Monatsarchiv: März 2013

Hausgemachte Härten

Zwei Sichtweisen auf das Spiel in Fürth sind meines Erachtens zulässig. Die eine ist, dass man gegen ein Team antrat und letzlich mit einer riesen Portion Massel gewann, dass durch einen neuen Trainer motiviert, engagiert und mit neuem Leben belebt war. Kategorie: schweres Auswärtsspiel, trotz aller Tabellenstände. Die andere Sichtweise ist die, und ich tendiere zu dieser, dass Eintracht Frankfurt ein Spiel ablieferte, das in großen Teilen schlecht, vor allem aber arrogant wirkte. Bezeichnend etwa der Hackentrick an der Seitenauslinie in selbiges von Stefan Aiger. Den Ball normal annehmen, weiterspielen, Feierabend – vieles kann so einfach sein, wenn man es sich denn nur leichtmachen will.

Die Körpersprache der Spieler, der Gesichtsausdruck jedes einzelnen war zum Haare raufen. Willen konnte man da wenig entdecken, eher ein genervtes „och mei, heut müssen wir schon wieder rennen“. Die Laufbereitschaft war ernüchternd. Mehrmals hatte Torwart Oka Nikolov den Ball zehn, 15 Sekunden am Fuß bevor er ihn in irgendeine Richtung schlagen konnte – weil niemand den Ball haben wollte, sich keiner freiwillig mehr bewegte, sich freilief. Am Ende ist es der individuellen Klasse zu verdanken, die den Sieg trotz aller hausgemachten Härten ermöglichten.

Die Auftritte von Sebastian Rode jedenfalls grenzen dieser Tage an Arbeitsverweigerung. Alleine im ersten Abschnitt spielte er zehn Fehlpässe, aus alles andere als unmöglichen Situationen heraus. Er ermöglichte vier Tempogegenstöße aus dem Mittelfeld, brachte weder in der Defensive noch Offensive ein Bein auf den Boden. Das ist nicht zum ersten Mal so in dieser Saison. Da überschätzt sich offenbar jemand gerade kolossal. Auf andere Art und Weise lässt sich das auch über Primin Schwegler sagen. Dass er einen Hang zum Schlendrian hat, wenn er sich seinen Gegenspielern überlegen fühlt, ist kein Geheimniss. Dass er jedoch gleich drei dusselige Ballverluste am eigenen 16er produziert und gegen jeden anderen Gegner drei Gegentore hätte verantworten müssen, sollte ihm zu denken geben. Der in den vergangenen Wochen von mir immer wieder kritisierte Takashi Inui hingegen verdiente sich viele Fleißkärtchen. Er hatte seine Füße bei allen halbwegs geglückten Offensivaktionen im Spiel und machte auf viele Wege nach hinten – reihenweise Scheiben hätten sich die Rot-Schwarzen bei ihm abschneiden müssen.

Überhaupt: Den Krückstock, an dem die Eintracht geht, hat man sich maßgeblich selbst an die Hand gegeben. Die Personal-Pokerspielchen zermürbten und zermürben die Mannschaft. Kann doch niemand ernsthaft behaupten, die Taktiererei habe nur Auswirkungen auf die Gemütslage der Fans. Nein, da herrscht viel Unruhe und Unentschlossenheit im Team, das merkt man am Wochenende während der Spiele. Die Rädchen greifen viel mühsamer ineinander als noch 2012, und das liegt nicht nur daran, dass der Spielcode der Eintracht dechivriert wurde.

