Die Chirugen

Vielleicht ist das alles eine große Chance gewesen, die größte, die der Verein in Jahrzehnten hatte. Der Abstieg nach dem Wirken von Horror-Trainer Michael Skibbe und Zwischen-Hampelmann Christoph Daum hat eine Reinigung in Verein, Mannschaft und im Kollektivgefühl der Fanszene in Gang gesetzt, der wohltuend wirkt. Das Gift ist aus jeder Pore gesogen worden seitdem Armin Veh in Kombination mit Bruno Hübner, Heribert Bruchhagen und Axel Hellmann das Gesicht der Eintracht plastiziert. Sie haben das Unfallopfer, das kein Unfall- sondern ein Faulheitsopfer war, zurecht geflickt. Dem Verschandelten das Gesicht zurückgegeben. Wie sonst soll man erklären, empfinden was in den vergangenen zweieinhalb Jahren geschehen ist?

Herrschaften, am Donnerstagabend spielten wir im Uefa-Cup (ja, ich nenne den Wettbewerb weiterhin so)! Eintracht Frankfurt schlug im Vorbeigehen Girondins Bordeaux – trotz allem ja kein Fallobst – mit 3:0. Die Bude war europaweit nirgendwo so voll wie in Frankfurt: 44 000 Zuschauer. Und das im Wissen, dass das Einzugsgebiet der Eintracht, also jene Fans die regelmäßig 100, 200 Kilometer zu den Heimspielen fahren, an einem Donnerstagabend um 19 Uhr nicht in Gänze da gewesen sein wird. Das, plus die Art und Weise der spielerischen Auftritte, das Wohlgefühlt der Entspanntheit im Glauben an die Stärke des breiteren Kaders – ist das nicht wunderbar? Wann, frage ich, hatte man als Eintracht-Fan diese Gefühlslage zuletzt?

Die Stars, das darf man so sagen, werden vorübergehend wie selbstverständlich ersetzt. Alexander Meier, Pirmin Schwegler, Sebastian Jung: Ein Qualitätsabfall ist kollektiv kaum spürbar, wenn diese im Normalfall unersetzlichen Spieler ausfallen. Dass ihr Ausfall eben doch kompensiert wird, ist bemerkenswert und sollte nicht zu gering bewertet werden.

Zu verdanken ist das den vier oben genannten Chirugen, die allesamt auf ihre Weise den stets in Richtung himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt wankenden Kahn namens Eintracht Frankfurt in ein ruhiges und zugleich demütig euphorisches Fahrwasser gelenkt haben.

Stand jetzt, Tage vor dem Spiel in Stuttgart und der Frage, ob man tatsächlich das obere Mittelfeld anpeilen kann in dieser Saison, verspürt der Autor nur Dankbarkeit. Und Ruhe. Etwas, das lange lange her ist wenn es um die SGE ging.

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