Der Kopf tut nur in Frankfurt weh

Nach zwei freien Tagen wird man also in Frankfurt die Kräfte bündeln. Die Fußballwelt, allen voran Schalke 04 zittert schon. Seit Wochen geht das jetzt so mit den Durchhalteparolen. Irgendwann auf dem Weg zum jeweils nächsten Spietag wirds schon besser. Ruhe. Gelassenheit. Es ist ja auch völlig korrekt herauszustellen, dass die Eintracht viel in ein Spiel investiert und nicht belohnt wird. Natürlich macht das etwas mit einem, das arbeitet im Kopf und stupst den Denkkreisel an.

Aber die Aufarbeitung, die Suche nach den Gründen und Lösungen, was erbringt die so? Man habe Pech, das ist offenbar der Konsens. Und Pech kann man nur mit Glück begegnen. Und da man Glück nicht erzwingen kann, klammert man sich an das Prinzip Hoffnung. Irgendwann fällt schon mal wieder einer in des Gegners Tor, dann wird die Brust breiter, die konditionellen Mängel – die ja brüskiert weggewischt werden – spielen keine Rolle mehr und man taumelt zu einem Erfolgserlebnis.

Als solches wird auch schonmal ein 0:0 gegen einen direkten Konkurrenten gewertet. Das hat etwas von Leverkusens Thomas Hörster, jener Ex-Trainer der im Abstiegskampf gegen Ende der Saison bei einem Unentschieden gegen den direkten Konkurrenten aus Mönchengladbach sagte, er sei zufrieden, da man wenigstens nicht verloren habe. Tja. Darauf hin schäumte Rainer Calmund, Ex-Manager bei Bayer und sprach: „Was erlaubt sich dieser Mann?!“.

Was, um den Bogen zurück zu spannen, wenn anders herum ein Schuh draus wird? Eben weil die Spieler wissen, spüren dass sie kräftemäßig unterlegen sind, klappt es auch im Kopf nicht mehr? Aus diesem Grund drücken sie etwa in den ersten 20 Minuten nicht aggressiv auf ein 1:0, gar 2:0. Denn sie ahnen, dass sie jedes Körnchen Kraft brauchen, um irgendwie über die letzten 20, 25 Minuten zu kommen. Das 0:0 festzuhalten wird so schnell zum einzig verbleibenden Ziel.

Mich beschäftigt indes noch etwas anderes in puncto Psychologie: Wieso scheint das mit dem Kopf anderswo kein Thema zu sein? Bei den Mainzern war davon nichts zu spüren, die hängen, pardon: hingen ja nicht weniger unten drin bis zum letzten Spieltag. Oder Hamburg, die immerhin zuletzt gepunktet haben und vor allem ein ganz anderes Auftreten an den Tag legen, da ist Zug, da ist Leben drin – 3 (!) zu 5 in Leverkusen hin oder her. In Augsburg spielen sie einen manierlichen Fußball, und Nürnberg versemmelt „nur“ reihenweise Chancen, weshalb sie tief unten drin stehen. Einschub: Die Zahl und Qualität der Abschlüsse, die der FCN seit Wochen hat, hatten wir seit Anfang September nicht mehr. Freiburg ist ausgeblutet, ausgeplündert worden – da darf man, auch mit der internationalen Zusatzbelastung nachsichtig sein was deren Probleme angeht. Und Braunschweig ist logischerweise von Beginn an auf kratzen und beißen eingestellt, aber die spielen eben auch das, was sie können. Kopf? Auch in Ordnung.

