Nicht nur der Winter bricht ein

Der gefühlt Zwölfte spielt gegen den gefühlt Zwölften – das dürfte der Zuschauer während des Spiels zwischen Hannover (10.) und Frankfurt (4.) gedacht haben, als er sich die 90 Minuten antat. Was er sah war die Aneinanderreihung von lustlos, müde, uninspiriert, unpräzise und ohne jeden Zug zum Tor. Dass der Rasen bei dem Wetter kein Tickitacka zulassen würde, war klar. Aber mit hausgemachter Lähmung, nämlich seinen torgefährlichsten Spieler, Alexander Meier, ins linke Mittelfeld zu stellen, blockiert man das Offensivspiel aktiv; eine ganze Halbzeit lang. Gerade, weil im Sturm zwei Außenmittelfeldspieler stehen. Und dann hat der Mann trotzdem noch die einzigen beiden Eintracht-Chancen – das ist höchst bedenklich.

Mittlerweile darf man sich schon fragen, wieso die Maschine mit einem scheinbaren Totalausfall Olivier Occean wie geschmiert lief und seit dessen Demission so gar nichts mehr zu funktionieren scheint. Kommt da vielleicht doch wieder der gute alte Faktor der Eingespieltheit im Zuge der Sommervorbereitung zum Tragen? Zumindest drängt sich der Verdacht auf. Was vor kurzem noch eine Phase war, ein Knick, entputt sich wahrhaftig als Einbruch.

Wie ordnet man dieses Ergebnis, das nächste torlose Ding, also ein? Immernoch keine 40 Punkte, den nächsten direkten Konkurrenten im Rennen gehalten und in der Tabelle nun endgültig kassiert, verdrängt – die Wochen der Entscheidung, wie ich sie Mitte Februar nannte, vergeigt die Mannschaft ziemlich konsequent. Nach vorne geht so gut wie gar nichts mehr und defensiv wurde man zuletzt nicht gefordert – Mönchengladbach nahm trotzdem drei, Hannover einen Punkt mit. Die Art und Weise wie das Team agiert lassen darauf schließen, dass die Augenhöhe eben mit den schwächeren der Uefa-Cup-Verfolger besteht: Position neun / zehn scheint angesichts des wahrlich nicht besser werdenden Spielflusses wahrscheinlicher als der Traum von Europa.

Bleibt noch der Eiertanz um den Verbleib des Trainers und so manchen Spielers. Würden diese einfach mal auf das achten, was auf dem Platz abläuft und weniger mit ihren Beratern reden, müssten sie eigentlich erkennen, dass diese vermeintlichen Angebote vor allem ein Störfeuer sind. Jedenfalls lässt sich für mich nicht erkennen, dass ein Sebastian Jung, jetzt sogar ein Carlos Zambrano Anlass für Topklubs geben, sie verpflichten zu wollen. Und Veh? Er hat ein Standing in Frankfurt, den Rückhalt und die Sympathien. Doch das Grummeln wird mit jeder Woche lauter, in der die sportliche Abwärtsentklichung zur Tristesse, dann zur Misere, dann zur Talfahrt wird. Die Katastrophe wird natürlich ausbleiben in diesem Jahr; doch verspielt die Mannschaft derzeit nicht nur die Punkte, sondern immer mehr auch ihr Gesicht. Es ist sinnvoll gewesen, den Harakirifußball einzuschränken, die Defensive nicht mehr das Scheunentor sein zu lassen. Doch man muss konstertieren, dass der Kompromiss offenbar den Stöpsel gezogen hat im Spielfluss.

Ab der Winterpause gab es für Eintracht Frankfurt etwas zu verlieren. Jetzt ist sie auf dem besten Wege dahin, die 17-Wochen-Fliege zu werden. Das ist schade, das schmerzt. Falls in der kommenden Saison finanzkräftigere Klubs wie Hertha BSC Berlin und der FC Köln in der Bundesliga spielen sollten, wird die Chance für die Eintracht jedenfalls nicht größer, einen Coup zu landen. Aber das ist nächste Saison. Jetzt gilt es erstmal, diese Runde zuende zu spielen und vielleicht doch irgendwie nochmal den Vorwärtsgang einzulegen. In der Hoffnung, dass doch noch etwas geht. Und letztlich ist es ja auch so, dass nicht alles schlecht geworden ist – im Griff hatte man die letzten Gegner ja durchaus.

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