Hausgemachte Härten

Zwei Sichtweisen auf das Spiel in Fürth sind meines Erachtens zulässig. Die eine ist, dass man gegen ein Team antrat und letzlich mit einer riesen Portion Massel gewann, dass durch einen neuen Trainer motiviert, engagiert und mit neuem Leben belebt war. Kategorie: schweres Auswärtsspiel, trotz aller Tabellenstände. Die andere Sichtweise ist die, und ich tendiere zu dieser, dass Eintracht Frankfurt ein Spiel ablieferte, das in großen Teilen schlecht, vor allem aber arrogant wirkte. Bezeichnend etwa der Hackentrick an der Seitenauslinie in selbiges von Stefan Aiger. Den Ball normal annehmen, weiterspielen, Feierabend – vieles kann so einfach sein, wenn man es sich denn nur leichtmachen will.

Die Körpersprache der Spieler, der Gesichtsausdruck jedes einzelnen war zum Haare raufen. Willen konnte man da wenig entdecken, eher ein genervtes „och mei, heut müssen wir schon wieder rennen“. Die Laufbereitschaft war ernüchternd. Mehrmals hatte Torwart Oka Nikolov den Ball zehn, 15 Sekunden am Fuß bevor er ihn in irgendeine Richtung schlagen konnte – weil niemand den Ball haben wollte, sich keiner freiwillig mehr bewegte, sich freilief. Am Ende ist es der individuellen Klasse zu verdanken, die den Sieg trotz aller hausgemachten Härten ermöglichten.

Die Auftritte von Sebastian Rode jedenfalls grenzen dieser Tage an Arbeitsverweigerung. Alleine im ersten Abschnitt spielte er zehn Fehlpässe, aus alles andere als unmöglichen Situationen heraus. Er ermöglichte vier Tempogegenstöße aus dem Mittelfeld, brachte weder in der Defensive noch Offensive ein Bein auf den Boden. Das ist nicht zum ersten Mal so in dieser Saison. Da überschätzt sich offenbar jemand gerade kolossal. Auf andere Art und Weise lässt sich das auch über Primin Schwegler sagen. Dass er einen Hang zum Schlendrian hat, wenn er sich seinen Gegenspielern überlegen fühlt, ist kein Geheimniss. Dass er jedoch gleich drei dusselige Ballverluste am eigenen 16er produziert und gegen jeden anderen Gegner drei Gegentore hätte verantworten müssen, sollte ihm zu denken geben. Der in den vergangenen Wochen von mir immer wieder kritisierte Takashi Inui hingegen verdiente sich viele Fleißkärtchen. Er hatte seine Füße bei allen halbwegs geglückten Offensivaktionen im Spiel und machte auf viele Wege nach hinten – reihenweise Scheiben hätten sich die Rot-Schwarzen bei ihm abschneiden müssen.

Überhaupt: Den Krückstock, an dem die Eintracht geht, hat man sich maßgeblich selbst an die Hand gegeben. Die Personal-Pokerspielchen zermürbten und zermürben die Mannschaft. Kann doch niemand ernsthaft behaupten, die Taktiererei habe nur Auswirkungen auf die Gemütslage der Fans. Nein, da herrscht viel Unruhe und Unentschlossenheit im Team, das merkt man am Wochenende während der Spiele. Die Rädchen greifen viel mühsamer ineinander als noch 2012, und das liegt nicht nur daran, dass der Spielcode der Eintracht dechivriert wurde.

Jedenfalls lohnt die Lektüre der Leserbriefe, Blog-Debatten und Foren-Kommentare rund um die Eintrachtspieler in diesen Tagen. Es ist noch nicht lange her, da galt Sebastian Rode etwa als eine heilige Kuh in Frankfurt. Der Einsatz, die Dynamik, die Power, die Willenskraft und Leidenschaft – Rode konnte immer auch noch so schlampige Pässe, noch so harmlose Torschüsse liefern, diese Grundtugenden, die jeder Kreisligakicker nachvollziehen und einfordern kann, übertünchten die Schwächen stets. Der Wind hat sich für ihn gedreht. Er wird kritischer gesehen als je zuvor, die Betrachter erkennen die klaffende Lücke zwischen Anspruch (Dortmund, Bayern, England; aka Champions League) und Wirklichkeit. Niemand wird ihm an den Kragen wollen dafür, dass es mal nicht so rund läuft bei ihm, dass er in dem jungen Alter nicht wöchentlich 100 Prozent zu bringen in der Lage ist. Und dennoch ist es mittlerweile für jeden sichtbar, dass es keinen Grund gibt an Rode festzuhalten, sollte ein astronomisch hohes Transferangebot ins Haus flattern. Sechs Millionen Euro aufwärts, wenn sie jemand bezahlen will, darf der Verein sich das nicht durch die Lappen gehen lassen – bei Sebastian Jung sieht das übrigens ähnlich aus, obwohl ich persönlich bei dem gelernten Bäcker noch mehr Entwicklung, vor allem eine konstantere und berechenbarere (zumal gesundheitlich) Leistungssteigerung zu erkennen glaube.

So oder so gilt, dass der Verein sich auf so ein Vertrags-Hickhack nicht (länger) einlassen sollte. Das Heft des Handelns muss in seiner Hand liegen, zumal angesichts von sportlich irdischen Leistungen der Hauptakteure.

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