Monatsarchiv: Dezember 2013

Die Kandidaten

Uns wurde ja erklärt, dass so ein Abstieg aus der Bundesliga sehr teuer sei. 10 Millionen Euro waren es zuletzt mindestens, und da gings nach einem Jahr darben wieder hoch. Diesmal würden wir ziemlich sicher länger im Unterhaus verschwinden. Wer weiß, wie lange. Von daher lasse man das Geld-Gequatsche, das ich ja auch weiß Gott jahrelang unterstützt habe, dieses Mal bitte bei Seite. Kein negatives Eigenkapital etc. Es geht darum, ob man die Perspektive, eine mal angefangene Entwicklung aufrecht erhalten, ggf. in Bundesliga 1 ausgebenes Geld wieder verdienen kann. Schweinejahr überstehen, um es floskelhaft auszudrücken.

Das gesagt, anbei einige Kandidaten (aus der Bundesliga) für die verschiedenen Mannschaftsteile, wo Not herrscht – und die nicht zu den 13, 14, 15 Profis ihrer jeweiligen Vereine zählen, die am häufigsten eingesetzt werden. Vorab: Das ist nur eine schnell erstellte Übersicht über die augenscheinlichsten aller Profis. Das heißt keinesfalls, dass es a) die Besten, b) die von mir Gewünschen oder c) vom Verein beobachteten sind. Wobei, ich glaube fast, dass c) bei einigen zutreffen wird.

Offensive (Sturm und Außenbahn):

Luuk de Jong (Mönchengladbach)
Bas Dost (Wolfsburg)
Mohammed Abdealloue (Stuttgart)
Artjoms Rudnevs (Hamburg)
Peniel Mlapa (Mönchengladbach)
Robbie Kruse (Leverkusen)
Jan Schlaudraff (Hannover)
Christian Clemens (Schalke 04)
Chinedu Obasi (Schalke 04)
Dong-Won Ji (Ex-FC Augsburg, jetzt AFC Sunderlang)
Jo-Chol Koo (VfL Wolfsburg)

Defensive (Mittelfeld):

Gojko Kacar (Hamburg)
Robert Tesche (Hamburg)
Jan Kirchhoff (Bayern München) —> Update: Geht zu Schalke

Defensive (Linksverteidiger):

Michal Kadlec (Ex-Leverkusen)
Diego Contento (Bayern München)
Christian Molinaro (Stuttgart)
Sebastian Pocognoli (Hannover 96)
Konstantinos Stafylidis (Leverkusen)
Malik Fathi (Mainz 05)

——–

Die Frage wird sein, wie man sich für die Rückrunde und die Mission „Irgendwie-Klassenerhalt“ aufstellen mag. Fragen in der Offensive (außerhalb des AM14-Phänomens): Traut man dem lange verletzten und davor in so la la-Form befindlichen Stefan Aigner einen deutlichen Leistungssprung zu? Ist Takashi Inui außerhalb der Hyper-Form zwischen Augusut und November 2012 Hilfe oder in Normalform nicht viel mehr Last? Entpuppt sich Vaclav Kadlec etwa doch als Martin Fenin 2.0? Wie verlässlich ist die fleischgewordene Sport-Achterbahn Joselu, wo Srdjan Lakic keinerlei Zukunft haben wird? Ist Jan Rosenthal in der Lage, dauerhaft mehr als die Nummer 12 des Teams zu sein?

In meinen Augen ein wahrscheinlicher Kandidat für die Offensive – wenn man nur die Bundesligisten sieht –  ist Jan Schlaudraff, da dieser im Sturmzentrum, hinter dem Stürmer und auf der Außenbahn spielen kann. Also überall dort, wo es mächtig drückt. Davon abgesehen, dass man den vor Jahren schon mal an den Main locken wollte (was ich persönlich ja wehement ablehnte). Zudem tauchen stets die Koreaner Ji (eine Halbserie beim FC Augsburg) sowie Koo (ebenfalls Ex-Augsburg, jetzt wieder Wolfsburg) in der Gerüchteküche auf. Abgesehen von der Frage, ob sie wirklich ad hoc weiterhelfen würden, sind auch größere/erfolgreichere Vereine wie Dortmund oder Mainz offenbar an denen interessiert. Schwerlich zu realisieren, dementsprechend.

