Die Ticket-Wucherer

Aus Angst vor dem Tod sich das Leben zu nehmen, schrieb ein geschätzter Kommentator, sei zwar denkbar. Eine gute Idee sei das aber nicht. Die Anspielung ist bezogen auf das bevorstehende Bundesligaspiel der Eintracht gegen den FC Bayern München. Jenen Verein, der auswärts bislang zwei – ich wiederhole: zwei – Gegentore hinnehmen musste. Dass man unter diesen Vorraussetzungen am Samstag als Fan nur eines erwarten darf, nämlich eine Niederlage, sollte jedem klar sein. Vielleicht gibts sogar zwei, drei, vier Hütten – so what? Erschießen muss man sich daher weder im Vorfeld, noch im Nachgang. An diesem Spieltag gilt es Bratwurst zu essen, das Spiel nüchtern anzuschauen, so lange es geht für die eigene Mannschaft zu hoffen, und dann eben die erste Meisterfeier in Frankfurt seit mehr als 50 Jahren zu erleben. Und was, wenn es doch ganz anders kommt? Dann können wir aus entspanntem Gemütszustand heraus umso heftiger feiern und uns freuen. Hoffen darf man das, sollte man auch. Aber erwarten, oder auch nur damit rechnen, dass man den  (nochmals zur Erinnerung) Zwei-Gegentore-Bayern erfolgreich Paroli bieten kann, nicht. Das führt sonst wieder zu Aggressionsstürmen und Enttäuschungssalven im Internet. Dann schießen die Gefühls-Inkontinenten sogar im Sekundentakt ihre Tiraden in die Welt; also bitte diesmal nicht machen.

Die Edel- und Deluxefans der Eintracht – unter ihnen offenbar auch nicht wenige Verfechter des Stadion-Feuerwerks – bieten derweil auf Ebay im Dutzend die Eintrittskarten (ja, auch Stehdauerkarten in den 30er+ Blöcken) für das Samstagspiel an. Da werden schonmal Preise von 150, 200 Euro aufgerufen. Womit die Dauerkarte für 2013/2014 bereits finanziert wäre – welch betriebswirtschaftlich kluger Schachzug! Im Subtext sagt es allerdings auch viel über den Geisteszustand, wenigstens über die wahre Leidenschaft für Verein und Mannschaft aus, die Tickets zu Mondpreisen zu verhökern. Gestern Alex Meier ausgepfiffen, heute Takashi Inui gefeiert, morgen den Saisonverlauf verflucht und den Tag darauf die Eintrittskarte gegen Bayern München gewinnbringend verkauft – klasse Kollegen, ihr habt`s echt schwer drauf, ihr seid das unbieg- und unbeugsame Rückgrat des Vereins.
Es gibt Hunderte, wenn nicht Tausende, die Bayern München gerne im Waldstadion sehen würden. Einfach, weil das eben nochmal etwas anderes ist als Hannover 96 oder Borussia Dortmund. Mit diesem Klub verbinden alle das David-gegen-Goliath-Gefühl, die Hoffnung und Sehnsucht, bei diesem einen Spiel live dabei gewesen zu sein, in denen der Außenseiter über sich hinauswächst und den Riesen zu Fall bringt. Christoph Preuß 2007, der Fallrückzieher – das war so ein rarer, magischer Moment. Ich genieße das Privileg, damals dabei gewesen zu sein. Und ich wünsche allen, die so etwas auch erleben möchten, dass sie am Samstag ins Stadion kommen können. Jenen, die ihre Eintrittskarten derart dreist anbieten, wie einige der vermeintlichen Edelfans im stehenden Unterrang, wünsche ich die Aberkennung ihrer Dauerkarten. Anhand von Block- und Sitznummer – die einige Hirnheimer freigeistig angaben – sollte es dem Verein, so er sich die Angebotsflut auf Ebay denn anschaut, ein Leichtes sein, rechtlich gegen die Verkäufer vorzugehen. Steht ja immerhin in den AGB.

Hoffen wir aber einfach auf einen Hexenkessel am Samstag, vor allem darauf, dass der Stöpsel im Spiel nicht frühzeitig gezogen wird. Da das Frühjahr und die Wärme auch am Wochenende noch nicht in Sicht sein werden, wäre nichts nerviger als 105 Minuten in einem Kühlschrank, der angesichts des Spielverlaufs zum Eisfach wird.

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