Monatsarchiv: Oktober 2012

Der Ersatzmann

Carlos Zambrano fällt nun also mindestens vier, fünf Spiele verletzt aus. Die Frankfurter Rundschau schreibt von einem herben Schlag, da sich die Innenverteidiger mittlerweile eingespielt hätten. Das wage ich zu bezweifeln. Dass es nie gut ist, einen Stammspieler ersetzen zu müssen – allem Gerede von ausgeglichenem Kader zum Trotz – , ist unstrittig. Doch das einzige, dass Zambrano und sein Nebenmann Bamba Anderson zuletzt halbwegs in den Griff bekamen, waren die zwei, drei bösen individuellen Aussetzer pro Spiel. Selbst gegen Stuttgart bolzte Zambrano zwei Flachpässe auf Höhe Mittellinie einem Schwaben in die Füße, dazu gesellt sich Bamba Andersons unglücklich verlängerter Kopfball vor dem 0:1 . Kurz: Fehlerfrei war die Innenverteidigung bislang in keinem Spiel.

Wer meinen Blog eine Weile verfolgt weiß aber auch, dass ich nicht die Innenverteidigung als Unsicherheitsfaktor Nummer eins sehe. Die Außen, speziell die linke Seite, sind der Hemmschuh, die offene Flanke des Teams. Zwei Spieler, die defensiv viel zu schwach sind, machen es den Zentralen schwer, setzen sie permanent unter Druck, da sie kaum einen zügig vorgetragenen Angriff der Gegner unterbinden (können).

Dennoch: Nun ist die Innenverteidigung neu zu formieren. Bamba Anderson und Vadim Demidov. Letzterem haftet schon eine gewisse Tragik an. Das Pokalspiel gegen Aue mutete grotesk an, im Spiel gegen Mönchengladbach agierte er souverän, trotzdem setzte es die erste Niederlage. Gegen Stuttgart wird er eingewechselt und eine Minute später ist die Niederlage besiegelt. Ein gutes Omen ist das sicher nicht.

Angesichts der alles andere als sattelfesten Innenverteidigung stellt sich umso mehr die Frage, wieso ein erfahrener, ruhiger Typ wie Heiko Butscher so jäh ausgebotet wurde. Sein Fehler im Pokalspiel war folgenreich, doch hätte sein mea culpa mehr als genügen müssen. Jedenfalls gibt es angesichts des aktuellen Settings keinen Grund, wieso Heiko Butscher nicht genau der Mann sein sollte, den es braucht. Jemanden, der Ruhe ausstrahlt, der nicht so sehr mit sich beschäftigt ist, wie man das bei Bamba Anderson zuletzt häufiger beobachten konnte.

Bis heute fragt sich wohl jeder Eintrachtfan, wieso Rob Friend – der wohl von kaum einem Anhänger wirklich herbegesehnt wurde – derart in den Schamecke gedrängt wurde. Constant Djakpa geht es mittlerweile ja ähnlich, Heiko Butscher ohnehin. Mir ist, auch von den Trainingseindrücken her jedenfalls nicht so ganz klar, wieso Demidov nun quasi logischer Ersatzmann für Zambrano sein sollte.

Gerne lasse ich mich Lügen strafen, zumal Zambrano meiner Ansicht nach auch zum Bruder Leichtfuß tendiert. Kurz: Ersetzbar sollte er eigentlich sein. Gegen Greuther Fürth, da täusche sich niemand, wird es auf die Verteidigung mehr ankommen als man zunächst glauben mag. Denn wenn die Offensive abermals stottert, wächst der Druck auf die Defensive automatisch. Und wer von uns möchte schon nach diesem furiosen Saisonverlauf ausgerechnet (!) gegen einen Mitaufsteiger alt aussehen?

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Verdient

Wie es mit Niederlagen so ist, Freude empfindet darüber niemand. Und doch kann ich mit dem 1:2 in Stuttgart leben. Vor allem deshalb, weil der VfB kurzum die giftigere Mannschaft, ja, die bessere Mannschaft war. In vielen Szenen hatte man als Beobachter das Gefühl, Stuttgart sei mit ein, zwei Spielern mehr auf dem Feld. Dieser Eindruck drängte sich auf, weil sie mehr liefen,sie stets, offensiv wie defensiv Überzahl schafften in einem zehn Meter Radius um den Ball und ballführenden Spieler. Kurzum: Die Laufbereitschaft war wesentlich höher, vor allem waren es intelligente, effiziente Laufwege.