In der Defensive sind die Fragen und qualitativen Nöte noch offenkundiger: Während man Constant Djakpa monatelang verschmähte und ihm eine Rolle aus Stammspieler nicht zutraut, ist Bastian Oczipka seit mittlerweile rund einem Jahr (!) ein Ärgernis. Er profitiert von einem famosen Vierteljahr zwischen August und November 2012 – seitdem ist sogar statistisch belegbar kaum noch etwas gekommen.: Am 5. Spieltag gegen Werder Bremen bereite er sein einziges Tor der Saison vor, davor am 27. Spieltag gegen Fürth, davor am 19. Spieltag gegen Hoffenheim. Drei Torvorlagen in fast einem Jahr – da wackelt die These der Offensivgefahr aber gehörig.

Auf der Linksverteidigerposition ist also drigender Handlungsbedarf. Dort ist die Auswahl von Spielern, die einem sofort weiterhelfen und/oder bezahlbar (Leihe) sein könnten, gering. Konstantions Stafylidis ist ein Unbekannter, aber die Frankfurt-Leverkusen-Deals waren selten die Schlechtesten. Molinaro, der in Stuttgart nicht mit ins Wintertrainingslager reist und von dem sich die Schwaben trennen wollen, kann an guten Tagen eine Verstärkung sein, meistens ist er ein Sicherheitsrisiko. Contento wird, obwohl er quasi nie spielt, nicht von Frankfurt zu überzeugen sein (Pep-Faktor) und Malik Fathi ist eben Mali Fathi. Bleibt der Belgier Sebastien Pocognoli (Hannover 96), der wohl von seinem Verein einen Wechsel nahegelegt bekommen hat. Spielte 13 Mal in der aktuellen Saison, so lala. Diese Kaderstelle könnte wohl eher von einem Spieler besetzt werden, der aus einer anderen Fußballliga, aus dem Ausland stammt – und zwar (ginge es nach mir) Michal Kadlec, der Ex-Leverkusener und jetzige Bankdrücker von Fenerbahce Istanbul. 128 von 170 möglichen Bundesligaspielen absolvierte er zwischen 2008 und 2013, acht Tore (als Linksverteidiger) und vor allem ein guter Freistoßschütze.

Einer, der a) die Qualität und b) Standards kann ist Michal Kadlec, der Ex-Leverkusener (Infos: http://www.transfermarkt.de/de/michal-kadlec/profil/spieler_21042.html ). Der Linksverteidiger spielt bei Fenerbahce Istanbul so gut wie gar nicht und ist zuletzt mehrfach in Verbindung gebracht worden mit Bundesligisten (Suttgart, Bremen, auch Dortmund)

Zurück zur Verteidigung: Mit Zambrano, Anderson und Russ stehen drei Innenverteidiger im Kader, die allesamt ihre Sache soweit ordentlich gemacht haben in der Hinrunde – und das war bisweilen weiß Gott nicht leicht angesichts der 0-Torgefahr, des Dauerdrucks auf die Defensive. Rein hierachisch wäre es so gut wie unmöglich, einen vierten guten Innenverteidiger nach Frankfurt zu locken. Am Stammduo Zambrano/Anderson gibt es im Normalfall kein Vorbekommen und dass Marco Russ mehr als nur Notnagel ist, sogar eine Art Kampf-Retter, ist spätestens seit dem Leverkusenspiel jedem klar. Womit also die potentielle Nummer 4 locken? Da wird man im Fall eines Falles wieder auf den – allerdings sichtbar und extrem wackelnden – Marc-Oliver Kempf setzen (müssen).

