The german angst

Nun wird es also richtig spannend. Brennt Pyrotechnik auch bei Minusgraden? Am Wochenende dürfte diese Frage sehr anschaulich und flächendeckend beantwortet werden. Frieren die Finger der Feuerwerksfreunde nicht ein, oder sollte über Nacht nicht der Tsunami der Vernunft über sie hereingebrochen sein, wird in den Stadien vielen die Regelüberschreitung eine Wonne werden.

Was für eine verpasste Chance des Sports, der Vereine, der Politik! Mit stoischer Ignoranz drückte man das 12:12-Sicherheitskonzept durch. Unter Verkennung jedweder rechtlicher, geschweige denn empirischer Grundlage. Das Recht wird man anpassen, keine Sorge. Darin sind die Juristen in den Ministerien Meister. Regelung nennt man das dann. Alles, was mal erlaubt, weil nicht „geregelt“ war, wird unter den Schirm der Normen verfrachtet. Und was die Empirie angeht: Es brauchte nicht mal das Herauskramen irgendwelcher Zahlen, um die Deutungshoheit über die Situation in Stadien zu gewinnen. Bilder von Vermummten und Fackelträgern reichten, um des Deutschen Furcht zu aktivieren und sich der breiten, wenn auch stillen Unterstützung sicher sein zu können. Im englischen Sprachraum gibt es ein schönes Wort für die Beschreibung des Deutschen Wesens, es die „german angst.“ Es bezeichnet das übersteigerte Sicherheitsbedürfnis einer Gesellschaft, die sich am besten auch gegen das Einatmen schlechter Luft versichern will.

Ist es eigentlich Zufall, dass es immer wieder die  law-and-order-Freunde, gerne aktive Mitglieder in der Partei mit dem C am Anfang, sind, die diesen Reflex zu aktiveren verstehen? Die neue Formen der Gängelung ersinnen? Woher stammt dieses Mindset, das einen Menschen vor alles und jedem Angst haben lässt? Sind da Angsthasen oder Opportunisten am Werk? Jedenfalls keine Kenner.

Es ist bemerkenswert welches Gewicht diese Gesellschaft verschwindent geringen Minderheiten einräumt. Etwa 10 000 gewaltbereite – wo man das Wort Gewalt auch differenziert betrachten müsste – Fußballfans stehen über jedweder Normalität. Man richtet sich an der Minderheit aus, verstümmelt die Mehrheit. Das passt ins Bild der deutschen Politik: Reiche (Minderheit) werden reichen, Mittelschichtler (Mehrheit) werden ärmer. Wieso sollte die Methode im Sport anders sein?

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