Monatsarchiv: Januar 2013

Letzte Runde über den Basar

Eine Floskel wird im Sportjournalismus Ende Januar und Ende August stets gerne bis zur Erschöpfung bemüht: Die des sich schneller drehenden Karussells. Kann schon Schwindel auslösen, sich auf diesem hektischen Sportler-Basar zu bewegen. Jedenfalls wird sich das Eintracht Bäumchen mächtig geschüttelt haben, bevor der 19. Spieltag angepfiffen wird. Immerhin hießen vor ein paar Tagen die Stürmer noch Erwin Hoffer, Rob Friend und Olivier Occean. Jetzt werden sie Srdjan Lakic und … tja, wer denn eigentlich heißen? Marko Livaja ist jedenfalls zu Atalanta Bergamo innerhalb der Serie A gewechsel. Und die Tage des Kanadiers Occean in Mitteleuropa scheinen trotzdem gezählt, Skandinavien – wo er bereits spielte – und Asien/Arabien haben ihre Basare weiterhin geöffnet. Wer wird also der letzte Neue? Der Mainzer Petar Sliskovic, etwa? 1,93 Meter groß, Mainzer und nicht gut genug für Dynamo Dresden in Liga 2 … Bestellungen werden jedenfalls bis 18 Uhr angenommen, fürs Feilschen bleibt also kaum noch Zeit.

Wie bewerten wir das? Ich tue mich ehrlich gesagt schwer mit einem Urteil. Zum einen gibt es kein Vertun, dass der Sturm nicht funktionierte. Zum anderen öffnet man nun eine Wundertüte. Kann es schlechter werden als bisher? Man mag das voreilig mit Nein beantworten, wenn man sich an so manchen Auftritt der Sturmspitze(n) erinnert. Jedoch darf man nicht vergessen, dass es so, wie es lief, für Platz vier in der Bundesliga und die drittbeste Offensive gereicht hat. Trotz des Mangels oder deswegen? Wer wagt sich schon, das seriös beantworten zu wollen.

In wenigen Stunden herrscht jedenfalls Klarheit darüber, welche Truppe für die nächsten vier, fünf Monate das sportlich Beste für den Verein rauszuholen versuchen werden. Und bevor noch Ruhe einkehrt, steht das Auswärtsspiel in Hamburg an – denen wir den Gojko Kacar wenigstens ans Bein gebunden gelassen haben 😉

Edit, 15 Uhr: Gar kein Neuer. Gut, das ist auch eine Neuigkeit. Bleiben also Wundertüte Lakic, formloser Occean und Außenmann Matmour. Phew.

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Hochtempo Transfers

Moment. Halten wir das Rad mal für einen Moment an.

Schnelllebigkeit ist kein Ausdruck mehr für das, was in den vergangenen paar Tagen bei Eintracht Frankfurt passiert ist. Dass der Profifußballer als solcher Ware ist, mag ja noch normal erscheinen. Aber dass diese sich wie auf dem Laufband vor der Supermarktkasse über den Scanner hin- und herziehen lassen, ist bedrückend. Der Eine kommt, der Andere geht, dann kommt wieder ein Neuer, dann geht ein Alter … Nichts gegen qualitative Verbesserungen, aber ich hoffe doch sehr, dass das, was gerade in Frankfurt passiert, nicht zur Regel wird. Man entscheidet sich für einen Weg, für manche Spieler, und irgendwo auf halbem Wege sagt man dann „och nö, such dir mal was anderes“. Entspricht zunehmend weniger meiner Vorstellung davon, wie es sein sollte – und ich lebe wahrlich nicht im rosaroten Lummerland. Der sportliche Erfolg verzeiht viel, macht noch mehr vergessen, aber ich mag es irgendwie nicht, wenn das schwarz-rote Trikot so völlig offensichtlich zu einer Drehtür verkommt. Fühlt sich an wie ein Fußball Manager Videospiel – mit einem Klick dreht man den Kader auf links.

Jetzt wird dann wohl doch noch ein jugendlicher italienischer Kroatenjugoslawe namens Marko Livaja an Land gezogen, der vermutlich wieder geliehen und ebenso schnell weg ist, wie er da war. Kennt jemand noch Mohammed Abu? Immerhin ist heute der 31. Januar, der letzte Transfertag. Dann ist zumindest mal vier, fünf Monate lang Ruhe. Wobei: Asien und Co. haben ja andere Zeiten. Also wer weiß, was da noch alles kommt.

