Einzelkritik vs. Hamburger SV

Kevin Trapp: Pflückte 90 Prozent der Ecken souverän herunter, ansonsten beschäftigungslos und schuldlos bei den Gegentoren. Aber: Nicht zum ersten Mal unterliefen ihm gleich mehrere Katastrophen-Pässe (halbhoch, 25 Meter weit) ins Mittelfeld und vor des Gegners Füße.

Carlos Zambrano: Bedenklich. Nicht nur, dass er schon nach 2. Minuten den Ball im eigenen 16er verdaddelt und Glück hat, dass der Schiedsrichter ihn mit einem Foulpfiff erlöst. Auch sonst mit einigen Wacklern im Aufbauspiel, hatte mit Lasogga seine liebe Mühe und Not. Dass er beim 2:2 den Ball von Jansen abfälscht ist symptomatisch, aber ihm nicht anzulasten.

Bamba Anderson: Gegenspieler Lasogga stellte auch ihn vor manches Problem. Des Brasilianers langen Bälle sind unzureichend. Vor allem dann, wenn er jeden zweiten hoch und weit spielt. Verhindert so vom ersten Ballkontakt an ein geordnetes, ballbesitz-orientiertes Angriffsspiel. Das kann er viel besser.

Sebastian Jung: Absolvierte sein schwächstes Spiel seit langem. Defensiv ließ er sich mehrfach durch billigste Finten überrumpeln, nach vorne gelang ihm nichts. Die wenigen Flanken, die er brachte, taugten nichts.

Bastian Oczipka: Ohje. Bolzt die Pille in die Beine des Hamburger Außen, der Konter startet, Pass, Jansen, 2:2. Scheiterte eine Minute zuvor kläglich beim Konterversuch an Rechtsverteidiger (!) Heiko Westermann (!) vorbeizukommen. Fit seit Monaten schon nur in Ausnahmefällen gut, halbfit gelang nach vorne nichts und nach hinten war er nur einmal gefordert – und dann patzte er.

Marco Russ: Der erste der zwei stärksten Spieler. Fegte kompromisslos dazwischen, hielt den Körper rein und eroberte so viele Bälle. Erneut ein Tor erzielt. Einmal zu lässig beim Passspiel, da verursachte er einen Konter. Setzt seit Wochen den Leistungsmaßstab im defensiven Mittelfeld.

Johannes Flum: Wandelt weiter zwischen passabel und wahnsinnig. Beim Tor konsequent und auch sonst präsent, aber die konstanten Abspielfehler werden zum Dauerärgernis. Ihm fehlt – bei 1,90 Meter nicht verwunderlich – die Explosivität auf den ersten 4,5 Metern. Als Sechser ist er Nebenmann Russ zu ähnlich, halblinks nicht dynamisch genug.

Sebastian Rode: Bronzemedaille hinter Russ und Aigner, weil er als einziger den Ball, den Angriff mal nach vorne trieb, Meter machte. Balleroberungen gelangen ihm auch einige, nur fehlt ihm einfach der letzte Punch: Auch mal eine Kiste machen oder vorlegen.

Tranquillo Barnetta: Mau. Am Spielaufbau kaum beteiligt, schwache Eckbälle. Kein Vergleich zu den Auftritten der vergangenen zwei, drei Wochen.

Stefan Aigner: Der zweite der zwei stärksten Spieler, rannte unermüdlich nach vorne und hinten. Sprintete immer wieder auf die Verteidigung und den Torwart zu, setzte diese effektiv unter Druck, zwang sie zu Fehlpässen. Dumm nur, dass es seine Mitspieler weniger kaum interessieren hätte können.

Vaclav Kadlec: Weitgehend unsichtbar. Einziger Arbeitsnachweis war ein starker Distanzschuss in der ersten Halbzeit, dazu eine gute Pass-Idee in den Rückraum. Hätte früher ausgewechselt werden sollen.

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Takashi Inui: Lethargisch, leichtsinnig, nicht mal zum taktischen Foul in der Lage. Und das als Urteil nach knapp 20 Minuten Einsatzzeit. Was war das? Nach den schillernden Minuten gegen Bochum war das ein Fall in tiefste Leistungslöcher.