Jedenfalls lohnt die Lektüre der Leserbriefe, Blog-Debatten und Foren-Kommentare rund um die Eintrachtspieler in diesen Tagen. Es ist noch nicht lange her, da galt Sebastian Rode etwa als eine heilige Kuh in Frankfurt. Der Einsatz, die Dynamik, die Power, die Willenskraft und Leidenschaft – Rode konnte immer auch noch so schlampige Pässe, noch so harmlose Torschüsse liefern, diese Grundtugenden, die jeder Kreisligakicker nachvollziehen und einfordern kann, übertünchten die Schwächen stets. Der Wind hat sich für ihn gedreht. Er wird kritischer gesehen als je zuvor, die Betrachter erkennen die klaffende Lücke zwischen Anspruch (Dortmund, Bayern, England; aka Champions League) und Wirklichkeit. Niemand wird ihm an den Kragen wollen dafür, dass es mal nicht so rund läuft bei ihm, dass er in dem jungen Alter nicht wöchentlich 100 Prozent zu bringen in der Lage ist. Und dennoch ist es mittlerweile für jeden sichtbar, dass es keinen Grund gibt an Rode festzuhalten, sollte ein astronomisch hohes Transferangebot ins Haus flattern. Sechs Millionen Euro aufwärts, wenn sie jemand bezahlen will, darf der Verein sich das nicht durch die Lappen gehen lassen – bei Sebastian Jung sieht das übrigens ähnlich aus, obwohl ich persönlich bei dem gelernten Bäcker noch mehr Entwicklung, vor allem eine konstantere und berechenbarere (zumal gesundheitlich) Leistungssteigerung zu erkennen glaube.

So oder so gilt, dass der Verein sich auf so ein Vertrags-Hickhack nicht (länger) einlassen sollte. Das Heft des Handelns muss in seiner Hand liegen, zumal angesichts von sportlich irdischen Leistungen der Hauptakteure.

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Einzelkritik vs. Greuther Fürth

Oka Nikolov: Machtlos bei der Bogenlampe zum 0:1, beim 2:3 allerdings saust der Ball ins Torwarteck. Stand einmal zwischen Baum und Borke, da hätte es fast das 3:3 gegeben. Das war noch sehr wackelig.

Carlos Zambrano:  Bolzte die Bälle nach 70 Minuten nur noch stumpf nach vorne, was nicht selten auch nötig war. Die Spirenzien kamen hinten raus, da ließ er zu oft den Maik Franz in sich erkennen. Alles in allem aber als einer der wenigen Zweikämpfer, die das Spiel annahmen und nicht in Lethargie versanken.

Bamba Anderson: Ein Patzer Mitte der zweiten Halbzeit hätte fast böse geendet, ansonsten weitgehend souverän und ruhig. Hatte allerdings mehr Mühe mit Djurdjic als er selbst dachte, könnte man meinen.

Sebastian Jung: Arbeitsverweigerung vor dem 2:3, da geht er aktiv dem Gegner aus dem Weg. Auch sonst mit einigen Schwierigkeiten in der Defensive. Seine Vorstöße waren okay, aber er steckt drin im wochenlangen Leistungsloch.

Bastian Oczipka: Mangelhaft, spielt haarsträubende Bälle im Kombinationsspiel. Was war das für ein Zweikampfverhalten bei der Ecke zum 0:1? Verfällt zusehens wieder in die Defensivschwäche, die ihn auszeichnete. Die Torvorlage zum 2:1 war wichtig, aber auch glücklich.

Pirmin Schwegler: Er neigt immer wieder zu Arroganz, so auch heute. Verdaddelte selbst am eigenen 16er drei Bälle, die gegen einen konsequenteren Gegner ziemlich sicher zu Gegentoren geführt hätten. Lieferte ein sehr schwaches Spiel.

Sebastian Rode: Nah dran an der Sechs. Fehlpässe im Dutzend, vertendelte unzählige Bälle im Aufbauspiel, hatte nie Zugriff aufs Spiel. Dazu Torabschlüsse, die dem Namen Spotten. Dortmund? Bayern? Weit, weit weg.

Takashi Inui: Bester Frankfurter, war der einzige, der über 90 Minute auch kämpfte, den Bällen nachjagte. An ihm hätten sich viele, alle ein Beispiel nehmen sollen.