Frankfurt wirkte behäbig. Das ganze Spiel, von beiden im Passspiel eher Ping-Pong als Fußball ähnlich, fußte auf Flachpässen ohne Raumgewinn und langen Bällen auf eine (!) Spitze. Was soll Occean mit einem 30 Meter Ball auf den Kopf anfangen? Zumal Alex Meier sich jeden zweiten Ball an der Mittellinie abholen musste, weil Rode/Lanig keinerlei Offensivspiel anzukurbeln verstanden. Tempowechsel? Fehlanzeige. Ob das nur am Ausfall Pirmin Schweglers lag? Nur sicher nicht, aber ein Faktor war es. Lange wirkte das Spiel so, wie gegen Mönchengladbach oder Freiburg. Mit dem Unterschied, dass Stuttgart keinesfalls defensiv spielte. Im Gegenteil, sie spielten druckvoll, pressten schon in des Gegners Hälfte, verunsicherten die Innen- und Außenverteidiger. Kräfteraubend – aber Frankfurt konnte daraus nie Kapital schlagen. Zu uninspiriert, zu langsam und gleichsam zu hektisch agierten vor allem die Sechser.

Und dann fällt dieses Alex-Meier-Tor. Schlenzt er den Ball am 16er in den Winkel. Einfach so. Individuelle Klasse, Einzelaktion – es war klar, dass nach diesem Spielverlauf nur so etwas zum Erfolg würde führen können. Doch fiel das Tor eben auch aus heiterem Himmel. Trotzdem war es der Weckruf, ab diesem Zeitpunkt kam eine Agilität ins Eintrachtspiel, die man über eine Stunde völlig vermissen ließ. Dass in der Schlussphase das 1:2 fiel, ist bitter. Dennoch spiegelt das Ergebnis den Spielverlauf meiner Ansicht nach gut wieder. Stuttgart gewann verdient – auch wenn es schwerfällt, so etwas als glühender Eintrachtfan zu schreiben.

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Einzelkritik vs. VfB Stuttgart

Kevin Trapp: Starkes Spiel. Hielt zwei, drei Schüsse, die, wenn es dumm läuft auch reinrollen können. Pflückte einige Hereingaben souverän und selbstbewusst runter.

Carlos Zambrano: Erneut mit seinem Zweikampfverhalten am Rande eines Platzverweises, erneut mit teilweise haarsträubenden Pässen im Aufbauspiel. Zur Sicherheit trägt das alles nicht dabei; weder zu seiner, noch der, der gesamten Defensive.

Bamba Anderson: Tja, rüffelt man ihn für den Kopfball beim 0:1 oder tut man es nicht? Jedenfalls war es abermals eine Szene, wie manch andere im Spiel, die das Prädikat souverän nicht verdient.

Sebastian Jung: Zählte noch zu den besseren Frankfurtern, was an diesem Tag nicht viel heißt. Ein paar Mal mit Drang nach vorne und in die Mitte, einmal mit Katastrophen-Querpass vor den eigenen 16er.

Bastian Oczipka: Dass das 0:1 – wie so viele Gegentore des Teams – wieder über seine linke Seite fiel, bedarf kaum mehr der Erwähnung. Nach vorne ohne Durchschlagskraft, die Flanken und Pässe gingen ins Nichts.

Martin Lanig: Konnte Schwegler nicht im Ansatz ersetzen. Tiefpunkt war die unbedrängte Flanke aus dem Halbfeld ins Toraus. Dazu einige vermeidbare Fouls.

Sebastian Rode: Ganz schwacher Auftritt. Viele Ballverluste in der Vorwärtsbewegung, keine klugen Pässe in die Spitze. Hielt den Ball oft viel zu lang, wurde dann abgegrätscht oder abgelaufen – da fehlts ihm einfach noch an Ruhe.

Stefan Aigner: Unauffällig. Aber das kennt man von ihm ja, bis er dann ein, zwei Mal pro Spiel etwas Verrücktes macht. Tat er diesmal aber nicht, von daher schwamm er so mit durch die Partie.

Takashi Inui: Der Wirbelwind schwächt sich Woche für Woche zum lauen Lüftchen ab. Da kommt derzeit gar nichts mehr. Im Gegenteil, mittlerweile bestätigten sich sogar die Befürchtungen, dass er zur Belastung für die Defensive werden kann. Muss schnell wieder an sich arbeiten, eine Pause könnte jedenfalls nicht schaden.