Srdjan Lakic: Zu kurze Einsatzzeit um ihn bewerten zu können.

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Armin Veh: Vorwurfs-Frage 1: Wieso durfte, angesichts der Vorleistungen von Constant Djakpa, doch wieder Oczipka als Linkvsverteidiger spielen? Was sollte ein halbfitter, gerade erst genesener Ohnehin-Wackelkandidat bringen? Das war eine Fehlentscheidung, nicht nur aufgrund des maßgeblich verschuldeten 2:2 Ausgleichstreffers. Vorwurfs-Frage 2: Wieso reagierte der Trainer nicht zwischen Minute 60 und 70 als die Mannschaft gegen unsagbar dünne Hamburger das Seepferdchen machte? Da schlich sich der Schlendrian ein. Und als dann der zugegeben matte Barnetta durch einen gelangweilgten Inui ersetzt wurde, war nicht nur die Seite des Todes wiedervereint, sondern es ging die Linie vollends verloren. Das war insgesamt ein schwaches, fahriges Spiel der Mannschaft. Man spürt, dass sie hinten raus platt ist; bei einem laufintensiven Spiel Aigner´scher Prägung kein Wunder. Aber das ist ein Grund mehr, mal vorher auf ein 2:0, ein 3:1 zu drängen. Der Sack bleibt zu lange offen, und daher bleiben die big-points liegen.

Der Ausblick:

Ja, Vieles sieht derzeit gefällig, dominant aus – selbst wenn dieses Spiel der schwächste Auftritt seit Berlin und Illertissen war. Aber es beißt die Maus keinen Faden ab: Die Punktausbeute ist angesichts des betriebenen Aufwands (und der Gegner) zu gering, der Tabellenplatz ist kein Zufall (Stichwort: Effektivität) und es wurden zwei Trümmer-Truppen – insbesondere dem HSV – Punkte geschenkt. Vor allem hat man sie selbst liegenlassen, fahrlässig. Dafür, das allenthalben gesagt wurde, dass im September die Saison für die Eintracht erst richtig losgeht, ist da doch eher Mageres bei rausgesprungen in der Bundesliga. Bremen war in deren Verfassung ein Pflichtsieg, Stuttgart war ein Auswärtsremis, das in Ordnung geht. Aber zu Hause gegen dieses – auch in Frankfurt dünne – Hamburg zwei Punkte liegenlassen? Das geht nicht. Stand jetzt fehlen uns schon fünf Punkte (Hertha und HSV), um an eine ähnliches Saisonresultat wie vergangene Saison denken zu können. Für die Parole Mittelfeld, das einzig realistische Ziel, müssen aber jetzt bald mal ein paar Ligasiege her. Gerade gegen das Formgemüse. Denn wir drohen, und dafür gibts gleich wieder Haue, mit dem rot-schwarzen Wagen steckenzubleiben. In Regionen, wo es dreckig zugeht. Nächsten Sonntag geht es nach Freiburg. Eine Art Hamburg-reloaded was die Maßgabe an Punkten angeht. Gewinnen wir da nicht, wirds ungemütlich in der Bundesliga, da hilft dann auch kein Europaglanz. Ich sage das im Wissen, dass zwischen Rang 5 und 12 (da stehen wir) derzeit nur drei Punkte, also ein Sieg liegt.

Umso wichtiger, dass Alexander Meier – und damit gleichsam meh Zug – zurückkehrt. Oder Jan Rosenthal als jemand, der das Spiel ankurbeln, der die Bälle halten und verteilen kann. Denn wenn es eines gibt, dass etwa auch Primin Schwegler ausmacht, dann, dass er den Ball abschirmen, halten und gescheit weiterspielen kann. Daran krankt es in der Zentrale aktuell, mit Irrwisch Rode, dem trotz allem etwas starksigen Russ und einem Johannes Flum, der sich selbst sucht. Kaderbreite? Jetzt brauchts auch mal ein gerüttet Maß Spitze.

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