Der Raum für den Traum

Man wird sie einfach nicht los. Diese Leute, in deren Köpfen Unbegreifliches umherschwirrt und die Thesen vertreten, die so krude sind wie es nur eben geht. Was ich meine? Jene Argumentation: „Gewinnt Eintracht Frankfurt, war der Gegner schwach. Verliert Eintracht Frankfurt, ist Eintracht Frankfurt eine Trümmertruppe“. Getreu der selbstherrlichen und menschenverachtenden Ideologie: Der Sieg als Selbstverständlichkeit, die Niederlage als Todesurteil für eine Mannschaft – alles seit Samstagmittag im Tenor nachzulesen auf so manchen Internetplattformen die direkt oder indirekt mit dem Verein des Herzens zusammenhängen.Wie viel Bitterkeit muss sich in 30, 40, 50 Jahren Fanleben angesammelt haben, um derart schwarz-weiß zu denken, das auch noch zu glauben und nach außen zu vertreten?

Dabei kam das, was zwischen 15.30 und 17.19 Uhr im Waldstadion gezeigt wurde einem Feiertag gleich. Einem defensiv stehenden Gegner von Beginn an Probleme bereitet, 15 Minuten lang Chance um Chance erspielt. Mit etws mehr Fortune gegen Fortuna steht das Spiel nach einer Viertelstunde 2:0 und das Spiel könnte für Düsseldorf in einem Desaster enden. Wem das nicht genügte, wer nach der Anfangsphase zweifelte am Ausgang dieser Partie, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Es sind, wie in den vergangenen Wochen häufig zu sehen war, die Zweikämpfe die den Unterschied ausmachen. Mittlerweile werfen sich die Spieler wieder mit Verve in die Duelle, sie gehen mit dem ganzen Körper auf den Ball und Gegner, ziehen, wie es so schön im Amateurfußball heißt, durch. Und schon landen die Bälle häufiger bei schwarz-rot, jedenfalls darf der Kontrahent nicht mehr derart unbehelligt mit der Pille übers Feld traben wie es in der Rückrunde zu häufig vorkam. Klar: 34 Spiele mit diesem Krafteinsatz, wie er in den Zweikämpfen gegen Bayern, Schalke und Düsseldorf aufgewendet wurde, kann man nicht durchstehen. Daher war es ebenso logisch wie notwendig, nicht immer Vollgas zu gehen. Aber gegen die Fortuna musste der Sieg her – und man ging auf Nummer sicher, in dem man jene Restkraft mobilisierte. Stefan Aigner etwa, der zuletzt ausgepumpt wirkte und unabhängig davon eine Riesenrunde spielte und spielt. Er preschte bei jedem Konter nach vorne und bei jedem Ballverlust stocherte er wild nach, eroberte den Ball oder machte es dem Gegner eben schwer, diesen sauber weiterzuspielen – und genau darauf kommt es an, der Kontrahent darf es nicht leicht haben.

Das 1:0 durch Alexander Meier, nach genialem Heber von Marco Russ über die Abwehr und technisch starkem Schuss von Srdjan Lakic, wirkte dennoch wie eine Erlösung. Von da an ahnte man, dass dieses Spiel nicht mal bei den verflixtesten Verläufen in die Binsen gehen würde. Zu dominant trat die Eintracht auf, zu wenig Probleme hatten sie mit der defensiven Ausrichtung der Düsseldorfer. Da ging vieles sehr leicht, weil man ständig in Bewegung war. Mit Ausnahme der linken Seite, Inui und Oczipka, ging fas Eintrachtmesser durch die Butter. Das 2:0 durch Lakic nach einem Eckball beruhigte die Nerven derart, dass sich der eingewechselte Marc Stendera einen bösen Fehlpass erlaubte, der eigentlich die richtige, gute Idee war. Abgerutscht, Gegentor kassiert, ein paar Minuten zittern, Zambrano-Aussetzer entsetzt zur Kenntnis nemen und danach dem Fußballgott mit der Nummer 14 den Ball geben – „wenn du nicht weißt wohin mit dem Ball, gib ihn dem Meier, der macht ihn ins Tor“. Wie schon in der Einzelkritik geschrieben: Erzielen die Werbefiguren Messi, Ronaldo und Co. solch ein Tor, feiert die ganze Welt. Bei Meier wirds dann hingenommen, es soll ja sogar immernoch Leute geben, die Meier für einen dünnen Kicker halten. Gut, das sind dann jene Gurken, die beim Halbzeitspiel den Ball in Richtung Eckfahne juchten oder ans K des Krombacherkastens vorne schießen.

Es sind noch zwei Spiele zu absolvieren, Freiburg und Hamburg bleiben voll im Rennen, auch Mönchengladbach ist nicht weg vom Fenster. Rang sechs ist noch nicht eingetütet, allen Europapokal-Gesängen und Hoffnungen zum Trotz. Einen Sieg wird es noch brauchen, mindestens aber zwei Remis, und gegen angeschlagene aber bissige Bremer wird es brutal, zu gewinnen. Im Heimspiel gegen Wolfsburg geht es zudem immerhin gegen das zweitstärkste Auswärtsteam der Liga – also ist das alles nicht so leicht, wie es sich anzufühlen scheint. Der Raum zum träumen ist jetzt allemal vorhanden, man darf anfangen, an die Sensation, an das Wunder zu glauben.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Der Raum für den Traum

  1. Oliver

    Bamba hat sich gut in die Saison rein gesteigert. Und neben ihm haben auch Russ und Butscher schon sehr solide Leistungen gezeigt. Wenn das mit Zambrano nicht immer so Schlüsselszenen wären (im Strafraum oder letzter Mann), dann würde ich mir ehrlich gesagt für ihn in der 93. Minute mal ne glatt rote Karte wünschen. Ein Wunder das es bisher nur Gelb-Sperren absitze musste. Wie oft der in dieser Saison – neutral gesehen – schon hätte vom Platz fliegen müssen …

  2. Oliver

    Welchen der beiden Zambrano-Aussetzer meinst du? Als er den Düsseldorfer blockt und umreißt, damit Opa Oka so gerade irgendwie an den Ball kommt. Oder als er den Düsseldorfer im Strafraum im vorbeigehen umtritt – wofür es in Stuttgart zurecht Rot und Elfmeter gegeben hat?

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