Positive Ruhe

Beruhigt kann er sein, der Eintracht-Fan. Es handelt sich bei Rang 14 im November, drei Punkte vor dem Abstiegsplatz und mitten drin in der Dominanz gegen Tel Aviv, Nikosia und Bordeaux, keineswegs um eine spielerische Krise in Frankfurt. In puncto Offensivdrang, defensiver Stabilität, Ordnung und Struktur ist alles tutti – nur die Ergebnisse passen nicht.

34 Bundesliga-Spieltage lang kann man diese Argumentation durchhalten. Man kann sich bis zum Viertelfinale des Europapokals, dafür wirds bei dem Gemüse, das da herumstolpert wohl reichen, über jeden zweiten Donnerstag die Liga schönfärben lassen. Sind doch nur so und so viele Punkte bis zu dem und dem Rang, so und so viele zu dieser und jener Position. Natürlich schaut man dabei nach oben, vorne stehen ja immerhin mehr Teams die man theoretisch einholen könnte, als das Teams hinter einem stehen. Muss man sicher auch positiv sehen so etwas.

Denn: Psssssst, alles, was nicht ins Schema Ergebniskrise oder Europapokaleuphorie passt, ist pfui. So wie Kritik immer pfui ist, so wie der Überbringer schlechter Nachrichten immer der ist, der getötet wird. Nestbeschmutzer, raus mit ihnen! Hängt sie höher. Die laben sich schließlich am Elend, denen geht einer ab wenn die Eintracht verliert. Besser noch: Sie reden sie herbei, die mehr-als-Ergebniskrise. Krise? Wieso überhaupt Krise? Zu negativ, dieses Wort. Positiv, das ist das Gebot der Stunde! Trotzig lächeln, wird schon. Wenn nicht diese, dann eben nächste Woche. Oder übernächste. Auch das geht 34 Mal. Aber EintrachtTV und der vereinseigene Facebookkanal werdens den Tausendschaften schon mit Pech und dem Regen erklären, wieso das mit dem Sieg wieder nicht geklappt hat. Alternativ bleibt noch der Schiedsrichter als Sündenbock. Jener Schiedsrichter, der Gladbach zwei astreine Spielzüge als Abseitssituationen auslegte, die beide ziemlich sicher zu Tor Nummer drei und vier geführt hätten. Aber hey, was solls: positiv, immer positiv.

Es könnte schließlich noch viel schlimmer sein. Es könnte sein, dass manch einer aufwacht und bemerkt, dass wir nur gegen die beiden Teams gewonnen haben, die wahrlich die dünnsten der Liga sind. Sogar dünner als die Eintracht. Dass wir von Woche zu Woche mehr abbauen, das wir die besten Spiele im August lieferten und seitdem spielerisch abschmelzen und eben auch nicht mehr Punkte holen, könnte auffallen.

Überhaupt: Was ist schon ein 1:4 in Gladbach? Immerhin sind die jetzt Vierter, ein Spitzenteam. Und heimstark. Zudem haben die Lucien Favre. Und eine Mannschaft, die Fußball spielen kann, die Struktur besitzt, die weiß, was sie tut auf dem Rasen. Man muss das relativ sehen, so eine Niederlage. Schließlich muss man jedes Spiel einzeln für sich bewerten, Tendenzen ließen und lassen sich nicht ablesen.

Zum Glück ist das alles so. Denn dann lässt sich beruhigt, kuschelig warm auch die nächste Woche überstehen. Ist ja November, da ist das Wetter schon kühl und ekelig genug – da sollte man seinen Kopf und sein Herz nicht mit sportlicher Schwere belasten.

Für alle jene, die bis jetzt den Schlag nicht hören wollten, hat Stig Larson, Autor von Kriminalromanen einen passenden Buchtitel gewählt: Verblendung.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Positive Ruhe

  1. Herr Schnitzelmann

    tja, ich hoffe das geht nur noch solange, bis wir den einen doofen Punkt im Uefa-Cup haben, den wir für die nächste Runde brauchen. Dann kann ja mal die Reserver und die Talente im Uefa-Cup ran.
    Denn, es ist im Moment zwar schon so, dass es noch 3 Teams gibt, die noch schlechter sind als wir, aber bleibt das auch so?
    Und ein Heimsieg wäre jetzt dann langsam auch schön, nicht nur für die Leute die ins Station gehen.
    Blöd nur, dass jetzt gerade Wolfburg kommt, die gerade erst in die Spur gefunden haben, da können wir dann gar nicht den Aufbaugegener spielen, vielleicht wirds ja stattdessen die Opferrolle… wer weiß wer weiß, aber mal wieder ein Spiel wie gegen Bermen, das täte uns schon gut!

  2. Olli

    Willkommen im Abstiegskampf. Immerhin noch keine Niederlage gegen einen direkten Konkurrenten bisher …
    Das Beste in Gladbach waren mal wieder die Fans. Laufwege hatten die nicht im geringsten gekannt. Dafür dutzendfach die Schnittstellen in der Abwehr offen gelassen.
    Zwar war der Schiri heute nicht unser Freund, aber daran hats auf keinen Fall gelegen … Und am Ende noch über ne Stunde auf dem Parkplatz festhängen, weil es für tausende Autos gerade mal eine Ausfahrtsspur gibt. Ein gebrauchter Tag.

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