Stefan Aigner: Neuntes Saisontor, das ist phänomenal. Sonst viel Schatten in diesem Spiel, dribbelte sich immer wieder in des Gegners Beine, gerne auch im Mittelfeld, und sorgte so für Tempogegenstöße Fürths. Das hatte er schonmal abgestellt.

Alexander Meier: Arschretter der Mannschaft. Siegtor und Vorlage zum 1:1, unglücklicher Kopfball vor dem 0:1. Dabei war es nicht mal ein gutes Spiel von ihm. Aber daran kann man abermals seinen Wert ermessen für die SGE.

Srdjan Lakic: Einen muss er machen in Halbzeit eins. Da hat er drei gute bis sehr gute Gelegenheiten, da sind 33 Prozent als Quote nicht zu viel verlangt. Als Anspielstation oft unglücklich, aber immerhin war er vorne drin, das alleine tat der Offensive gut.

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Stefano Celozzi: Seine Hereinnahme verpuffte irgendwie, spielte unauffällig und konnte nur mühsam den Schwung der Fürther unterbinden.

Martin Lanig: Brachte bis zu den hektischen drei, vier Schlussminuten immerhin kurzzeitig mehr Ruhe rein. Fischte viele Kopfbälle, das war wichtig.

Marco Russ: Zum Mauer gebracht, noch zwei Langhölzer geschlagen und zwei feine Kurzpässe auf Inui gespielt. Job erledigt, das konnte man nicht von allen Eintrachtlern behaupten.

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Armin Veh: Abschied von der Raute, das war ebenso überfällig wie erfolgreich. Vorne sichtbar mehr Durchschlagskraft und einen Meier, der wieder zum Abschluss kommt und trifft. Auch Lakic tat, trotz unglücklichen Spiels, dem Offensivverbund gut, die Anspielstation zentral ist einfach wichtig. In der Halbzeitpause muss der Trainer jedoch ähnlich schläfrig dahergekommen sein, wie seine Mannschaft im ersten Abschnitt – da verbesserte sich nämlich ab Minute 46 so ziemlich gar nichts. Drei Punkte, nur das zählt – aber die Kurve bekommen zu haben, das lässt sich schwerlich behaupten.

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Worte über

Jaja, heute ist wichtig. Das schreibt a) jeder und b) trifft es auf 34 von 34 Spieltagen zu. Und weil das so ist, möchte ich mich heute mal etwas ganz anderem widmen. Etwas das, und ich weiß, dass hier 99,9 Prozent der Eintracht-Fans aussteigen, mit dem SC Freiburg zu tun hat.

Dieser Verein, mit noch viel bescheidenerem Budget und angenehm demütigen Umfeld, zeigt den achso traditionsreichen und ambitionierten Vereinen seit Monaten, wie das so geht mit dem Fußballspielen. Sie spielen ihren Stiefel runter, aus einer festen Defensive über Konter UND Kombinationsfußballer. Max Kruse ist einer, Jan Rosenthal – kommende Saison bei der Eintracht – und andere zählen maßgeblich dazu. Natürlich ist es dem Eintracht-Fan, der immernoch glaubt, dass Yeboah, Okocha und Co. geradeso gut genug für den Klub seien, bei weitem nicht ausreichend. Spieler von Freiburg? Igitt, das muss ja Magerkost sein. Ist schließlich Breisgau, nicht Brasilien (Caio).

