Monatsarchiv: September 2013

Elf für die Elf

Im Achtelfinale also gegen den SV Sandhausen. Im Waldstadion. Seien wir ehrlich: Da darf nichts anbrennen. Gut, wobei man das gegen den Hamburger SV auch dachte als man deren Spieler über den Platz rumpeln sah. Das Ende des Liedes ist bekannt, ein vergeigter Sieg, verlorene Punkte, Frust aufgrund von personellen bzw. strategischen Fehlentscheidungen.

Dass Constant Djakpa nach vernünftigen Leistungen, jedenfalls schoss er keinen Bock, für einen zudem noch ahlbfitten Bastian Oczipka weichen musste – grotesk. Wieso mit den Auswechslungen nicht zwischen Minute 60 und 70 begonnen wurde, jener Zeit als die Eintracht ihr Offensivbemühen völlig einstellte und selbst gegen diesen HSV unter Zugzwang geriet, erscheint schleierhaft. Diese Dinge haben mit den Verletzungssorgen in der Zentrale – Meier, Schwegler, Rosenthal – nichts zu tun.

Apoel Nikosia, Zypern, wo es am Donnerstag zu spielen gilt verblasst bereits angesichts der sieben Spiele / acht Punkte Situation. Wichtiger ist der kommende Sonntag, 17.30 Uhr im Breisgau. In Freiburg geht es dann darum, ob Eintracht Frankfurt in der Lage ist in der Bundesliga Spiele zu gewinnen. Den Sieg und den souveränen Auftritt in Braunschweig, so viel lässt sich sagen, darf man nicht zu hoch hängen. Stand jetzt schlägt die jeder. Werder Bremen war und ist dünn, die schlug man. Gegen Stuttgart, das sich gefangen zu haben scheint, ist der Auswärtspunkt in dem Maße okay wie das Remis zu Hause gegen Hamburg gar nicht in Ordnung geht. Die Punktausbeute tröpfelt so dahin, Stand jetzt sind es fünf weniger als dass es sein sollten – den Maßstab, das Ziel Mittelfeldrang (einstellig) zugrunde gelegt.

Man muss den Ist-Zustand nicht düsterer darstellen als er ist. Die Abstände sind gering, drei Punkte trennen Rang fünf und 14, der Vorsprung auf Abstiegs- und Relegationsrang beträgt drei bzw. fünf Punkte. Doch steht der betriebene Kraftaufwand, der Verschleiß und die Ausgeglichenheit des Spielplans (nach dem Septemberprogramm) eine zu magere Punktzahl gegenüber. Entweder Hamburg oder einst Berlin – da hätte dieser eine Sieg mehr gelingen müssen. Das ist perdu, Vergangenheit. Ändert für die Zukunft aber nichts daran, dass wieder Effektivität einkehren muss in Frankfurt. Lackmustest – dieses sperrige Wort, dessen Bedeutung wohl die wengisten (auch ich nicht) kennen – titelte die „Frankfurter Rundschau“ nach einem Spiel kürzlich. Sollte damit so etwas wie – die nächste Floskel – Nagelprobe gemeint gewesen sein, steht das jetzt gegen den SCF abermals an. Acht, neun oder elf? Eine Wahl hat man nicht wirklich. Die Elf auf dem Rasen muss dafür sorgen, dass es nach dem kommenden Spieltag elf Punkte auf der Habenseite sind. Sonst wird uns das mit dem Frust noch länger und ernster beschäftigen.

Übrigens, nochmal zum Anfang: Eigentlich müssten Tore von Marcell Jansen doppelt zählen und Punktgewinne mit Heiko Westermann auf dem Spielfeld verdreifacht werden. Wer es trotz so dünner Kicker (für Jogi Löw reichts natürlich, Erbhöfe und Vasallentreue sei Dank) zu (Teil)erfolgen bringt, dessen Leistung kann kaum hoch genug bewertet werden.

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Einzelkritik vs. Hamburger SV

Kevin Trapp: Pflückte 90 Prozent der Ecken souverän herunter, ansonsten beschäftigungslos und schuldlos bei den Gegentoren. Aber: Nicht zum ersten Mal unterliefen ihm gleich mehrere Katastrophen-Pässe (halbhoch, 25 Meter weit) ins Mittelfeld und vor des Gegners Füße.

