Abgeschenkt, danke

Ein Schleifchen ums Spiel gemacht und hergeschenkt – so lässt sich die Begegnung gegen Stuttgart knapp zusammenfassen. Wie kann man nur eine solche Ausgangsposition derart vergeigen? Die Minuten nach dem 1:2, die Weigerung der Fans, den albernen Trotz-Support mitzumachen, sagen vieles aus über das Stimmungsbild in Frankfurt. Der Geduldsfaden ist gerissen, nur so richtig sagen mag es niemand. Seit Wochen wabern Personalfragen über allem Sportlichen, der Verein versäumte es seit Mitte Februar, klare Kante zu zeigen. Auf der Nase lässt man sich herumtanzen, durch Geschacher. Die sportliche Entwicklung hat man dafür geopfert. Sehenden Auges, wenn man es böse mit der Eintracht meint. Fakt ist, dass die SGE einzig aus Zufall noch zum Kreise der um Europa kämpfenden Teams zählt. Gegen die direkte Konkurrenz schenkte man reihenweise ab, gegen die vermeintlich Kleinen lässt man Punkt um Punkt liegen – es ist zum verzweifeln, weil auch so vorhersehbar. Am Ende der Saison steht man eventuell doch irgendwo zwischen 10 und 13 und erinnert sich an die Wochen, in denen mehr, viel mehr möglich war – zur Erinnerung: sechs Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger betrug der Vorsprung im Februar.

Und nun also die Ankündigung, man wolle vor dem Fürth-Spiel eine Entscheidung bekanntgeben. Jubelstürme bleiben aus. Einiges hat sich eingetrübt, der blaue Himmel in Frankfurt wird von Wolken verdeckt. Mit dem Personal, das angeblich so eine glorreiche Zukunft vor sich habe, stolpert man zusehens in so etwas wie Tristesse. Wo ist der Ansatzpunkt anzunehmen, das werde alles schon wieder schicki lacki? Ich persönlich bin nur noch genervt von dem Personenkult der sich um Sebastian Jung, Sebastian Rode und letztlich auch den Trainer – den ich, wie schon so oft geschrieben, schätze – aufgebaut hat. Wo sind sie denn, die angehenden Topstars in dieser Saisonphase? Drücken Sie dem Spiel ihren Stempel auf? Gehen sie voran, die Millionenmänner? Sind ihre Leistungen besser als die ihrer Mitspieler? Mitnichten. Bamba Anderson ist derzeit der beste Frankfurter Feldspieler, Stefan Aigner folgt ihm auf dem Fuße. Niemand verlangt von Anfang 20-Jährigen, die Lokomotiven des Teams zu sein. Aber angesichts des doch sehr abgewichsten Vertragsgeschachers und so mancher ambitionierten Äußerung, darf man durchaus mehr erwarten als im Stimmungs- und Spielverlaufsbild der Mannschaft mitzuschwimmen.

Im Spielerischen reduziert sich derweil alles auf einen kleinen aber entscheidenden Punkt: Eintracht Frankfurt spielt ohne Stürmer, ergo ohne Anspielstation vorne. Das merkt man bei jedem Angriff, die Raumaufteilung passt nicht. Die Offensive spielt auf einer Linie, da ist keine Tiefe im Spiel. Instinktiv passen manche Spieler in die Spitze, weil sie davon ausgehen, dass dort jemand stehen müsste – was aber real nicht der Fall ist. Das Kombinationsspiel mit Zug in die Spitze findet nicht mehr statt, es ist wahlwise klein-klein auf dem Flügel, Ballgeschiebe durch die defensive Zentrale oder Langholz auf Alexander Meier, der verlängern soll – doch wohin? Einen Stürmer gibt es ja nicht. Dass die spielerische Leichtigkeit der Hinrunde nicht durchzuhalten sein würde, war klar. Dass man an Stellschrauben, gerade in puncto defensiver Stabilität drehen musste, war sichtbar und notwendig. Bei der Balancefindung ist dann offenbar alles eingerissen – was in einer Systemumstellung gipfelt, die so gar nicht fruchtet.

Ja, ich bin frustriert. Aber nein, ich habe hier keine Generalabrechnung verfasst. Doch wie sagte man in der Kreisliga Marburg einst so schön? Es wird Zeit, dass die mal den Kopf aus dem Arsch ziehen.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Abgeschenkt, danke

  1. Staniii

    Finde es schon sehr bedenklich das Occean nicht mal im Kader ist, wenn Veh mit 2 Stürmern spielen lässt. Habe letzte Saison zu wenige Spiele der Fürther gesehen um das besser beurteilen zu können aber behaupte einfach mal das er es mit einem Nebenmann besser gemacht hat als jetzt als Alleinunterhalter. Noch bedenklicher finde ich allerdings das Inui zwingend spielen muss während der Stab über Occean schon längst gebrochen wurde.

  2. ….bin auch nicht immer Deiner Meinung, besonders ab und an bezüglich Deiner Einzelkritik….muß ja auch nicht sein….
    ….allerdings mit diesem Beitrag sprichst Du mir aus dem Herzen !
    Einträchtige Grüße
    aus dem Osten des Kreis Marburg.

  3. Bachelor of Disharmony

    Verfolge deinen Blog schon lange und bin nicht immer einer Meinung mit Dir. Aber diesmal triffts den Nagel genau auf den Kopf. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Immer wenn man denkt man ist am tiefsten Punkt angelangt tut sich ein neues Loch auf. Stuttgart, schlechtestes Team der Rückrunde, die Hälfte der Stammspieler verletzt, Sang und Klanglos aus der EL ausgeschieden und danach noch die Reisestrapazen. Unfassbar. Aber an Fussball scheint bei uns keiner mehr zu denken.
    Wie Du es bereits so treffend formuliert hattest: Ein Albert Streit hatte den Arsch in der Hose und hat frühzeitig gesagt das er wechselt. Das ganze Theater brauch kein Mensch.
    Desweiteren erschließt sich mir nicht, wieso wir im Winter unsere ganzen Stürmer (vor allem Hoffer) abgeben, nur um dann plötzlich mit einem 2-Stürmer System zu spielen, ohne gelernten Stürmer? Schaut der Herr Veh etwa schon Richtung nächste Saison, das er mit Schalke dann in der CL antreten darf?

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