Wieso möchte ich also über Freiburg schreiben? Ganz einfach, weil mich ihr Schicksal – so man es denn so nennen möchte – betroffen macht. Die Mannschaft spielt einen, vielleicht mit den reifesten und komplettesten Fußball zwischen Rang vier und 18. Und der Fluch des Erfolgs wird diese Truppe zerpflücken, viele Spieler werden Freiburg verlassen. Und dem Vernehmen nach wird Frankfurt maßgeblichen Anteil an der Demontage des SCF tragen. Rosenthal ist fix, bei Johannes Flum – einem super Fußballer – und Marco Caligulir soll die SGE ebenfalls mit im Rennen sein. Die Konkurrenz also gezielt dezimieren? Das war mal Bayern-Taktik, Stichtwort Michael Wiesinger. Okay, der Vergleich mag hinken. Und trotzdem ist dieses „die Großen fressen die Kleinen“ ebenso nervig wie bedauerlich. Und dabei ist Frankfurt nicht mal ein Großer, es ist ein etwas mittelmäßigerer Klub als Freiburg. Und das reicht schon. Die bittere Note des Profisports, jeder geht dorthin, wo er mehr Euros einstreicht und eine scheinbar rosigere sportliche Perspektive sieht. Letzteres ist ein vorgeschobenes Argument, eine Schutzbehauptung. Schließlich könnte jeder Spieler selbst dafür sorgen, dass die Perspektive – ein wunderbar schwammiger Befriff, übrigens – im Heimatverein besser wird.

Und so wird es sich fügen, dass die Eintracht auch ihre scheinbar Besten verlieren wird an die mehr-als-Mittelmäßigen. Vielleicht, und das wäre schon bemerkenswert, nicht im kommenden Sommer. Aber sehr bald. Das Fressen oder Gefressen-Werden, es mag zum Geschäft gehören. Mögen muss man es trotzdem nicht. Ich ticke zu romantisch? Okay, mag sein. Juckt mich aber nicht. Für mich ist der SC Freiburg, gerade angesichts der Kontinuität und der finanziellen Mittel, das Nonplusultra anno 2012/2013. Und dürfte ich es mir aussuchen, würde der SCF mindestens gemeinsam mit, wenn nicht sogar vor der Eintracht ins internationale Ziel einlaufen. Eintracht sechs, Freiburg fünf: Ich würde das hier und heute kaufen. Mal sehen, was Fürth dazu sagt – heute jedenfalls kann, nein, muss die Frankfurter Mannschaft einen, ihren Weg aufzeigen.

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Sturm der Symbole

Das Siechtum der vergangenen Wochen wurde binnen weniger Tage weggewischt – der Alfa-Romeo-Deal, die Veh-Verlängerung, der erhöhte Spieleretat. Das alles lässt eine Euphoriewelle durch Frankfurt schwappen, die Zuversicht, den ganz großen Coup 2013 zu landen, ist wieder spürbar. Es bedarf offenbar immer Symbolen, um Stimmungswechsel zu erzeugen. Wie sonst lässt sich erklären, dass jetzt die Handbremse gelockert zu sein scheint, obwohl die spielerischen Probleme der vergangenen rund zwei Monate bleiben werden? Allen voran die Offensivbemühungen, maßgeblich die ungenügende Rauten-Formation mit zwei Außenmittelfeldspielern als Stürmern, werden durch Fiat, Veh und Co. nicht mal so eben ad acta gelegt.

Die Tatsache, dass mit Srdjan Lakic oder Olivier Occean am Sonntag zumindest wieder ein gelernter Stürmer in der Startformation steht und das erfolgreiche 4-2-3-1 samt zentraler Anspielstation in vorderster Front aufgeboten werden können, ist maßgeblich für einen Erfolg in Fürth. Es geht schließlich gegen den Tabellenletzten, und die Eintracht ist der Wunschgegner jedes Hinterbänklers. Vor allem, wenn es im Aufbauspiel derart klemmt wie zuletzt. Dass der ausgelutschte Ruck durchs Team geht, dass mehr gelaufen und gespielt, zielstrebiger und bissiger aufgetreten wird, ist die Grundlage von allem weiteren. Sonst drohen die guten Nachrichten der Vor-Osterwoche zu verpuffen; die Wahrheit liegt nämlich, so abgedroschen das wieder mal klingt, auf dem Platz. Da helfen keine Symbole mehr, sondern nur das eine Tor mehr zu schießen als der Gegner.