Alexander Meier: Alleine kann er es eben auch nicht richten. Schon im ersten Abschnitt der aktivste Spieler, der einzige, der laufen wollte und das auch tat. Wurde von der Lethargie der anderen im Stich gelassen.

Olivier Occean: Ein mächtig undankbares Spiel für einen Stürmer, zumal als einzige Spitze. Das Mittelfeld bekam keinen Fuß zu Boden, ergo bekam Occean keine Bälle. Und trotzdem muss man sich Sorgen machen, dass das Sturmzentrum nicht derart gut besetzt ist, dass es Schwächephasen der Außen kompensieren und Meier unterstützen kann.

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Stefano Celozzi: Spielte dann auch mit. Bewegen konnte er nichts, aber in einem zu lange zu schläfrigen Spiel wie diesem, wäre es auch unfair, ihn dafür zu kritisieren.

Karim Matmour: In einem Spiel, in dem 0 Schwung vorhanden war, brachte er immerhin etwas Zug in die Offensiv, hatte die beiden gefährlichsten Szenen im 16er. Scheint auf den Außen oder gar in der Zentrale aktuell der Formstärkste hinter Meier zu sein.

Armin Veh: Die Unzufriedenheit war ihm anzumerken, reagierte mit den Wechseln gut und zeitig. Dass er die Körpersprache und den Esprit des Teams nicht im Handstreich ändern kann, ist klar. Jedoch wird er sich überlegen müssen, wie lange man Takashi Inui in dieser Form mitschleppen kann. Dass Schwegler offenbar unersetzlich ist, zeigte das Spiel in Stuttgart. Ohne den Japaner läuft es jedenfalls derzeit nicht schlechter, eher etwas besser. Wo überhaupt die linke Seite, das ist seit Wochen offensichtlich, von jedem Gegner als Schwachpunkt ausgemacht wird. Das Problem: Es bedarf nicht viel, um über diese Schwachstelle zum Erfolg zu kommen. Zwei Gegentore pro Spiel sind, Spielphilosophie hin oder her, zu viel. Alex Meier alleine kann das nicht ausgleichen. Schon gar nicht, wenn im Sturmzentrum nichts und über die offensiven Außenspieler immer weniger kommt. Daran gilt es bis Freitag zu arbeiten, denn da schon gegen offensive Stuttgarter sehr wenig ging, will man nicht wissen, wie das gegen Fürth aussehen könnte.

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Eingerammte Pflöcke

19 Punkte. In einer normalen Saison wäre diese Marke nach der Hinrunde, 17 Spielen, eine völlig zufriedenstellende Ausbeute –  zumal als Aufsteiger. Es wäre der erste eingerammte Pflock, die Hälfte der Punkte, die man zum sicheren Klassenerhalt bräuchte. Derzeit sind acht Partien vorüber und selbst wenn Frankfurt in dieser oder den kommenden Wochen aus dem Traumland erwacht, ist schlicht nichts passiert.

Der Markenkern Eintracht Frankfurt war stets, sich irgendwann eine Blöße zu geben. Genau dann, wenn keiner damit rechnet. Gegen Hansa Rostock Anfang der Neunziger, das Spiel, das vielleicht am symbolischsten für dieses Phänomen steht. Aber es gibt andere solcher Partien. In der Zeit, als der Ex-Kapitän Patrick Ochs vom „oben festbeißen“ sprach. Drei, vier, fünf Mal gab es die Gelegenheit dazu, die Form stimmte, die Gegner waren schlagbar. Und dann passierte stets dasselbe: ein Rückschlag. Doch wie das jetzt sein, in Zeiten dieses neuen Eintracht-Geists? Wird der VfB Stuttgart, eine Mannschaft, deren Form nicht stimmt, die gegen den FC Kopenhagen nicht über ein 0:0 hinauskamen, wieder so ein Rückschlag aus heiterem Himmel? Die Fakten sprechen so klar für die Eintracht, wie lange nicht mehr. Die ausgelutschten Sprüche vom Reißen jeder Serie, vom stotternden Motor oder vom Ende aller Träume muss man gar nicht bemühen, um tief in sich drin wieder die Erinnerung an dieses Gefühl finden, jene Verärgerung, die man tagelang mit sich herumträgt, wenn man einen Gegner mit freundlicher Unterstützung aufbaut.

Unter uns: Gegen Mönchengladbach tat das diese Mannschaft schon. Gegen den VfB Stuttgart passiert ihr das nicht.

