Es rotiert der Kopf

Ein Hammer drischt auf meinen Kopf ein. Ach was, er kloppft in ihm drin. Da entbrennt doch tatsächlich eine Diskussion bei der Eintracht rund um das Thema Rotation. Da wirst du doch verrückt als Fan, alles wird sich so hingedreht, wie man es gerade braucht – inhaltlich und zeitlich. Es ist ja egal, dass ich in diesem unbedeutenden Blog schon vor dem Kick gegen Tel Aviv eine Regenerations-Rotation vorschlug. Gegen solche Trümmer kann man bedenkenlos vier, fünf Leute durchwechseln. Entscheidend ist, dass es die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt selbst waren, die genau das, das Vorhandensein von mehr personellen Möglichkeiten propagierten. Die Transferpolitik, die gefeierte, war vor der Saison genau darauf ausgelegt. Das eben nicht mehr, wie vergangene Saison – wenn auch phasenweise äußerst erfolgreich – die immerselben 12, 13, 14 Leute auflaufen (müssen) und von Woche zu Woche spürbar müder werden.

Und wie grüßt das Murmltier in diesen Wochen? Ebenso schläfrig, wie man das aus der Rückrunde 2012/2013 kannte. Mit dem Unterschied, dass man mittlerweile nicht nur den Spielstil, der selbstverständlich nicht so durchzuhalten war wie in den ersten 2,3 Monaten der vergangenen Saison, geändert hat. Viel mehr ist von einem System kaum noch etwas zu erkennen. Das ist weder ein 4-2-3-1 noch ein 4-4-2. Es ist ein Hybrid aus irgendetwas, und das Team kommt damit nicht klar. Torchancen spielt es sich kaum noch heraus, da ist viel Ballgeschiebe und Leerlauf. Raumgewinn? Kaum. Tempo? Gleichschritt. Ein Sechser oder Innenverteidiger – in der Regel Bamba Anderson – probiert hingegen pro Spiel zwei, drei Mal die Apoel-Nikosia (Thekentruppen)-Variante des Diagnoalballs von links Außen auf den rechten Flügel zum Tor gezogen. Damit Sebastian Jung oder Stefan Aigner jenen Tölpelangriff fahren können, der nun wahrlich nur gegen Nicht-Bundesligisten gelingt. Dann bleibt da noch die Frage nach der defensiven Stabilität. Die könnte man sogar wohlwollend als in Ordnung bezeichnen, auch der Versuch Kevin Trapp eine Mitschuld am 1:2 in Gladbach – dem Schuss von Oskar Wendt – zu geben, ist aberwitzig. Aus 10 Metern rauschten 104 Stundenkilometer (Quelle: Bild) auf ihn zu. Da ist eine Parade Zufall, Glück, aber bestimmt kein Muss. Nicht mal ein Kann.

Jedenfalls ist es so, dass in diesen Wochen der Schwäche sogar ein Bastian Oczipka, der wahrlich seit einem Jahr kaum noch etwas gezeigt hat, weder offensiv noch defensiv, noch sonderlich negativ auffällt. Im Gegenteil, man kann sogar sagen, dass es derzeit eher andere sind, die sichtbar abfallen. Allen voran Sebastian Jung, der seit dem Freiburgspiel, wo ihn der Franzose Couqelin schwindelig spielte, arge Probleme auf seinem Flügel hat. Probleme, die man in all den Jahren bei ihm eigentlich nie gesehen hat. Auch im defensiven Mittelfeld ist spätestens seit zwei, drei Wochen klar, dass man am Stock geht. Marco Russ hat das vernünftig bis sehr gut gemacht – aber jetzt haben die Gegner ein Mittel gegen ihn gefunden, wissen, was sie erwartet. Ergo ist er offensiv aus dem Spiel und defensiv in immer größerer Bedrängnis. Spielaufbau über ihn ist kaum mehr möglich. Sebastian Rode, der nach Einschätzung der „Frankfurter Rundschau“ vor Kurzem noch als von Pirmin Schwegler emanzpiert gefeiert wurde, bekommt keinen Fuß mehr auf den Boden. Es ist der Sebastian Rode der Vergangenheit, der Stagnation: Machen, tun, rackern und Bälle umgehend verlieren. Seine Spielweise ist ein kräftezehrendes Nullsummenspiel – für ihn, wie für die ganze Mannschaft. Nächster Schwachpunkt: Tranquillo Barnetta. In den ersten zwei, drei Spielen blitzte auf, was für eine Bereicherung er hätte werden können. Er war schier überall auf dem Platz, hatte sichtbar Bock und Klasse, die er aufs Grün brachte. Seitdem kommt so gut wie nichts mehr. Die Standards, die anfangs vielversprechend kamen, sind zudem mittlerweile ein Ärgernis Köhler´scher Prägung. Im Grunde bleiben nur Vaclav Kadlec, der seine Sache so vernünftig macht wie möglich, ein Alex Meier, der trotz Verletzungspause an allen spärlichen Offensivszenen und Abschlüssen beteiligt war, ist und bleibt sowie Stefan Aigner, der sich wenigstens weiter aufreibt, obgleich selten effektiv. Zählt man die zentrale Verteidigung dazu, redet man von bestenfalls 50 Prozent der Feldspieler, die derzeit eine Hilfe sind, Leistung angemessen abrufen. Dass Eintracht Frankfurt das geballt nicht verkraften kann, geschweige denn sich so eine Siegesserie hinlegen lässt, ist klar. Aber mit Parole weiter-so, mit Ruhe und Gelassenheit die anderen 50 Prozent durchzuziehen, mitzuschleppen, kann ja keine Alternative sein. Konnte es vor zwei Wochen nicht, vor einer nicht und nun auch nicht.

