Lebendig in den Abstiegskampf

Es ist ja in Ordnung und nachvollziebar nach dem Schalkespiel etwas zuversichtlicher zu sein, da war immerhin irgendwann mal 20 Minuten lang pulsierendes Leben im Team von Eintracht Frankfurt. Doch faktisch verbessert hat sich die Situation keinen Milimeter, im Gegenteil, es ist schlimmer geworden. Freiburg ist mittlerweile Punktgleich (11 ! Punkte nach 13 Spielen) und Konkurrenz auf den Rängen vor 15 punktet dreifach, zieht davon. Im Abstiegskampf erlitt die Eintracht einen neuerlichen Rückschlag, ist der Zielvorgabe von mindestens sechs bis acht Punkten bis zum 17. Spieltag kaum näher gekommen.

Die Formel ist klar, seit Wochen schon: Es geht nur noch um Siege, egal gegen wen. Man hat so viele Partien gegen die vermeintlichen Schwächeren verbaselt, so dass man sich in die Position manövriert hat, massiv gegen die Top-Teams zu punkten. Verlierst du Punkte gegen Nürnberg, Freiburg, das damals mausetote Hamburg etc., muss als Kompensation halt was Zählbares gegen Truppen wie Schalke, Gladbach etc. her. Da ist man ja streng genommen noch nicht mal bei der Riege der Top-Teams, die beginnt wohl erst mit und ab Leverkusen, welche man ja bald noch spielt/spielen muss.

Und es ist egal, wie man diese Punkte, diese Siege holt. Miserabel spielen, dreckig spielen – es geht nur ums Gewinnen. Mit guter B-Note absteigen bedeutet auch absteigen, die Optik spendet also wenig Trost.

Da hilft es leider gerade mal gar nicht, dass Armin Veh den einzig zuverlässigen Mann in diesem Team, Alex Meier, rüffelt. Der Kerl will seine Gesundheit eben nicht noch mehr strapazieren, wie und wo das  endet, sah man ja erst vor wenigen Wochen. Fitspritzen – das ist auch so eine Unart. Klar, man darf von Fußball-Millionären durchaus erwarten auch mal bisschen was zu investieren, nicht nur pro Tag zwei Stunden Training runterzuspulen und PR-Termine wahrzunehmen. Aber es kann doch keine Option sein, bei einem 30+ Jährigen die Vorbelastungen wegzudrücken, zu ignorieren, gar zu verschlimmern und am Ende die Langzeitverletzung regelrecht zu befeuern. Was hilft ein AM14 denn mit 66 Prozent? Spritze hin, Spritze her: Im Kopf, von dem Veh ja so gerne fabuliert in diesen Wochen, wird ein angeschlagener Spieler ganz anders auftreten als ein fitter. Zweikämpfe werden, bewusst und unbewusst lascher geführt um kein Aufbrechen, kein Aufkommen von Schmerzen zu riskieren. Ein absolut unnötiges Ding von Armin Veh, diese Kritik an Meier. Eine Baustelle, die so überflüssig ist, wie es nur geht. Stichtwort Vertragsverhandlung: Der Meier wird sich sehr gut überlegen, ob es nicht an der Zeit ist diese Truppe mal zu verlassen. Wie oft will der noch gegen den Abstieg die Knochen hinhalten, als einziger regelmäßig treffen und vorbereiten müssen? Ist bestimmt nicht furchtbar hilfreich, wenn der Trainer dann noch einen auf Oppositionsführer macht.

Unterdessen prescht Heribert Bruchhagen beim Thema Veh-Vertragsverlängerung voran. Das ist reichlich absurd. Solange nicht anhand der Punkte und des Tabellenstands klar ist, dass der Trainer die ihm zwar attestierte gute Arbeit in Resultate ummünzen kann/konnte, darf man ihm doch nicht die Belohungswurst vor die Schnauze halten. Es ist schließlich nicht so, dass aktuell auch nur ein Mindestmaß erreicht oder gar Unmenschliches erwartet werden würde. Etwas, das Veh kürzlich ja völlig daneben-interpretierte in dem er die Erwartungshaltung geißelte. Es gibt doch kaum einen in schwarz-rot, der überhaupt von Europa 2.0 zu schwätzen wagte. Mittelfeld, gepaart mit ein paar Ausflügen über die Landesgrenzen, das war die Maßgabe, der Konsens überall. Jetzt „verlangt“ man eine Ausbeute von 16 bis 18 Punkten nach 17 Bundesligaspielen. Wenn das überzogene Erwartungen sind, dann kann man sich gleich zum mentalen und verbalen Schweigegelübde verdonnern.

