Frankfurter Fußballversuche

Das war also die breite(re) Brust, das Selbstbewusstsein, die Befreiung vom Druck der Doppelbelastung, der Schritt nach vorne, das Zählbare, die Wende, das Aufbäumen gegen das andere Krisen-Team der Liga. Durchschnaufen in Frankfurt! Was für ein Glück, dass die Fan-Massen der SGE seit dem Nachmittag nicht den (nächsten) Aufprall auf dem Asphalt der sportlichen Absurdität erleben mussten.

Gottlob (!) hat man Hannover 96 dank Biss, Verve, Mut, Konzentration und Zweikampfhärte niedergerungen. Mit dem Messer zwischen den Zähnen jagte Mintgrün die Roten übers Feld, mit Passstaffeten – alle kurz, schnell, direkt – wirbelte man den Gegner schwindelig und schoss im Minutentakt auf das Gehäuse von Ron-Robert Zieler. Kevin Trapp hingegen musste nie eingreifen, die Innenverteidigung von Eintracht Frankfurt rupfte vor Beschäftigungslosigkeit das Unkraut aus dem norddeutschen Rasen. Und vorne, herrje, das Sammelsurium der Pferdelungen zog einen Sprint nach dem nächsten an, luchste dem gegnerischen Mittelfeld jeden zweiten Ball ab, explodierte bei Ballgewinnen förmlich und trieb die Kugel bedingungslos in Richtung Tor. Nur so erklärt sich die überragende Torschussbilanz von 4234348242732848:0 – und wenn nicht Pfosten und Latte so oft für Hannover gerettet hätten, wenn nicht der Schiedsrichter ein reguläres Tor nach dem nächsten  aberkannt hätte, diese Partie wäre sogar dreistellig ausgegangen. Ein 100:0, es wäre ebenso verdient wie möglich gewesen.

Wie, war gar nicht so? Oh, sorry. Ich nahme mir gestreng vor, mich an die Optismus-Doktrin zu halten, etwa jeden querliegenden Furz als Orkan zu preisen. Das macht man so als Deluxe-Fan, habe ich mir sagen lassen.

Eintracht Frankfurt ist das schlechteste Team der Bundesliga. Tabellarisch ist es nur eine Frage von ein, zwei Spieltagen, bis man selbst vom Relegations+/-Platz purzelt. Spielerisch ist man schon vor vielen vielen Wochen ganz unten angelangt. 90 Minuten Darmspiegelung machen mehr Spaß als sich den Frankfurter Fußballversuch anzutun. Da ist nichts mehr vorhanden an Können. Das Kurzpassspiel – ich rede nicht von Gott weiß was für Staffetten – hat man ermordet. Tempoverschärfungen, geschweige denn Konterspiel hat man gegen Strandfußball eingetauscht. Zweikampfgeilheit ist Geleitschutz gewichen. Torschüsse gibt es nur noch im Training (bei vielen der rabiaten 6 Einheiten pro Woche). Die Illusion der ersten zehn, elf Spiele 2012/2013 ist schon lange als solche entlarvt. Das es aber jede Woche nochmal schlechter, geradezu skibbesk wird, ist schon beachtlich.

Also, jemand Lust, beim neuerlichen Dauer-Relativieren den Anfang zu machen? Neben Kopfproblemen und Ergebniskrise wäre noch die Schiedsrichter-Schelte in der Verlosung. Oder der Platzverweis, zu zehnt ist halt schwer und so. Zudem war Bordeaux auch ein spätes Abendspiel, taugt vielleicht ebenfalls zur Entschuldigung. Die Personalsorgen sind natürlich auch immer gut und gerne genommen (ist ja nicht so, dass man sich vor der Saison mit dem breiten Kader brüstete). Für die Vereinspropaganda und die Ewigtreuen, die weder reflektieren wollen noch können, waren jedenfalls der Paltzverweis (völlig zurecht ausgesprochen), die Trainer-Hinausstellung (logische Konsequenz) sowie der nicht gegebene Elfmeter (den Schwegler im Interview selbst anzwiefelt) Gold wert. Wunderbar können sie nun wieder die Schuld in Richtung Dritter kanalisieren, mit dem eigenen Team, dem Trainer oder was auch immer, hat all das nichts zutun.

Nun gut, es gibt ja zum Glück immernoch die jeweils nächste Woche. Denn in der wird alles besser. Der Weg von Eintracht Frankfurt, liebe Leute, führt aber nur in eine Richtung. Kann man sehen, seit Monaten schon. Diese Truppe muss viel, sehr viel Pizza essen um überhaupt in die Nähe einer Trendwende, ach, eines Talfahrt-Stopps zu kommen.

SV Sandhausen – die werden jetzt im Pokal erstmal so richtig weg-souveräniert. 1:0 nach Elfmeterschießen wird man sie niederringen. Parole: Überwintern. Gegen Hoffenheim fängt man sich dann nochmal geschmeidig drei Gegentore, gurkt eines in des Gegners Netz und wird mit zuckenden Schultern auch die nächste Niederlage mit Pech, Psyche und Co. erklären.

Schöne Woche!

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

2 Antworten zu “Frankfurter Fußballversuche

  1. Herr Schnitzelmann

    da hilft nur der Zynismus gepaart mit sarkastischen Spitzen, anders erträgt man es derzeit, als Fan der SGE, doch überhaupt nicht…

  2. Simme

    Hast leider mal wieder brutal recht,Björn.
    Bin gleich mal auf Interviews gespannt. Wenn da als Grund für die heutige erneute Bankrotterklärung vorrangig die Schiedsrichterleistung angeführt wird,kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s