Am Krückstock in die Winterpause

Eine Andeutung war es schon lange nicht mehr, Gewissheit ist es spätestens jetzt: Die Eintracht verspielt eine in Aussicht stehende Überraschungs-Saison gegen die schwächsten der Schwachen. Mönchengladbach, Stuttgart, Fürth, Düsseldorf. Allesamt Mannschaften, denen eine nicht mal mehr als couragierte, solide, clevere Leistung reichte, um mühelos (und verdientermaßen) zu Erfolgen gegen die Frankfurter zu kommen. Obgleich Mainz beim Aufeinandertreffen mit der SGE nicht im unteren Tabellendrittel stand, reichte auch ihnen Cleverness und Laufbereitschaft für einen schnörkellosen, verdienten, ungefährdeten Sieg.

Man muss sich mal vergegenwärtigen, was da in Düsseldorf passiert ist. Der Gegner beklagte ebenfalls ein Haufen von Ausfällen und schießt die Eintracht recht unbeeindruckt 4:0 ab. Ja, die Überzahl ebnete ihnen den Weg – aber es ist ja nicht so, dass man in Frankfurt zuletzt in der Rückwärtsbewegung sicherer gewesen wäre. Hinten reicht die Qualität nicht aus, vorne lassen sich die Unzulänglichkeiten der Defensiven nicht durch einen Alex Meier alleine kompensieren. Es war nur eine Frage der Zeit bis sich das in Ergebnissen ausdrückt.

Die Eintracht humpelt am Krückstock in Richtung Winterpause. Und wenn es ganz dumm läuft, was nicht auszuschließen ist, bleibt es Mitte Dezember bei 24 Punkten. Findet man sich dann irgendwo zwischen Rang 10 und 12 wieder, wäre der emotionale Zustand der Ernüchterung noch ein glimpflicher. Es ist unsinnig, Parallelen zur Abstiegssaison zu ziehen – und doch zeigt es, wie tief dieser Stachel sitzt – aber so wie es aussieht, wird diese Elf allem spielerischen Furor zum Trotz, weniger Punkte einfahren als die Absturzmannschaft vor zwei Jahren. Das ist beinahe grotesk. Und doch beweist der Saisonverlauf, wie wenig der optische Eindruck mit dem zutun hat, was man gemeinhin Qualität nennt.

Und diese fehlt der Eintracht, so viel muss nun auch dem letzten Optimisten klar sein. Das Thema Transfers gewinnt an Fahrt. Längst ist es nicht mehr nur die Innenverteidigung, die ja selbst in Bestbesetzung eine Fülle an Wacklern auf den Rasen zauberte, wo Handlungsbedarf besteht. Der Sturm ist längst als Grund dafür identifiziert, dass die Eintracht gefühlt zu zehnt spielt. Aber auch die Außenbahnen müssen zunehmend kritisch überprüft werden. Nominell stehen Alternativen im Kader. Doch von ihnen kommt kein Druck, Takashi Inui und Stefan Aigner werden durch jedes Spiel geschleppt, obwohl sie seit Wochen schon kaum einen Stein zu Boden bekommen. Der Konkurrenzkampf stockt, lahmt, kommt nicht vor. Wo ist Talent Sonny Kittel? Wieso nicht mal mit dem ballsicheren Benjamin Köhler? Die erste Elf hat Erfolg, bricht ein Mosaiksteinchen heraus, kommt nicht mehr viel. Eine Erkenntnis, die angesichts von Sperren und Verletzungen nicht sehr hoffnungsfroh stimmt. Der Trend ist, Achtung Wortpsiel, nicht der Friend der Mannschaft.

Einem Aufsteiger, und trotz allem Erfolg ist Eintracht Frankfurt nur das, kann das passieren. Aber es bleibt diese wohl abermals unerfüllte Hoffnung, mal ein Ausrufezeichen setzen zu können, irgendwie mal mehr als das Erwartbare zu erreichen. Zumal diese Entwicklung hausgemacht scheint. Denn es gibt diese seltsamen Entscheidungen, etwa einen Heiko Butscher auszubooten – angesichts einer Verteidigung, die dem Namen spottet. Im Fall Rob Friend eines Sturms, der nicht sichtbar ist. Es ist nicht zu weit hergeholt zu behaupten, dass man es sich angesichts solcher strategischen Entscheitungen schwerer macht als nötig.

Die Frage sei daher erlaubt: Ist besagter Heiko Butscher schwächer als ein möglicher Neuzugang Marco Russ, ein Spieler, der seit Monaten nicht mal mehr in der 2. Mannschaft des VfL Wolfsburg spielt? Anzweifeln darf man das durchaus. Es reicht ja schon die Frage zu stellen, ob Butscher schwächer als Vadim Demidov, unsicherer als Marc-Oliver Kempf sein könnte. So oder so: Neuverpflichtungen scheinen unumgänglich – und auch der viel gelobte Bruno Hübner wird sich die Frage stellen müssen, ob die Transferbilanz wirklich so schillernd ist, wie man das glaubt(e). Noch ist nichts schlimmes passiert, noch ist Zeit, gegenzusteuern und eine Saison als Überraschungs-Team abzuschließen. Es wäre uns allen, Verein, Team und Fans zu wünschen, dass wir doch wieder die Kurve kriegen und in dem Tross der 6,7 Mannschaften verbleiben, die um die Ränge 4, 5 und 6 kämpfen. Der Vorsprung auf die Horde der ambitionierten Teams ist nach dieser verkorksten englischen Woche samt und sonders aufgebraucht, aber abgerutscht ist man nicht. Wohin die Reise geht, entscheidet sich in den letzten beiden Spielen. Zeigt der Pfeil nach oben oder unten? Es liegt in der Hand des Teams – eines ab sofort wieder fast bestbesetzen.

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