Trotz als Hoffnung

Ich ahne ja, was einige Frankfurter Anhänger denken, wenigstens hoffen. Dass es perfekt zur Eintracht passen würde, gegen Schalke ein anderes Gesicht zu zeigen, eine Topleistung mit dem passenden Resultat zu bieten. Als Kontrast zum Katastophenkick in Augsburg. Zu sehr ist in den Fanköpfen betoniert, dass sich Eintracht Frankfurt gegen die vermeintlich Kleinen immer schwer tat, gegen die Großen aber die Fußballbazooka auspackte. So ganz hat sich mir diese Mär nie erschlossen, erinnere ich mich doch an zu wenige, und wenn sporadische David-gegen-Goliath-Erlebnisse. Und doch zehrt man von jenem Mythos á la Phönix-aus-der-Asche, setzt auf den berühmten Ruck, die jetzt-erst-recht-Mentalität. Dieses einmal, zweimal Schütteln und dann ab die wilde Fahrt – Trotz setzt immerhin Energien frei.

Diese emotionale Wellenbewegung kennzeichnet wohl den Fußball, die Gefühlslage der meisten Fans. Heute leben, morgen sterben – die Geschichte prägte den Eintrachtfan, und das leidvoll. Die enttäuschten Sehnsüchte, sie sind tief verankert in der Stimmungswelt der Frankfurter, unabhängig von den Profis, die in diesem oder jenen Jahr schwarz-rot ins Stadion tragen. Und immer wieder fallen wir darauf herein, auf diesen Keim, diese Saat Glaube und Hoffnung, beim nächsten Spiel werde alles besser, der Hebel werde umgelegt, man komme zurück in die Spur, bekomme die Kuh vom Eis, stoße den Bock um – alles Floskeln, die in den vergangenen Jahren von Eintracht-Spielern, Trainern und Funktionären gebraucht wurden, um die Malaise erträglich, den Himmel blauer zu machen.

Blau, das ist dann wohl die nicht gewollte Überleitung zum Gegner: Schalke 04, ehemals Konkurrent um Platz 4, den Champions League Qualifikationsplatz, und einige Punkte hinter der SGE. In der Hochphase des Jens-Keller-Belächelns. Und jetzt? Kleinlaut schielt man auf die Ergebnissübersicht der vergangenen Wochen und erkennt, dass in Gelsenkirchen dann doch mehr richtig gemacht wurde, als einem das lieb sein kann. Jedenfalls reichte es, um unbemerkt und problemlos an Eintracht Frankfurt vorbeizuziehen.

Im Februar verfasste ich an gleicher Stelle einen Artikel, in dem es schonmal um Schalke 04 ging. Und um Mainz 05. Damals, nach Siegen gegen Hoffenheim und dem phasenweise überragengen Hamburgspiel, prophezeite ich die Spiele gegen Schalke und Mainz als jene, die über das Abschneiden entscheiden werden. Damals bezog ich das bereits, wie eine böse Vorahnung, auf die Frage: Europa oder nicht Europa; nicht etwa auf Champions oder Europa League. Dass es jedoch nur noch dem Punktehamstern der Konkurrenz zu verdanken ist, nicht etwa der eigenen Stärke, noch irgendwie im Rennen um Rang 6, um Europa zu sein, fürchtete nicht mal ich Schwarzseher.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s