Es kann ja streng genommen nur einen Grund dafür geben, dass nur die Eintracht-Spieler damit, mit dem Kopf beschäftigt zu sein scheinen: Niemand rechnete mit dem Absturz, damit, dass der Fahrstuhl wieder Etagen überspringend nach unten rauscht. Offenbar hat man sich in und um den Verein mal wieder einlullen lassen davon, dass man in einer lange Zeit starken, aber ab 2013 immer beängstigender werdenden Saison, nur noch ins Europa-Ziel taumelte. Die EL-Millionen vor Augen, die Euphorie samt Endorphine in Herz und Hirn haben zu Entscheidungsfehlern geführt. Die Spieler, die verpflichtet worden sind, machten den Kader nicht besser. Wieso sonst spielen, wie vergangene Saison, die immerselben 12, 13, 14 Leute? Dazu kommt, dass ehemalige Leistungsträger mittlerweile bei ihrem normalen Leistungsvermögen, vielleicht sogar an einem Tiefpunkt angekommen sind. Takashi Inui, Bastian Oczipka, selbst Sebastian Jung und Sebastian Rode. Dazu hat man, wie schon einst bei Christoph Spycher, die Säulen einreißen lassen. Oka Nikolov weg, Heiko Butscher weg – alle zu alt, zu schlecht. Nase rümpfen in Frankfurt, im Verein und bei den Fans. Und dann stehen sie plötzlich da, die netten Meiers, Jungs, Rodes, mitten in der Krise und sollen die Ruhepole, die Herumreißer geben. Klappte in der Vergangenheit nicht, wird auch jetzt nicht klappen. Und dass etwa ein Tranquillo Barnetta, erfahren und mit Klasse gesegnet, in Frankfurt nicht den Antreiber geben kann, geben wird und auch nicht geben muss, ist doch klar. Der Mann ist eine Leihgabe aus Schalke. Dem geht es um den Karriereschritt, um die EM 2014, nicht um den Verein.

Vielleicht liegt ja aber da, bei den Spielern auch gar nicht das Problem. Vielleicht ist es der Geist, sind es die Trugschlüsse eine Ebene höher, welche die Weichen stellte(n). Man wollte in Frankfurt halt wieder mal mehr sein, als man ist. Europa in der Europastadt – da fühlte man sich gerade gut genug für, sonnte sich als Internationaler in Dubai. Die Marke aufbauen, polieren, pflegen. Und Schweiß kommt nicht gut beim Businesstripp. Gearbeitet, so viel muss man nach 10 Punkten aus 12 Spielen sagen, wurde in der Vorbereitung, zwischen den Spieltagen nicht genug. Oder aber falsch. Beide Varianten werfen kein gutes Licht auf Armin Veh und den Trainerstab. Wie sehr man sich verkalkuliert hat lässt sich ja daran ablesen, wie viele Pfeile Veh und Co. bereits aus dem Köcher geholt haben. Von Systemumstellungen über Personalwechsel, Geheimtraining und Kleidungstausch bis hin zu Selbstvertauens-Parolen im Zuge von Europacup-Spiele. Funktioniert hat nichts. Es bedarf schon einer riesigen Portion Vertrauen und Optimismus um zu glauben, dass in den kommenden zwei Trainingswochen (zwei+ Tage sind frei) sich vom aktuellen Übunugsleiter-Team weitere Pfeile aus dem Köcher fischen lassen um gegen Schalke 04 jenes Erfolgserlebnis zu erzielen.

Und selbst wenn, mein Blick richtet sich über dieses eine Spiele hinaus: Mittlerweile braucht es 6,7,8 Punkte bis Dezember um mit einer realistischen Rückrunde von ca. 20 Punkten überhaupt eine Chance auf den Klassenerhalt zu haben. Und jetzt komme mir keiner mit Pirmin Schwegler bzw. dessen Fehlen. Ja, der Mann ist ein guter, ein wichtiger Kicker – in Normal- bis Topform. Aber die hat er ja auch schon vor geraumer Zeit verloren, schon tief in der Rückrunde 2012/2013. Aber es wird sie sicher wieder geben, diejenigen, die Schwegler und Marc Stendera als „gefühlte Neuzugänge“ zur Rückrunde preisen werden. Wie oft hatten wir das schon in den vergangenen Jahren? Immer dann, wenns übel um die Eintracht stand, wurde die Hoffnung in die zurückkehrenden Verletzten gesteckt. Und grandios nachverpflichtet im Winter. Wen haben wir da schon alles geholt … herrje. Naja, das ist aber noch alles eine Weile hin. Erstmal geht es darum überhaupt in eine Ausgangsposition zu gelangen, Hoffnung zu haben. Das wird schwer genug, aller zur Schau gestellten Erkenntnis zum Trotz.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Der Kopf tut nur in Frankfurt weh