Bleibt der zentrale Defensivbereich im Mittelfeld. Da wird Gojko Kacar, an dem man schon zwei drei Mal dran war, auf der Liste stehen falls man sich entscheidet, auf der Sechserposition zu handeln (immerhin kann der sich gut verletzten, selten bis nie spielen … in Frankfurt eine Schlüsselqualifikation). Jan Kirchhoff, den Ex-Mainzer, der eigentlich sogar eher Innenverteidiger ist, wechselt zu Schalke. Wobei ein Transfer auf dieser Position nach Genesung von Schwegler unwahrscheinlich ist, angesichts der prinzipiellen Personaldichte in der defensiven Zentrale (Schwegler, Rode, Flum, Lanig, Bakalorz). Sollte man – was höchst unwahrscheinlich ist – Rode in der Winterpause noch zu Geld machen wollen (Vertrag liefe aus zum Saisonende, also ablösefrei), würde man vermutlich eher im U23-Segment nach einem Ersatzmann schauen. PS: Marc Stendera kehrt zudem nach Kreuzbandriss zurück, ein junger Mann, der im Mittelfeld zentral, wenn auch offensiver spielt. Ergo: Für die 6 wird nicht eingekauft werden, es wäre sogar völlig absurd, dort das Geld zu investieren.

Ein persönliches Wort zum Schluss: Bei manchem Namen in der oben stehenden Liste schmerzte mir übrigens schon beim tippen die Hand.

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Nix da, Ausrutscher

Freiburg (keine Kopfprobleme, offenbar) schlägt Hannover 96 (gegen die haben wir verloren). Braunschweig (keine Kopfprobleme, offenbar) schlägt Hoffenheim (gegen die haben wir verloren). Beide Kellerkinder spielten/gewannen zu Hause, übrigens. Hertha BSC Berlin mischt nach Rückstand Dortmund auf (gegen beide haben wir verloren) und Bremen schlägt Leverkusen (die Übermächtigen, gegen die nun offenbar jeder gewinnt) während Nürnberg gegen Schalke (gegen beide spielten wir Remis) zwar „nur“ einfach punktet, aber S04 80 der 90 Minuten beherrschte, auch gefährlich (!) aufs Tor schoss.

In Frankfurt ist man indes semi-zufrieden mit einem Heimpunkt gegen biedere, blasse Augsburger (Veh: „Wir sind mit dem Punkt zufrieden, das müssen wir in unserer Lage auch sein“). Auch mit den insgesamt drei passablen Abschlüssen in 90 Minuten. Tja. Man bleibt über dem Strich. Hossa! Ob es irgendwann in den Birnen der Leute da in Frankfurt mal klingelt? Also derart, dass sie Worten mal Taten folgen lassen? Dass diese Dauerbestürztheit nach den regelmäßig tristen Auftritten mal in einer echten, sichtbaren und zählbaren Reaktion mündet, dass die Phrasendreschmaschinen mal abgeschaltet und stattdessen Gras gefressen, der Vorwärtsgang nicht erst nach und nicht nur bis zum Teilerfolg – nennen wir es Ausgleichstor vor heimischem Publikum – eingelegt wird? Alles vergebene Liebesmüh, denn dann liest man so etwas:

„Es ist wichtig, dass wir Weihnachten alle abschalten und uns dann richtig gut auf die Rückrunde vorbereiten. Wenn meine Mannschaft es schafft, drei Mannschaften hinter sich zu lassen, dann hat es wirklich was gebracht“ (Armin Veh nach dem 1:1 gegen Augsburg).

Bruno Hübner äußerte sich beim Hessischen Rundfunk im Radio Stunden später darüber, dass ja nicht alles schlecht sei, immerhin werde man „in Europa wahrgenommen“ und mit Porto, Dortmund und Bayern stünde ein Top-Februar an. Was will man da als hilfloser Zuschauer noch entgegnen? Es bleibt nur zu mutmaßen, dass man in anderen Berufsfeldern für so etwas eine Abmahnung kassieren würde. Sicher eine Krankschreibung wegen verzerrter Realitätswahrnehmung.

Zur Abwechslung mal nacktes Zahlenmaterial was vielleicht erklärt, wieso Leute wie ich so fuchsig sind und die Dauer-Relativiererei und der Zweckoptimismus sie zur Weißglut treiben. Hier ein Vergleich der Lizenzspieler-Etats (in Klammern die BuLi-Platzierung im Geld-Ranking):

Eintracht Frankfurt: 30 Millionen Euro (11.)
FC Nürnberg: 24 Millionen Euro (14.)
SC Freiburg: 16,1 Millionen Euro (17.)
Eintracht Braunschweig: 15 Millionen Euro (18.)
(FC Augsburg: 17 Millionen Euro, 16.)

