Dominanz als Standard

Vorab, es folgt kein Schlechtreden, keine Fundamentalkritik, keine Lobeshmyne sondern eine nüchterne Einordnung. Denn das 3:0 in Bremen muss man sich genau anschauen um eine Prognose wagen zu können, wohin es im Bundesligaherbst die Eintracht treiben könnte.

Da war die Anfangsphase, speziell die erste halbe Stunde. Das war zum einen brutal stark gespielt von der Eintracht, Dauerdruck auf die Bremer Spieler und eine schnurgerade Offensivebwegung bei jedem Angriff. Da war bei jedem Angriff eine Idee im Hintergrund sichtbar, die Anspiele machten Sinn. Fehler? Fehlanzeige. Auch, weil man zwar zügig, aber trotzdem ohne Risikopässe nach vorne spielte. Zum anderen erschien Werder auch brutal schwach. Das Passspiel grenzte kollektiv an Arbeitsverweigerung, in Zweikämpfen wirkte jeder Grün-Weiße wie ein schlechter Sparingspartner. Die 100.000-Euro-Frage lautet: Bedingte die Stärke der Eintracht die Schwäche der Bremer oder wird andersherum ein Schuh daraus? Um dazu etwas Substanzielles sagen zu können, um das einschätzen zu können, sollte man das eine oder andere Werder-Spiel in dieser Saison gesehen haben. Die Zusammenfassung und Schlußfolgerung in Kurzform: Werder Bremen ist dünn. Die Mannschaft mühte, erduselte sich zu zwei Saisonsiegen, hätte schon gegen Braunschweig nicht gewinnen dürfen. Von daher ist Vorsicht geboten wenn man die Dominanz der Eintracht, gerade in der ersten halben Stunde einzuordnen versucht.

Der restliche Spielverlauf lässt sich mit einer Mischung aus abgeklärt und naiv beschreiben. Denn obwohl die Eintracht das Spiel auch im zweiten Abschnitt kontrollierte, die bessere Mannschaft war, ließ sie zu viele Chancen zu. Gestatteten einem mausetoten Gegner – in Unterzahl – manches Haarscharf-Tor zu schießen. Nicht aus dem Spiel heraus, das muss der Vollständigkeit halber gesagt werden. Bei Standards jedoch, speziell bei Freistößen wackelte und wankte Frankfurt nicht nur, streng genommen fiel es manches mal. Pfostenkopfball, Elias durch-den-5er-Grätsche, Makiadi/Prödl-Gestocher, Trapp-Vorbeiflieger … Da hätte es problemlos jedes Mal rappeln können im SGE-Kasten. Da trugen Kommissar Zufall und Inspektor Glück schwarz-rote Vereinsfarben am Laib. Es war bei genauer Betrachtung einzig Marco Russ, der bei Hereingaben hin und wieder den Schädel an den Ball wuchten und klären konnte. Das war ein seltsames Element in diesem Spiel, dass die Eintracht vermutlich früher auf 3:0 hätte schrauben müssen.

Auffällig in dieser Partie war auch die Leistung von Stefan Aigner. Offensiv gelang ihm unglaublich wenig, er trat vor Prödls Eigentor zum 3:0 sogar am Ball vorbei (nein, nicht freiwillig und mit Übersicht). Die symbolischste Szene in der Aignerschen Vorwärtsbewegung. Allerdings: Defensiv spielte er a la bonheur. Er ergaunerte sich viele Bälle im Rode´schen Stil, warf sich in Zweikämpfe und zermürbte die linke Werder-Seite in ihren Bemühungen, den Ball halbwegs kontrolliert über den Flügel zu treiben.

Wer sich ein Sonderlob verdient hat, sind Takashi Inui – der nach vielen Wochen und Monaten ein Spiel ohne Schleifchen, aber eben umso effektiver ablieferte. Und Bastian Oczipka, der nach noch längeren Monaten a) seine Offensivkraft und Effektivität wieder aufleben hat lassen und b) defensiv – bis auf den SVW-Pfostenkopfball, wo er falsch zum Mann steht – fehlerlos blieb. Seine Doppel-Verletzung Gesicht/Oberschenkel und die Tatsache, dass er sich durchbiss, ist der Rede wert. Wobei man sich schon fragen muss, wieso Armin Veh ihn nicht 10, 15 Minuten vor Ende herunternahm. Dann hätte es wenigstens den Muskelfaserriss nicht gegeben, geschunden war sein Körper allemal genug.

Vor Girondins Bordeaux muss man jedenfalls nicht in Ehrfurcht erstarren nach diesem Auftritt. Wobei die immerhin gegen Paris St. Germain, die Scheichtruppe vom Franzmann, nur 0:2 verloren. Was auch immer das bedeutet. Ich lese da erstmal Niederlage Franzmann vs. Sieg Eintracht. Und so solls meines Willens nach auch am Donnerstag lauten.

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