Durch die Decke

Die Peinlichkeiten bei Eintracht Frankfurt nehmen kein Ende. Erst ergraupt man sich zum Gespött des Fußballgeschäfts, dann erdreistet man sich auch nach Verstreichen der Kadlec-Frist (Sonntag, Hübner), dem Typen fleißig weiter hinterher zu hecheln. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, ist am Montag trainingsfrei.

Hey, wozu auch üben? So Tage wie am Samstag gibts eben. Abhaken, Schwamm drüber, in der nächsten Woche wird alles besser – die Formel bringt einen entspannt durchs Leben, egal ob man immer wieder versagt. Ohnehin: Trainieren? Montags, also fünf Arbeitstage in der Woche? Wozu denn, die Automatismen haben doch wunderbar gepasst – wenn man sich die Eintracht in blau-weißen Trikots vorstellt. Und außerdem ist ja Dreifachbelastung. Zumindest noch im August. Da muss man sich schonen. Denn mit dem kleinsten Kader, damit plagen wir uns ja auch rum. Nein nein, trainieren wäre da völlig verkehrt. Denn üben macht ja Meister, und da wir das nicht werden wollen, können wir uns das Üben gleich schenken.

Zum Herthaspiel möchte ich noch ein paar Sätze, ein Symbol loswerden: Benedikt Höwedes, Schalker, grätsch in der 84. Minute den Hamburger Rudnevs bei einem Konter auf Höhe des Fünfmeterraums ab. Der Ball trudelt in Richtung Torauslinie, es hätte Eckball gegeben. Höwedes, der zwei, drei Meter ins Toraus gerutscht war, springt auf, hechtet zum Ball und kratzt ihn von der Linie, verhindert den Eckball, leitet einen Gegenangriff ein. Als diese Szene im Fernsehen zu sehen war, war die Mannschaftssitzung der Eintracht schon studenlang vorüber. Ergo wird diese den Spielern nicht vorgeführt worden sein. Auch der Zug zum Tor, der unbändige Drang nach vorne, den speziell Schalke in Halbzeit zwei, bei 2:3 Rückstand entwickelte, wird den Eintrachtspielern nicht gezeigt worden sein. Da hätte man sehen können, wie sich selbst die Stürmer Huntelaar und Szalai in jeden Zweikampf werfen, nach bester „Defensive beginnt in der Offensive“ Manier.

Dabei hat das Herthaspiel gar nicht mal so viel Neues an Schwächen offenbart. Im Gegenteil: Das, was in der Rückrunde galt, setzt sich einfach fort: Presse früh gegen die Eintracht, spiele bei Offensivaktionen mehrheitlich über die linke oder halblinke Frankfurter Seite und du hast Erfolg. Das Nichtabstellen dieser Schwächen kombiniert mit einer Systemwahl 442, das bekanntlich die Stärken des besten Spielers – Alexander Meier – neutralisiert, droht in ein Augustdesaster zu münden.

Und was den neuen Eintracht-Stürmer angeht, mit dem alles wie von selbst besser wird: Die Erwartungen an Kadlec lädt der Verein durch seine peinliche Taktik ins Unermessliche auf. Ein Außenstehender kann doch, wenn man die Vernarrtheit in Kadlec sieht, nur davon ausgehen, dass der Typ eine Bombe ist. Immerhin nimmt man seit Wochen, ach, Monaten in Kauf, dass Kadlec trotz Millioneninvestition und offenkundigen Megadefiziten im Eintrachtspiel, die ersten Bundesligapartien verpasst. Es wäre ja absolut idiotisch etwas anderes anzunehmen als dass man in Frankfurt diesen Spieler für den entscheidenden Verbesserer hält. Es droht ein Caio-Effekt 2.0. Und richtig witzig wird es, wenn der Kadlec-Deal tatsächlich nicht zustande kommen sollte. Dann greift man für jeden sichtbar zur Zweit- oder Drittwahl. Als Wunschspieler wird denjenigen die Vereins-PR dann aber auch zu inszenieren wissen. Nicklas Bendtner wirds ja nicht sein. Daniel Ginczek, der für Nürnberg bereits traf, auch nicht. Die verschmähten wir Europäer ja. Vielleicht hat diese Aserbaidschantruppe aber irgendeinen am Start, der am 29. August abends gleich hier bleibt. Am besten noch einen weiteren Links- und/oder Innenverteidiger, denn gerade dort brennt es lichterloh – was in Bezug auf die Nummer 6 in rot-schwarz ebenfalls nichts Neues ist.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Durch die Decke

  1. Herr Schnitzelmann

    eine Partie auf Augenhöhe mit den Bayern wäre eine Reaktion, auch wenn man hinterher doch noch 2 eingeschenkt bekommt.
    Wenn man das so gestalten könnte, wie letzten Freitag Gladbach, dann wäre ich schon zufrieden… kann aber auch gut sein, dass der Frust nach ner derben Vorführung gegen die Bayern größer wird und gleichzeitig das Selbstvertrauen kleiner… seis wie`s ist, gegen Braunschweig muss dann mindestens ein Sieg her…