Carlos Zambrano: Bedenklich. Nicht nur, dass er schon nach 2. Minuten den Ball im eigenen 16er verdaddelt und Glück hat, dass der Schiedsrichter ihn mit einem Foulpfiff erlöst. Auch sonst mit einigen Wacklern im Aufbauspiel, hatte mit Lasogga seine liebe Mühe und Not. Dass er beim 2:2 den Ball von Jansen abfälscht ist symptomatisch, aber ihm nicht anzulasten.

Bamba Anderson: Gegenspieler Lasogga stellte auch ihn vor manches Problem. Des Brasilianers langen Bälle sind unzureichend. Vor allem dann, wenn er jeden zweiten hoch und weit spielt. Verhindert so vom ersten Ballkontakt an ein geordnetes, ballbesitz-orientiertes Angriffsspiel. Das kann er viel besser.

Sebastian Jung: Absolvierte sein schwächstes Spiel seit langem. Defensiv ließ er sich mehrfach durch billigste Finten überrumpeln, nach vorne gelang ihm nichts. Die wenigen Flanken, die er brachte, taugten nichts.

Bastian Oczipka: Ohje. Bolzt die Pille in die Beine des Hamburger Außen, der Konter startet, Pass, Jansen, 2:2. Scheiterte eine Minute zuvor kläglich beim Konterversuch an Rechtsverteidiger (!) Heiko Westermann (!) vorbeizukommen. Fit seit Monaten schon nur in Ausnahmefällen gut, halbfit gelang nach vorne nichts und nach hinten war er nur einmal gefordert – und dann patzte er.

Marco Russ: Der erste der zwei stärksten Spieler. Fegte kompromisslos dazwischen, hielt den Körper rein und eroberte so viele Bälle. Erneut ein Tor erzielt. Einmal zu lässig beim Passspiel, da verursachte er einen Konter. Setzt seit Wochen den Leistungsmaßstab im defensiven Mittelfeld.

Johannes Flum: Wandelt weiter zwischen passabel und wahnsinnig. Beim Tor konsequent und auch sonst präsent, aber die konstanten Abspielfehler werden zum Dauerärgernis. Ihm fehlt – bei 1,90 Meter nicht verwunderlich – die Explosivität auf den ersten 4,5 Metern. Als Sechser ist er Nebenmann Russ zu ähnlich, halblinks nicht dynamisch genug.

Sebastian Rode: Bronzemedaille hinter Russ und Aigner, weil er als einziger den Ball, den Angriff mal nach vorne trieb, Meter machte. Balleroberungen gelangen ihm auch einige, nur fehlt ihm einfach der letzte Punch: Auch mal eine Kiste machen oder vorlegen.

Tranquillo Barnetta: Mau. Am Spielaufbau kaum beteiligt, schwache Eckbälle. Kein Vergleich zu den Auftritten der vergangenen zwei, drei Wochen.

Stefan Aigner: Der zweite der zwei stärksten Spieler, rannte unermüdlich nach vorne und hinten. Sprintete immer wieder auf die Verteidigung und den Torwart zu, setzte diese effektiv unter Druck, zwang sie zu Fehlpässen. Dumm nur, dass es seine Mitspieler weniger kaum interessieren hätte können.

Vaclav Kadlec: Weitgehend unsichtbar. Einziger Arbeitsnachweis war ein starker Distanzschuss in der ersten Halbzeit, dazu eine gute Pass-Idee in den Rückraum. Hätte früher ausgewechselt werden sollen.

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Takashi Inui: Lethargisch, leichtsinnig, nicht mal zum taktischen Foul in der Lage. Und das als Urteil nach knapp 20 Minuten Einsatzzeit. Was war das? Nach den schillernden Minuten gegen Bochum war das ein Fall in tiefste Leistungslöcher.

Srdjan Lakic: Zu kurze Einsatzzeit um ihn bewerten zu können.

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Armin Veh: Vorwurfs-Frage 1: Wieso durfte, angesichts der Vorleistungen von Constant Djakpa, doch wieder Oczipka als Linkvsverteidiger spielen? Was sollte ein halbfitter, gerade erst genesener Ohnehin-Wackelkandidat bringen? Das war eine Fehlentscheidung, nicht nur aufgrund des maßgeblich verschuldeten 2:2 Ausgleichstreffers. Vorwurfs-Frage 2: Wieso reagierte der Trainer nicht zwischen Minute 60 und 70 als die Mannschaft gegen unsagbar dünne Hamburger das Seepferdchen machte? Da schlich sich der Schlendrian ein. Und als dann der zugegeben matte Barnetta durch einen gelangweilgten Inui ersetzt wurde, war nicht nur die Seite des Todes wiedervereint, sondern es ging die Linie vollends verloren. Das war insgesamt ein schwaches, fahriges Spiel der Mannschaft. Man spürt, dass sie hinten raus platt ist; bei einem laufintensiven Spiel Aigner´scher Prägung kein Wunder. Aber das ist ein Grund mehr, mal vorher auf ein 2:0, ein 3:1 zu drängen. Der Sack bleibt zu lange offen, und daher bleiben die big-points liegen.