  1. Simme

    Wir waren die bessere Mannschaft“, meinte Veh am Tag danach, „da gibt es für mich keine Zweifel.“ (http://www.fnp.de/sport/eintracht/Die-Angst-vor-dem-Abstieg;art785,680424)………Wenn das die weitere Marschroute werden soll für die nächsten Wochen und es weiterhin auf das „Pech“ und die „Doppelbelastung“ geschoben wird,kann man nur schwarz sehen. Selbstkritik scheint eben nich eine von Vehs großen Stärken zu sein.Ob sich dann daraus die richtigen Erkenntnissse ergeben hinsichtlicher Maßnahmen, ist fraglich. Sicherlich hat es eigentlich ganz gut gepasst mit Veh.Für 2 Jahre eben. Liest man seine Vita sieht man,dass er bei keiner seiner Stationen wesentlich länger im Amt war.
    Man kann nur hoffen,dass sich in den nächsten Tagen noch was tut sodass die Eintracht gegen Schalke,Hannover und Hoffenheim nicht allzuschlecht aussieht.Mindestens 10 Punkte müssten ja eigentlich noch her.Aber nach den spielerischen Bankrotterklärungen der letzten Wochen scheint dies doch eher realitätsfern.

  2. Herr Schnitzelmann

    Fussball ist ein Laufsport!
    Wenn man nun, wie in Frankfurt alle Spiele seit dem Bremenspiel meint, man könne ohne sich zu bewegen, auch erfolgreich sein, dann kommt eben das raus, was man gerade wieder erlebt.

    Verwunderlich ist das schon, da man ja schon etliche male bewiesen hat, dass man in der Lage ist, Situationen völlig falsch einzuschätzen und dann auch noch viel zu spät zu handeln. Ich erinnere mich an den fabelhaften Skibbi und seine Trainingsmethoden.

    Und an der Dreifachbelastung kann das auch nicht allein liegen. Wenn ich sehe wie Freiburg sich reinhängt und das mit nem Team, dass nur noch in Fragmenten an jenes erinnert, dass vor einer Saison auf Platz 5 stürmte.

    Ohne dem Trainer zu nahe zu treten, aber in Frankfurt wird meiner Meinung nach völlig falsch trainiert. Man wußte doch spätestens seit dem Abpfiff gegen Wolfsburg (letzte Saison) dass man 3 Wettbewerbe zu spielen hat. Wozu hat man den die Vorbereitung genutzt?
    Um gegen Illertissen gerade mal so durchzukommen, um sich gegen Hertha die erste Trachtprügel (nicht die letze der Saison) einzufangen?
    Um gegen nen Verein aus [xyz].-stan gereade mal so durchzukommen.

    Ich dachte immer, dass sämtliche Geheimnisse um gutes Konditionstraining längst bis in den Breitensport vorgedrungen sind. Das diese aber um Frankfurt einen Bogen gemacht haben, wußte ich bis dato nicht.

    Und gegen Schalke werden wir so dermasen verprügelt das so manchem in Frankfurt die Augen auf gehen werden.
    Hinterher wird mann dann sagen, dass man gegen Schalke immer mal verlieren kann und fertig ist die Spielanalyse!
    Danach gibts dann erstmal trainigsfrei, da man ja regenerieren muss und, ganz wichtig, das man den Kopf wieder frei bekommt.

    Das mit dem Regenerieren in Frankfurt ähnelt langsam dem Versuch, eine leere Batterie durch einfaches rumliegen lassen wieder aufzuladen.

    p.s. was bleibt einem noch, wenn man merkt, dass man in nem Jahr wieder Topspiel am Montag schauen darf? genau, Sarkasmus!

  3. Es war schon immer schwer Eintracht Fan zu sein. Und glaub mir, ich gehe diesen Drama Weg schon unendlich viele Jahre. Was allerdings in diesem Jahr abgeht spottet jeder Beschreibung. Es macht schon keinen Spass mehr auch nur drueber nach zu denken was am kommenden Spieltag den passieren koennte…schoen ist wirklich was anderes.

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