Wasser in den Wein

Armin Veh hat seinen Trainervertrag bei Eintracht Frankfurt verlängert. Das wochenlange Hickhack hat somit ein Ende, die positive, erleichterte Stimmung in und um den Verein ist spürbar. Die Hoffnung, dass nun auch sportlich wieder mehr geht als seit Februar, ist damit verbunden. Dennoch: Es ist des Journalisten Eigenart, das Merkmal seines Berufs, alles, jede noch so positiv scheinende Nachricht, kritisch zu hinterfragen. Das übernehme ich an dieser Stelle.

Der neue Vertrag läuft bis Sommer 2014, also ein Jahr. Nach all dem Geschacher und den Reden von Perspektive, Aufbauarbeit etc. sind zwölf Monate eine äußerst überschaubare Zeit. Nicht nur, dass in diesem knappen Zeitraum eine mittel- bis langfristige Kaderplanung schwer möglich ist. In nicht mal einem Jahr droht eine erneute Hängepartie um die Zukunft des Trainers.

In der Vergangenheit hat Eintracht Frankfurt, gerade durch die vorsichtige und kluge Strategie Heribert Bruchhagens, gute Erfahrungen mit Einjahresverträgen gemacht. Mit Friedhelm Funkel funktionierte das aber auch deshalb so gut, weil er menschlich mit der Führungsetage des Vereins gut konnte und man sich grundsätzlich einig war; darüber, dass es stets länger als die jeweils vertraglich festgelegten zwölf Monate gehen sollte mit der Zusammenarbeit. Ist diese grundsätzliche Übereinkunft mit Armin Veh ebenfalls vorhanden? Wollte er nur erstmals in und für die Bundesliga seinen Marktwert sondieren, sein Wirkungsgebiet abstecken und Eintracht Frankfurts Bereitschaft, langfristig aus dem unteren Mittelfeld auszubrechen, wiegen? Es fällt schwer, das alles zu bejahen. Armin Veh hat gezockt, was legitim ist. Er weiß um das Interesse anderer Vereine, hat das für sich ausgenutzt um das Beste herauszuschlagen.Auch das ist legitim. Doch haftet diesem Einjahresvertrag verstärkt der Makel des Rumgeeieres an. Für nur  zwölf Monate weiterer Zusammenarbeit dauerte das Hickhack – mit allen sportlichen Negativkonsequenzen – zu lange. Der Ertrag ist angesichts der zeitlichen und nervlichen Investition zu gering.

Plus: Es stehen Vertragsverlängerungen mit Spielern an, die Armin Veh selbst zu einem Muss auserkoren hat – doch deren Verträge (Jung / Rode) laufen nun zeitgleich mit seinem aus. Das nächste Indiz, dass das Schauspiel im nächsten Winter von neuem beginnt. Der Trainer als Grund, selbst längerfrisitg zu verlängern, ist jedenfalls nicht vorhanden.

Immerhin: Die Tür Schalke 04, mit seinem Freund Horst Heldt an der sporltichen Spitze, sollte für Armin Veh vorübergehend geschlossen sein. Und ob er künftig bei anderen realistischen Meisterschaftskandidaten – Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen – unterkommen wird, ist fraglich. Den Hamburger SV als mögliche Anlaufstelle darf man wohl ebenso ausschließen wie den VfL Wolfsburg. Zwei Teams also, die sportlich – wenn die Zukunft für Eintracht Frankfurt rosiger wird als im letzten Vierteljahrhundert – perspektivisch auf Augenhöhe mit der Eintracht stehen könnten. Doch der Blick ist weit in die Zukunft gerichtet. Ein Jahr, so lange, wie Veh nun verlängern wird, erscheint eher wie ein Aufschub grundsätzlicher Entscheidungen. Der Vertrag riecht nach einem Kompromiss, mit dem wohl niemand so 100 prozentig zufrieden sein wird. Auch im Verein nicht; auch wenn man das vermutlich nie erfahren wird.

Dass Alfa Romeo Wappen, das ab nächster Saison auf den Trikots zu sehen sein wird, macht jedenfalls gut was her. Jetzt darf nur Jako das Trikotdesign nicht abermals in den Sand setzen, nicht schon wieder Schlafanzüge oder Müllsäcke herausbringen.

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