Uns wird seit Jahren vorgebetet, wie wichtig das mit dem Geld, mit dem TV-Ranking, das mit den finanziellen Mitteln, Eigenkapital und so ist. Und dann haben die mit 15 und die 16 Millionen Etat irgendwie doch exakt so „viele“ Siege eingefahren wie die mit 30 Millionen. Und die Torverhältnisse sind – in der Defensive – fast gleich. Nur offensiv haben wir sage und schreibe drei bis vier Tore mehr geschossen als die mit 16 und die mit 24 Millionen. Klartext: Hier konkurrieren nicht 30 mit 29 oder 28 Millionen, sondern ein Verein, der im Gros das doppelte an Mammon zur Verfügung hat wie diejenigen, mit denen er sich in den untersten Tabellenregionen misst. Und selbst diesen Vergleich droht er zu verlieren. Anstatt Rang 11 ist es Rang 15 mit Tendenz nach unten sowie eine meilenweite sportliche Distanz zu etwa dem Geld-Rankings Sechzehnten.

Welche Schlüsse lässt so eine Entwicklug zu? Wie kann man da irgendetwas beschönigen, den Architekten dieses Trends so vehement die Stange halten? 15 von 51 möglichen Punkten bei dieser (finanziellen wie sportlich-euphorischen) Ausgangslage sind mies. Völlig egal, wie man es zu relativieren versucht, ist da sportlich, spielerisch grotesk schlecht gearbeitet worden in Frankfurt. Und das wird kaschiert mit Geschwätz über Druck, Kopfprobleme, Ryhtmus, Europa-Doppel- und Pokal-Dreifachbelastung etc. Wie man es auch dreht: Entweder sind a) Fehlentscheidungen getroffen worden, die jemand zu verantworten hat, b) ist es sportlich schludrig vorbereitet, falsch trainiert worden, was jemand zu verantworten hat oder aber c) jemand, der verantwortlich ist, bekommt die Situation nicht in den Griff, hat – offenkundig – keine erfolgreichen Konzepte gegen die Talfahrt. In allen Szenarios – und auch bei einem Mix von diesen – kann es doch keine Lösung sein, einfach immer und immer weiter genau so weiterzumachen. Das ist wie das Gleichnis mit dem Kind und der heißen Herdplatte. Nur eben mit dem entscheidenden Unterschied, dass das Kind es eben nicht lernt, die Hand immer wieder auf die heiße Herdplatte legt. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen wundert sich das schmerzgekrümmte Kind nach 34 stoischen Handauflege-Ritualen, wieso die Hand ein für alle mal verbrannt ist.

Ich stelle nun noch eine Frage an meine Blog-Leser. Eine, die mich seit langem beschäftigt. Und zwar: Ist die 1:6 Niederlage am 1. Spieltag in Berlin nicht doch aussagekräftig, wegweisend, der frühstmögliche Fingerzeig für den Saisonverlauf, für eine verfehlte Einkaufspolitik, eine schlechte Vorbereitung, eine laxe Herangehensweise, ein falsches Selbstverständnis gewesen?

Ein Ausrutscher soll es gewesen sein, hieß es in den Folgewochen. Sporadisch, wenn auch brotlos (Bayern/Dortmund) konnte man gar an diese These glauben. Doch vom Ende, von der Entwicklung her gesehen muss man konstertieren, dass die überlegene Hertha BSC den späteren Gegnern nur eine Kleinigkeit voraus hatte: Sie hatten mehr Bock, sie wollten drauf gehen, sie wollten viele Tore schießen und taten das auch. Überlegen waren in der Folgezeit viele andere Gegner, von Mainz über Gladbach bis hin zu Wolfsburg. Nur verwalteten diese die Eintracht clever in die Niederlage.

Hinweis: Zum Zeitpunkt des Berlinspiels war noch nichts mit Doppelbelastung, mit Kopfproblemen etc. Und doch erkenne ich in diesem Auftritt in mancher Hinsicht ein (Warn)Signal für den Saisonverlauf. Offensiv völlig harmlos, defensiv wackelig, kein Konterspiel, keine Standardgefahr, dafür Standardanfälligkeit – das Resultat sind 15 von 51 Punkten (36 Zähler im Kalenderjahr 2013, kein Heimsieg seit Frühjahr 2013) und die Frage, ob Abstand, ob die Winterpause reicht um all die Versäumnisse, die Schlechtigkeit aus der Mannschaft zu treiben. Um das zu bejahen, muss man einen beinahe schon fundamentalistischen Glauben in die Truppe haben.

