Warten auf den Durchbruch

Ohne Witz, mir juckt das folgende Thema seit Wochen in den Fingern. Doch wie es so ist im Höhenflug, zu viel Wasser möchte niemand in den Wein gießen. Nicht mal in der darbenden Phase als immer weniger auf dem Feld zu gelingen schien. Wieso dann noch ein neues großes Fass aufmachen? Dabei ist es unerlässlich zu fragen, wie das eigentlich mit dem vermeintlichen Juwel Sonny Kittel so läuft.

Gefühlt war es gestern, dass sich Vereinsverantwortliche hinstellten und von einem Riesentalent fabulierten. Mesut Özil wurde als Vergleich genannt, ha! Dann bekam Kittel das eine oder andere Spiel, lieferte im Nesthäkchen-Schutz manch hoffnungsvollen Auftritt ab. Im Ansatz da manches gut aus, aber irgendwie fragte man sich immer, ob in Bremen, auf Schalke oder sonstwo die Zuschauer auch mit diesem Ansatzfußball konfrontiert waren, als sie Mesut Özils erste Profijahre beglitten. Denn nüchtern betrachtet kam vom Sonny Kittel bislang herzlich wenig. Zwischen seiner Debütsaison während der längen Abstiegssaison der Fußballgeschichte und dem Frühjahr 2013 liegt eine ganze Zweitligarunde sowie mehr als eine Halbserie in Liga eins -in einem Kader, der aufgrund seiner schmalen Zusammensetzung gerade einem jungen, aufstrebenden, willigen Spieler Möglichkeiten gab und gibt. Klar, seine schwere Verletzung warf ihn aus der Bahn. Das geht nicht nur jungen Sporltern so, so etwas fordert seinen Tribut. Und doch ist Sonny Kittel, das große Versprechen, in der Versenkung verschwunden. Obwohl er derart jung ist, rückt seit Wochen der Name Marc Stendera, der Name Marc-Oliver Kempf in den Fokus. Sonny Kittel? Ja, stimmt, der wurde uns auch als Riesentalent verkauft. Das entspricht in etwa der Gefühlslage, die bei vielen Frankfurtfans vorherrschen dürfte.

Ihn abzuschreiben, abzuhaken, wäre verfrüht und sowieso ungerecht. Aber wenn schon über einen Verkauf spekuliert wird, muss man Fragen stellen dürfen. Danach, wie es sein kann, dass die Eigengewächse in Frankfurt einfach nicht aufgehen wollen. Man kann natürlich immer wieder mit Sebastian Jung um die Ecke kommen, auch mit seinem Namensvetter Rode. Jedoch gilt für Letzteren das, was bei der Eintracht usus geworden ist: Ausgebildet, reif gemacht für die Bundesliga und die Startelf werden die Spieler anderswo. Aus Frankfurts Jugend in Frankfurts Profiteam schafft es kaum jemand, schon gar nicht als ernste Alternative, gar Stammspieler.

Das Spielchen läuft seit Jahren so. Patrick Ochs und Marco Russ wurden stets als schillernde Ausnahmen genannt, aber sonst? Welcher junge Kicker hat es denn anderswo, wenn er bei der Eintracht nicht durchstartete, anderswo geschafft? Jermaine Jones, vor Jahren. Der gefühlt Erste und Einzige, mit Ausnahme von Timothy Chandler (Nürnberg). Das alles sagt mehr über die angeblich so vorbildliche Jugendarbeit der Eintracht aus als über die Profiabteilung.

Die Befürchtung der mangelnden Aufbau- und Förderungsarbeit in Frankfurt scheint sich angesichts der offenen Zukunft Sonny Kittels zu bewahrheiten. Im Profibereich ist natürlich weniger Zeit und Ruhe, sich um die U-2o-Akteure zu kommen. Im Haifischbecken einfach mal schwimmen? Nicht jedermanns Sache. Vielleicht dauert es eben generell ein, zwei Reifejahre länger um eine Chance aufs Bestehen zu haben im Profibereich. Es wäre bitter, persönlich wie auch sportlich, wenn sich Sonny Kittel als ein weiteres geplatztes Versprechen entpuppen sollte. Die Vereins-PR leidet jedenfalls gehörig, sollte sie den Mittelfeldspieler in Kürze verramschen oder halbgar noch zwei Jahre durchschleifen. So ist das eben mit den (geschürten) Erwartungen: Der Durchbruch wartet nicht auf einen. Kittel wird sich tüchtig strecken müssen – wenn er das überhaupt will – um wirklich im Profifußball anzukommen. Von Stardasein ist er weit entfernt; aber dieses Attribut gaben ihm sowieso andere. Und die schauen jetzt irritiert aus der Wäsche. Wie so oft in Nachwuchs-Frankfurt.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Warten auf den Durchbruch

  1. Alias Einstein

    das Beste für den Sonny wäre wohl, wenn er wo anders Spielpraxis sammeln könnte, sprich eine Verleihe an nen Verein wie Augsburg wäre sicherlich nicht das schlechteste…

    Und zur Jugendarbeit bei der Eintracht fällt mir schon lange nix mehr ein… ich bin mal gespannt wie lange man Kempf, Hien u. Stendera noch auf der Bank versauert lässt, bis die sich auch von uns abwenden u. die Karriere so geknickt wird, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat!

    Man muss die Leute halt auch einbinden können, ein Tuchel schaft das, ein Streich schaft das, ein Heynckes schaft das, ein Klopp schaft das, ein Slomka schafft das… usw usw. usw…. nur bei der Eintracht sieht sich kein Trainer in der Lage, die Spieler aus der eigenen Jugend mal spielen zu lassen… entweder weil sie wirklich zu schlecht sind, oder weil man schlichtweg keine Lust drauf hat, ich weiß es nicht, aber es bedauert mich immer wieder zu sehen, dass überall Talente Spielpraxis sammeln können, nur eben nicht die Talente der Eintracht!

    • Richtig, obwohl das a) der Vertrag nicht hergibt und wir b) durch Leihen bislang noch nie einen Spieler verbesser zurückbekamen (Beispiel Bellaid oder Heller).

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