Meinungsstärke

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin die Hängepartie um Sebastian Rode und Sebastian Jung bereits leid. Auf zwei Ebenen.

Ebene 1: Der Verein

Wo ist denn das Problem, wieso lügt man sich derart in die Tasche? Wenn ein Verein einen gewissen Betrag bietet, ist Eintracht Frankfurt – und alle Klubs dieser Größenordnung – gezwungen, Spieler zu verkaufen. Ein Transfer, der fünf, sechs, sieben Millionen Euro bringt, rettet einer ganzen Struktur einen Abstieg, oder zwei sportlich maue Erstligajahre. Jeder andere Schritt wäre naiv, töricht. Auch wenn es ein noch so schönes Symbol wäre, das Auflehnen gegen die Marktgesetze. Aber das Leben richtet sich nunmal nicht nach Symbolen. Die Struktur, die Gesetze verändern den Akteur; nicht der einsame Akteur die Gesetze. Eine bittere Erkenntnis, aber Don-Quijote-Spielchen funktionieren halt nicht. Jedenfalls preschte Heribert Bruchhagen seinerzeit zu forsch vor mit der Aussage, Rode werde vor 2014 nicht verkauft. Auf der anderen Seite spüren die Führungskräfte auch, dass mit den genannten Personalien die Zukunft des Trainers verbunden ist. Armin Veh zu verlieren wäre mitunter dramatischer als die Spieler ziehenlassen zu müssen. Nur ist offenbar das Eine ohne das Andere nicht denkbar.

Ebene 2: Die Spieler

Albert Streit sagte einst klipp und klar: Ich möchte weg aus Frankfurt. Er hat das einfach klar kommuniziert, keine Faxen gemacht. Kein Herumlavieren, keine Spielchen über Bande mit dem Berater. Keine Wasserstandsmeldungen, kein „ich schließe nichts aus“-Geschwafel. Was Albert Streit, der sicher nicht zu den Sympathieträgern der Fußballöffentlichkeit zählt, auszeichnet und ehrt, ist Meinungsstärke. In Zeiten, in denen Stromlinienförmigkeit allgegenwärtig ist, kommt schon ein Minimum an Rückgrat einer Sensation gleich. Wäre in Frankfurt jemand einem Sebastian Rode oder Sebastian Jung böse, wenn er zu einem Topverein wechselt, dort viel Geld verdient und – wenn er denn nicht auf Bank oder Tribühne versauert – in den höchsten Wettbewerben spielt? Ziemlich sicher nicht, bis auf die Ideologen in den eigenen Reihen. Enttäuscht wäre man, ja. Aber zu verstehen wäre der Schritt. Wieso also dieses sebastianische Zeitspiel? Ganz einfach: Testballons sind unterwegs, man wiegt sich und wird gewogen. So lange legt man sich nicht fest, so lange gibt man den Vertragstreuen und fädelt hintenrum die Dinge ein. Oder man verlängert und behauptet dann eisenhart, Eintracht Frankfurt sei stets der erste Ansprechpartner gewesen, man habe nur die Perspektive genau aufgezeigt haben wollen. Irgendeine dieser Sprechblasen wird kommen, wenn sich einer von beiden zur Vertragsverlängerung durchringen kann.

Conclusio:

Was kann den passieren? Die Eintracht sahnt im „schlimmsten Fall“ 7, 8,9, vielleicht ja zehn Millionen Euro für beide Spieler ab. Auch kein schlechter Deal; immerhin sind ihre Leistungen der vergangenen Wochen auch menschlich. Und wenn die Erfahrung eines lehrt, dann, dass die allermeisten Spieler ersetzbar sind. Ich zumindest stehe, bei aller Wertschätzung und Sympathie für beide Sebastians, auf diesem Standpunkt. In Bezug auf Armin Veh bleibt nur zu sagen, dass es zwar verständlich ist nicht wieder einen Neuaufbau dirigieren zu wollen. Trotzdem findet er in Frankfurt ein Standing, eine Rückendeckung und Sympathie vor, die er nirgendwo sonst so hätte. Das ist ein Pfund, dass Veh nicht aufs Spiel setzten sollte, er hat dafür keinen Grund. Zumal er einem Trugschluss aufsäße: Der Weggang von zwei Spielern – wenn auch entwicklungsfähigen – ist nicht zu vergleichen mit den Zäsuren der vergangenen eineinhalb Jahre.

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