Den Trainerwechsel – zu einem sinnvollen Zeitpunkt, nämlich vor der weichenstellenden Winterpause – kann man sich ab jetzt jedenfalls schenken. Doch ob Vehs Ansporn, es nicht alleinverantwortlich zu vermasseln, reichen wird um die eklatanten Schwächen abzustellen? Nein, 1000 prozentig nicht. Neuzugänge (Plural!) wird es geben müssen. Zwei oder drei, einer für jeden Mannschaftsteil – die Torwartposition ausgenommen. Dazu wird es Geld benötigen, mehr als konservative 1,5 Millionen Euro. Mehr als Ausleihen von Zukunftshoffnungen oder Personaldiebstahl bei Teams auf gefühlter Augenhöhe.

Ist man nicht willens, in einem gewissen Volumen zu investieren, ist man nicht in der Lage endlich mal Leute mit der Spielerfindung zu betreuen die so etwas können, geht es in die zweite Bundesliga. Da lege ich mich in diesen Vor-Weihnachtstagen fest.

Ich gehe dann schonmal die Offensichtlichen scouten. Der Gabentisch wird reich mit DVDs gedeckt sein in der SGE-Geschäftsstelle. Da werden sich Hölzenbein und Co. wieder bei Chips und Cola die Einsendungen der ganz Großen, von ihren Beratern zurecht geschnittenne Szenen ansehen. Am Ende holen die den Caio nochmal und würden nicht mal bemerken, dass sie den schonmal verpflichtet haben.

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Eine schöne Bescherung

Als sich die Massen in den Minuten nach dem Abpfiff des blamablen Frankfurter Heim-Auftritts über den Trampelpfad im Wald in Richtung S-Bahnen schoben, mangelte es nicht an symbolkräftigen Bildern. Links und rechts des Weges rannten einige besonders Agile an den Vorderleuten vorbei, wollten schneller am Gleis sein als die eine oder andere Hundertschaft in rot-schwarz, doch ehe sie sich versahen, stolperten sie, rutschten aus, blieben in Wurzeln hängen und knallten teilweise böse auf den Boden. Manche Gesichtsbremse wurde männlich souverän ignoriert, andere Aufgeschlagene wurden von der Natur regelrecht ausgeknockt.

Die Szenen passten sehr gut zu dem, was in den 105 Minuten zuvor im Stadion passiert war. Ein zähes Geschiebe zwischen rot-schwarz und weiß, Erstere offensiv struktur- und ideenlos, zweitere ungläubig und untätig ob der Schwäche der Heimmannschaft. Und Letzere war es, die – dank hilflosem Quergeschiebes – ziemlich auf die Fresse flog. Nur das, was in der 85. Minute geschah, das Unvermögen des Augsburger Angreifers gepaart mit der Verve und Klasse Kevin Trapps und dem Willen Carlos Zambranos bewahrte Eintracht Frankfurt vor dem absoluten Fiasko. Es ist nicht schwarzgemalt zu sagen, dass der FCA die bessere Mannschaft war, jene, die eine Idee für dieses Spiel hatte und der letztlich – neben jener Riesen-Doppelchance in der 85. Minute – nur vorzuwerfen ist, dass sie dem Gegner zu viel Qualität beigemessen hat. Man darf behaupten, dass die bayerischen Schwaben dieses Spiel eher gewinnen hätten können, wenn nicht müssen, als die Eintracht. Alleine die Tatsache, dass die Eintracht in Halbzeit zwei nicht einen Torabschluss zustande brachte, reicht als Indiz für die These aus.

Es waren fünf, vielleicht zehn Minuten des Auflehnens, dessen, was man Fußball nennt, die Frankfurt dieses Remis bescherten. Zwei Mal scheiterte man am in diesen wenigen Minuten  überragenden Marvin Hitz im Augsburger Tor. Dann netzte Jan Rosenthal – der zwischen Ballsicherheit und Schludrigkeit im Sekundentakt wechselte – ein. Danach war die Luft aus dem Eintracht-Boot im Nu wieder raus und wurde nie wieder hineingepustet.

