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Ich bin gespannt, wer der erste ist, der Karl-Heinz Körbel aus der Kiste zieht. Das ewige Gedudel von der Zeit als die Eintracht „den Bayern im Waldstadion keine Chance ließ“. Irgendwelche Anekdoten aus Fußballzeiten, in denen man mit Stehgeigern á la Günther Netzer und Brummkreiseln wie Gerd Müller noch Sieg um Sieg einfahren konnte. Vor allem Zeiten, in denen die Kluft zwischen Finanzstarken und Finanzschwächeren noch überschaubarer war. Denn die Körbel-Stories werden jedes Jahr in den Tagen vor dem Spiel gegen Bayern München heruntergeleiert. Der Charly darf dann, vermutlich solange er lebt, drei Halbsätze in einen Block diktieren und schwupps ist das Internet wieder um eine Nicht-Nachricht reicher.

Dabei wäre es nötig, dass die ganze Fußballromantik in dieser Woche mal völlig hinten ansteht. Festtage für Journalisten wären das, wenn man mal nach dem Fitness- und Gesundheitszustand von Kapitän Pirmin Schwegler fragt. Oder danach, wieso Alexander Meier sich auf genau der Position verdingen muss, die er – für alle seit Jahren sichtbar – kaum spielen kann. Wie es passieren kann, dass man nach dem Gemurkse von Illertissen eine Woche später ein identisches Spiel in der Bundesliga abliefert. Und wie glaubwürdig die abgespulten Besserungs-Beteuerung angesichts dieser Duplizität der Ereignisse sein können. Gut, am Ende läuft auch der mutigste Journalist ins Nichts, wenn die Antworten auf solche Fragen Platitüten sind. Oder wenn sie vor Sarkasmus triefen, wie Armin Veh es ja gerne mal hält. Dabei sind Fragen wie die oben stehenden ebenso naheliegend wie die Antworten darauf wichtig wären. Solange das alles intern besprochen und dementsprechend gehandelt wird, ist es ja okay. Aber es kann ja nicht schaden, wenn die Journalisten-Kollegen die Trainer, Spieler und Funktionäre in diese Richtung des Nachdenkens peitschen würden. Das ist dieser Tage ein Beitrag dazu, wie man den August vielleicht noch rettet. Drei, vier Punkte – andernfalls ist die Euphorie, die man hätte nutzen können, im Nu in Dauer-Fassungslosigkeit gekippt. Etwas, das nur Eintracht Frankfurt schaffen könnte, übrigens.

Das Wehklagen wird jedenfalls nicht abklingen in dieser Woche, vermutlich auch nicht in der nächsten. Eine Reaktion zeigen, diese Floskel, werden wir vor dem Bayernspiel noch mehrfach hören und lesen müssen. Und wenn das Schlachtfest am Samstag dann ausgeblieben ist, man eben 0:2, 0:3 verloren hat, gibt man sich betont zufrieden, wird auf die eigenen Verbesserungen und die Übermacht des Gegners verweisen. Aber es bleibt ja noch die Hoffnung. Womit wir wieder bei Körbel wären.

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