Zu was reicht die dritte Luft?

Als einen langen Atemzug kann man die Hinrunde bezeichnen. Auch der Rückrundenstart, nach der Niederlage in Leverkusen, mit Siegen gegen Hoffenheim und Hamburg darf man als Atemzug bezeichnen. Unstrittig ist, dass die vergangenen Wochen ein tiefes sportliches Lufholen waren – die matte, müde Truppe rafft sich augenscheinlich nochmal auf, ein drittes und letztes Mal den Kahn auf Kurs zu halten. Die dritte Luft in der Saison, das dritte Hoch – zu was wird es reichen?

Wie eng Zuversicht und Ernüchterung beieinander liegen, erlebte wohl jeder Eintrachtfan am vergangenen Wochenende. Dem Sieg in Düsseldorf, im Stadion gefeiert wie Freiflugscheine nach Rom, Mailand oder Moskau, folgte eine Zitterpartie am Sonntag beim Spiel Hamburg gegen Wolfsburg. Drohte doch tatsächlich die krumme Mannschaft aus Norddeutschland zu gewinnen und das Europarennen abermals auf 0 zu setzen. Dass die Tür nach Europa nun einen Spalt weit aufsteht, ist der Leistung der Eintracht zu verdanken; aber eben auch diesen paar Minuten, die in anderen Spielen den Unterschied machen und weiterhin machen könnten. Wenn die Mannschaft die letzten zwei Spiele weiter mit der Wucht und defensiven Aggressivität eines Marco Russ spielt und sich nicht die ganze Welt gegen Frankfurt verschwört – und wie oft haben wir das schon erlebt! – reicht es zwar, nicht mehr zu verlieren. Um Gottes Willen darf dieses Wissen aber nicht in die Köpfe der Spieler dringen. Sieg oder Gladiolen – andernfalls geht man taktierend, gehemmt unter. Selbst, wenn man schon an der Pforte zu den ganz großen Fleischtöpfen des Geschäfts steht.

Nein, Werder Bremen wird kratzen und beißen, das Finish, den Showdown am 34. Spieltag vermeiden. Punkten wollen sie, punkten müssen sie. Offensiv sind sie immer für zwei Tore plus gut – aber hinten eben auch. Und deshalb muss die Eintracht druckvoll spielen, auf zwei Tore gehen, egal wie. Denn gegen Wolfsburg, so ambitionslos diese nach dem endgültigen Europa-Aus auch sein werden, ist auswärts die drittstärkste Mannschaft der Liga und ist jederzeit für Tore und Siege gut (leider). Was gebe es Schlimmeres, als zuhause am letzten Spieltag alles in Scherben vor sich liegen zu sehen?

Die dritte Luft strömt durch die Adlerlungen. Ein (vor)letztes Mal alles mobilisieren, frech und aggressiv bleiben – dann wird aus einem Traum Realität.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Zu was reicht die dritte Luft?

  1. Herr Schnitzelmann alias Einstein

    Lieber Björn,
    jetzt muss ich es doch endlich mal loswerden, vielen Dank – mal wieder – für diese treffliche Zusammenfassung.
    Ich bin seit der Zeit im Meinvz/Studievz-Eintrachtforum ein Fan deiner klaren, realistischen und nüchternen Art.
    Auch wenn ich nicht immer einer Meinung mit dir bin, ich lese deine Beiträge sehr aufmerksam und auch mit großer Freude. Ich habe so auch stets den Eindruck, nah am Umfeld der Eintracht zu sein. Was in meiner Situation nun mal leider nicht geht, da ich weit weg von Frankfurt wohne.
    Bitte mach weiter so …bei dir könnte sich so mancher Sportjournalist eine Scheibe abschneiden.

    Und ja, wie du schon schreibst, wir müssen gegen Bremen mit einer Mannschaft rechnen, die uns keinen Zentimeter Raum lässt und sich völlig verausgaben wird. Ich denke aber, das wissen unsere Spieler.
    Und ich hoffe auch, das Marco bei uns bleiben darf, er gehört einfach dazu und ist ein Guter!

    • Danke für das Lob. Ich habe schon häufig mit mir gerungen, ob und wie intensiv ich den Blog weiter bestücke. So weiß ich wenigstens, für was / wen ich das noch tue.

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