Das sportlich akutere Problem ist nun erstmal die Innenverteidigung. Bamba Anderson angeschlagen, aber wohl für Hannover – die zu Hause so ziemlich 100 Prozent ihrer Punkte holen – fit. In Europa wirds dann wohl das Duo Zambrano/Kempf (18 Jahre) oder Zambrano/Flum richten. Letzteres ist wahrscheinlicher, da der gegen Schalke (bis auf die entscheidende Szene vor dem 3:3) nicht ganz so schlechte Martin Lanig dann weiter im defensiven Mittelfeld bleiben könnte. Ein Takashi Inui, gar ein Pirmin Schwegler würden im Laufe der Partie, je nach Verlauf dieser, Spielpraxis sammeln können.

12 000 Fans, viele in orange werden in Bordeaux auf den Rängen stehen und sitzen. Das ist eine bemerkenswerte, eine unglaubliche Zahl. Sie beweist, dass trotz aller Tristesse in Frankfurt ein Fußballfunke, ein Flämmchen noch züngelt. Das Team, der Trainer, der Verein muss das nutzen, niemand darf dieses noch (!) lodernde Feuer durch immerwährendes Abstiegsgekämpfe ersticken. Leider droht genau das, nach dem 13. Spieltag noch mehr als zuvor. Und Europa, tja, das kann jetzt nur als Stimmungsaufheller herhalten. Sonntag, Hannover ist wichtig. Das wird brutal genug, da die a) auch Krise haben und b) zu Hause wie gesagt einfach nicht verlieren; was in Manko c) resultiert: Der Eintracht helfen nur Siege.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Lebendig in den Abstiegskampf

  1. oh mein Gott, wir werden alle sterben !
    Wie kann man nur immer und immer und immerwieder nur Negatives rauskehren….Mensch Björn, kannst Du nicht mal was (durchaus vorhandenes) Positives rüberbringen ? Nix gegen kritische Töne…aber permanent immer und immerwieder……ich will Dir was sagen…ich war nach dem S04-Spiel sehr zufrieden…klar, war mir ein Punkt viel zuwenig, aber a) habe ich vor dem Spiel bezüglich der Aufstellung eine Reaktion des Übungsleiters festgestellt und b) hat mir unsere Truppe eine tolle Aufholjagd gegen Millionaros präsentiert. Punkt ! …und komm mir ja nicht mit der 86. Minute….was hat das „Stocher-Tor“ mit Konditionmängel zu tun ???
    Ich mach mich heute auf nach Bordeaux und freue mich auf meine Eintracht !
    …ach so…Schnitzelmann paßt zu Dir…..und, oh Gott wir werden alle…siehe oben !

    • Ich bin irritiert. In meiner Wahrnehmung waren die letzten drei Beiträge im Blog so positiv wie es angesichts der aktuellen Situation eben geht. Schalke lässt sich in zwei Richtungen interpretieren: Wende, weil man binnen 20, 25 Minuten von den Toten auferstand. Oder aber, Knüppel auf den Kopf wegen des neuerlichen Punkteliegenlassens in den Schlußminuten. Fakt ist, dass wir nur einen Punkt geholt haben, Freiburg drei und wir nach unten Polster verloren, nach oben die Abstände vergrößert haben. Ist ja nicht wegzudiskutieren.

      Die 86+ Minute ist nicht das (konditionelle) Problem, es beginnt ab Minute 70. Und zwar seit Wochen, seit Monaten. Ab diesem Zeitpunkt kommt von Frankfurt nichts mehr, sie stehen immer tiefer, bringen keinen einzigen Konter an, Zweikämpfe verlieren sie immer häufiger und die Quittung gibts dann eben, wenn die Körner weniger und weniger werden. Und das weiß jeder Trainer der Liga, siehe Aussagen von Dieter Hecking. Kopf? Pech? Reicht mir nicht als Erklärung. Das Muster wiederholt sich nämlich immer gleich, ab der 70. Und das hat mit Kraft zutun, meiner Ansicht nacht.

  2. Herr Schnitzelmann

    das die Eintracht ein soooo großes Herz hat, hat sie es noch nie über sich gebracht, einem anderen krieselndem Club Punkte abzunehmen… wie auch schon gegen Hamburg, Nürnberg, Mainz oder auch Freiburg, so werden wir auch schön brav Punkte in Hannover lassen…
    …schade, aber ich bleib dabei, mehr als 15. werden wir diese Saison nicht… was ich nicht berücksichtigt hatte, wir haben nach unten noch viel Potential!!!

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