Und abwärts geht’s

Tiefpunkte folgen nirgendwo rascher aufeinander als in Frankfurt, diesen Beweis ist die Eintracht-Truppe abermals angetreten. Der Auftritt in Tel Aviv ist nichts anderes als eine Frechheit. Ein Fausthieb ins Gesicht eines jeden Mitgereisten, eines jeden, der den Fernseher, das Radio, einen Ticker einschaltete oder noch die Zeitung lesen wird. Die erste Halbzeit ist kaum in Worte zu fassen, bis zur 60. Minute war das nicht mal mehr gruselig. Aber das Einlegen des Vorwärtsgangs, der aus-dem-Nichts-Doppelschlag im zweiten Abschnitt wird sicherlich wieder ausreichend viele Leute befrieden und befriedigen. Ergebniskrise. Ruhe. Regeneration statt Training.

Dabei ist es wahrlich nicht so, dass Eintracht Frankfurt – Bundesligist, noch, erzählt man sich – mit seiner B- oder gar C-Elf an die Wand gedrängt wurde, das Kapitel Europapokal-Gruppenphase nicht beendet werden konnte. Durch einen Gegner aus Israel, der Hochburg des euro-asiatischen Fußballs. Da stand eine Frankfurter Mannschaft auf dem Feld, die nur in Nuancen verändert worden ist. Schröck anstatt Celozzi – ein nominell minimaler Qualitätsunterschied. Dazu Lakic für Kadlec sowie Ex-und-wieder-Stammspieler Inui für Kadlec oder  Rode, je nachdem wie man das sehen möchte. Mehr Rotation war das nicht. Und es reicht nicht. Für nichts. Weder für Punkte, noch fürs Weiterkommen, noch für Selbstvertrauen. Vor dem Spiel war klar, dass ein Erfolgserlebnis nicht zwingend eine Trendwende markieren würde, ein Sieg aber sicher nicht schaden kann. Aber eine Niederlage? Der Scherbenhaufen wurde nochmal schön drapiert. Taschentuchel und die gesamte Mainzer Entourage können das Barbecueschonmal hochheizen, für Sonntag die Schlachtplatte vorbereiten.

Die werden da am Rhein die Finger kreuzen, dass Takashi Inui aufläuft. Der Mann, der immer für etwas Besonderes gut ist. Ballverluste etwa. Sinnlos-Fuddeleien auch. Und für Gewalrtoller, die man nur aus C-Jugendzeiten kennt. Also all das, was es so braucht im Fußball. Und der A-Jugendtorwart der am Wochenende im Mainzer Tor stehen wird, kann vorher auch vier Tüten Gras rauchen, wenn Lakic oder Joselu auf ihn zu diletieren. Und wann Johannes Flum gedenkt, seine erste gute Leistung zu liefern, sollte er bald mal für sich klären. Ach, es ist alles so elend.

Das berüchtigte dritte Veh-Jahr. Aktuell läuft wirklich alles darauf hinaus, dass es wieder im Misserfolg endet. Selbst ich, der im Zweifel das Glas halb leer sieht, wollte das in seiner Durchschlagskraft, in Wahrheitsgehalt und Radikalität sowie Tempo nicht wahrhaben. Argumente für die Verteidigung habe ich dieser Tage jedenfalls keine mehr, zu rapide, zu sichtbar, zu ungebremst zertritt man gerade das Pflänzchen der Euphorie, der Zuversicht, welche nach dem Coup entstanden ist.

Europokal? Lecko mio. Mittelmaß in der Bundesliga, mal wieder würde ich dafür alles eintauschen. Und genau das, genau dieses Gefühl äußerte ich schon 2011.

Was also tun? Trainer feuern? Vier, fünf Leute aus der Mannschaft auswechseln? Ein Anfang wäre, unter der Woche einfach mal wieder zu trainieren. So mit laufen, passen, schießen und mit Zweikämpfen. Vielleicht auch mal länger als 62 Minuten. Vielleicht auch mal ohne Ruhe und Regeneration. Vielleicht auch mal öffentlich. Vielleicht auch mal mehr tun als Freiluftbewegung. Da ist schon seit Wochen kein Zug mehr drin, das ist alles lari fari. Wohin die ganze Entspanntheit und Arroganz führt, sieht man ja. Zu einer Niederlage (vier! Gegentore) in Tel Aviv. In Tel Aviv. In Tel Aviv. Wenn diese Hürde schon zu hoch ist . . .

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Und abwärts geht’s

  1. Herr Schnitzelmann

    Klasse, eine taktische Meisterleistung.
    Mal blöd gefragt, wußte man bei der Eintracht nicht, dass man nur noch einen Punkt benötigt hätte, ehe man dann für Europapokalaufgaben die D-Elf bringen kann?
    Wieso hat man dieses eine Spiel nicht noch in Bestbesetzung gespielt so das man sich dann voll und ganz auf die Liga hätte konzentrieren können???
    Jetzt ist alles nur noch komplizierter und der gewünschte Motivationsschub ist auch ausgeblieben.
    Ich denke, gegen Mainz setzt jetzt nochmal richtig Prügel, ehe man dann erkennt, dass man einen zu dünnen Kader hat. Evtl. kann man ja den Rest der Hoffenheimer Trainingsgruppe 2 dann im Winter nachkaufen, damit man dann im Sommer in Liga 2 auch wirklich mit der kompletten Hoffenheimer Resterampe antreten kann.

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