Der Ausblick:

Ja, Vieles sieht derzeit gefällig, dominant aus – selbst wenn dieses Spiel der schwächste Auftritt seit Berlin und Illertissen war. Aber es beißt die Maus keinen Faden ab: Die Punktausbeute ist angesichts des betriebenen Aufwands (und der Gegner) zu gering, der Tabellenplatz ist kein Zufall (Stichwort: Effektivität) und es wurden zwei Trümmer-Truppen – insbesondere dem HSV – Punkte geschenkt. Vor allem hat man sie selbst liegenlassen, fahrlässig. Dafür, das allenthalben gesagt wurde, dass im September die Saison für die Eintracht erst richtig losgeht, ist da doch eher Mageres bei rausgesprungen in der Bundesliga. Bremen war in deren Verfassung ein Pflichtsieg, Stuttgart war ein Auswärtsremis, das in Ordnung geht. Aber zu Hause gegen dieses – auch in Frankfurt dünne – Hamburg zwei Punkte liegenlassen? Das geht nicht. Stand jetzt fehlen uns schon fünf Punkte (Hertha und HSV), um an eine ähnliches Saisonresultat wie vergangene Saison denken zu können. Für die Parole Mittelfeld, das einzig realistische Ziel, müssen aber jetzt bald mal ein paar Ligasiege her. Gerade gegen das Formgemüse. Denn wir drohen, und dafür gibts gleich wieder Haue, mit dem rot-schwarzen Wagen steckenzubleiben. In Regionen, wo es dreckig zugeht. Nächsten Sonntag geht es nach Freiburg. Eine Art Hamburg-reloaded was die Maßgabe an Punkten angeht. Gewinnen wir da nicht, wirds ungemütlich in der Bundesliga, da hilft dann auch kein Europaglanz. Ich sage das im Wissen, dass zwischen Rang 5 und 12 (da stehen wir) derzeit nur drei Punkte, also ein Sieg liegt.

Umso wichtiger, dass Alexander Meier – und damit gleichsam meh Zug – zurückkehrt. Oder Jan Rosenthal als jemand, der das Spiel ankurbeln, der die Bälle halten und verteilen kann. Denn wenn es eines gibt, dass etwa auch Primin Schwegler ausmacht, dann, dass er den Ball abschirmen, halten und gescheit weiterspielen kann. Daran krankt es in der Zentrale aktuell, mit Irrwisch Rode, dem trotz allem etwas starksigen Russ und einem Johannes Flum, der sich selbst sucht. Kaderbreite? Jetzt brauchts auch mal ein gerüttet Maß Spitze.

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Hamstern verboten

Was genau ist eigentlich ein „glanzloser Sieg“? Was hat das Adjektiv da zu suchen, was soll es bewirken? Sieg ist Sieg, drei Punkte sind drei Punkte und ein gewonnenes KO-Spiel ist ein gewonnenes KO-Spiel. Wozu braucht es jeweils Glanz? Es dient nur der Huldigung des Amüsements. Das Brot muss wohl zum Spiel schmecken.

Das als Vorrede zur Nachrede zum Pokalspiel gegen Bochum. Einer Partie, die in etwa so konservativ und schnörkellos heruntergespielt wurde wie die CDU das Land am Sonntag mandatstechnisch schwarz einfärbte. Schwarz ist auch die Farbe, welche der VfL Bochum am häufigsten sah irgendwann zwischen Minute 20 und 30: Denn meist sahen sie nur den Rücken ihrer Gegenspieler, die sich gerade an ihnen vorbeikombinierten. Beim 1:0 – eingeleitet von Marco Russ und Sebastian Rode auf Takashi Inui – waren die Füße aus NRW nicht mal in des Gegners Nähe, beim 2:0 mutet das Zusammenspiel und der Abschluss an wie aus dem Videospiel. Danach: Verwaltungsmodus. Und selbst der reichte für zwei vergebene Großmöglichkeiten sowie zwei abgepfiffene Tore. Da kann man auch mal darüber hinweg sehen, dass der Bochumer Japaner Tasaka nach gut einer Viertelstunde eigentlich das 0:1 hätte erzielen müssen, nachdem im Frankfurter Mittelfeld wieder einer dieser Pässe in des Mitspieles Unterkörper gebolzt wurde. Ein Flumscher Pass ohne dass der Junge zu dem Zeitpunkt auf dem Feld stand. Kurzum: Alles gut, auch ohne ein 3:0 war der Deckel drauf.

