man selbst gewinnt. Danach: Feierabend, ab in den Bus, ins Auto, in den Zug und heimfahren. Schließlich wird aufm Römer auch noch was geboten – obwohl manch einer ja auch dagegen wieder wettert.

Freude empfinden – das bereitet einigen eben Schmerzen. Schulterzucken weniger. Die Selbstverständlichkeit des Aufstiegs – sie führt zum karfreitagsähnlichen Feierverbot. Und was machen wir mit diesem Spaßbremsen-Standpunkt? Richtig, wir ignorieren ihn und freuen uns trotzdem mit unseren Freunden und allerlei Eintracht-Anhängern über den Aufstieg. Auf dem Römer – nicht im Wohnzimmer!

Also, ein schönes Spiel, gute, aber faire Stimmung, keine Ausschreitungen und ein geiler Abend in der Innenstadt – das wäre doch ein würdiges Ende einer super Saison!

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Wider der Revolution

Armin Veh verlängert seinen Vertrag um ein Jahr – ein gutes Omen, schließlich ist das eine Reminiszenz an die erfolgreichste Eintracht-Mannschaft der vergangenen 20 Jahre unter Friedhelm Funkel. Neben den Vertragslaufzeiten verbindet beide auch noch ein ebenso sympathischer wie fachmännisch wichtiger Wesenszug: Sie lassen sich nicht von irgendwelchen Dahergelaufenen erzählen, dass sich der Fußball geändert habe. Eine Doppel-Sechs war nicht neu als Bundestrainer Joachim Löw diese Formation zur fussballerischen Revolution ausrief und vermarktete, einen Matchplan hatte jeder Trainer bereits im 19. Jahrhundert , somit Generationen vor Thomas Tuchel, und Systeme mit einer Spitze spielten viele Italiener – und viel mehr Teams – schon vor Jahrzehnten, obwohl in Fan-Foren bis heute das Wort „Spielmacher“ kursiert.

Alles nicht neu. Weil immer elf Mann auf dem Rasen stehen, weil alle nach wie vor das Ziel haben, hinten keinen zu fangen und vorne mind. eines zu schießen. Weil es immer noch darum geht, mehr zu rennen als die anderen elf Leute, präziser und konzentrierter zu spielen als der Gegner. Nur, weil die Fußballschuhe mittlerweile raffinierte Designs und verrückte Farben aufgepinselt haben, nur weil Bälle jetzt PR-starke Namen tragen, Rasenflächen mit Lichtmaschinen behandelt werden und die Profis mit 20 Jahren in zwei, drei Jahren so viel Geld verdienen wie ihre Eltern in 50 Jahren Erwebsleben nicht, hat sich am Fußball selbst nichts verändert. Die Geschwindigkeit des Spiels ist, ohne Zweifel, gestiegen. Aber das war es dann auch. Die Strukturen professionalisierten sich, die Staffage wurde stets erhärtet, die Vermarktung sucht ihresgleichen. Und doch beeinflußt nichts davon das Spiel. Oder nur in Nuancen.

Doch gibt es eben jene „jungen, hungrigen Trainer“ die eine Sehnsucht der Öffentlichkeit nach Neuem zu bedienen verstehen. Sie vermarkten das, was sie tun, den immerselben Kreislauf, als die Neuerfindung des Spiels. Der eine profiliert sich durch häufige Rotation in der Startformation und wird deswegen abgefeiert, andere setzen auf junge Spieler, wieder andere auf Erfahrung, wieder andere auf dies, nochmals andere auf jenes – irgendein Grund findet sich aber scheinbar immer, jemanden abzufeiern. Losgelöst vom Spiel, wohlgemerkt. Denn keine Idee ist neu, kein Konzept ist besser oder schlechter als ein anderes, keine Formation ist einer anderen überlegen.

Typen wie Armin Veh wissen das. Und sie kommunizieren das, bisweilen offensiv. Das unterscheidet ihn, bzw. solche Charaktere – zu denen ich auch bspw. Funkel, Rehhagel, Heynckes, Schaaf zähle – von dem Gros der Szene. Vor allem aber tritt es dem Hang zu Pseudo-News entgegen, der in (vor allem Online und TV) Sport-Redaktionen verbreitet ist. Das Spiel wird kompliziert gedichtet, vielleicht auch um bei der Bewertung des Geschehens ein bisschen avantgardistisch zu erscheinen. Wer auf einem Touchscreen ein Dreieck zwischen Stürmer und drei zu weit entfernt stehenden Abwehrspielern malen und den Satz „die stehen zu weit weg“ geradeaus sprechen kann, wird so schnell zum Experten.

Und das lassen Charaktere wie Veh ihre Gegenüber wissen. Dass diese am Ende des Tages lediglich schwadronieren, das sie Entwicklungen herbeisehnen und herbeidichten, die es nicht gibt. Sie entlarven die Methode, sie entblößen deren Vertreter. „Schwätz net so e dumm Zeuch“, sagt der Freund der Mundart dazu. Ich jedenfalls bin dieser herbeigeredeten Dauer-Evolution des Fußballs schon lange überdrüssig. Ein Armin Veh ist für mich daher Gold wert, da ich mich nicht – neben mancher sportlichen Misere – über das falsche und unqualifizierte Gebabbel irgendeines (Skibbe gleichen) Lullis aufregen muss. So bleibt nur eine Baustelle: die Leistung, der Sport selbst. Doch auch da bin ich bei Armin Veh entspannt: Er wird seinen Teil dazu beitragen, dass Eintracht Frankfurt mittelfrisitg wieder dorthin kommt, wo es hingehört: Ins Mittelfeld der ersten Fußballbundesliga. Nicht mehr, nicht weniger.

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