Was also tun. Srdjan Lakic, Takashin Inui und Stefano Celozzi bringen und alles wird gut? Natürlich nicht. Wie besorgniserregend es um den Japaner steht, ist hinlänglich sichtbar geworden. Lakic seriös einzuschätzen ist bei all den verzweifelten 10-Minuten-Einsätzen kaum möglich, aber es würde mal Zeit für eine Urteilsfindung. Der Mann wird im Mai 2014 eineinhalb Jahre in Frankfurt gewesen sein und niemand wird am Ende mehr sagen können als: Ja, der hat die Anlagen, aber als er gesund war und spielten konnte, spielte er nicht. Zu Celozzi: siehe Inui in etwas unauffälliger schwach. Nein, die Lösungen tragen zwei, drei andere Namen. Constant Djakpa zum einen. Mit der Variante, Bastian Oczipka anstatt Barnetta oder Inui auf die linke Offensivseite zu stellen. Im zentralen Mittelfeld Johannes Flum oder Martin Lanig neben Rode stellen, alternativ Marvin Bakalorz als Rode-Ersatz ausprobieren und dafür eben Russ weiter als Sechser spielen lassen. Stephan Schröck, der in seinen Spielen jeweils nach kurzer Anlaufzeit durchaus defensiv zu überzeugen wusste, auf die Außenbahn bringen. Als Verteidiger oder auch als Aigner-Ersatz offensiv, wenn dieser nach Trainermeinung eine Pause brauchen sollte. Sinnvoll wäre es, jedenfalls für ein Europapokalspiel, auch einen Innenverteidiger zu schonen und somit Russ in die Abwehrkette zu ziehen und einen der Ersatz-Defensiven im Mittelfeld zu bringen.

Und dann gibt es ja da noch den genesenen Jan Rosenthal. Der wäre noch einer, der auf dem Flügel ran könnte, wenn man sich für eine Raute, ein 4-4-2 entscheiden sollte. Alles Möglichkeiten, die man hätte. Die man aber nicht nutzt(e) bislang. Mit dem im Tabellenbild sichtbaren Resultat. Personelle Alternativen my ass, so das Fazit nach einem Drittel der Saison. Übrigens: Wenn die Eintracht bis zur Winterpause noch sieben, acht Punkte holen würde (was weniger als 50 Prozent des Klassenerhalts-Punkteziels von 38 wären), dann wäre das wie ein Weihnachtsgeschenk. Ein unverhofftes und äußerst schönes. Doch wege, statt dem Nikolaus kommt Knecht Ruprecht – dann sinds vielleicht 13, 14, 15 Zähler. Dann bin ich mal gespannt auf jene, die im Herbst noch der Ergebniskrise das Wort redeten.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Es rotiert der Kopf

  1. ….an Dir ist in der Tat ein Trainer verloren gegangen (vielleicht diesbezüglich Marbach helfen, denn die „Thekenmannschaften“ in unserer EL-Gruppe haben meines Wissens keinen Trainerbedarf, oder ?)
    Ach wie ist das einfach….und ja….wir werden alle sterben !
    ….hätte es beinahe vergessen….mit Djapka für Oczipka (auch mit Schröck) bin ich bei Dir ! …oh mein Gott, trotzdem werden wir alle sterb….

    • Moment moment, anstatt Zynismus wäre dieser Tage Abbitte die angemessene Reaktion. Denn vom Sterben und Untergang redete hier niemand. Aber so leid es mir tut und so schmerzlich die Anerkennung dessen sein mag: Ein bisschen was vom Fußball verstehen auch Leute, die keine Bundesligisten trainieren.

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