Am Samstag geht es dann gegen den trainererneuerten Hamburger SV. Offenbar mit einer durch Alexander Meier, Jan Rosenthal und/oder Bastian Oczipka verstärkten Ersatzbank. Das klingt doch schonmal verheißungsvoll. Muss es auch werden, denn jetzt müssen sie halt mal her, die regelmäßigeren Siege, die drei Punkte in der Bundesliga. Hamstern ist nicht, wenn man sich von unten losreißen und gen Mittelfeld streben möchte.

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Das Kreuz mit dem Rücken

Der Rücken ists also bei Alexander Meier. Klingt vielversprechend. Da fallen einem spontan ein paar Zonen und Diagnosen ein, die das Aua im Bein verursachen könnten. Mal sehen, wie lange es bis zur Verkündung des Bandscheibenvorfalls dauert. Rund vier Wochen sind ja schon rum, mit kurzer Unterbrechung wo der Lange fehldiagnostiziert mal gegen den Ball treten musste. Rücken ist jedenfalls nach dem Knie die Körperregion, wo man schon Böses ahnen muss wenns dort wehtut. Gute Besserung, Topscorer. Mal sehen, welche Konsequenzen das fortdauernde Fehlen hat :-/

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Konservativ behandeln

Bochum im DFB-Pokal, der Hamburger SV in der Bundesliga. Zwei Siege, andernfalls können wir uns für die guten Eindrücke der vergangenen Wochen nichts kaufen. Zufriedenheit und Erfolg schon gar nicht. Aber das wird schon. Tanzpeter und der fliegende Holländer (Wortspiel verstanden? Holländer? Hamburger SV? RAUSfliegen?) wird unsere Truppe schon rupfen. Muss halt.

Richtig nervt Alexander Meier. Vielmehr: Dessen „rätselhafte Verletzung“. Ja, so beschreiben es manche Medienkollegen wirklich, als rätselhaft. Was mysteriös klingen soll ist schnell erklärt, ja, auch per Ferndiagnose: Zu schnell wieder mit dem Sport angefangen. Es ist dieser Grund, der immer wieder dafür sorgt, dass Fußballer kurz zurückkehren auf den Platz um dann nach ein, zwei Spielen wieder angeschlagen zu sein. Bei aller physischen Konstitution, bei aller Trainiertheit (gibt’s dieses Wort eigentlich wirklich??): Verletzungen, vom Muskelfasserriss bis zum Knorpelschaden brauchen ihre Heilungszeit. Und wenn mans da übertreibt, wenn zu schnell wieder Belastung auf den Körper einwirkt, behindert das die Regeneration, verlangsamt, stoppt sie. Und dann rennt einer wie Alexander Meier eben mal 60, 70 Minuten wie mit einem aufgeprühten Ersatzreifen rum – und dann ist auch der platt.

Da fragt man sich immer wieder, was da für Ärzte und Physiotherapeuten am Werk sind. Oder aber hängt sich Trainerstab, gar Verein so sehr in die Kompetenzen, dass da Druck aufgebaut wird, vermittelt wird, ABC muss spielen wenns irgendwie geht? Jedenfalls bezahlt die Eintracht jetzt mal wieder die Rechnung. Und das in der Vergangenheit ja schon häufiger. Konservativ behandeln! Das ist ja so eines der geflügelten Wörter im Fan-Jargon.

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(Keine) Einzelkritik vs. VfB Stuttgart

Ich gebe es zu: Das Trippel Bundes-, Landes- und Landratswahl hat mich gefordert. Der Dienstplan sieht bei solchen Jahrhundertereignissen (denn drei Wahlen an einem Tag, sowas macht man im journalistischen Arbeitsleben nur einmal mit) Stalldienst in der Redaktion vor. Ergo konnte ich mich nur von 17.30 Uhr bis 18.15 Uhr (mit kurzem Ergebnis-Check von 18 bis 18.03 Uhr) herausschleichen um die Eintracht zu schauen. Und wenn ich nur 50 Prozent des Spiels sehe, kann ich mir nicht anmaßen die Spieler einzeln kritisieren zu wollen.