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Die Dominosteine fallen

Was von den Methoden der Bild-Zeitung und von der Hektik des Online-Journalismus zu halten ist, führte die Causa Armin Veh in Perfektion vor. Recherche? Kronzeugen für Aussagen, namentlich zitiert? Abwarten vor Rausjauchzen der Meldung? Iwo. Und schon nimmt eine Geschichte Fahrt auf, die keine Geschichte ist. So ruinieren jene, die sich für die Avantgarde der Branche halten, die Glaubwürdigkeit nachhaltig. Das ist bitter und langfristig eine Gefahr für die freiheitliche Gesellschaft – auch wenn das bei Sportberichterstattung recht weit hergeholt wirken mag. So oder so: Ich lobe mir etwa die Kollegen der Frankfurter Rundschau, die zwar auf die vermeintlichen Neuigkeiten reagieren und auch ihren Teil der Spekulation verbreiten mussten (das ist normal, kein Grund zur Schelte), letztlich aber doch abwarteten und in  durchaus klassischer Printdenke das veröffentlichten, was gesichert, was belegt war. Dafür mein Dankeschön.

Nur Stunden nach der Vertragsverlängerung Armin Vehs fällt nun der nächste Dominostein im Personalkonzept der Eintracht: Sebastian Jung will nun seinen Kontrakt ebenfalls verlängern. Angeblich um zwei Jahre, die Klausel – 2,5 Millionen Euro Ablösesumme im Sommer 2013 – wird gestrichen beziehungsweise zeitlich verschoben und angehoben, wie aus informierten Kreisen zu erfahren ist. Nach Angaben des Spielerberaters habe von Beginn an das meiste für einen Verbleib in Frankfurt gesprochen – trotz zahlreicher anderer Angebote. Tja, was soll man dazu sagen? Schlussendlich sprach offenbar nicht genug dafür, mit dem Gezocke schon früher zu enden. Den Verein stürzte auch das in einen vermeidbaren Trouble – da kann man noch so sehr auf Profiseite stehen und von normalen Vorgängen und Verhandlungen sprechen. Die Unruhe, die dieser ganze Vertragskram in den Verein trug, schadete allen – das sieht man nicht zuletzt an den Resultaten und der Spielweise der einzelnen Akteure.

Jetzt sollten alle Beteiligten, allen voran die Sebastians und auch der Trainer, all jene Prozente investieren, die sie in den vergangenen 6,7 Wochen durchaus haben vermissen lassen. So könnte eine Saison, die aus dem Traum zu kippen droht, noch gerettet werden. Jetzt liegt es an ihnen allen, ihre eigenen Ansprüche, ihre eigens eingeforderten Perspektiven sich selbst zu verwirklichen. Der Verein kann und konnte nur so viel unternehmen; jetzt müssen Siege auf dem Sportplatz her. Alles andere ist nur Gelaber.

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Wasser in den Wein

Armin Veh hat seinen Trainervertrag bei Eintracht Frankfurt verlängert. Das wochenlange Hickhack hat somit ein Ende, die positive, erleichterte Stimmung in und um den Verein ist spürbar. Die Hoffnung, dass nun auch sportlich wieder mehr geht als seit Februar, ist damit verbunden. Dennoch: Es ist des Journalisten Eigenart, das Merkmal seines Berufs, alles, jede noch so positiv scheinende Nachricht, kritisch zu hinterfragen. Das übernehme ich an dieser Stelle.

Der neue Vertrag läuft bis Sommer 2014, also ein Jahr. Nach all dem Geschacher und den Reden von Perspektive, Aufbauarbeit etc. sind zwölf Monate eine äußerst überschaubare Zeit. Nicht nur, dass in diesem knappen Zeitraum eine mittel- bis langfristige Kaderplanung schwer möglich ist. In nicht mal einem Jahr droht eine erneute Hängepartie um die Zukunft des Trainers.

