Der Platzhalter

Marvin Bakalorz. Als ob der Nachname alleine nicht schon seltsam genug wäre. Jetzt kommen sie endgültig hervor, die Jungs mit den Namen ausm Block.   Sonny, Marvin, Mitchell … Dagegen wirkt ein Luca (Waldschmidt) ja beinahe schon muffig, geradezu bourgeoise. Also von wegen Ostdeutschland, die Realität hat die Klischees längst überholt. Sei’s drum. Marvin Bakalorz müssen wir nun also von der Tribüne brüllen, wenn der 23-Jährige eingewechselt wird. Jener Neuzugang von Borussia Dortmund II, der das Eintrachtherz so gar nicht in Wallung bringen möchte. Vielleicht auch deshalb, weil sich mancher sogar noch an dessen Papa Dirk – war das in den 60er/70rn eigentlich auch ein Block-Name? – erinnert. Drei Jahre Frankfurt, 26 Mal treten gegen den Ball. Dann Darmstadt, Schweinfurt, Jügesheim. Das klingt auch für Mitte der 90er ganz schön nach Sturzflug.

Sei’s drum. Die Kids jener Top-Fußballer oder Trainer, die es wie die Raketen nach oben schafften, ist sowieso kurz. Erinnern wir uns an Jordi Cruyff,  Stephan Beckenbauer, Dino Toppmöller. Immerhin Benjamin Kirsten hat es zu einem passablen Torwart bei Dynamo Dresden gepackt. Und was hat das alles mit Marvin Bakalorz zutun, dessen Vater ja gerade als Nicht-Star beschrieben wurde? Richtig, nichts. Die Rolle des von der Reserve Borussia Dortmund  widerstandslos abgeworbenen Spieler ist ohnehin eine seltsame. Ersatz für einen Ersatzspieler (Marc Stendera). Zumal für einen, dem – traut man seinen Augen und Ohren – der als ganz großes Versprechen des Vereins gilt. Als derjenige, der, sobald er gesund  ist und nicht den Sonny Kittel oder Christopher Reinhard oder Dominic Stroh-Engel oder Caio oder oder oder macht, zum Kern einer Post-Alexander-Meier-Ära werden wird – sofern Letzterer überhaupt jemals abbauen  sollte. Marvin Bakalorz scheint in dieser Entwicklung auf den ersten Blick die Rolle des Platzhalters zuzukommen. Sollte die Eintracht jedoch mit diesem aus-der-Hüfte-Transfer bereits Vorsorge für einen Winterwechsel Sebastian Rodes getroffen haben, wäre das ebenso clever wie rätselhaft. Das geschulte Auge wird sicher mehr gesehen haben, mehr über Spielweise und Können des Marvin Bakalorz wissen. Würde man blanko unterschreiben diesen Satz, wenn man nicht die Schergen im „Scouting“-Bereich der Eintracht kennen würde. Erinnert sei nur an Lennart Kweuke und Co. Nun gut, vielleicht hat ein wenig der Klopp´schen Schule ja auch auf die BVB Reserve abgefärbt. Ein bisschen Dortmund-Spirit wird, trotz Fast-Abstieg in Liga vier, hoffentlich drinstecken in dem 23-Jährigen. Seriös einschätzen kann ich den Mann jedenfalls nicht. Das Attribut Platzhalter lasse ich daher selbstbewusst stehen.

Richtig brodeln wird jedenfalls der unglückselige Martin Lanig. Der Mann, dessen Verpflichtung einst kritisch beäugt wurde, der plötzlich Dauer-Matchwinner, dann Hinterherläufer und schließlich Hinterbänkler wurde. Er, der in der Vorbereitung einen guten Eindruck hinterlässt, hätte der Gewinner des Kreuzbanrisses Marc Stenderas sein können. Nun wieder einen vor der Nase, wieder weniger Aussicht auf Einsatzzeiten. Aber wie das eben so ist in diesem Verdrängungswettbewerb Bundesliga: Das Mitleid erschöpft sich beim Blick auf das Schmerzensgeld, dass die Jungs am Monatsende auf das Konto überwiesen bekommen. Denn mir kann man erzählen was man will: Sitzend auf einem mittleren sechsstelligen Betrag sind auch die Sitze auf Bank und Tribüne nicht gänzlich unbequem. Ob Marvin Bakalorz auch so denken wird? Sicherlich nicht. Jungs mit Namen aus der Hood wissen doch ums Kämpfen …

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