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Live-Küche um Kacar

Live-Kommentar nennt man es, wenn etwas passiert und jemand darüber spricht oder schreibt. Im Internetzeitalter muss nicht mal etwas passiert sein, um es zu kommentieren. Anstrengend ist das. Und auch fruchtlos. Aktuell geistert das Gerücht durch die hektische Onlinewelt, dass Gojko Kacar von Hamburg nach Frankfurt wechseln wird. Ein defensiver Mittelfeldspieler, der a) lange nicht mehr spielte und b) gerne mal verletzt ist. A ist durchaus von B bedingt, ändert aber nichts am Kernproblem: Kacar spielt auf einer Position, auf der es beständig heißt, sie sei top-besetzt, sie sei das Sahnestück der Mannschaft. Pirmin Schwegler, Sebastian Rode. Als Ersatz Martin Lanig. Liest sich nicht schlecht, ist nicht schlecht.

Wie ist also das Gerücht zu bewerten? Steht Rode unmittelbar vor dem Absprung und Kacar soll als Ersatz herhalten? Möchte man eine Alternative zu Alternative Lanig? Oder ist es lediglich ein Störfeuer aus Hamburg? Fakt ist, dass Kacar seit Mittwoch auf der Transferliste steht. Das sich im Kaufrausch befindende Hannover 96 buhlte allerdings vor kurzem bereits an ihm; nicht ausgeschlossen, dass die Parteien sich nochmal annährten.

Dass Eintracht Frankfurt tatsächlich, in aller Sturmnot, einen Sechser verpflichten wird – das fühlt sich verdächtig nach einer Ente an.

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Auf geht’s, Srdjan schießt (k)ein Tor!

Eben noch in der Arztpraxis gewesen, schon scheint der Platz in der Startformation Eintracht Frankfurts sicher zu sein. Es gibt wohl niemanden, der Srdjan Lakic nicht einen ähnlichen Einstand wünscht wie einst Martin Fenin, der in seinem ersten Spiel gleich einen Hattrick (gegen Hertha BSC Berlin) schnürte. Drei Tore, drei Punkte – wenn das die Ausbeute des Kroaten gegen Hamburg am Wochenende wäre, würde keiner Nein sagen. Über das, was danach im Falle des Tschechen – der übrigens mittlerweile wieder in seiner Heimat unter Vertrag steht – geschah, verlieren wir besser mal kein Wort.

Denn schließlich soll man ja offen und frohgestimmt durchs Leben gehen. Von daher lege ich meine Sorgen rund um den Stürmer Srdjan Lakic vorübergehend beiseite und gebe ihm die Chance, die sich grundsätzlich jeder im Leben verdient hat. Nicht eine, auch nicht zwei – drei Chancen stehen jedem vorneweg zu. An Toren, das ist jedenfalls klar, werde ich ihn nicht messen. Schießt er welche, ja, schießt er viele, ist das gut. Aber spätestens seit Stehgeier Theofanis Gekas durch Frankfurt schlich, müsste jeder wissen, dass ein Torjäger (Pardon, ein eiskalter Killer *hust*) auch ein Fluch sein kann. Nein, Srdjan Lakic hat einen denkbar einfachen Job. Die Fußstapfen, in die er tritt, sind klein. Läuft er viel, hält er Bälle, gewinnt Zweikämpfe und entlastet Alex Meier in der zentralen Offensivposition, bin ich zufrieden. Für das fürstliche Gehalt, das er trotz allen gegenteiligen Bekundungen wohl erhalten wird, scheint das wenig, zu wenig zu sein. Aber mehr zu verlangen ist weder fair noch realistisch. Von einem Spieler, der lange nur Trainingsleibchen überstreifte und erst ein halbes Jahr lang in der Bundesliga funktionierte, kann man nicht mit einem Mal den Durchbruch erwarten oder gar verlangen. Er muss seinen, den modernen Job eines Stürmers erfüllen. Und Toreschießen ist da heutzutage eben nur ein Teil der Berufsinhalte. Seine Chancen, seine Chance zu nutzen, stehen also wahrlich nicht schlecht.

Dass gestern in einem Nebensatz noch die Information lanciert wurde, dass Erwin Hoffer es Benny Köhler gleichtut und gen Kaiserslautern weiterzieht, ist zwar nicht überraschend. Sehr wohl aber die Vermutung, dass bis morgen noch ein weiterer Stürmer aus dem Hut gezaubert werden könnte. Spekulationen sind erlaubt. Zumindest noch rund 24 Stunden lang. Feuer frei!

