Der Ersatzmann heißt Flusslorzig

Irgendetwas ist da seltsam mit Pirmin Schwegler. Jetzt hat er sich also das linke Knie verletzt, Diagnose steht noch aus. Leiste, Knie, Fitness generell, das Gefühl der Ersetzbarkeit: Es sieht so aus, als sinke in diesen Wochen und Monaten der Stern des Schweizers.

Dabei wird es gerade jetzt darauf ankommen, als Mannschaft durchzuziehen. Die Gegner im September sind für die Eintracht, die den August mit guten Eindrücken aber schlechten Ergebnissen eher nur überstand, der Gratmesser. Sollte die Siegesserie – die ja wahrlich nicht passiert, nur weil unser einer sich das im Kopf so vorstellt – nicht gelingen, sollte die Punktausbeute gar ähnlich mau werden wie im August, droht Unheil. Und um das entweder abzuwenden oder bei Misserfolg auch intern gegenzusteuern, bräuchte es den Kapitän. Gerade in einem Team, dessen Gefüge, dessen Krisenbelastbarkeit nach Abang der routinierten Ruhepole wie Oka Nikolov und Heiko Butscher wackelig sein dürfte.

Man muss nicht den Teufel an die Wand malen um zu befürchten, dass da gerade eine Säule wankt und zu fallen droht, die man als stabil einschätzte. Zeit, dass andere reinwachsen. Sebastian Rode etwa. Der hat große Ziele. Ziele, die ihm viele zu erreichen nicht zutrauen. Stichwort Bayern München. Jetzt ist seine Chance gekommen zu zeigen, dass er mehr ist als derjenige, der jemanden an seiner Seite braucht, um gut zu spielen. Nicht nur Kampf und Leidenschaft, auch spielerische Substanz muss er dafür auf den Rasen bringen. Oder Johannes Flum. Er hat seine Spiele bekommen, doch bislang muss man eher Bolzen von ihm fürchten als dass man ihn sich als geeigneten Schwegler-Ersatz vorstellen kann. Denn auch wenn Schwegler weit weniger Spiele offensichtlich prägt als einige das häufig behaupten: Ihm unterlaufen wenig grobe, vor allem vermeidbare Patzer. Und bis Flum das nicht abgestellt hat, wird eine Lücke klaffen auf der 6er-Position. Über Martin Lanig, den es ja auch noch gibt im Eintrachtdress für das defensive Mittelfeld, als Option wird man nicht diskutieren müssen. Er hängt sich wacker ins Training, lässt nicht locker und wird sich dann und wann seine 15-Minuten-Einsätze verdienen. Aber als Schwegler-Ersatz taugt er noch weniger als Flum, der (in Freiburg) grundsätzlich ein versierteres Passspiel beherrscht(e).

Was, wer bleibt? Nur einer: Marco Russ. Nicht nur hat er schon am Ende der vergangenen Saison Schwegler durchaus vergessen gemacht. Auch in dieser Saison sah das bei ihm bislang okay aus, was er auf der 6 zeigt. Klar: Er ist alleine aufgrund seiner Körpergröße nicht in der Lage, mal eben filigran die Kugel wegzuschnicken oder den Ball am Fuß rumzuziehen. Die Aktionen wirken ungelenker. Naturgemäß. Zwischen 1,90 Meter und 1,70 Meter liegt neben ein paar Kilogramm Knochen auch ein physikalisch anderer Körperschwerpunkt. Man präsentiere denjenigen, der mit 1,85+ Meter den Rasentänzer gibt/geben kann. Trotzdem ist die Frage erlaubt, ob Russ ein langfristiger Ersatz, einer für fünf, sechs Spiele für Schwegler sein kann. Das darf bezweifelt werden. Damit die Variante Russ dauerhaft klappt, müssen vor allem die Außenbahnen der Eintracht besser funktionieren. Insbesondere im Defensivbereich, aber auch nach vorne. Wenn etwa Takashi Inui weiter munter die Bälle verliert und Sebastian Rode nach den Eroberungen prompt die Kugel in des Gegners Schienbeinschoner stolpert, holt ein Marco Russ die fälligen, nötigen zwei, drei Meter im Rückwärtsgang eben schlechter auf als etwa ein Pirmin Schwegler.

Hach ja, die Theorie. Am Ende stellen sie halt Marvin Bakalorz dahin. Und dann hab ich hier schwer philosophiert. Einfach machen. Wird schon. Muss ja.

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