Die Nulllinie

Ich weiß gar nicht, was ich noch schreiben soll. Seit Wochen kurbele ich an der Gebetsmühle, jedes Spiel sieht gleich aus. Pointiert auf den Punkt gebracht: hundsmiserabel in allen Belangen. Was soll das sein da unten auf dem Feld, Fußball? Das einzige, was darauf hin deuten könnte ist die Tatsache, dass ein Ball mit dem Fuß über den Rasen geschossen wird. Versucht man eine taktisch Formation ausfindig zu machen, scheitert man. Die Innenverteidiger spielen Außenverteidiger, die Sechser Innenverteidiger, die Außenmittelfeldpositionen sind nicht nur von Sechsern besetzt,  sie spielen (naturgemäß) auch so. Und vorne gibt es dann noch zwei arme Schweine, von denen eines Kopfschmerzen von den vielen hohen Bällen, das andere Kopfweh vom Dauerwarten auf ein Zuspiel bekommen muss. Vaclav Kadlec kommt auf 20 (!) Ballkontakte. In 90 Minuten. Das ist unterirdisch. Alle 4 Minuten und 30 Sekunden hat er den Fuß, dazu zählt auch der große Zeh, am Ball. Alexander Meier hat 80 Prozent der als solche zu bezeichnenden SGE-Torschüsse: vier von fünf. Ebenfalls in 90 Minuten.

In dieser Mannschaft geht nichts (mehr) zusammen. Man könnte von mausetot sprechen. Kaum Torschüsse, von Chancen ganz zu schweigen. Dem Aufbauspiel fehlt jedes Tempo bzw. jede Tempoverschärfung. Flanken? Fehlanzeige. Und wenn, dann Halbfeld, gerne hüfthoch getreten. Druck aufbauen gelingt nicht, weder in Phasen, noch in Wellen, noch überfallartig. Defensiv kehren die Wackler zurück, die abgestellt zu sein schienen. Das Verhalten vor dem 1:2 war kreisligesk, die Zweikampf- und Laufduellbilanz von Stefano Celozzi gegen Ivan Perisic ebenso. Das Aufbauspiel von Bamba Anderson ist zu einem Ärgernis mutiert, jene angeschnittenen langen Bälle, mal 30 Meter in die Zentrale, mal 40 Meter diagonal. Tranquillo Barnetta, einer der aufgrund seiner Erfahrung gezeigter Top-Leistungen voran gehen, die Qualität heben müsste, trägt sein Hemdchen spazieren, Sebastian Rode war, ist und bleibt Sebastian Rode. Dazu mit sich selbst schwer Beschäftigte wie Johannes Flum und Bastian Oczipka: Die spielerische Nulllinie, an der man seit Wochen kratzt, ist nun endgültig erreicht.

Nein, nichts dergleichen. Die Vereins-PR schreibt uns etwa bei Facebook Optimismus vor. „Kopf hoch“, es sei eine „unglückliche Niederlage“ gewesen. Stimmt, so war das. Und deshalb wird es ein Fest gegen Tel Aviv, wenn wir sie mit 3:0 wegrotiert haben. Dann können wir uns bald in der „Nie mehr, 2. Liga, nie mehr, nie mehr, nie mehr“ auf die Schultern klopfen, dass wir – die Europapokalwalze – bis ins Viertelfinale des Thekentruppen-Pokals marschiert sind. Aber eines nach dem anderen: Wir tanken jetzt erstmal Selbstbewusstsein am 4. Europapokalspieltag um dann gegen Mainz, mit ganz viel Ruhe und Gelassenheit, die Ergebniskrise zu bewältigen.

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