Man kann jetzt vortrefflich über die strittige (Hand)elfmeterszene in der Schlußminute reden. Wenn, dann müsste man auch Schweglers Foul im 16er an Altintop in der 5. Minute mit-debattieren. So oder so ist es egal: Nie war die SGE obenauf, schon gar nicht in Reichweite eines Sieges.

Das Vertrackte: Man hatte ja schon die vielzitierten Schweinesiege, gegen Bordeaux, gegen Leverkusen. Man riss die Partie gegen Schalke 04 rum. Alles waren mögliche Knotenplatzer, aus allem hätte man in der Folgewoche, in den Folgewochen etwas ziehen können – resultierend in Punkten. Stattdessen folgte und folgt immer neue Tristesse. Das Schlimme: Man hat als Zuschauer das Gefühl, es wird im Zweifel eher stets schlimmer als in Trippelschritten besser.

Stephan Schröck, der lange verschmähte, entpuppt sich nicht nur aufgrund der spielerischen Düsternis als Gewinn. Überall auf dem Platz war er zu finden, wenn defensiv oder offensiv eine prägnante Szene auf den Rasen gelegt wurde, war er beteiligt, maßgeblich. Auch Constant Djakpa – bis auf eine Situation, wo er den Ball drei Mal binnen 10 Sekunden verliert – stellt Bastian Oczipka in den Schatten, wirkt wesentlich dynamischer, agiler, durchdachter und defensiv robuster. Joselu? Der fällt jedenfalls nicht (mehr) ab als Kadlec das tat/tut. All das hätte man früher haben können, diese Elemente, Impulse wären vor Wochen schon sinnvoll und vor allem nötig gewesen. Gut, müßig darüber zu spekulieren, ob man dann mehr Punkte geholt hätte. Jedenfalls scheint es dieser Tage so, als ob die Chance darauf deutlich höher hätte sein können.

Was bleibt? 15 Punkte aus 17 Spielen, je nach Ausgang der Partien der direkten Abstiegs-Roulette-Mitspieler (3 aus 4) ist es ein Polster zwischen einem und vier Punkten. Ein Polster nach unten zu haben ist angesichts des Rückrundenauftakts (Bayern, Dortmund …) eminent wichtig. Da wird man nämlich aller Vorrausicht nach verkacken – die anderen ziehen ggf. vorbei. Doch das alles, das einträchtliche Leid nur, um dann furios in Richtung 20, 21, 22 Punkte-Rückrunde zu starten. Es sei denn, die Kicker haben wieder Kopfweh, wenn aus den ersten drei, vier Spielen zwischen 0 und 2, 3 Zählern herausgesprungen sind. Aber wer kann schon in die Zukunft blicken?

Ich freue mich jedenfalls bereits auf die Parallelen zur Augsburger-Aufholjagd (9 Punkte nach 17 Spielen). Da wird dann natürlich galant verschwiegen werden, dass man in Münchens Nachbar(Fugger!)stadt von Beginn an auf Abstiegskampf geeicht war und einen Plan (!) hatte, die nötigen Spieler dafür. In Frankfurt ist das alles nicht so, da war keinem klar, dass der Sturz so weit nach unten geht. Und dementsprechend ist das Personal auch (nicht) aufgestellt. Waren wir ab, wen die Eintracht in der Winterpause verpflichten wird. Baustellen gibt es genug. Stürmer und Linksverteidiger, Außenmittelfeldspieler und Standardschützen, Kopfballspieler … Schreibt euch noch etwas auf den Wunschzettel, irgendwann nach Weihnachten wirds dann einen Namen geben. Frohes Fest!

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Augsburg ist wichtig

Da ticken sie runter, die Stunden bis zum letzten Spiel 2013. Es könnte ein Bundesligajahr hinten raus retten, das – trotz aller Erfolge – bisweilen verkorkst gelaufen ist. Oft genug ist wiederholt worden, dass vieles der Europa-Sensation mit August bis Dezember 2012 zusammenhing. Danach riss es ein, wobei auch die Rückrunde immerhin mit einem zufriedenstellenden Punktekonto abgeschlossen worden ist.

