Ruhe und Druck

Das Vorurteil scheint sich zu bestätigen: Eintracht Frankfurt hat in der Europa League eine Gruppe erwischt, die wirklich im Vorbeigehen genommen werden kann. Der Auftritt vom vermeintlichen stärksten Konkurrenten – Girondins Bordeaux – war im Waldstadtion bereits erschütternd. Dass die Franzosen nun leistungs- oder zumindest ergebnistechnisch in Tel Aviv, israelische Fußballgröße nachgelegt haben, verloren, verfestigt den Eindruck, dass die Truppe richtig dünn ist. Apoel Nikosia hingegen stellte die Eintracht doch jedenfalls 15, 20 Minuten lang vor größere Probleme. Sie verteidigten passabel, vor allem pressten und kombinierten sie gar nicht schlecht. Dass es am Ende nicht für einen Punkt oder ein lange offenes Spiel reichte, liegt an dem Mehr individueller Klasse auf Frankfurter Seite. So genügte auch wenig Esprit, wenig Galligkeit und wenige Chancen um die Partie problemlos 3:0 zu gewinnen.

Lehren aus Europa? Dass die Bundesliga nicht nur schwieriger zu spielen ist, sondern dass man da jetzt mal punktemäßig nachlegen muss. Der SC Freiburg spielte in Sevilla okay, hatte aber letztlich keine Chance gegen die mittelmäßigen Spanier. Aber: Sie schonten mehrere Stammspieler vollständig, sind voll auf Liga gepolt. Die Eintracht hat neben Schwelger und Meier nun auch noch Stefan Aigner, den vielleicht Besten der vergangenen Wochen im Krankenstand. Wacklig jedenfalls, sein Einsatz. Und selbst wenn er spielt: mit Hemmschuh. Im Breisgau zählen jetzt keine Ausreden mehr, das Schlagwort  „sich belohnen“ muss mit Leben gefüllt werden. Gegen eine ausgeruhtere, nicht minder hungrige und druckbelastete Mannschaft wird das eine enorme Aufgabe. Warme Worte, Lob und Zuversicht alleine wird das Punktekonto der Eintracht aber nicht füllen. Daher reicht eine gute Leistung, ein „fast hätte es geklappt“ nicht mehr. Drei Punkte – alles andere muss enttäuschen, gar sorgenvoll stimmen.

Was auffällt: Armin Veh setzt weiterhin, sofern es der Gesundheitszustand der Spieler zulässt, konsequent auf die immerselben Spieler. Dass Ausfälle von Stammkräften besser kompensiert werden können als in den Jahren zuvor, hat man bereits gesehen; ein Pluspunkt. Doch wenn niemand ausfällt, beharrt Veh auf der Elf, die immer spielt. Und das könnte zum Problem werden. Das Thema Djakpa-Oczipka war gegen Hamburg ein großes, auch gegen Nikosia traten die wenigen Sorgen auf der linken Defensiveseite auf. Dann die Geschichte um Johannes Flum und Marco Russ im defensiven Mittelfeld – zwei alleine schon physisch ähnliche Spieler. Wäre es vielleicht sinnig, da einen neuen Impuls zu bringen? Stefano Celozzi, der aber offenbar nicht in der (Joker)Form der vergangenen Saison zu sein scheint, hat das eine oder andere gute Spiel auf dieser Position bereits gemacht. Er wäre von der Theorie her erstmal etwas explosiver als die beiden Mitspieler. Und wohin ist der agile Stephan Schröck verschwunden? Nicht nur, dass er Sebastian Jung auf rechts solide, jedenfalls bissig vertrat. Er könnte auch eine Neue Art des Schwungs auf den Flügel bringen, zumal Tranquillo Barnetta nach 2,3 super Spielen nun etwas nachgelassen hat. Und wenn Aigner nur halbfit sein sollte … dann sollte besser jemand anderes mit 100 Prozent Kraft und Energie auflaufen, sonst wird sich das auf dem Niveau rächen. Das alles sei gesagt auch und gerade im Hinblick auf die Einwechslungen. Diese kamen – die Schonzeiten im europäischen Geschäft außen vor gelassen – zuletzt zu spät. Veh ragierte nicht, wenn die Mannschaft unter Zugzwang kam oder nach vorne kein Konzept mehr fand. Das sollte er überdenken, früher einen Impuls setzen, den Konkurrenzkampf befeuern und sein Team wieder etwas unberechenarer machen.

Es wird Zeit – das schreibe ich nun schon einige Wochen. Vor Stuttgart, vor Hamburg, nun vor Freiburg. Bislang gings quasi immer schief, wenn ich Ansprüche formulierte. Deshalb schließe ich mit folgenden Worten: ein Unentschieden ist – auswärts – okay . . .

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