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Der richtige Verein

Die Kollegen der Frankfurter  Rundschau haben in einem Nebensatz einen Aspekt angesprochen, der ebenso richtig wie wichtig ist. Es geht dabei um Sebastian Rode. Nicht zum ersten Mal fiel auf, dass er wesentlich schwächer spielt, sobald Pirmin Schwegler als Nebenmann fehlt. Fehlpässe, Ballverluste, mehr verlorene Zweikämpfe, wenig Zug nach vorne: Zunehmend drängt sich der Eindruck auf, dass die körperliche Präsenz des Schweizers auch die sportliche Präszenz Rodes bedingt. Denn Schwegler bringt das mit, was Rode noch sichtbar fehlt: Ruhe, Umsicht, Cleverness. Das ist selbstverständlich eine Alters- und Erfahrungssache – aber unabhängig davon darf man die Personalie Sebastian Rode dann doch etwas erden, sie ein Stück weit nüchterner einschätzen, als das in den vergangenen Monaten geschah. Keine Frage: Seine Spielweise ist erfrischend, der Einsatz passt immer, er wirkt wie ein technisch beschlagener, schneller Maik Franz ohne dessen Allüren; Prädikat Publikumsliebling ist da sozusagen vorprogrammiert.

Dennoch: Es gibt keinen Anlass, dem Hype oder gar Verlust-Hysterie anheimzufallen. Und eben weil Sebastian Rode einen zwar zielstrebigen, doch  aber eben auch demütigen, bodenständigen Eindruck macht, wird er selbst merken: Eintracht Frankfurt war, ist und bleibt für ihn die richtige Adresse. Für Sebastian Jung gilt übrigens Ähnliches; zumal es doch sehr beruhigt, dass sein Ersatzmann Stefano Celozzi ihn recht problemlos zu vertreten schien. Ein Leistungsabfall auf rechts war jedenfalls nicht zu bemerken.

Für Eintracht Frankfurts Spieler stellen sich nun die Weichen. In den kommenden sechs bis acht Wochen wird mancher Farbe bekennen müssen. Die Ergebnisse werden für jeden sichtbar machen, in welche Richtung der Pfeil ausschlägt: Verbleib oder Wechsel. Ein warnendes Beispiel sollten ihnen all jene Ex-Frankfurter sein, die anderswo scheiterten. Seien es die Patrick Ochse, Marco Russe oder viele, viele hochgehandelte Talente, die mittlerweile nicht mal mehr in Liga zwei oder drei spielen. Aus Vereinssicht ist aber auch klar: Kommt ein Konkurrent mit Unsummen um die Ecke, darf man das keinesfalls ablehnen. Und auszuschließen ist es nicht, dass irgendein Klub einen Betrag aufrufen wird, der Eintracht Frankfurt fast im Alleingang ein, zwei Jahre Misserfolg vorfinanziert.

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Der Kelch ist angekommen

Schrieb ich vor wenigen Tagen noch, dass der Kelch Srdjan Lakic an der Eintracht vorbeiwandert, steht er nun stattdessen mitten in der Stadt. Ohje ohje, der Wechsel des Kroaten von Wolfsburg nach Frankfurt ist so gut wie fix, berichten mehrere Zeitungen übereinstimmend. Medizincheck ist angesagt. Kurz: nur noch Formalia.

Ich gehöre sicher nicht zu denen, die jeden Transfer von Beginn an verfluchen. Aber meine Skepsis kann ich, das haben die Leser meines Blogs in den vergangenen Wochen mehrfach bemerken müssen, im Fall Lakic einfach nicht unterdrücken. Bei Carlos Zambrano hatte ich schon große Bedenken und diese bewahrheiten sich zum Glück nur in Bezug auf die Kartenflut (8 Gelbe in weniger als 20 Spielen) und der latenten Platzverweis-Gefahr. Und nun also ein Stürmer, der vor allem davon lebt, dass ein Klub für ihn mal mächtig Asche bezahlte, nachdem er eine Halbserie lang sehr gut spielte und oft ins Tor traf. Mir persönlich ist das zu wenig; und ich verweise abermals auf die nackten Zahlen. Angesichts des vom Magazin Spiegel kürzlich veröffentlichten Gehalts von Wolfsburger Spielern – Lakic lag bei rund 2,5 Millionen Euro Grundgehalt pro Jahr – bin ich noch ängstlicher.

