Die Gretchenfrage: Spitze oder Breite?

Die Eintracht begibt sich mit ihrer Transferpolitik auf einen riskanten Weg. Nicht nur, dass sie sich den unschönen Ruf des Wildereres aneignet, wenn sie den SC Freiburg leerzukaufen gedenkt. Viel mehr, weil sie nach den gehandelten Spielern zwei, drei Jahre zu spät die Fühler ausstreckt – und Gefahr läuft, die Breite in den Griff zu bekommen, die Spitze jedoch zu verlieren.

Jan Rosenthal, der erste und gesicherte Neuzugang aus dem Breisgau ist zwar erst 26 Jahre jung. Dennoch sollten aufmerksame Beobachter des Fußballs – ja, ich zähle mich semi-arroganter Weise dazu – bereits während Rosenthals Zeit in Hannover dessen Klasse erkannt haben. Sicher, er war zwischenzeitlich länger verletzt. Aber es hätte nicht erst Freiburg als Ausbildungs-, besser als Weiterbildungsstation gebraucht, um Interesse an ihm zu haben. Jedenfalls macht man mit seiner ablösefreien Verpflichtung nun ein Schnäppchen – Daumen hoch.

Johannes Flum, um den seit Wochen gerungen zu werden scheint, besitzt gegebenenfalls eine noch höhere Qualität als Rosenthal. Er ist von der Offensive bis zur Defensive flexibel einsetzbar und spielt auf allen Positionen einen mehr als soliden Part. Auch das gilt schon weitaus länger als 2012/2013. Für ihn würde eine Ablöse fällig, eine, die auch nicht bei 10 Euro liegen wird. Seine Verpflichtung ist eine gute Idee – Daumen hoch.

Daniel Caliguri, dessen Name ebenfalls seit geraumer Zeit umher wabert, spielt eine starke Saison, vor allem als Führungsspieler. Er übernimmt Verantwortung, nicht nur bei Strafstößen und treibt das Team sichtbar an. Allerdings war das in den vergangenen Jahren nicht unbedingt so, er schwamm gerne mit. Nur, mag man sagen.

Dennoch wohnt ihnen gemeinsam, bei allem Potential, eine Gefahr inne: Sie kommen nach einer überragenden Saison bei einem „kleinen“ Verein zu einem Klub, der sich hohe Ziele auf die Fahne geschrieben hat. Ob man mit den Spielern des SC Freiburg den status quo weiter aufweichen kann, so, wie es die Eintracht will, daran darf zumindest gezweifelt werden. Denn die Erwartungshaltung in Frankfurt wird, vor allem aufgrund des Saisonverlaufs, ab August eine andere sein. Das Underdog-Image wird dann ein für alle Mal passé sein, schwächere Leistungen werden nicht im Handstreich vergessen.

Was zuversichtlich stimmt:

Armin Veh baute bereits eine Truppe auf, die mit der Spitzenqualität der zweiten Bundesliga genährt wurde. Stefan Aigner zumal, Takashi Inui mit Abstrichen. Keinesfalls war zu erwarten, dass die beiden Spieler a) Stammkräfte und b) überragende statistische Werte erzielen werden. Ähnlich, wie Erstliga-Absteiger Kevin Trapp sowie die halbe Eintracht-Mannschaft als solche. Ein Verdienst der Profis, die Grundlage dafür ist die Arbeitsweise und das geschulte Auge Armin Vehs. Seine Spielereinschätzung ist im Gros richtig. Ausreißer Nummer eins, Rob Friend ist bereits vergessen. Die Nummer zwei Olivier Occean und die Festlegung auf den Mini-Sturm ist ein Ärgernis und ein Fehler, aber für einen Aufsteiger bei solch einer Saison trotz allem kein Grund, die Gesamtbilanz der Transfereinschätz eintrüben zu lassen. Zumal mit Bastian Oczipka, Bankdrücker in Leverkusen, und Stefano Celozzi, Bankdrücker in Stuttgart, zwei weitere low-budget-Spieler ihren Part (über-)erfüllen. Darüber hinaus bleibt Martin Lanig, dessen Rolle so zu erwarten war.

Alles in allem stimmen diese Punkte zuversichtlich, dass der Blick auf die Spieler, die schon verpflichtet worden sind und auf die ein Auge geworfen zu werden scheint, richtig ist. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass gerade in Freiburg die Team-Dynamik dazu beitrug, dass mancher über den Verhältnissen spielt (wobei ich diese Ausdrucksweise gar nicht mag, impliziert das doch Zufall). Zumindest bei Daniel Caliguri kann ich mich nicht für einen Transfer erwärmen. Rosenthal fand ich gut, Flum fände ich super -jedoch verbreitern sie eher die Möglichkeiten im Kader; was jedoch auch eine Form der Qualitätssteigerung ist. Da es aber vor allem im Sturm mächtig, auf der linken Außenverteidigerposition und in der zentralen Defensive zwickt, erhoffe ich dort die personelle Qualität, die das Team in der Spitze voranbringt, nicht nur in der Breite.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Die Gretchenfrage: Spitze oder Breite?

  1. Alias Einstein

    mir wäre Ya Konan viel viel lieber als Rosenthal… Caligiuri fänd ich nicht schlecht, zumal der schon die 2te starke Saision spielt…
    Flum kenn ich zu wenig, um eine Aussage treffen zu können…
    Und zum Thema Leerkaufen: Wir kaufen und wir verkaufen, so wie alle anderen… thats Bundesliga!

    • Wobei Rosenthal vom Spielertyp her Mittelfeldler ist und viel eher Alex Meier ähnelt / ersetzen kann, während Ya Konan ein Stürmer ist. Bei Caliguri sehe ich es wie gesagt kritisch.

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