Forsche flinke Frösche

Die Eigenart eines Froschs ist es, zu quaken. Er hat keinen Einfluß darauf, wann er die Backen aufbläst und Laute von sich gibt. Es ist also wie beim Menschen, wenn er atmet. Wo Frosch und Mensch sich treffen, da befindet sich Sebastian Jung gerade. Der Rechtsverteidiger der Eintracht plapperte einem Kollegen in den Block, dass er Champions League spielen will. Gut, nun könnte man sagen, dass das, was man möchte und das, was man bekommt, stets zwei Paar Schuhe sind. Und doch ist es interessant zu sehen, wie jene Mechanismen zu greifen scheinen, die Heribert Bruchhagen so oft schon beklagte: Kaum bringt der sportliche Erfolg den freudigen Furor ins Haus, wird der Hunger der professionellen Sportler größer und größer. Böse Zungen würden gar behaupten, dass Hunder mit Dollarzeichen gleichzusetzen seien.

Höher, schneller, weiter. Was ist es nur, dass diese Geisteshaltung zu befeuern scheint? Wo ist diese grundsätzliche Zufriedenheit hin, die nicht sogleich träge macht? Die (Selbst)Erkenntnis, dass man genau an dem Platz ist, an den man gehört. Das man von dort wo man sich befindet, seine Ziele erreichen kann. Umtriebigkeit wohnt jungen Menschen natürlich inne, und doch kann man nur hoffen, dass sich weder ein Sebastian Jung, noch ein anderer von juristisch vorgeprägten Spielerberatern einimpfen lässt, was so vielen schon zum Verhängnis wurde: Einen Vereinswechsel anzustreben, der viel Geld bringt, aber jede tragende Rolle und Anerkennung in einem Team, geschweige denn nach außen, verpuffen lässt.

Das Ganze nicht mal um der Eintracht Willen. Wenn all die Jahre des durchgestylten Profisports eines gelehrt haben, dann die Tatsache, dass das Prädikat der Unersetzbarkeit nur bei ganz, ganz wenigen Akteuren gerechtfertig ist. Das gilt in Frankfurt über Jahre hinweg nur für Alexander Meier; Pirmin Schwegler folgt ihm seit kurzem auf dem Fuße. Aber sonst? Ein Verlust Sebastian Jungs würde vor allem finanzieller Natur sein: Aufgrund der Ausstiegsklausel für recht bescheidenes Geld, entgingen dem Verein gut und gerne drei, vier Millionen Euro. Kein Pappenstil für einen Klub, der a) über die kommenden Jahre sich erst wieder Fett anfressen muss und b) selbst in guten Jahren keine riesen Sprünge machen konnte und machen kann. Einen sportlichen Verlust der Nummer 24 ließe sich hingegen durchaus abfedern. Nicht im Vorbeigehen, nicht mal einfach so – aber diese Lücke wäre eine, die vorübergehend auszuhalten und im Laufe eines  bescheidenen Zeitraums, zu schließen sein könnte. Das unterscheidet Sebastian Jung von Sebastian Rode, der mehr noch als Jung eine Eigenart, eine besondere Note – den unbändigen Willen, nicht nur im Kopf, sondern auch im Körper – mitbringt.

Der Fluch der guten Tat könnte die Eintracht im Frühsommer einholen. Die Frage wird sein, welchem Weg sich die Eintracht grundsätzlich verschreiben möchte. Zuletzt fußten alle Visionen, alle perspektivischen Ausblicke auf einem Verbleib der beiden Sebastiane (oder heißt es Sebastians?). Was, wenn einer von beiden nach dieser, der andere nach der nächsten Saison den Verein verließe? Wäre das dann bereits das Ende des Frankfurter Wegs? Immerhin macht auch Trainer Armin Veh keinen Hehl daraus, dass seine Zukunft durchaus mit jener der Sebastiane/Sebastians zusammenhängt.

Wobei die Rückrunde erstmal gespielt werden muss. Am Ende relativiert sich vielleicht die eine oder andere Neigung von selbst. Durch sportlichen Erfolg, oder duch sportlichen „Miss“erfolg.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Forsche flinke Frösche

  1. Schnitzelmann alias Einstein

    Ja so ist es wohl, ist der Hunger erstmal geweckt, da wird er plötzlich übermächtig! Aber wie du schon geschrieben hast, warten wir erstmal die Rückrunde ab, mal sehen wie gut unsere Bastis die neue Rolle als „Shootingstars“ verkraften.
    Viele sind ja schon an dieser Rolle gescheitet.

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