Die Oka-Bilder

Mich peitscht der Wehmut. Oka Nikolov verlässt die Eintracht, womit nicht nur eine Ära endet, sondern für viele – zumal für mich – ein Stück der persönlichen Eintrachtgeschichte. Mit bald 31 Jahren ist Oka Nikolov für mich über zwei Jahrzehnte so etwas wie das zweite Wappentier, das menschliche Maskottchen des Vereins geworden. Nicht als ein Selbstzweck, Stichwort Treue, sondern weil er symbolisch für den Werdegang der Eintracht in 20 Jahren steht: Immer wieder umgefallen, immer wieder aufgestanden und sich am Ende doch immer irgendwie durchgesetzt. Dieses Gefühl, dieses der-Oka-spielt-sowieso bewahrheitete sich stets aufs Neue. Selbst in der abgelaufenen Sensationssaison, als jeder bibberte ob des wochenlangen Ausfalls  von Kevin Trapp, war Oka Nikolov doch wieder zur Stelle, machte Trapp im nu vergessen, zeigte, dass er im Konkurrenzkampf mit dem jungen Toptorwart nicht zurücksteht.

Es gibt viele Eintrachtfans, die verbinden ihre wilden und euphorischsten Jahre mit Namen wie Grabowski, Hölzenbein, Pezzey. Andere mit Yeboah, Okocha, Bein, Gaudino – in deren Genuss ich als jugendlicher Hüpper auch noch kam. Jedoch gibt es diese Generation Fans, für die vor allem der Name Oka Nikolov das Eintrachtgefühl prägt. Man wuchs so rein in die schwarz-roten Farben, pilgerte erstmals mit Papa (der Mönchengladbach-Fan war) ins Stadion, mit dem Fußballverein gings als D-Jugendlicher auch nochmal auf die Gegentribüne im alten Waldstadion – und irgendwie war der Oka immer da und sollte auch später, als Schule, Studium, Starts ins Arbeitsleben passé waren immernoch da sein. Die Bedeutung dieser Konstante ist für das Fandasein enorm wichtig. Wie soll man sonst jemals bei der Stange bleiben, zumal in Krisenzeiten, wenn nicht über Ikonen? Vor allem jene Ikonen, die gar nicht so perfekt sind, die vielleicht sogar etwas von einem selber in sich tragen: das Scheitern, aber daraus lernen.

Für mich kann ich sagen, dass mir aufgrund der Erinnerung, der Prägung von gut und gerne 23,24 Fanjahren der Spieler Oka Nikolov wichtiger ist als Jürgen Grabowski und Co. Nicht um letzteren zu schmähen, er hat seine Fußstapfen hinterlassen und wird zurecht weiter gefeiert – so, wie Oka Nikolov hoffentlich auch in zig Jahren noch mit Sprechchören gehuldigt wird. Ich habe einfach die Oka-Bilder im Kopf, nicht die 70er oder 80er. Kann man es mir verdenken, dass mir da schwer ums Herz wird, wenn so etwas beinahe selbstverständlich Gewordenes plötzlich fort ist?

Die Begründung für den Wechsel mit 39 Jahren liest sich romantisch. Lebenstraum USA? Niemand wird in Oka Nikolov hineinschauen können. Mag sein, dass es so ist. Jedoch liegen zwischen offiziellen Angaben, Vereins- und Institutionenpropaganda und dem Tatsächlichen tiefe Gräben. Dass der Verein nicht willens war, jenem Charakter einen Anschlußvertrag für das Karriereende zu geben, taucht selbstredend in keiner Pressemitteilung auf. So oder so: Alles Gute, Oka. Auf dass du in ein, eineinhalb Jahren eben doch wieder Teil der Eintrachtfamilie wirst – und ein Abschiedsspiel mit 51 500 Zuschauern noch vorher veranstaltet wird. Alles andere wäre eine Farce.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Die Oka-Bilder

  1. Anonymous

    Du sprichst mir aus der Seele

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