(K)eine Bilanz

Während im Fernsehen die Jahresrückblicke laufen, jeder sich bemüßigt fühlt etwas zu 2012 zu sagen, würde ich mich am liebsten einer Bilanz verweigern. Was soll man denn analysieren nach einem souveränen Aufstieg, 30 Punkten in der Hinrunde, schönem Fußball und einem Team, dass alles versucht einer ganzen Region das Skibbe-Gift auszusaugen?

Nein, das alles spricht für sich. Dank eines Trainers der alten Schule, einem Menschen, der das Wort Charakterkopf verdient, der sich nicht verbiegt, nicht verbiegen lässt und nicht auf modernen Fußballlehrer macht, der das Spiel neu zu erfinden vogibt. Armin Veh hat über den sportlichen Erfolg hinaus etwas geschafft, ja, geschaffen, das selbst in den besten Phasen der vergangenen gut 7,8 Jahre keinem gelang: Er hat dafür gesorgt, dass Spieler von Eintracht Frankfurt Anerkennung bekommen. Jahrelang musste so mancher Leistungsträger mit Anfeindungen, bestenfalls mit Ignoranz leben. Nun schallen Sprechchöre durch das Waldstadion, es werden auch mal einzelne gefeiert, die sich besonders verdient gemacht haben und verdient machen.

Alexander Meier mag für viele „der beste Meier aller Zeiten“ sein, wie es seit Wochen postuliert wird. Dabei hat sich an seiner Leistung und Leistungsfähigkeit nichts verändert. Er spielt, wie er immer schon spielte- trifft, wie er immer schon traf, passt, wie er immer schon passte. Der Unterschied ist, dass mittlerweile Akteure um ihn herum spielen, die ihm zuarbeiten, die ihn unterstützen und nicht alle läuferische und torschießerische/Vorlagentechnische Arbeit auf ihn abladen. Das ist der Unterschied., der Unterschied zu den Vorjahren. Wer das erkennen wollte, konnte das seit 2005 so ziemlich jedes Jahr beobachten. Und trotzdem ist es eine Genugtuung und immerhin eine späte, aber mehr als verdiente Wärme und Zuneigung, die der Nummer 14 zuteil wird. Denn noch etwas ändert sich nicht: Trifft Meier, spielt er gut, hat das Team Erfolg. Und vice versa. Das macht seinen Stellenwert deutlich.

Pirmin Schwegler schlug zwar nie die Feindseligkeit entgegen, unter der ein Meier oder Benjamin Köhler litt, jedoch gab es ihm gegenüber eine gewisse Kälte. Vor allem die kaugummizähen Vertragsgespräche muteten seltsam und überheblich an. Mittlerweile kann man nur zu dem Urteil gelangen, dass Schwegler nicht nur 100%ig akzeptiert und sportlich offenkundig unersetzbar ist. Auch, dass er ein wahrer Kapitän geworden ist. Jemand, der früh den Niedergang erahnte, und jemand, der das neu gewonnene Potenzial der Mannschaft erkannte.

Eintracht Frankfurt im Jahr 2012 ist eine Erfolgsgeschichte. Und das, was man seit 2005 hoffte und sich zum Ziel setzte: Ein unangreifbarer Erstligist zu werden und zu bleiben, ein Team, das seinen Platz – mit Ausreißern nach oben wie nach unten – im gehobenen Mittelfeld finden wird, kann mit dem nun herrschenden Geist erreicht werden. Es ist eine eine Hinrunde einer Saison gespielt, jedoch weht ein neuer Wind durch den Frankfurter Stadtwald. Einer, der Niederlagen verzeiht, weil die sportliche Situation es zulässt, die man sich erarbeitete. Das, und das ist wahrhaft neu, gab es seit vielen Jahren nicht mehr.

Fröhliche Weihnachten und einen gutes Ankommen im Jahr 2013 – das kein verflixtes werden wird.

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