In der Vergangenheit hat Eintracht Frankfurt, gerade durch die vorsichtige und kluge Strategie Heribert Bruchhagens, gute Erfahrungen mit Einjahresverträgen gemacht. Mit Friedhelm Funkel funktionierte das aber auch deshalb so gut, weil er menschlich mit der Führungsetage des Vereins gut konnte und man sich grundsätzlich einig war; darüber, dass es stets länger als die jeweils vertraglich festgelegten zwölf Monate gehen sollte mit der Zusammenarbeit. Ist diese grundsätzliche Übereinkunft mit Armin Veh ebenfalls vorhanden? Wollte er nur erstmals in und für die Bundesliga seinen Marktwert sondieren, sein Wirkungsgebiet abstecken und Eintracht Frankfurts Bereitschaft, langfristig aus dem unteren Mittelfeld auszubrechen, wiegen? Es fällt schwer, das alles zu bejahen. Armin Veh hat gezockt, was legitim ist. Er weiß um das Interesse anderer Vereine, hat das für sich ausgenutzt um das Beste herauszuschlagen.Auch das ist legitim. Doch haftet diesem Einjahresvertrag verstärkt der Makel des Rumgeeieres an. Für nur  zwölf Monate weiterer Zusammenarbeit dauerte das Hickhack – mit allen sportlichen Negativkonsequenzen – zu lange. Der Ertrag ist angesichts der zeitlichen und nervlichen Investition zu gering.

Plus: Es stehen Vertragsverlängerungen mit Spielern an, die Armin Veh selbst zu einem Muss auserkoren hat – doch deren Verträge (Jung / Rode) laufen nun zeitgleich mit seinem aus. Das nächste Indiz, dass das Schauspiel im nächsten Winter von neuem beginnt. Der Trainer als Grund, selbst längerfrisitg zu verlängern, ist jedenfalls nicht vorhanden.

Immerhin: Die Tür Schalke 04, mit seinem Freund Horst Heldt an der sporltichen Spitze, sollte für Armin Veh vorübergehend geschlossen sein. Und ob er künftig bei anderen realistischen Meisterschaftskandidaten – Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen – unterkommen wird, ist fraglich. Den Hamburger SV als mögliche Anlaufstelle darf man wohl ebenso ausschließen wie den VfL Wolfsburg. Zwei Teams also, die sportlich – wenn die Zukunft für Eintracht Frankfurt rosiger wird als im letzten Vierteljahrhundert – perspektivisch auf Augenhöhe mit der Eintracht stehen könnten. Doch der Blick ist weit in die Zukunft gerichtet. Ein Jahr, so lange, wie Veh nun verlängern wird, erscheint eher wie ein Aufschub grundsätzlicher Entscheidungen. Der Vertrag riecht nach einem Kompromiss, mit dem wohl niemand so 100 prozentig zufrieden sein wird. Auch im Verein nicht; auch wenn man das vermutlich nie erfahren wird.

Dass Alfa Romeo Wappen, das ab nächster Saison auf den Trikots zu sehen sein wird, macht jedenfalls gut was her. Jetzt darf nur Jako das Trikotdesign nicht abermals in den Sand setzen, nicht schon wieder Schlafanzüge oder Müllsäcke herausbringen.

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Aufwind

Nachdem ich vor einiger Zeit „Wochen der Wahrheit“ titelte und die Eintracht eben jene völlig in den Sand setzte, schlage ich für die nun beginnende Woche ganz leise Töne an. Armin Veh wird entweder verlängern oder verschwinden, mit wankelmütigen Spielern wird sich daraufhin das Eine oder Andere tun und zum Ausklang steht das Auswärtsspiel in Fürth an. Lässt man da Punkte liegen, kann man sich Hoffnungen für diese Saison sowieso in die Haare schmieren. Und Luftballons lässt Frankfurt ja all zu gerne platzen – mal schauen, wer zuerst die Nadel hineinsticht: Trainer, Spieler oder Team. Aber wer weiß, vielleicht steigt der Ballon ja mal wieder gen Himmel; Aufwind könnte eine gewisse Personalentscheidung heute oder morgen („Das Rumgeeiere ist unerträglich“ <— der Satz ist acht Tage alt) geben.

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