Jedoch ist spätestens im Frühjahr der einträchtliche Faden gerissen und, trotz sichtbarer Personalveränderungen bis jetzt nicht wieder geflickt worden. Am Freitagabend, gegen Augsburg, könnten feine, fleißige Hände diesen Faden zu einem vorerst rissfesten Gebilde knoten. Dazu braucht es einen Sieg – was gegen den FCA schwer, sehr schwer werden wird. Die sind schlicht besser als die Eintracht – zumal konstanter in ihren spielerischen Darbietungen. Ein Unentschieden muss es sowieso sein für die SGE in diesem Heim(!)spiel, sonst ist der Schweinesieg in Leverkusen … naja, drei Punkte wert, was ja auch mehr nicht sein könnte. Jedenfalls wären 17 Punkte nach der Hinrunde eine Basis, von der aus man etwas beuhigter die mittelfristige Zukunft planen kann (Vertragsgespräche, von denen viele anstehen inklusive).

In diesem Sinne: Auf geht es Eintracht Frankfurt, rettet uns das Jahr, Weihnachten, Silvester !!!

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Durchschnaufen! (Skiurlaub-BlogPause, sorry ;-)

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Leverkusen ist wichtig

Stand man also in den Stunden vor dem Leverkusenspiel tabellarisch dort, wo man hingehört. Nürnberg war 20 Sekunden vom Dreier (Knoten platzen?) entfernt. Die Unfähigkeit der Konkurrenz, man wird nicht 34 Wochen lang davon profitieren können und sich in Gottvertrauen zum erkrebsten Klassenerhalt beten. Die anderen machen halt irgendwann mal was – Ergebnisse und so. In Frankfurt trottet man stattdessen misserfolgs-gewohnt und schmerzbefreit in die Winterpause, beklagt sich – wieso gab das eigentlich keinen #Aufschrei ? – zwischendurch über mangelnde Trainingszeit (Europacup …) und lässt Spieltag um Spieltag routiniert lächelnd sausen um endlich die geballten drei Millionen Euro für Neuzugänge ausgeben zu können.

Na da werden sich die Bundesligisten aber in Acht nehmen müssen, hossa! Da wird dann in vier bis sechs neue Beine investiert, das es nur so kracht. Im Alleingang schießen die 20 Punkte aufs Konto – was immernoch nicht reichen wird. Aber hey, es thematisiert ja auch keine Sau, dass man eine famose Rückrunde spielen müsste ums packen zu können. Wird alles weggedrück. Betont gelassen geht mans an. Man tut gerade so, als ob man Werder’esk fünf Punkte vor der schlimmen Zone stünde und dieser Strudel einen erst zu erfassen drohe. Kein bisschen scheint denen klar zu sein, wie tief sie im Morast stecken.

Auf der anderen Seite: So lange man keinen Rückstand im Roulette 3 aus 4 anhäuft, hat man in dieser überschaubaren Abnutzungsschlacht wenigstens noch die besten Kugeln. Man sollte sie nur bald mal in dieses hölzerne Glücksspiel-Gerät schmeissen, denn wie schnell man vom Sockel fallen kann, sah man am Samstag: 20 Sekunden, 20 Sekunden. Leverkusen ist wichtig.

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Winterspiele

Demütig, gesenkten Hauptes geht es also gen Bayer-Pharma-Werke. In Leverkusen wird es für die Eintracht – ob A-Elf, B-Elf oder AB-Elf – nichts zu holen geben. Das glaubt und das weiß jeder. Hoffentlich auch die „Werkself“ (!), hoffentlich sind die davon derart überzeugt, dass es für sie gegen die SGE schiefgehen muss.

So etwas ist es, das der Eintrachfan im Dezember 2013 hofft. Einfach nur, um irgendwie an den Klassenerhalt glauben zu können. Die können in Frankfurt nämlich im Winter nachlegen wie sie wollen – mit allen geballten zwei, drei Millionen Euro die sie lockermachen werden – mit elf Punkten, 22,23,24 noch zu holenden bei fünf, sechs, sieben Punkten Rückstand auf den 14., ist nichts anderes als Abstiegs-Roulette angesagt.

So lasset die (Winter)spiele beginnen. Sotschti Frankfurt, scheiß egal, Eintracht Frankfurt (war bald mal) international.

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