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Rote Haut

Wund dürften die Arme der meisten Eintrachtfans mittlerweile sein. Vom vielen kneifen in den vergangenen Wochen. Und so recht glauben mag man das, was da am Samstag passierte, ja auch wieder nicht. Der 3:1 Sieg gegen Hannover war nämlich ein spielerisch bemerkenswerter. Das Team dominierte einen seit drei Jahren starken Gegner 25 Minuten lang nach Belieben, wackelte im ganzen Spiel nur 15 Minuten sichtbar und spulte die Partie denkbar unbeeindruckt hinunter. Man hätte fast meinen können, ein Sieg gegen Hannover 96 unter Mirko Slomka sei dieser Tage selbstverständlich. Das ist neben den drei Punkten und dem Tabellenstand das Faszinierenste: Nach einem mauen, müden Auftritt gegen Mönchengladbach, einen in vielerlei Hinsicht schwächeren Gegner, war nicht zu erwarten, dass die Mannschaft derart dominant auftritt. Klar, die Spielweise kam grundsätzlich der Eintracht entgegen. Doch das Feuerwerk der ersten 20 Minuten sowie die vergleichsweise stabile Defensivleistung sind durchaus bemerkenswert. Zumal das Gegentor auch nach einem doppelt vermeidbaren Fehler (Oczipka/Anderson) fiel.

Für mich ist mit dem Sieg gegen Hannover jedenfalls der Punkt erreicht, wo mir nur noch das Wort Respekt einfällt in Bezug auf das, was Trainer und Mannschaft leisten.

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Einzelkritik vs. Hannover 96

Kevin Trapp: Zwei starke Paraden, hielt den Sieg dadurch fest. Musste gar nicht so oft eingreifen, aber gerade wenn ein Keeper so lauwarm durch den Tag geehen musste, ist das eine sehr gute Bewertung.

Carlos Zambrano: Klassisches Verteidigen, zweikampfstark und im Zweifel die Pille blasen oder ins Aus dreschen – gut so. Einmal mehr eine Gelbe gesammelt, die es nicht brauchte.

Bamba Anderson: Beim 2:1 steht er nicht gut zum Mann, kurz danach der nächste Wackler. Haute sich aber mächtig rein ins Spiel, klärte oft simpel und marschierte zwei Mal gut nach vorn. Das war insgesamt noch in Ordnung.

Sebastian Jung: Eine super Partie, wahrlich nicht nur aufgrund des frechen Tors. Machte viel Betrieb nach vorne und hielt zugleich seine Seite dicht. Sein bestes Spiel seit langem.

Bastian Oczipka: Beim 2:1 bewacht er den Rasen, das Stellungsspiel mal wieder. In den ersten 30 Minuten machte er das auch defensiv gut, dann riss es leider ab. Nach vorne wieder mit hohem Pensum, erneut eine Torvorlage – das macht Kritik schwer. Im Grunde ein Spiel, wie er es immer macht: Viel Licht, einiges an Schatten.

Pirmin Schwegler: Überragender Mann auf dem Feld. Wuchtete sich in jeden Zweikampf, spielte kluge Pässe, rannte jedem Ball und Gegner gallig hinterher. Die zweite Liga tat ihm und seiner Entwicklung offenbar sehr gut.

Sebastian Rode: So, so müsste er immer spielen! Nicht auf Teufel komm raus auffallen und den Ball treiben, aber trotzdem viele Bälle erobern und eben nicht durch schlampige Pässe verlieren. Guter Auftritt.

Stefan Aigner: War der schwächste Frankfurter an diesem Tag. Unauffällig erschien er oft, aber zwei, drei starke Szenen hatte er immer – am Samstag war das Gegenteil der Fall. Er fand nicht statt, und wo er es tat, gelang ihm nichts, oder er traf die falsche Entscheidung. Hätte früher ausgewechselt werden sollen.

Takashi Inui: Dynamisch ist er wie kaum ein anderer, dribbelstark und auch mit guten Pässen. Trotzdem verhaspelte er sich zu oft, verlor die Bälle manchmal zu leicht. Insgesamt in Ordnung.

Alexander Meier: Das 3:1 ist für einen wie ihn fast schon zu leicht, trotzdem erlöste er ein ganzes Stadion. In der ersten halben Stunde war er der Dreh- und Angelpunkt, das Tor krönte eine engagierte Leistung. Auch defensiv immer wieder mit der Rübe dran; vor der Halbzeit tauchte er ab, tauchte dann nach einer Stunde wieder auf.