Was ich aber sagen kann, ist, dass Kevin Trapp ein bitterböser Fehler vor dem 1:1 unterläuft, dass Johannes Flum seine Schonzeit überstrapaziert in puncto Passspiel und dass Stefan Aigner ackert wie ein Berserker. Dass Tranquillo Barnetta – nicht nur wegen der guten Standards – gut tut und dass Sebastian Jung als Rechtsverteidiger wahrlich nur für ein Spiel zu ersetzen ist, während Constant Djakpa seine Sache sehr ordentlich macht als Linksverteidiger. Zuletzt: Carlos Zambranos Mätzchen – Stichwort nicht gegebener Elfmeter – gehen mir Maik-Franzìsch auf die Nerven.

Eine mahnendes Wort zum Abschluss: Wir sollten aufpassen, dass wir die Optik nicht über die Effektivität stellen. Am Ende brauchts Punkte, und sieben sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht viele. Nicht dass wir uns zu lange im Glauben wiegen, alles werde gut und es ginge nach oben, nur weil man sein Vertrauen in kommende Siege setzt.
Gegen Stuttgart, gerade nach dem Spielverlauf, muss man den Punkt mal als Gewinn verbuchen. Wobei man auch dieses Spiel wohl hätte gewinnen können, vielleicht sogar müssen. Aber gegen Hamburg, Herrschaften, Trainerwechsel hin oder her, muss es dann eben doch ein Sieg, müssen es drei Punkte sein. Immerhin erzählt man sich ja, dass die Saison für die Eintracht nun gerade erst so richtig begonnen habe . . .

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Die Chirugen

Vielleicht ist das alles eine große Chance gewesen, die größte, die der Verein in Jahrzehnten hatte. Der Abstieg nach dem Wirken von Horror-Trainer Michael Skibbe und Zwischen-Hampelmann Christoph Daum hat eine Reinigung in Verein, Mannschaft und im Kollektivgefühl der Fanszene in Gang gesetzt, der wohltuend wirkt. Das Gift ist aus jeder Pore gesogen worden seitdem Armin Veh in Kombination mit Bruno Hübner, Heribert Bruchhagen und Axel Hellmann das Gesicht der Eintracht plastiziert. Sie haben das Unfallopfer, das kein Unfall- sondern ein Faulheitsopfer war, zurecht geflickt. Dem Verschandelten das Gesicht zurückgegeben. Wie sonst soll man erklären, empfinden was in den vergangenen zweieinhalb Jahren geschehen ist?

Herrschaften, am Donnerstagabend spielten wir im Uefa-Cup (ja, ich nenne den Wettbewerb weiterhin so)! Eintracht Frankfurt schlug im Vorbeigehen Girondins Bordeaux – trotz allem ja kein Fallobst – mit 3:0. Die Bude war europaweit nirgendwo so voll wie in Frankfurt: 44 000 Zuschauer. Und das im Wissen, dass das Einzugsgebiet der Eintracht, also jene Fans die regelmäßig 100, 200 Kilometer zu den Heimspielen fahren, an einem Donnerstagabend um 19 Uhr nicht in Gänze da gewesen sein wird. Das, plus die Art und Weise der spielerischen Auftritte, das Wohlgefühlt der Entspanntheit im Glauben an die Stärke des breiteren Kaders – ist das nicht wunderbar? Wann, frage ich, hatte man als Eintracht-Fan diese Gefühlslage zuletzt?

Die Stars, das darf man so sagen, werden vorübergehend wie selbstverständlich ersetzt. Alexander Meier, Pirmin Schwegler, Sebastian Jung: Ein Qualitätsabfall ist kollektiv kaum spürbar, wenn diese im Normalfall unersetzlichen Spieler ausfallen. Dass ihr Ausfall eben doch kompensiert wird, ist bemerkenswert und sollte nicht zu gering bewertet werden.

Zu verdanken ist das den vier oben genannten Chirugen, die allesamt auf ihre Weise den stets in Richtung himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt wankenden Kahn namens Eintracht Frankfurt in ein ruhiges und zugleich demütig euphorisches Fahrwasser gelenkt haben.

Stand jetzt, Tage vor dem Spiel in Stuttgart und der Frage, ob man tatsächlich das obere Mittelfeld anpeilen kann in dieser Saison, verspürt der Autor nur Dankbarkeit. Und Ruhe. Etwas, das lange lange her ist wenn es um die SGE ging.

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