Einzig hoffnungsvoll stimmt mich, dass Armin Veh keinen Transfer durchwinken würde, den er nicht für tauglich hält. Bei Occean war es so nicht zu erwarten, bei Lanig wusste er, was er bekommt. Lakic sollte also – ich muss es mir so einreden – irgendetwas haben, das es zu aktivieren gilt. Eine Chance hat er selbstverständlich verdient, der Lakic. Einzig mit dem Glauben, dass eine Eintagsfliege länger lebt als einen Tag, habe ich so meine Schwierigkeiten.

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Einzelkritik vs. Retorte Hoppenheim

Kevin Trapp: Ganz stark in drei brandgefährlichen Situationen. Strahlt Klasse aus, Sicherheit. Super Leistung.

Carlos Zambrano: Hatte sein Probleme mit Volland, wie sein Nebenmann auch. Handelte sich die 8. (!) Gelbe Karte ein, ansonsten resolut und gut.

Bamba Anderson: Gutes, umsichtiges Comeback. Beim 1:1 sieht er nicht gut aus, da hebt aber sein Außenverteidiger das Beinchen und lässt ihn im Stich. Was Gegenspieler Volland angeht: siehe Zambrano.

Bastian Oczipka: Sehr auffällig nach vorne, probierte viel im Eins-gegen-Eins und ihm gelang auch nicht wenig. Defensiv weitgehend in Ordnung, aber beim 1:1 inkonsequent und durchaus schuldig.

Stefano Celozzi: Anderer Spielertyp als Jung, weniger dynamisch aber technisch besser – machte einen sehr guten Job und den Ausfall des etatmäßigen Rechtsverteidigers vergessen.

Martin Lanig: Starkste anfangs übers Feld, spielte oft Foul. Nach vorne unheimlich agil, verdiente sich das wichtige und zu dem Zeitpunkt überfällig Tor. Ist kein Ersatz für Schwegler, aber effektiv ist er – und sicher nicht so weit weg vom Team, wie manch anderer.

Sebastian Rode: Das war lange sehr bedenklich, was er spielte. Ohne Schwegler als Nebenman, wackelt er spürbar. Reihte Fehlpass an Fehlpass, wandelte an drei, vier Gelben Karten. Im zweiten Durchgang besser, vor allem, nach Schweglers Einwechslung.

Takashi Inui: Mal hui, mal pfui. Verdribbelt sich ein ums andere mal, verliert Bälle in der Vorwärtsbewegung. Auf der anderen Seite bringt er Tempo, Dynamik in die meisten Angriffe. Hat jedenfalls Luft nach oben.

Stefan Aigner: Starkes Spiel. Machte viel Betrieb über den Flügel, wirbelte Ochs schwindelig, ein Wunder, dass dieser nicht mal Gelb sah. Wieder ein Tor – ein sehr, sehr wichtiges; für mehr als nur den Sieg.

Alexander Meier: In der ersten Halbzeit einer der besten Frankfurter, einmal mit Abschlusspech. Im zweiten Durchgang baute er ab, war phasenweise unsichtbar.

Karim Matmour: Hielt eine Stunde lang keinen Ball, steigerte sich später. Sein Kopfball an die Latte muss ins Tor, Stürmer hin, Mittelfeldspieler her. Bemüht, aber so eine richtige Hilfe ist er da vorne drin eben nicht.

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Olivier Occean: Bei ihm achtet jeder auf jede noch so kleine Aktion. Ihm gelingt nicht viel, aber er hängte sich rein und erfüllte seinen Part. Im Bälle halten schon besser als Matmour, aber eben vor allem beim Ablegen nach hinten.

Pirmin Schwegler: Brachte Ruhe ins Spiel, gab vor allem Rode Sicherheit. Sah richtig mitgenommen aus von der Krankheit.

Marco Russ: Das wars dann auch schon mit dem Stammplatz. Könnte bitter werden für ihn. Jedoch in den fünf Minuten mit drei eroberten Bällen und dem Foul an der Mittellinie, um die Uhr herunterlaufen zu lassen. Clever. Immerhin.

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Armin Veh: Unter diesen Umständen – der Sturm-Notlage, dem Zoff rund um die Fanszene, das nicht wirklich gelungene Spiel in Leverkusen – einen Sieg einzufahren, ist eine sehr gute Leistung. Dieses Spiel war wichtig, um nicht in einen Strudel zu geraten. Deshalb ist die Erleichterung groß und der Dank an den Trainer fällt umso größer aus. Stark, wie er zwei Stammspieler zu ersetzten wusste.

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