Klarer Schnitt

Die Sommerpause könnte so entspannt sein, jetzt schon, wenn nicht diese Personalgeschichten am Eintrachtfan nagen würden. Was ich bereits vor drei Wochen zur Causa Pirmin Schwegler schrieb, nimmt partout kein Ende.

Ich weiß nicht, liegt das an mir, oder ist es mittlerweile gesellschaftlich verpönt, klare Ansagen zu machen oder gar Bekenntnisse abzulegen? Wo ist das Problem zu sagen: „Ciao, Leute, ich versuchs nochmal woanders, für mehr Geld“. Oder, im Idealfall: „Hey, Leute, wir geben jetzt gemeinsam mal so richtig Gas“? Stattdessen stets dieses Lavieren und Austarieren, dieses Marktwert testen, Gewicht wiegen und immerwährender Schwanzvergleich. Kommt den Profifußballern eigentlich irgendwann mal in den Sinn, dass es genau dieses Dauerchecken ist, das ihnen das Söldnerimage eingebrockt, es jedenfalls verfestigt hat? Albert Streit, dieser Tage auch Sebastian Rode haben es doch vorgemacht: Wir gehen dann mal, wenn der Vertrag ausläuft. Klare Kante, klare Ansage. Und, gab es, gibt es Groll? Laufen die Fans mit Fackeln und Kaputze durch die Wohnviertel und knüpfen die Spieler auf? Natürlich nicht. Was gefühlt wird ist vielleicht Wehmut, Bedauern ob der Entscheidung. Das ist ja auch legitim. Es wäre ja schade, wenn verdiente Spieler non chalant aus dem Gedächtnis gestrichen werden.

Pirmin Schwegler, dem natürlich der Gang in die zweite Bundesliga positiv angerechnet werden muss (wie manch anderem Spieler, die einst als Taugenichtse verunglimpft wurden), soll dann eben einfach Goodybe sagen. Noch ist Zeit dafür, dass man es als sauberen Schnitt begreifen könnte. Die Vereins-PR würde das sowieso so drehen wollen, aber aus eigener Kraft ist das Zeitfenster für Schwegler bald geschlossen. Jedes andere Verhalten des Kapitäns ist ähnlich unfair, wie eine Beziehung für sich innerlich schon beendet zu haben, aber darauf zu warten, dass erst der womöglich künftige Partner den aktuellen Macker abschießt, zum Ex stempelt, um dann den Erstazmann spielen zu können – denn so in etwa taktiert Schwegler, er blickt sehr genau auf das Personalkarussell in Wolfsburg und Gelsenkirchen. Ist dort klar, wer im defensiven Mittelfeld gerupft wird oder nicht, fällt die Entscheidung des Schweizers.

Einen sportlichen Verlust würde es mit seinem Abgang geben, da muss man nicht lange herumdiskutieren. Eventuell ist sein teaminterner Wert, speaking about soft skills, ja sogar noch wichtiger. Dass man eventuell nur drei Millionen Euro kassieren würde (zum Vergleich ein Edgar Prib kostet zwei Millionen Euro +), lässt einen zumal unbefriedigt zurück. Aber ich stelle einfach mal die sicher naive, aber trotzdem wichtige Frage: Darf man von einem Mannschaftskapitän nicht einfach mehr erwarten, als jedes Jahr mit Arbeitgeber-Hopping zu kokettieren? So oder so finde ich es schade, dass diese Ausstiegsklauseln dafür gesorgt haben, dass ein Vertrag mittlerweile nicht mal mehr auslaufen muss, damit über die Verlängerung diskutiert wird. Ein Zustand der Dauerverhandlung – da muss man wirklich umso glücklicher sein, dass es mit Oka Nikolov vom alten und Alexander Meier von einem neueren Schlag noch Profisportler gibt, die ein langfristiges Pflichtgefühl gegenüber dem Verein, dem Arbeitgeber zu haben scheinen.

Und ja, jetzt Feuer frei. Ich wills ja alles gar nicht moralischer wirken lassen als es ist, aber mich nervt dieses Gezeter nunmal.

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