Karim Matmour: Es dauerte, bis Hannovers Innenverteidigung sich auf ihn als Gegenspieler einstellen konnte. Diese Phase nutzte er, mit Tor und vielen guten Aktionen. Hat sich Vorteile gegenüber Occean und Hoffer erspielt – das sollte diesen zu denken geben.

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Stefano Celozzi: Genau der richtige Mann in der Situation, in der er eingewechselt wurde. Die Sahnevorbereitung zum 3:1 war stark, er stabilisierte die oft blanke linke Seite.

Erwin Hoffer / Martin Lanig: Ohne Wertung.

Armin Veh: Vielleicht etwas späte Wechsel, 5,10 Minuten früher hätte zumindest Aigner raus und/oder Celozzi reinkommen sollen. Alles in allem ist es aber faszinierend, was der Trainer leistet. Gegen Hannover eine Defensivleistung reinzutrainieren, die durchaus okay war und vorne weiter viel Alarm zu machen – chapeau!

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Vor der Weggabelung

Setzt man Tage mit Schritten gleich, sind die Spieler der Eintracht noch sechs davon entfernt, vor einer Weggabelung zu stehen. Am Samstag, wenn das Heimspiel gegen Hannover 96 angestossen, gespielt und abgepfiffen ist, wird sich die tabellarische Marschrichtung des Aufsteigers weisen. Knüpft das Team an die Spielweise und Ergebnisse der ersten Saisonwochen an und hält nach 90 Minuten zwischen einem und drei Punkten fest, ist diese Mannschaft wahrlich auf einem formidablen Weg. Verliert sie das Spiel, fällt sie weich – weil sie gefühlt gar nicht fällt. Und doch wäre eine, die zweite Niederlage, so etwas wie das vorläufige Ende der Herrlichkeit.

Denn die Eintracht muss nun eine neue Stärke beweisen: Lernfähigkeit. In den ersten Wochen der Saison überrumpelte sie so einige Gegner, konnte die eigene Defensivschwäche mit radikalem Angriffsfußball ausgleichen und die Gegner einschnüren. Nun scheinen sich die anderen Bundesligisten darauf eingestellt und Mittel dagegen gefunden zu haben. Schon gegen Freiburg war das deutlich zu sehen, Mönchengladbach perfektionierte es und profitierte zugleich von 45 hergeschenkten Minuten seitens der  Eintracht. Dementsprechend müssen sich Trainer und Mannschaft überlegen, was sinnvoller ist: Bemüht aber wirkungslos nach vorne zu spielen, am Ende in das Spiel mit zu vielen langen Bälle zu verfallen, oder – gerade gegen Teams wie das ambitionierte und daher höher stehende Hannover – auch mal die eigenen elf Spieler tiefer stehen zu lassen, um überfallartig zu kontern.

Zugegeben, für das klassische Konterspiel fehlen der Mannschaft die schnellen Spieler ganz vorne. Zudem ist es angesichts der stets wackeligen Abwehr, ein Wagnis, Teams anzulocken und auf Ballgewinne der 6er oder Außenverteidiger zu spekulieren. Kurzum: Eigentlich kann die Devise nur lauten, das Spiel weiterhin zügig nach vorne zu tragen und diesmal nicht die ersten 45 Minuten so zu verschlafen, wie das gegen Gladbach und auch schon gegen Freiburg der Fall war. Die Hoffnung, dass Hannover einen anderen Fußball spielen wird – der aufgrund der geschilderten Abwehrprobleme auf Frankfurter Seite sehr gefährlich für die Adler werden wird – mag berechtigt sein. Doch werden sie wissen, wie sie in der Rückwärtsbewegung zu stehen und zu spielen haben.

Jedenfalls wird es ein interessantes Spiel am Samstagnachmittag. Das Gefühl, bei Niederlagen eigentlich nichts verloren zu haben, ist wohl für jeden Eintracht-Fan neu und ungewohnt. Aber wenn man schon an so einer Kreuzung steht und sieht, wohin einer der beiden Pfade führt, wenn der süßliche Duft des Erfolgs einem in die Nase (und nicht zu Kopfe) steigt, möchte man doch lieber diesen beschreiten. Die Eintracht hat in sechs Tagen die Gelegenheit dazu. Und ich gehe bereitwillig mit.

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