Die Offenbarung der Getriebenen

Vorab: Einige Tage Umzugsstress können befreiend wirken. Einfach, weil der ganze Mist rundum die Eintracht-Personalien nebensächlich wird. Die Zeit  schafft Distanz – und wenn man die hat, bewertet man einiges nüchterner, emotionsloser zumal.

Die Bild-Zeitung meldet also Vehs Vereinswechsel. Führt bei einigen zu Hyperventilation. Dabei bereitet er Verein und Umfeld durch das Rumgeeiere doch schon seit Wochen auf einen möglichen Abgang vor. Seit dem Jahreswechsel hat Veh jedem Zeit gegeben, sich mit dem Gedanken anzufreunden. Wie dann noch jemand überrascht sein kann, wenn sich der Vereinswechsel als real herausstellen sollte – das irritiert mich viel mehr als jede neuerliche Spekulation.

Überhaupt bin ich das Lavieren leid. Bei mir ist der Bogen schon länger überspannt. Wer nicht will, soll eben gehen. Ich bin da leidenschaftslos geworden. In keinem normalen Job wird einem Angestellten gestattet, monatelang das Heft des Handelns in den Händen zu halten. Bedenkfristen? Ja. Zweifel? Ja. Abwägen? Ja. Aber da reden wir von ein paar Tagen, jedenfalls nicht von Wochen. Mir will nicht in den Kopf, wie sich der Verein so vorführen lassen kann. Eine lex Veh? Bei aller Wertschätzung und Sympathie, die ich für diesen Trainer hege, mag ich das nicht tolerieren. Dann soll man halt als Bruno Hübner, Heribert Bruchhagen, Axel Hellmann etc. einfach mal den Rücken gerade machen, die Brust rausstrecken und sagen: Okay, wir müssen uns auch nicht kleiner machen als wir sind, wir können durchaus etwas bieten und müssen uns eine gute sportliche Ausgangslage nicht durch Personalbefindlichkeiten zerstören lassen.

Wenn ich meinem Leben zwei Dinge gelernt habe, dann sind es die Tatsachen, dass es immer Gewinner und Verlierer gibt. Und dass die Welt, dass das Leben und Miteinander Einzelner immer von Interessen durchzogen ist, von Egoismen. Aktuell gibt es exakt zwei Gewinner: Armin Veh, der nichts zu verlieren hat und Schalke 04, die mit jedem Manöver, mit jedem Streuen von Spekulationen für mehr Unruhe in Frankfurt sorgen (siehe Bruno Hübner, der offenbar hektisch Veh anruft, als die Bild irgendetwas meldet). Die Getriebenen offenbaren sich. Die mit externen Millionen aufgepumpten „Arbeiter“ aus Gelsenkirchn sind pfui, seit Jahren schon. Doch ist das, was sie dort treiben, gleichsam legitim (Abwerben eines guten Trainers) wie Teil des Spiels (Beeinflußen der direkten Konkurrenz) im oberen Drittel der Tabelle.

Macht die Eintracht so duckmäußerisch weiter wie bislang, kniet man weiterhin vor der konstruierten 40-Punkte-Marke, verliert sie gegebenenfalls alles. Den sportlichen Erfolg anno 2013, den Trainer, die Spieler – und eine Reputation. Wer hat dann gewonnen, beziehungsweise wer ist dann eigentlich der Schuldige, der Depp vom Dienst?

Will die Eintracht zu den Gewinnern zählen, schafft sie Fakten. Unabhängig davon, wie das Spiel am Sonntag ausgeht, muss in der kommenden Woche eine Entscheidung herbei. Mit allen Konsequenzen, im Guten wie im Schlechten.

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