Gestutzt

Als dann endlich abgepfiffen wurde, mochte man Erleichterung und Staunen in den Augen mancher Eintrachtspieler erkennen. Gegen zehn Mann nicht den Hauch einer Chance gehabt, im Gegenteil, an die Wand gespielt worden von einer Mannschaft ohne Stürmer. Dank Dusel und einem Bamba Anderson in Galaform liest sich das Ergebnis passabler als der Auftritt von Eintracht Frankfurt in Dortmund – zumindest in den ersten 15 Minuten – war.

Ja, man kann sie alle bemühen, die Floskeln. Vom übermächtigen Gegner, von der zu großen Nummer, von der Klasse des Gegners. Man kann das alles aber auch mal umdrehen: Wer so trantütig auftritt, wer so genießt (O-Ton Pirmin Schwegler), der gelangt gegen jede Mannschaft ins Hintertreffen. Es war vor dem Platzverweis gegen Dortmund ein seltsam emotionsloser Auftritt des Teams. Und auch danach war, eine kurze Drangphase ausgenommen, lange keine Aggressivität zu erkennen. Dieses Feuer in den Augen, die trotzige Reaktion auf Rückschläge. Im Einheitstempo trabte man der Niederlage entgegen; und so richtig schlimm schien das am Beginn niemand zu finden.

Den Stab muss man über niemandem brechen, schließlich ist es eine Niederlage gegen einen Topklub. Das ist sprichwörtlich eine andere Kategorie. Es ist doch nicht überraschend, dass Reus und Co. einige Level höher spielen als die besten Frankfurter. Da reden wir von Champions League Mitfavoriten gegen ambitionierte Bundesligaaufsteiger. Diese Differenz, diese Messlatte muss man anlegen. Spieler, die Real Madrid mühelos bespielten, von den Topvereinen gejagt werden, gegen die kann man auch 0:3 verlieren. Die Gesamtbilanz: Niederlage gegen den 2. und 3. , Sieg gegen den 6. – liest sich auch in der Rückrunde völlig in Ordnung. Es geht schließlich um die Ränge 5 bis 18; was 1,2 und 3 gegen uns veranstalten, ist irrelevant. Boni wären es gewesen, dort zu punkten.

Es ist Mitte Februar aber an der Zeit, einige vielleicht sogar überfällige kritische Worte in Richtung der Juwelen zu richten. Namentlich: Sebastian Rode und Sebastian Jung. Diese haben gezeigt bekommen, was Champions League Niveau bedeutet. In Gestalt von Marcel Schmelzer und Ilkay Gündogan, ihren Positions-Pendants. Sie sollten sich beide einen Gefallen tun und ihre Leistungen der letzten Wochen sehr gut reflektieren. Wenn sie danach zum Schluss kommen, wechseln zu müssen, dann sollen sie das bitteschön tun. Aber das Ganze in Bälde kommunizieren. Der Rucksack, den sie aus Egoismen mitschleppen, beschwert das ganze Team. Ballast, den niemanden gebrauchen kann. Es gibt keinen Grund, wieso Stefano Celozzi auf der Bank schmoren sollte, wenn Jung mehr mit sich beschäftigt ist, als mit dem, was auf dem Rasen geschieht. Noch offensichtlicher ist es bei Sebastian Rode. Er ist völlig von der Rolle, defensiv wie offensiv. Er verbessert sich seit geraumer Zeit nicht mehr wirklich, seine Dynamik war und ist sein Trumpf; aber Ballverarbeitung, Präzision, oder gar das Schießen – da stagniert er auf einem Niveau, das nicht für mehr reicht als Bayernbank, Dortmund-Tribühne etc. Die Crux für den Verein ist, dass man sich sehr früh aus dem Fenster lehnte was die Personalien angeht; und das man den Kader so aufstellte, dass für genau diese beiden Spieler wenig druckmachende Alternativen im Kader stehen. Stefano Celozzi könnte Sebastian Jung wohl ersetzen, vorübergehend, in einer Denkpause für die 24 zumal. Bei Rode ist das schwieriger. Martin Lanig ist bemüht, aber da bemerkt man einen Knick im Spielfluss, sobald er auf dem Feld steht.

Schaden würde es jedenfalls nicht, wenn der Verein sich nicht länger auf der Nase herumtanzen lässt von den beiden Spielern. 0-Bock-Auftritte, oder 80 Prozent Leistungen kann man sich – trotz erreichtem Klassenerhalt – nicht erlauben. Gegen Freiburg werden nun alle eine Trotzreaktion erwarten. Ein Sieg wird erwartet. Und genau diese Haltung wird einem Kollektiv stets zum Verhängnis. Im Süden wird am Freitag ein Spiel auf Messers Schneide stattfinden; da muss sich niemand täuschen. Takashi Inui wird nicht dabei sein; somit ist ein Formschwacher schonmal ersetzt. Mal sehen, was mit den Juewelen unter der Woche geschieht.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Gestutzt

  1. Herr Schnitzelmann alias Einstein

    Jo, der Schwung ist weg! Gegen 10 Dortmunder noch Glück gehabt, das sagt vieles!
    Kommt jetzt wieder die „alte“ Eintracht zum Vorschein? Die Eintracht, die aufhört zu spielen, sobald ein Minimalziel erreicht ist?
    Die Eintracht, die dann lieber den vergebenen Chancen nachtrauert, als sie zu nutzen?
    Gegen Freiburg muss man jetzt wieder zeigen, was man spielerisch kann. Und auch wenn man verlieren sollte, was gegen Freiburg allemal drin ist, sollte die Mannschaft sich anders präsentieren als in Dortmund.
    Vornweg die beiden, die hier schon von Championsleague träumen, aber noch nicht annähernd die Qualität für sowas mitbringen.
    Geträumt haben schon ganz andere, die sind aber fast alle böse aufgewacht.
    Also, aufhören zu träumen und wieder anfangen zu arbeiten und zwar im hier und jetzt!

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