  2. Herr Schnitzelmann

    wow, hab dich selten so sauer gelesen, aber recht hast du, trainigsfrei ist der größte Mist nach so einer blamablen Vorstellung, die offensichtlich auch auf mangelnde Fitness u. totale Unabgestimmtheit zurückzuführen ist.
    Damit singalisiert man dem Team doch nur: „Macht nix, ihr könnt nix dafür, Hertha hat einfach nen super Tag erwischt!“
    Aber wenn selbst Bruchhagen jedliche Bodenhaftung verloren hat und irgendwas von Lichtjahren schwadroniert, die man auf Teams wie Bremen aufgeholt hätte, dann weiß man ganz genau, der Größenwahn hat mal wieder Einzug gehalten, bei der SGE. Wenn man dann in nem Jahr evtl. in der 2. Liga wieder zur Besinnung kommt, dann gelobt man auch sofort Besserung und wundert sich viellicht sogar, wie es soweit kommen konnt, dass keiner die Zeichen der Zeit erkannt hat.
    Wie ich ja bereits geschrieben habe, werden wir dieses Jahr niemals auf einen einstelligen Tabellenplatz kommen, eher mit Glück auf Platz 16!
    Der Saisonstart, die Mannschaftsleistung, der unsichere Trainer, das überforderte Management, das völlig ideenlose Scouting und jetzt auch noch die dem Größenwahn anheim gefallene Chefetage, das alles sind deutliche Signale, dass man in Frankfurt die Skibbi-Saison schon längst aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen hat, und folgen daraus zu ziehen pahhh… wir spielen immerhin Europa, pahhh

    • Derart erbost war ich wirklich selten. Klar, enttäuscht ist man nach Niederlagen immer, manchmal auch schockiert (Augsburg,Düsseldorf vergangene Saison etwa). Aber so eine Frechheit habe ich selten erlebt. Das war nämlich kein schlechter Tag, es war eine Klatsche mit Ankündigung. Illertissen, die ganzen Lulli-Gegner in der Vorbereitung: Das war doch alles viel zu lax, da fehlt offenbar der Zug. Nun gut, hoffen wir mal, dass das der vielzitierte Warnschuss gewesen ist. So ganz glauben mag ich es nicht, bzw. wird das Team im August nicht mehr viel Zählbares her-reagieren.

      • Herr Schnitzelmann

        naja, also nach der obligatorischen Niederlage gegen die Bayern wird man zu der Erkenntnis kommen, dass man gegen die Bayern halt keine Chance hat…
        …wenns dann weiter läuft ohne das man sich hinterfrägt, dann wird man gegen Braunschweig mit Mühe u. Glück evtl. ein Unentschieden retten um dann gegen den BVB die nächste Klatsche einzufahren.
        Dann bin ich echt mal gespannt, was dann gegen Bremen geboten wird, ein Verein, auf den man ja laut Bruchhagen Lichtjahre aufgeholt hat.
        … ich würd eher sagen, Bremen hat, wenn schon, Jahre verloren, aber aufgeholt haben wir gar nix, denn Teams wie Freiburg, Hannover, Gladbach, Stuttgart, Augsburg, Mainz, Berlin, auch Braunschweig und Hamburg muss man erstmal schlagen und das keine selbstläufer sind, das sollte wenigstens in Frankfurt endlich angekommen sein!
        Ich bleib dabei, wir schaffen diese Saison nicht viel, und der Europapokal wird vorbei sein bevor er richtig angefangen hat…. hoffentich kann man dann wenigstens im DFB-Pokal überwintern… wenn man Bochum nicht auch mit Arroganz besiegen will!

      • Da kommen wir in einigen Punkten durchaus überein. Je nachdem, was ich/wir da am Samstag sehen – und ich gehe soweit und sage, dass man sich in eine Situation befördert hat, wo man durchaus in den Anspruch auf einen Punkt gegen Bayern formulieren muss – zeichne ich mein Bild weiter. Gelingt in der Woche drauf dann kein Sieg, droht uns Abstiegskampf, das wage ich schon mal sehr früh zu prognostizieren. Weil die Reaktion, die gegen München zumindest wohl nichts Zählbares bringen wird, muss zwingend in drei Punkte gegen Braunschweig münden. Am Ende gehts ja um nix anderes als Punkte.

        Europa ist mir, ganz ehrlich, aktuell schnuppe. Ich gehe aber auch fest davon aus, dass wir dieses Adgam Qagdam ausschalten. Und Bochum, nun gut, die auch. Aber all das ist eben völlig relativ, wenn es in der Liga punktemäßig desaströs beginnen sollte. Aus so einem Strudel kommt man eben nicht nur raus, weil man das Kalenderblatt von August abreißt und den September aufschlägt.

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