Wertlos Bremen

Verblüfft, das trifft die Gefühlslage wohl am besten. Vom Auftreten der Mannschaft in Bremen, von der zwigespaltenen Analyse der Anhängerschaft. Mit einigen Stunden Abstand zum Spiel in Norddeutschland hat sich meine Meinung zur Darbietung zementiert: Es war eine schwache Leistung gegen einen Gegner, der mit seiner Führung – die man ihm durch laschen Nullbock-Fußball á la Mainz – nichts anzufangen wusste. 10 druckvolle Minuten zu Beginn der zweiten Halbzeit können, dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass man ganze zwei Torschüsse auf den Kasten des Fliegenfängers Nr. 1 der Bundesliga (Mielitz) abgab, dass man gegen die dünnste Viererkette der Spielklasse nicht mehr zustande brachte als ein Abseitstor und null weitere zwingende Abschlüsse.

Im Gegenteil: Jeder Bremer Angriff wirkte schlüssiger, zielstrebiger, gefährlicher als der von Frankfurter Seite. Angesichts der Möglichkeiten Bremens muss man als Eintrachtfan sogar noch dankbar sein, einen Punkt behalten zu haben. Das ist der einzige positive Aspekt an dem Spiel. Und das sagt viel über den Spielverlauf aus. Was war das nur für eine Idee, für eine Herangehensweise mit Karim Matmour als Ersatz für Alexander Meier, gepaart mit der Umstellung Inui in die Zentrale? Es war die falsche, jedenfalls. Matmour fand zu keinem Zeitpunkt Bindung zum Spiel, irrlichtete umher – die starke (aber eben Abseits-)Torvorlage ändert am Gesamturteil nichts. Und Inuis Leistungen auf dem Flügel sind seit Wochen mau, in der Zentrale als Meierersatz waren sie phasenweise erschütternd. Wobei man fairerweise sagen muss, dass ohne Meier auf dem Feld in der Offensive ohnehin gar nichts zu funktionieren scheint. Stefan Aigner kann man das Bemühen nicht absprechen, die Zweikampfhärte und die Mannschaftsdienlichkeit ebenfalls nicht. Das hat er Inui, der offenbar keine Bälle mehr passen will, voraus. Bleiben Sebastian Rode, der das Spiel mit seinen Möglichkeiten gut ankurbelte, damit aber alleine war auf dem Feld. Und Marco Russ gab sich abermals keine Blöse, räumte defensiv ab und machte es auch nach vorne passabel. Nur hilft das eben alles nichts, wenn Angriff um Angriff Stückwerk bleibt und letzlich kein Zug im Spiel ist. Antritt Rode, Pass auf Außen und haarsträubende Flanken – etwa von Bastian Oczipka, zu dem ich mir weitere Worte verkneife – das setzte nicht mal Wackel Bremen unter Druck. Und das ist angesichts von deren Flattermanntum ist genau das die größte Eintrachtleistung an diesem Tag gewesen: Bremen nur kurzzeitig unter Druck setzen zu können. Und siehe da: Es fällt das Tor und die 9, 10 Minuten danach lernt Werder das Seepferdchen. Dass Sebastian Jung in dieser Phase das 2:1 erzielen muss – geschenkt.

Am Ende 1:1. Und dann unterhält man sich, liest sich durchs Internet. Und was stellt man fest? Nicht wenige attestieren der Mannschaft ein gutes Spiel, sind zufrieden mit dem Punkt. Ist ja ein legitimer Standpunkt, nur geht er von einer in die Zukunft gerichteten Prämisse aus. Und diese lautet, dass man gegen Wolfsburg quasi jetzt schon mindestens einen Punkt gewonnen hat. Manche philosophieren sogar noch über Platz vier. Mag bei Fifa oder Pro Evolution Soccer ja alles so easy sein. Aber ich ahne tief in mir drin, dass 51 430 Fans im und Zehntausende Fans außerhalb des Stadions kommenden Samstag eine Frustveranstaltung erleben werden, erleben müssen. Und dann bin ich auf die betonte Gelassenheit nach Erreichen von Rang sieben gespannt. Die Hoffnung, dass wir uns noch auf Rang 6 ins Ziel quälen, ist noch vorhanden. Aber Bauch und Herz schmerzen nach diesem doch recht kläglich vergeigten Spielball. So empfinde ich es wenigstens, um mal Wasser in den Wein zu gießen.

Randnotiz: Sucht man ein Sinnbild für den Auftritt in Bremen, die Tatsache, dass man drauf und dran ist Europa zu vergeigen, erinnere man sich an die zehnte Sekunde. Sebastian Rode jagt mit dem Aussenrist einen Pass vier Meter am Mitspieler auf Höhe des Mittelkreises ins Seitenaus. Hinterher, tief in uns allen drin schon in diesem Moment, war klar: Das hat Symbolcharakter.

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