Was passiert mit dem Kartenhaus?

Da in den kommenden Tagen – vielleicht ja schon heute – eine Entscheidung zum Verbleib des Trainers in Frankfurt fällt, hier mal eine Frage an die Lesergemeinschaft: Wenn Armin Veh adieu sagen sollte, wovon mittlerweile so ziemlich jeder ausgeht, macht es dann noch Sinn, ist es dann noch möglich, bis Saisonende weiterzuarbeiten? Vor allem unter der Maßgabe, sich irgendwie – und aktuell weiß wirklich niemand wie das gelingen soll – an Rang sechs festzukrallen? Geht der Status quo einstelliger Tabellenplatz nur in und mit der aktuellen personellen Besetzung?

Worauf ich hinauswill: Wenn das Kartenhaus schon umfällt, und davon ist nach einem Veh-Abgang auszugehen (Stichwort Vertragsverlängerungen Jung/Rode), dann sollte ein neuer sportlicher Leiter den größtmöglichen Vorlauf erhalten; er sollte die Spieler bekommen, die auf seiner Liste stehen, nicht jene, die der Vorgänger schätzte. Denn das ist doch die größte Gefahr: Ein Neuer beerbt den erfolgreichen Vorgänger, tritt in nicht ganz kleine Fußstapfen und muss Neuverpflichtungen in sein Konzept integrieren, die er so vielleicht nie hätte haben und integrieren wollen. Wenn Trainer A den Schwerpunkt auf ABC legt, könnte Trainer B aber vielmehr XYZ favorisieren – und schon ist das hausgemachte Dilemma in der Welt. Auch wenn der Vergleich hinkt, ich bemühe ihn trotzdem: Christoph Daum, der seinerzeit nicht mal die Winterpause nutzen konnte, um Skibbes sportlichen Scherbenhaufen und die Vereinsfehlentscheidungen zu korrigieren, oder wenigstens leicht gegenzusteuern, ist ein warnendes Beispiel. Da können die Vereinsoberen noch so viele Flosklen mit „Identität / Konzept“ bemühen. Schlussendlich prägt ein Trainer den sportlichen Kurs, nicht umgekehrt.

Und was, wenn Veh nun doch verlängert? Der fade Beigeschmack, zumal, wenn die einmalige Ausgangslage de facto hergeschenkt wird, bleibt. Eine gewisse Wut und Enttäuschung ist doch bereits jetzt mit Händen greifbar. Sie reicht noch nicht, um in offene Opposition zu diesem in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Trainer umzuschlagen. Doch Kratzer erlitten hat sein Ruf, sein Standing in Frankfurt allemal. Die Zahl derer, die nach seinem Eiertanz auf Teufel komm raus an Armin Veh festhalten wollen, sinkt täglich. Veh, und als ein Hardcore-Sympathisant dieses Typen fällt mir das schwer zu sagen, macht sich dieser Tage entbehrlich. Sportlich nehmen die Leistungen des Teams schon länger irdische Züge an, die Posse um den Schalke-Wechsel tut ihr übriges. Eintracht Frankfurt signalisierte zuletzt mehrfach, dass der Verein bereit ist, mehr zu investieren, das finanzielle Risiko – das viele so leichtfertig fordern – maßvoll zu erhöhen. Mehr kann niemand ernsthaft verlangen. Nicht von einem Verein, der bei der letzten Transfer-Großoffensive derart auf die Schnauze flog und noch vor einem Dreivierteljahr zweitklassig mit Millionenverlusten kickte.

Glaubhaft ist es allemal, dass Veh keine finanziellen Kamikaze-Flüge fordert. Aber es geht eben auch nur so viel, wie geht. Will er mehr, kann er seinen Teil dazu beitragen – mit einer Qualifiaktion für das internationale Geschäft. Die Frage ist, ob er das auf dem schweren Weg – mit Frankfurt – oder dem leichten, mit Gasrubeln gepflasterten – mit Schalke – erreichen möchte. Man muss nicht erst mit Moral und Idealismus argumentieren um zu erahnen, welche Wahl die Sinnvollere wäre; zumindest, wenn man sich selbst, seinen Namen und sein Werk, nachhaltig gewürdigt wissen will. Armin Veh hätte die Chance dazu, bei einem mittlerweile ruhigen Verein wie Eintracht Frankfurt etwas Dauerhaftes zu schaffen. So, wie Friedhelm Funkel auf seine Weise die neue Eintracht auf ihren guten Weg brachte, könnte Armin Veh der Trainer sein, der den Klub noch einen Schritt weiter voranbringt, ihn wieder heranführt an und in Tabellenregionen, die dem Verein gefühlt gebühren: in die erste Tabellenhälfte, mit wiederkehrenden Chancen auf Qualifikationen für Europa. So, wie es jahrzentelang war – und wovon Hunderttausende Eintracht-Fans träumen. Vorneweg seit zwei Jahrzehnten.

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4 Antworten zu “Was passiert mit dem Kartenhaus?

  1. „Auch wenn der Vergleich hinkt, ich bemühe ihn trotzdem: Christoph Daum, der seinerzeit nicht mal die Winterpause nutzen konnte, um Skibbes sportlichen Scherbenhaufen und die Vereinsfehlentscheidungen zu korrigieren, oder wenigstens leicht gegenzusteuern, ist ein warnendes Beispiel.“

    Der Vergleich hinkt in der Tat: Christoph Daum kam Mitte/Ende März zur Eintracht. Er hatte keine Winterpause zur Verfügung, um etwas zu korrigieren.

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